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Foto nordische Landschaft

31. Januar 2009

Was steht an 2009/3? Samae Koskinen

Dass das Finnische ein völlig pop-fernes Idiom ist, das stimmt einfach nicht. Der beste Gegenbeweis: Samae Koskinen, der in diesen Tagen sein zweites Soloalbum vorlegt. Hatte der Mann mit der überzeugendsten Nuschelstimme nördlich von Helsinki auf dem Vorgänger »VOL. 1« noch die Gedichte bekannter finnischer Lyriker vertont, ist er auf dem Zweitling »ELOSSA« (lebendig!) sein eigener Dichter. Und einen roten Faden gibt es auch auf »ELOSSA« : Vom Konzept handelt es sich hier um ein Episodenalbum. Momentaufnahmen aus dem ganz normalen Alltag, Begegnungen, kleine Glanzlichter, tragische Episoden. Das Verstreichen der Zeit, das Altern, verpasste Gelegenheiten und das Wüten und das Wehren und das Akzeptieren. Lebendigsein eben. Und vor allem eins: Immer weitermachen, wie es im vielleicht schönsten Song »Kaiken Pit Aika Jatkua« sonderbar tröstlich anklingt.

Samae Koskinen, sonst auch als Mastermind bei den wunderbar eigentümlichen Nekropoppern Sister Flo aktiv, macht auf »ELOSSA« die Tür ganz weit auf und lässt alles herein, was er gut gebrauchen kann: 70er-Disco, Beach-Boys-Harmonien, 60ies-Folkpop, eine gute Portion Progressive Rock, Tanzmusik, ein wenig Kitsch, ein wenig Pathos und viele große Gefühle. Und zwischendurch rockt er leidenschaftlich und selbstironisch los. Tanzen kann Samae zwar schlecht, eher lächelnd tappsen, aber genau darum geht es hier.

Wer also seltsam sehnsüchtig ziehende Gefühle in Herz und Hirn spüren möchte, die sich gleichermaßen aus Fröhlichkeit und Traurigkeit speisen, kann sich dieser Tage noch das gesamte Album im Stream auf Samae Koskinens myspace-Seite anhören.

25. Januar 2009

Was steht an 2009/2? Cats On Fire

Dass die wahren Erben der Smiths in Turku leben und Finnlandschweden sind, muss sich noch ein bisschen in der Welt herumsprechen. Schade, schade, denn Cats on Fire sind solch wunderbar blasse, dandyhafte, feinsinnige und elegante Verlierer, dass selbst Meister Morrissey nur anerkennend aus seiner einsamen Ecke auf der Party herübernicken könnte. Und von wegen Trübsaal, nichts da! Denn Sänger und Mastermind Mattias Björkas sieht zwar auf den ersten Blick wie ein ungelenker Schöngeist aus, der zu viel Geld für elegante Seidenhalstücher ausgibt, aber der Mann ist gleichzeitig ein temperamentvoller Popheld, der seine Gitarre gehörig das Funkeln lehrt.

Der erste Longplayer »THE PROVINCE COMPLAINS« war eine meiner Lieblingsplatten 2007.  Wunderbarerweise waren die Cats in diesem Frühjahr auf einer kleinen Deutschland-Tour. Denn das inspirierende und und temperamentvolle Konzert in Dresden steht in der Liste der persönlichen »Allzeit-besten-Gigs« immer noch weit vorne. Das fand auch Meister Mattias, der den Dresden-Auftritt im Band- Blog auf uncharakteristisch euphorische Weise so beschrieb:

And I sincerely doubt that we’ve ever played a better concert. Not many people could have heard us before and I felt that the audience simply started to like us during the show. I was deeply touched by the overwhelming response we got towards the end of the show. We played a very long set by our standards, with double encores, and it was all pure joy for me.

In diesem Frühjahr, genauer gesagt: Am 11. März!,  gibt es nun endlich ein neues, ein zweites Album von Cats On Fire, das – wie zu erwarten war – wieder einen sehr eigenwilligen Titel trägt: »OUR TEMPERANCE MOVEMENT«. Einen ersten Song mit dem Titel »Horoscope« gibt es bereits auf der myspace-Seite zu hören. Hört sich schon wieder wunderbar nach »schöner Scheitern« an.

11. Januar 2009

Traumland zu retten: Andri Snær Magnason und Björk

Lange bevor die Finanzkrise den kleinen Inselstaat Island an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte, hat es an warnenden Stimmen gegen die ungezügelte Variante des Turbo-Kapitalismus der Banken und gegen den Ausverkauf der Natur an international agierende Aluminiumkonzerne nicht gemangelt. Der Autor Andri Snær Magnason hat mit seinem Buch »Dreamland – A Self Help Manual For A Frightened Nation« bereits 2006 einen unerwarteten Bestseller verfasst. Ein sehr persönlich geschriebenes Sachbuch, das vor allem Fragen stellt. Scheinbar naive Fragen. Fragen, die den herrschenden wirtschaftlichen Konsens in Frage stellen. Und der lautet so: Es geht uns wirtschaftlich gut in Island – aber wie lange noch? Wir brauchen neue Säulen für unsere Wirtschaft. Und das können nur die Aluminiumkonzerne sein, die zur Produktion auf billige Energie angewiesen sind. Und die haben wir doch auf Island bis zum Abwinken, oder? Leider ist das Buch bislang nur ins Englische übersetzt.

Andri Snær fragt nach: Warum können wir Isländer nicht glauben, dass unsere eigene Findigkeit und Kreativität, unser reiches kulturelles Erbe und vor allem unsere  einzigartige Natur die Schlüssel dafür sind, um die künftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung voranzutreiben? Warum denken wir, dass wir nur mit Hilfe großer multinationaler Konzerne als Nation überleben können? Warum können wir nicht glauben, dass es mehr als EINE Möglichkeit gibt? Warum vertrauen wir nicht darauf, dass wir mit Hilfe vieler einzelner Initiativen und Projekte eine gemeinsam Kraft entwickeln können, die uns wirklich weiterbringt?

Andri Snær hat sich Freunde und Unterstützer für seinen Kampf gegen die Zerstörung des ökologisch sensiblen isländischen Hochlands gesucht, und die prominenteste Mitstreiterin ist Björk, die auch das Vorwort zu »Dreamland« geschrieben hat. Und die gemeinsam mit Sigur Rós Ende Juni des vergangenen Jahres Headliner des Náttúra-Konzerts in Reykjavik war: Ein Umsonst- und Draußen-Event, durch das auf den drohenden Verlust wichtiger Teile der bis heute weitgehend unberührten Natur aufmerksam gemacht wurde. Björk hat zu dem Konzert geschrieben:

Too often battles being fought for nature turn into something negative and into mudslinging. We will not go that way, we are not saying that this and that is forbidden, we are rather asking ‘what about all these other possibilities?‘ The 21st century is not going to be another oil century but rather a century where we need to recycle, think green and design both power plants and our surroundings in harmony with nature.”

Die Zusammenarbeit zwischen Andri Snær und Björk geht inzwischen weiter: Der Schriftsteller hat einen Film zum Thema gedreht und Björk ist wie selbstverständlich mit dabei. Hier der berührende Trailer zu Dreamland.

06. Januar 2009

Pippi Langstrumpf, erwachsen: Miss Li

Das neue Jahr hat mit allerlei Trübsinn angefangen. Weltuntergangsszenarien, pessimistischen Ausblicken und allerlei mahnenden Worten, wir mögen uns bitte auf schwere Zeiten einstellen.  Wir mögen uns bitte ganz klein machen und am besten die Klappe halten und betreten zu Boden blicken.

Was der Welt Anfang 2009 fehlt, ist ein großes Quantum Trost – und nicht die Sorte, die Herr Bond zu bieten hat. Sondern Föhlichkeit, Übermut und Spaß. Und da kann uns Miss Li aus Schweden bestens weiterhelfen.

Denn wenn Pippi Langstrumpf heute erwachsen wäre. Und die Männer, die Musik und die anarchischen Freuden kleiner Gemeinheiten entdeckt hätte, dann könnte sie heute heute Linda Carlsson alias Miss Li heißen. Vielleicht sogar Annika den Boyfriend ausspannen, aber Annika dürfte nicht schmollen. Der Kerl passt sowieso besser zu Linda und der kann man nicht lange böse sein bei diesen Kulleraugen.

Linda Carlsson hat in ihrem Leben bereits Oper, Musical, Jazz, Soul, Pop, Electro, Blues, Rock und Heavy Metal gesungen, und all diese disparaten Elemente finden sich heute in ihrer Musik wieder. Plus einem gehörigen Schuss aus Kabarett, Swing und Balkanexpress. Das Ergebnis klingt wie Kirmesmusik, wie liebe-böse Mädchenmusik, wie Tanzmusik. Ist rotzfrech und macht unwiderstehlich gute Laune. Miss Li hinter ihrem Klavier ist ein Entertainerin von hohen Gnaden und exzessivem Temperament. Unterstützt wird die Sängerin von einer famosen Männerkapelle, die sich live um die Sängerin schmiegt wie ein angewärmter Bademantel.

Mit dem mitreißenden Konzert in Ludwigshafen kurz vor Weihnachten gabs Ende vergangenen Jahres einen Teil der Geschenke schon vor der eigentlichen Bescherung. Strahlende Gesichter bei den Teeniemädels und angegrauten Swingonkels im Publikum gleichermaßen. Einer der schönsten Songs, nämlich »Why Don´t You Love Me?« stellt natürlich nur eine rhetorische Frage. Diese Frau muss man lieben.

18. Dezember 2008

An Weihnachten liegt Finnland in Stuttgart


Alle Jahre wieder kommt ein Stück Finnland auf den Stuttgarter Karlsplatz, organisiert von »Kalevala Spirit«. Das schon zu einer Tradition gewordene finnische Weihnachtsdorf offeriert in seinen roten Holzhäuschen nicht nur finnische Mitbringsel, sondern auch eine etwas andere kulinarische Palette: Diese reicht von pervers (»schwäbisch-finnische Maultaschen«) bis traditionell (Elchfrikadellen).

Kesselkaffee und heißen Preiselbeersaft gibt’s schon für einen Euro, die Rentieralternative zur klassischen Bratwurst für fünf Euro und wer etwas ganz Besonderes will, der greift noch tiefer in die Tasche und investiert neun Euro in den Flammlachs.


Absolutes Muss: Glögi, der finnische Beerenglühwein – eine wohltuende Alternative zu dem (meist) klebrig-süßen deutschen Gegenstück. Was auch immer der Besucher genießt: Am stimmungsvollsten kann er dies auf mit Rentierfell belegten Bänken in der Samenkota mit Lagerfeuer.

Endspurt, auf geht’s: Noch bis zum 22. Dezember steht das Dorf. Geöffnet ist es Montag bis Samstag von 10 bis 21 Uhr, sonntags von 11 bis 21 Uhr.

 
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