21. Februar 2009
Mit Musik ist kein Geld mehr zu verdienen, na und?: Viola
Mit dem Verkauf von Tonträgern ist heute kein Geld mehr zu verdienen. Punkt. Dies gilt ganz besonders für Bands, die die a) bei keinem großen Label untergekommen sind, b) in einem kalten Land fernab der Zentren des Musikbusiness leben und c) über kein funktionierendes internationales Vertriebs- und Kontaktnetzwerk verfügen. Wie Viola zum Beispiel.
Das Duo aus Helsinki ist seit zehn Jahren mit seinem melodramatischem Elektropop unterwegs und hat mit »TEARCANDY« eine der Platten eingespielt, die in meiner persönlichen Bestenliste finnischer Popmusik seit Jahren einen der Spitzenplätze belegt. Hinzu kommt der überaus wichtige Sympathiebonus: Viola-Gitarrist Tommi Forsström ist ein sehr netter und intelligenter Mensch, der gleichzeitig auch die treibende Kraft hinter einem der interessantesten Indie-Labels Helsinkis ist, nämlich If Society. Und Tommi macht sich im Label-Blog seit längerem seine Gedanken über die Zukunft der Indiemusik. Die trotz aller Long-Tail-Theorien und damit der Macht der Nischenwirtschaft den Musikern keine ökonomische Lebensgrundlage geben wird.
So ist es nur ein folgerichtiger Schritt, dass Viola die logische Schlussfolgerung ziehen. »Always giving up in style«, wie sie es ironisch nennen. Sie verabschieden sich auf ihrer eigens angelegten neuen Homepage vom Konzept des bezahlten Tonträgers. Und wählen nicht die Radiohead-Hintertür, dass die Käufer eben spenden können – so viel, wie ihnen die Platte wert ist. Umsonst heißt hier umsonst.
From now on everything we do will be free.
Everything we’ve made in the past is free as well.
Starting April 1st 2009, we’ll be releasing 1 song each and every month on this site. At midnight on the 1st of the month. They’ll all be in digital format only and completely free.
That’s it. We hope fans of physical records are not too disappointed. Those things just weren’t making any more sense.
This way all the walls between us and you are down. No more waiting around. No more “promo period” or having to deal with distribution. Straight from our hearts to yours.
Sind wir also, um mit Don McLean zu sprechen, an dem Tag angelangt, an dem die Musik starb? Überhaupt nicht! Denn wer das Glück eines einigermaßen einträglichen Brotjobs hat, der kann sich den Luxus leisten, seine Musik zu verschenken, die er im Nebenberuf einspielt. Weil eben das Herz an der Sache hängt. Genau diese Entwicklung wird die Musikbranche vielleicht mehr verändern, als wir es uns heute vorstellen können. Denn Geld gibts hier keines mehr zu verdienen. Musik wird in den kommenden Jahren sehr viel mehr von den Leuten gemacht werden, die die Musik lieben. Oder um es mit den Worten des deutschen Indiepopmusikers Dirk Darmstädter zu sagen: Der Anteil der echten Arschlöcher im Geschäft wird abnehmen, weil man damit nicht mehr reich werden kann.
Viola sind höchst aktiv, höchst lebendig und höchst präsent. In ihrem physischen Outlet, dem Plattenladen Pitkämies im Helsinkier In-Viertel Kallio gelegen, wo sie regelmäßig lebhaft besuchte Konzerte befreundeter Bands veranstalten.
Als Labelbetreiber (und wer weiß, wann sie sich von diesem Konzept verabschieden und neue Wege gehen.) Und als Band, was Tommi Forsström jüngst den »glücklichsten Tag seines Lebens« bescherte: Die Ankündigung, dass Viola Ende April als Vorband beim historisch ersten Konzert von The Notwist in Finnland spielen werden. Alles, was in der finnischen Indieszene Beine hat, wird zu diesem Gig ins Tavastia in Helsinki pilgern. Sieht so der Tod der Musik aus?











