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Foto nordische Landschaft

06. Oktober 2013

Ist der Poser ein Auslaufmodell? Reeperbahnfestival 2013

Publikumszuspruch ist eine launische Freundin. Popularität im Zeitalter kurzer Aufmerksamkeitsspannen sowieso. Ob sich dem Glück auf die Sprünge helfen lässt, wenn sich drei Halberfolgreiche zusammentun? Im Fall von Viktor & The Blood ist es zu bezweifeln. Viktor Norén, der kleine Bruder von Mando Diaos Gustaf Norén, ist mit seiner Band Sugarplum Fairy nie über den Status eines gehobenen Teenieschwarms hinausgekommen. Obwohl die Sugerplums durchaus hoffnungsvolle Ansätze zeigten, konnten sie nie die Durchschlagswirkung des großen Bruders erreichen. Von Viktor Norén hatte man zuletzt vor Jahren gehört, als er in einem Film über das Leben von Uschi Obermaier die Rolle von Mick Jagger übernahm. Dicke Lippe und so! Viktor Norén will es jetzt noch einmal wissen, hat mit einem alten Sugerplum-Mitstreiter und Samuel Giers, dem ehemaligen Schlagzeuger von Mando Diao, ein Trio gegründet. Man zwängt sich in stylishe schwarze Anzüge, gibt die schicken Rock´n´Roll-Dandies und pflegt ausgiebiges Posen, theatralisches Winden ums Mikrophon inklusive. Die Darbietung auf dem Reeperbahn Festival (im altehrwürdigen Indra-Club, wo schon die Beatles spielten!), beleidigt das junge weibliche Auge keineswegs. Musikalisch werden allerdings nur Klischees geboten. Ist der Poser also ein Auslaufmodell? Man kann es nur vermuten. Warner Music sieht das allerdings etwas anders und hat die mittlerweile mittelalten Schönmenschen unter Vertrag genommen.

Viktor and the blood – Kicks out on a saturday night from Ellen Kugelberg on Vimeo.

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03. Oktober 2013

Die Dänen sind die neuen Isländer: Reeperbahnfestival 2013

Dass die Dänen inzwischen isländischer klingen als die Isländer selbst, ist eine der Entdeckungen, die es auf dem Reeperbahnfestival 2013 zu machen gilt. Flod kommen bei ihrem ersten Deutschland-Konzert auf dem Hamburger Spielbudenplatz nicht – wie es zu erwarten war – zu viert auf die Bühne, sondern nähern sich fast dem Dutzend an. Verstärken sich mit jeder Menge Blasinstrumente und Streichern und schaffen es, in der überaus quirligen Festivalatmosphäre eine feierliche, geradezu kontemplative Stimmung zu erzeugen. Nehmen sich alle Zeit der Welt, um ihren orchestralen Postrock zu entwickeln, der gleichwohl leichtfüßig auftritt und meistens ohne Worte auskommt. Man und frau trägt dazu konsequent schwarz und weiß. Wie ein protestantischer Kirchenchor. Und so überraschend das klingt: Es wird einem dabei andächtig ums Herz. Die jungen Dänen kommen scheinbar aus dem Nichts. Hängen die Latte an diesem Abend bereits sehr hoch. Die Streicher schleichen sich ins Herz. Künftige Konkurrenz für Sigur Rós? Oder Ólafur Arnalds? Könnte sein, könnte sein. Das tastende, experimentell ausufernde Piano-Epos »Lumi« jedenfalls trifft mitten ins Herz.

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29. September 2013

Gentrifizierung Go Home: Reeperbahnfestival 2013

Eigentlich soll bei der 2013er-Ausgabe des Reeperbahn Festivals die Musik im Mittelpunkt stehen, aber so ganz will das nicht gelingen. Dem traditionsreichen Rockclub Molotow ist zum kommenden Frühjahr gekündigt worden. Ein Investor mit dem schönen Namen Bayerische Hausbau will die zugegebenermaßen alles andere als schönen Häuser am Spielbudenplatz abreißen und deutlich größere Neubauten errichten. Die früheren Mieter können zwar an ihre angestammten Standorte zurückkehren – aber die Mietkonditionen werden neu verhandelt. Betroffen sind auch die kleineren Musikbars Planet Pauli und Hörsaal. Der Pauli-Kiez also im Umbruch. Am Festival-Samstag gibt es sogar eine rege besuchte Demo für bezahlbaren Wohnraum in Hamburg, begleitet von einem Großaufgebot martialisch ausgerüstester Polizisten. Diese Geschichte ist noch lange nicht ausgestanden! Und mit einem fast nostalgischen Gefühl drängt man sich am ersten Festivalabend in die völlig überberfüllte Molotow Bar, wo die zurückhaltenden Norweger Dråpe bei ihrem zweiten deutschen Gig auf Tuchfühlung mit dem Publikum gehen und live erstaunlich handfest daherkommen. Diese psychedelische Dahintreiberei hat deutliche Erdenschwere will mitunter mit Macht überwältigen. Die Stimme von Hanne Olsen Solem klingt sehr erwachsen, ganz im Gegensatz zur äußeren Erscheinung der fünf Osloer, die teils so aussehen, als hätten sie erst vor zwei Tagen das Abitur bestanden. Darauf pfeifen sie im schönen Video zum Song »We Want The World«, der von souveräner Schlunzigkeit ist. Und passen somit bestens in das noch nicht gentrifizierte Umfeld. Erstes Album erscheint demnächst, bitte wiederkommen!

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15. September 2013

Golden Leaves Festival: Lass uns zusammenrücken, Baby!

Des Open-Air-Veranstalters Alptraum: Regen und Kälte! Des Open-Air-Veranstalters Grauen: Berliner Bands, die die Entfernung zwischen Hauptstadt und Darmstadt gar zu optimistisch einschätzen, um 17 Uhr spielen sollen und kurz vor 16 Uhr noch nicht in der Nähe des Bessunger Forstes gesichtet werden. Ganz so schlimm kommt es zwar nicht am zweiten Tag des Golden Leaves Festivals, aber graue Wolken, vereinzelte Tropfen und Temperaturen an der Fröstelgrenze lassen die Besucherschar doch sichtlich schwinden. Sei´s drum, kramen wir eben die dicken Pullover raus und zeigen uns flexibel, was die ursprüngliche Reihenfolge der auftretenden Musiker angeht. Und wärmen uns an den sanft-nachdenklichen Tönen von Mire Kay, die hier unerschrocken im Röckchen und bloßen Beinen der Kälte trotzen. Zwei Frauen, Victoria Skoglund und Emelie Molin. Eine Gitarre, ein Cello und zwei Stimmen, die sich kundig umwerben. Die Schwedinnen, einst die Köpfe hinter Audrey, zelebrieren auf sympathisch zurückhaltende Weise folkig-melancholische Kammerstückchen. Kommen ernsthaft, aber nie erdenschwer daher. Eher erwachsen und leicht desillusioniert, aber niemals! niemals! würden sie ihre Zärtlichkeit aufgeben. Lieber hängen sie klug vor sich hinflanierenden Gedanken nach und versuchen, den flüchtigen Moment festzuhalten. Und mitunter gelingt ihnen das, ganz simpel und bewusst zurückgenommen. Merke: Nachdenklichkeit ist die neue Coolness!

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10. September 2013

Golden Leaves Festival: Mit Skandinaviern allein im Wald

Quer durch den Wald zu einem Festival zu radeln, das ist neu. Und wunderbar! Denn die Menschen hinter der Darmstädter Bedroomdisco haben sich in diesem September für ihr zweites Golden Leaves-Festival viel vorgenommen: Zwölf Bands an zwei Tagen auf zwei Bühnen! Ganz schön mutig für die emsige Truppe um Dominik Schmidt und seine Mitstreiter, die alles in Eigenregie und ohne finanzielle Interessen organisieren, frei nach ihrem Motto: »Spread Love For Great Music!« Ohne den Einsatz vieler freiwilliger Helfer würde das alles nicht funktionieren. Und natürlich auch nicht ohne die Bereitschaft der Bands, sich auf ein Risiko einzulassen: Das Festival funktioniert nur durch Spenden, die einfachste Form der Werbung ist Mundpropaganda via Internet und der Ort des Festivals ist bis zuletzt unbekannt: Eine Jugendbildungstätte, mitten im Bessunger Forst gelegen. Informiert werden nur die Glücklichen, die es per Verlosung in die Gästeschar geschafft haben. Keine Frage, dass das Festival allein durch diese Form der Exklusivität binnen eines Tages »ausverkauft« ist. Also auf in den Wald!

Angenehm ruhig ist es dort in jugendherbergsähnlicher Atmosphäre, eingerahmt von ökologisch wertvollem Grünzeug. Charmant und liebevoll dekoriert das Gelände, mit goldenen Blättern, gefertigt in Laubsägearbeit, und die Cookies am Verpflegungsstand sind allesamt selbst gebacken. Eine entspannte Atmosphäre also, in der die Schweden von Yamon Yamon auf geradezu schüchterne Weise den Auftakt machen. So leise und samtpfötig aufspielend, als fürchteten sie, die Rehe im Wald zu verscheuchen. Sanftstimmig, verträumt und in perlende Gitarrenläufe verliebt. Und wer genau zuhört, kommt nicht umhin zu bemerken, dass die Songstrukturen sehr viel komplexer sind, als zunächst gedacht. Schön leise traurig kommen die Stockholmer daher, aber beleibe nicht larmoyant. Gut so!

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