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Foto nordische Landschaft

27. März 2009

Licht aus! Morgen ist »Earth Hour«

Am Samstag, 28. März 2009, um 20.30 Uhr Ortszeit gehen die Lichter aus – dank der »Earth Hour«, einer vom WWF vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Aktion.

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Sie begann 2007 in Sydney als Signal für den globalen Klimaschutz. Im Jahr 2008 nahmen bereits 50 Millionen Menschen in 371 Städten in 35 Ländern teil und die »Earth Hour« wurde zu einer weltweiten Bewegung, die fast stündlich wächst.

Das Ziel der »Earth Hour« 2009 ist es, dass sich mehr als eine Milliarde Menschen in mehr als Tausend Städten der Welt beteiligen. Die Teilnehmer an der bis dato größten Aktion für das Weltklima setzen damit ein deutliches Zeichen gegen den Klimawandel und für die Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009.

Die Liste der Städte, die ihre Teilnahme an der Earth Hour 2009 bereits bestätigt haben, umfasst bis jetzt mehr als 1.500 Städte in 80 Ländern. Darunter sind natürlich Kopenhagen, aber auch Helsinki, London, Paris, Peking, Rom, Moskau, Los Angeles, Rio de Janeiro, Hongkong, Dubai, Singapur; Athen, Buenos Aires, Toronto, Sydney, Mexiko City, Istanbul, Manila, Las Vegas, Brüssel und Kapstadt.

Abgeschaltet werden auch die Lichter von bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm in Paris, der Christusstatue in Rio de Janeiro, der Alhambra in Granada, dem Opernhaus von Sydney, den Pyramiden von Gizeh, der Akropolis in Athen oder den Petronas-Türme in Kuala Lumpur. In Helsinki sollen die Lichter u.a. im Finnlandia-Haus erlöschen.

Die »Earth Hour« 2009 beginnt am 28. März 2009 um genau 20.30 Uhr auf den neuseeländischen Chatham Inseln und bewegt sich dann im Laufe des Tages entsprechend der Zeitverschiebung über den gesamten Planeten. Den Schlusspunkt setzt Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada: Dort werden mehreren großen Spielcasinos die Lichter ausgeknipst.

In Deutschland beteiligt sich (bisher) Hamburg als einzige deutsche Stadt an der Aktion: An diesem Tag werden rund um die Binnenalster und das Rathaus für eine Stunde die meisten Lichter gelöscht.
Also gilt »Selbst ist der Bundesbürger«: Mach mit und schalte Deine Lichter am 28. März von 20.30 bis 21.30 Uhr aus!

Mehr auf der offiziellen Website.

13. März 2009

MEDEIA: Metalband mit Tanzvideo (Teil II)

Medeia plauderten am 8. März über die Vorteile von Nightlinern, über Immortal, finnischen Schlager – und verwöhnte Deutsche. Den ersten Teil des Interviews findet ihr hier – nun folgt Teil Zwei:


Spaß mit Immortal – und Michael Jackson

Zurück zur Tour:  Welche Musik läuft im Tourbus?
Keijo: …wenn unsere Anlage nicht gerade kaputt ist, komischerweise ist die häufiger kaputt…
Samuli K.: Toto…
Janne (grinst): …Phil Collins…
Samuli P. (lachend): …Scorpions »Wind Of Change«…

…oh Jungs, das kann ich nicht schreiben…
Samuli P.: …okei, schreib: Nur Metal. Black Metal.
Alle durcheinander: In einer Nacht haben wir stundenlang 80er Metal gehört…

Black Metal ist ein gutes Stichwort: Euer erstes Video »Cold Embrace«…
Keijo: …ist ein Immortal-Tribut.

Es erinnert mich an…
Samuli P.
: »Call Of The Wintermoon«
Keijo: Ja, das war unsere Inspiration. Und es hat uns richtig Spaß gemacht, es zu drehen.
Samuli P. (grinsend): Und wir hatten ein gutes Timing: Bei den Aufnahmen vor der Kirche war drinnen gerade ne Messe, dann kam eine alte Dame mit einem Horn raus, die fing dann an zuzuschauen und zu tanzen. Aber die Auswahl war schwierig: Wir hatten drei Stunden Material.

…und wer von euch hört Immortal?
Samuli P.
: Wir alle.
Samuli K.: Ich nicht.
(Pause)
Samuli P.
: Aber wir hören Musik aus fast allen Genres.

Gibt’s auch eine Richtung die ihr nicht mögt?
Janne (wie aus der Pistole geschossen):
Finnischen Schlager.
Samuli P.: Finnischen Rap und Hip Hop. Also ich meine: mit finnischen Texten.

…da fällt mir so spontan nichts dazu ein
Samuli P
.: Gut so. Bleib bloß weg davon!

Sprechen wir über das zweite Video »Descension«: Wie kamt ihr auf diese Idee?
Alle reden durcheinander
: Die Idee kam auf Tour. (AdR: …was habt ihr denn da nur im Bus gehört?) Irgendeiner meinte: »Hei, lass uns ein Tanzvideo machen!«
Keijo: hei, und: Wie viele Metalbands haben je ein Tanzvideo gemacht?!

Und wieso im Stil von Michael Jacksons »Bad«?
Keijo (feixend):
»Marketingtrick!«
(Wieder alle durcheinander): Die Fullsteam Jungs meinten auch, das erinnert an »Bad«. Aber das war gar nicht unsere Idee. (Pause)
Samuli P.
: Wir hatten ja auch nicht viel Kohle…
Samuli K.: …und wollten/konnten keinen Drehort mieten.
Samuli P.: Wobei das auch was hätte, eine coole Location mieten
(Alle verlieren sich in wilden Visionen über zukünftige Videos und Locations.)

»Ich kann einfach nicht nein sagen«

Sprechen wir über euer Debüt: Werdet ihr  euer erstes Album wieder veröffentlichen?
Samuli P.:
Nein. Wir hatten damals noch einen anderen Sänger und das passt jetzt nicht mehr zu uns.
Keijo
: Ich mag das Album!
Der Rest: Wir auch!
Samuli P.: …aber wir sind jetzt die »neuen« Medeia. Wir haben auch mit Keijo viel häufiger zusammen getourt, als mit Teemu (AdR: Teemu Karjalainen). Wir waren damals eigentlich noch im Entstehungsprozess.

…und wie kam Keijo dazu?
Samuli K.
: Der erste Sänger verließ uns.
Keijo (deutet auf Samuli K.): …wir kannten uns schon von der Schule…
Samuli K.: …und tourten dann zusammen, als Vorband von Rotten Sound. Da sagte Teemu, er gehe.
Keijo (grinsend): …und ich war da! (lacht:) …und ich kann einfach nicht nein sagen.

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11. März 2009

MEDEIA: Metalband mit Tanzvideo (Teil I)

»Wie viele Metalbands haben je ein Tanzvideo gemacht?!«


Medeia sind auf Europatour mit The Ocean, Burst und Bison B.C. Als eröffnende Band haben sie bereits ab 21 Uhr frei – und am 8. März in Karlsruhe Zeit für ein Interview. Sänger Keijo und Bassist Samuli Kuusinen beantworten ganz entspannt zwischen Speis und Trank die ersten Fragen, kurz darauf stoßen auch Gitarrist Samuli Peltola und Schlagzeuger Janne Putkisaari dazu. Die Finnen plaudern über die Vorteile von Nightlinern, über Immortal, finnischen Schlager – und verwöhnte Deutsche.

Medeia: Zum ersten Mal außerhalb Finnlands

Ihr macht eure Interviews freiwillig nach der Show? Da wollen die Bands doch normalerweise nur noch trinken und feiern…
Keijo (grinst): Ach, als zuerst spielende Band ist das kein Problem; heute waren wir ja wirklich früh dran…
Samuli K.: …ja, in Italien haben wir mal erst um 22 Uhr angefangen…
Keijo: …also haben wir noch jede Menge Zeit. Und wir sind mit Nightlinern unterwegs, das ist alles wirklich so entspannt…
Samuli K.: Ja, es ist großartig nicht selbst fahren zu müssen: Heute wären das 850 km gewesen, von Brescia an der italienischen Ostküste bis hierher.
Keijo: Und das hier (wedelt mit der noch vollen Flasche) ist übrigens mein erster Drink heute.

…das ist aber nicht sehr finnisch
Keijo (grinsend): Ich bin ja auch Halbschwede.

Wie kamt ihr als Metalband zum Fullsteam-Label? Dort sind ja eher (Indie)Rockbands wie Lapko oder Rubik
Keijo: Wir wollten ein finnisches Label. Und Fullsteam hat ja auch eine Booking Agentur, dort ist meine andere Band: Rotten Sound, also… (Pause)
Wir finden es gut, über ein Indie-Label zu veröffentlichen. Zudem haben Fullsteam gute Kontakte ins Ausland, zu Promo-Agenturen, und so weiter. (grinst) Und jetzt hoffen wir, dass sich bald auch ein deutsches Label für uns interessiert


Keijo, du singst in zwei Bands – gab’s da schon mal Terminprobleme?

Keijo: Nein, wir haben ja die gleiche Booking Agentur für beide Bands, so kann ich ja alle Termine überblicken. Und natürlich achtet auch die Agentur darauf, dass sich nichts überschneidet. Außerdem haben ein paar von uns Familie…
Samuli K.: …ich habe zwei Kinder…
Keijo: … also können wir gar nicht so viel und so lange am Stück touren.

Das ist ja eure erste Tour in Deutschland…
Keijo: Das ist überhaupt unsere erste Tour außerhalb Finnlands!

…und wie kamt ihr an diese doch recht große erste Tour?
Keijo: The Ocean war mal mit Rotten Sound auf Tour, ich hab dann Robin (AdR: Gitarrist Robin Staps) kontaktiert und gefragt wie’s mit einer Tour wäre – und er meint »why not«. Aber wir hatten natürlich auch Glück…
Samuli K.: …sie haben gerade nach einer Band für die Tour gesucht.

Und, seid ihr zufrieden?
Samuli K.: Mehr als zufrieden!
Keijo: Ich hatte ja überhaupt keine Erwartungen (grinst) um nicht enttäuscht zu werden, aber ich bin so positiv überrascht! Meistens waren mehr als hundert Leute da. Selbst wenn wir die ersten Takte vor 20 Leuten angefangen spielten….
Samuli K.: …strömten kurz drauf die Leute rein.

Wie ist die Stimmung unter den Bands?
Keijo: Die Kanadier (AdR: Bison B.C. …mit Medeia Shirts, siehe Foto) sind super! Die Stimmung ist gut,…
Samuli K.: … die Schweden sind nett und höflich
(AdR: das ist ja schon klischeehaft) und die Ocean Jungs sind auch nett.
Keijo und Samuli K. vereint: Es ist eine perfekte Tour!
Keijo: Es hätte nicht besser anfangen können.


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08. März 2009

Eigenwillig und innovativ: Das Fonal-Label

Große Freude letztens beim Öffnen des Briefkastens: Ein kleines Päckchen von Fonal Records kommt zwischen Rechnungen und Werbezetteln für die grottenschlechte Pizzeria gegenüber zum Vorschein. Mit den beiden aktuellen Veröffentlichungen des Hauses zum Besprechen für »Nordische Musik«. Noch größere Freude beim ersten Hereinhören in Ristos zweites Album »SÄHKÖHÄIRÖÖN«: Das Quartett ist seiner anarchischen Rocklust treu gelieben und wütet mit respektloser Brachialkraft. Shogun Kunitoki sind ein Neuzugang im Fonal-Universum: Die Band aus Helsinki versöhnt auf sehr eigenwillige Weise aktuelle Electronics mit Progressive-Rock-Elementen.

Eigentümlich. Überraschend. Das sind schon einmal zwei Adjektive, um zu beschreiben, was Fonal Records und der Mann dahinter, nämlich Mastermind Sami Sanpäkkilä, in den letzten Jahren mit ihren Bands aufgebaut hat. Fonal ist heute eines der interessantesten skandinavischen Labels überhaupt. Wie es die Fama wissen will, betreibt Sanpäkkilä sein Label vom heimischen Wohnimmer aus und spannt gerne Familienmitglieder zum Verpacken und Versenden der CD-Bestellungen ein. Die Familie wird es wohl auch sein, die jede einzelne Fonal-Veröffentlichung eine liebevoll gestaltete, jeweils individuelle Bauchschärpe aus Papier hüllt.

Fonal-Veröffentlichungen müssten eigentlich mit einem Warnhinweis auf dem Cover erscheinen. »Vorsicht, Ihre üblichen Hörgwohnheiten könnten aufs Äußerste herausgefordert werden«. Fonal-Bands wie Paavoharju (Foto),  Eleanoora Rosenholm, Isaja oder Lau Nau agieren zwar musikalisch auf recht unterschiedlichem Terrain. Gemeinsam ist ihnen aber die Unberechenbarkeit. Die Eigentümlichkeit. Die Experimentierlust. Und die Bereitschaft, ausgetretrene Pfade selbstbewusst zu verlassen und eigene Wege abseits der Hauptpfade zu gehen. Sich ins grüne Dickicht vorzuwagen, wo alle Gewissheiten schwinden. Im Ergebnis klingen die Veröffentlichungen dieser Bands auf so beunruhigende Weise überzeugend, dass Fonal-Platten von uns bereits mehrfach zur »CD des Monat« gewählt wurden.

Abseits des Mainstreams kommt zwischen den Kleinstadt-Metropolen Tampere und Pori ein eigenständiger Stil zur Blüte, der an keinem anderen Ort der Welt so vorstellbar wäre. In der scheinbaren Isolation entsteht der Freiraum, der nötig ist, um sich selbst zu definieren. Wobei Fonal ohne Sami Sanpäkkilä nicht vorstellbar ist: Mit traumwanderischer Sicherheit findet er die Bands, die genau in die Philosophie von Fonal passen. Denn auch das ist das eigentlich Erstaunliche: In all den Jahren seit der Gründung des Labels hat Sanpäkkilä sich noch keinen einzigen Fehlgriff in der Auswahl seiner Bands erlaubt.

28. Februar 2009

Zeitmaschine in die End-60er: The Horror The Horror

Der faröische Sänger Teitur hat mal im Interview mit Nordische Musik gesagt, dass man zu jedem Konzert in der geheimen Hoffnung geht, dass man dort vielleicht die beste Musik zu hören bekommt, der man jemals gelauscht hat. Recht hat er. Da ist immer diese gewisse Spannung, was einem erwartet. Wenn man eine Band vorher nicht kennt, kann man bei den einschlägigen Musikportalen von myspace über last.fm bis zum frisch gehypten Spotify in aktuelle Songs hereinhören und in den üblichen MP3-Blogs das eine oder andere herunterladen. Aber live ist immer anders.

The Horror The Horror also im Wiesbadener Schlachthof also. Retro-Rock aus Schweden. Nicht die schicke Mando-Diao-Variante, sondern die Unterabteilung grundgute fleißige Arbeiter in abgetragenen Jeans und ausgeleierten T-Shirts, die in Deutschland vom sympathischen Tapete-Label herausgebracht werden. Wer macht sich im einsetzenden Schneetreiben über glatte Straßen bloß zu einem solchen Konzert auf? Ganz einfach: Die Altrocker in der Lederjacke, die Hippie-Kids im löchrigen Pullover und die unheilbar Neugierigen.

Mit betontem Understatement kommen die fünf Schweden auf die Bühne und greifen nach ihren Instrumenten. Oh weia, wie sehen die denn aus? Drei der Herren so, als sei Woodstock gerade gestern abend zu Ende gegangen. Die restlichen beiden wie introvertierte Informatikstudenten. Sänger Mattias Axelsson hat die schlimmste Frisur, die ich seit Ende der 80er Jahre jemals bei einem Mann gesehen habe. Hat dessen  kleine Schwester mit der Nagelschere etwa diese Scheußlichkeit verbrochen? Autsch!

Genug. Genug. Denn The Horror The Horror sind ja nicht zum Posen, sondern zum Spielen da. Und wir geraten unversehens in eine Zeitmaschine Richtung End-60er. Als der melodiöse Hippierock seine Hochzeiten hatte. Plus, in einer Verbeugung vor der Neuzeit, einem guten Schuss Stroke´scher Kompromisslosigkeit. Ordentlich, ordentlich. Gut tanzbar. Schweißtreibend. Aber irgendwie … sehr wenig überraschend. Viel zu vertraut. Man überlegt die ganze Zeit, wo man das alles schon mal gehört hat und geht im Geiste die Albumtitel von Anfang der 70er durch. Diesen hemdsärmeligen Schrammelrock. Der macht nach wie vor Spaß. Aber er regt weder an noch auf. Und deshalb macht sich bald ein gewisses schales Gefühl breit.

Mattias Axelsson übt sich zwischendurch der Kunst des stechenden Starrens oder stürzt sich wie ein schmutzigblonder Kobold in die Menge. Und ganz zum Schluss küsst er den langmähnigrn Basser freundlichst auf den Mund. Das ist eine schöne Geste.

Und dann trollt man sich durch einen ausgewachsenen Schneesturm nach Hause und denkt, naja, war ja nicht schlecht. Aber auch nicht so richtig gut. Und denkt vielleicht schon daran, auf welches Konzert man als nächstes geht.

Heute abend zum Beispiel: zu Glasvegas in den Karlstorbahnhof nach Heidelberg. Wo schon weit im Vorfeld das Gerücht die Runde machen, dass die Schotten ihre Freunde von Oasis mit im Schlepptau haben. Lassen wir uns überraschen. Wie immer bei Konzerten.

 
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