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Foto nordische Landschaft

08. Januar 2012

Mein letztes Konzert 2011: Amorphis im Karlsruher Substage


Tatort: Das NEUE Substage, Karlsruhe
Tatverdächtige: Tomi Joutsen – die längsten Dreads im Metal-Business?
Tatzeit: Stuttgart mal zwei
Tat-Zeugen: 700 – von 1000 möglichen Besuchern

Einen perfekten Abschluss des Konzertjahres 2011 verdanken die Fans Amorphis – zumindest die 700 Zuschauer, die am 30. Dezember 2011 im Karlsruher Substage stehen.

Obwohl ich Amorphis unzählige Male, vor allem in Finnland, gesehen habe (Tuska, Ankkarock, Ruisrock, Summer Breeze), habe ich sie nur einmal als Headliner in einem Club gesehen:
1997 bin ich extra mit zwei Freunden nach Strasbourg gefahren; in der Laiterie stand damals noch Pasi Koskinen am Mikro. Die Band hatte gerade mal drei Alben sowie einige Mini-CDs veröffentlicht und spielte live einen Mix aus Death Metal plus Keyboard (»TALES OF THE THOUSAND LAKES«) und psychedelischem Death Metal mit Folkeinlagen (»ELEGY«). Lang lang ist’s her.

Schon seit 2005 ist der Mann mit den vielleicht längsten Dreads im Metal-Business Amorphis-Fronter: Tomi Joutsen. Kurz nach halb zehn betreten er und seine Jungs mit »The Song of the Sage« die Bühne. Joutsen (übrigens »Schwan« auf Deutsch) ist der perfekte Fronter, er sucht den Kontakt zum Publikum, heizt die Stimmung an und inszeniert mit ausgesucht Kopfschwüngen seine Dreads. Die Fans eifern ihm nach, schwingen ihre Mähnen zu den Songs, die zunächst vom aktuellen Album »THE BEGINNING OF TIME« stammen.

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01. Januar 2012

Die besten skandinavischen Gigs 2011

Wie jedes Jahr kommen wir bei Nordische Musik mit unseren besten Alben des Jahres nicht zu zeitnah zu Potte. Na und? Muss jeder seine Liste schon am 1. Dezember fertig ausformuliert haben? Pfui Blödsinn! Also sinne ich eben am ersten Tag des neuen Jahres über die besten skandinavischen Gigs von 2011 nach, lächle, sortiere, wäge ab und entscheide frei nach dem feinen Ratschlag der Berliner Bloggerkollegin Dörte Heilewelt, dass es genau die Konzerte sein werden, die sich so anfühlen, als seien sie gestern gewesen.

10. Raised Among Wolves beim Iceland Airwaves Festival, Reykjavik. Es gibt sie trotz aller Stereotypen, die Liebe auf den ersten Blick. Eine Handvoll junger Dänen, in Wo-Die-Wilden-Kerle-Wohnen-Kostüme gehüllt, die ihre eigene, sehr liebevolle Variante des Alice-Im-Wunderland-Pop spielen. Romantisch, hingebungsvoll, euphorisch, großäugig, geradezu feierlich. Mit der triumphierenden Trompete von Daniel Bonde. Hach, das könnte etwas werden!

9. Magenta Skycode beim Flow Festival in Helsinki. Die Band um Mastermind und Sänger Jori Sjöroos liebt das gepflegte Pathos und die große Geste. Funktioniert das am hellichten Nachmittag auf der Hauptbühne? Und wie! Große Herzschmerz-Hymnen brauchen keine nächtliche Schwärze, um zu glitzern wie dick aufgetragener Sternenstaub. Außerdem ist es großartig, die finnischen Freunde fast allesamt rundum versammelt zu haben und sich gemeinsam zu freuen. Man genießt und lächelt und fragt sich, wann Resteuropa endlich von dieser großartigen Band Notiz nehmen wird.

Magenta Skycode – Kipling music video from Flatlight Films on Vimeo.

8. Minä Ja Ville Ahonen auf dem Flow Festival in Helsinki. Das schrullige Debütalbum der merkwürdigen Finnen hatte sich unauffällig in mein Herz geschlichen wie eine Katze auf Mäusepirsch. Um so gespannter darauf, die Band endlich einmal live zu erleben und holla! Was für eine leidenschaftliche Orchestrierung großer Gefühle. Als stiller Waldschrat anfangen, als ausflippender Derwisch enden. Man schüttelte sich nach dem Konzert wie ein pitschnasser Hund und fragte sich: Was war das denn? Gut so!

Minä ja Ville Ahonen: Sano from samuli laine on Vimeo.

7. Team Me beim Reeperbahnfestival in Hamburg. Einfach wunderbar, wie diese Großgrupppe hochtalentierter norwegischer Jungspunde ein kreatives, sehr tanzbares Chaos aus sämtlichen Versatzstückchen der Popgeschichte veranstaltet! Euphorisierend und überraschend, blubbernd und steppend, fröhlich und übermütig. Sängerin Synne hüpft über die Bühne wie eine Hummel, die in ein Honigglas eingesperrt wurde. Unwiderstehlich! Im Januar kommt ihr Debütalbum »TO THE TREETOPS!« in Deutschland heraus, schon ein Grund, sich aufs neue Jahr zu freuen!

Team Me “Dear Sister” official music video from Propeller Recordings on Vimeo.

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04. Dezember 2011

Sivert Høyem live: Wärmende Musik für kalte Tage


Tatort: Luxor, Köln
Tatverdächtige: Sivert Høyem (Ex-Madrugada) und seine»Volunteers«
Tatzeit: Fast zwei Stunden
Tat-Zeugen: Kuschel-Rocker

Endlich hat Sivert Høyem das passende Lied zu seiner Musik geschrieben: »Warm Inside«. Den langen Winter in Norwegen fand ich dank dieser gefühlvollen Klänge und reichlich Kerzenlicht überhaupt nicht trist, sondern sehr gemütlich. Kerzen gibt es an diesem 21. November 2011 im Kölner Club Luxor zwar nicht, aber bei den ruhigeren Liedern natürlich angemessen gedämpftes Licht.

Sanfte Töne bestimmen zunächst auch das Konzert mit »Blown Away«, »Emotions« und eben »Warm Inside«. Besonders freut mich, dass er »Look Away Lucifer« spielt – ein Song seiner ehemaligen Band Madrugada und mein Lieblingslied auf dem letzten Album.

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02. Dezember 2011

Kvelertak: Haben auch das Karlsruher Substage fest im (Würge)griff


Tatort: Das NEUE Substage, Karlsruhe
Tatverdächtige: Kvelertak auf der ersten Headliner-Tour
Tatzeit: Stuttgart mal zwei
Tat-Zeugen: … endlich Langhaarige

Endlich haben Kvelertak ihre erste Headliner-Tour: Am 30. November 2011 legen sie einen Tourstopp im Karlsruher Substage ein. Endlich Schluss mit halbstündigen Auftritten, eingequetscht zwischen Metalcore/Hardcore/XYCore (Crapcore?)-Bands wie in Stuttgart.

Die Veranstalter nennen ihre Musik »Turbonegro goes Hardcore/Metal-Sound«, ich nenne es »frühe Satyricon treffen Hellacopters«. Entscheidet selbst – aber egal wofür, eins steht fest: Live sind Kvelertak eine Urgewalt.

Im Vorprogramm haben sie ihre Landsmänner Wolves Like Us (Rock), The Secret aus Italien (kurzfristiger Ersatz für Trap Them) und Toxic Holocaust aus den USA (Thrash Metal). Ich komme gerade rechtzeitig zu Letzteren, die soliden, aber unspektakulären Thrash spielen – mit so »kreativen« Titeln wie »War Is Hell«.

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01. Dezember 2011

Auf eine blaue Stunde mit Immanu El

Blau ist die Farbe der Romantik. Das wissen Immanu El ganz genau. Die Bühne im Offenbacher Hafen2 ist an diesem Abend in einem intensiven Dunkelblau ausgeleuchtet. Ein idealer Ausgangspunkt, um die Augen staunend zu öffnen und die Gedanken ziellos schweifen zu lassen. Sich mit den Schweden auf die Suche nach der blauen Blume zu machen. Nach der ultimativen Schönheit also, die sich tief im Wald versteckt hat und nur von dem gefunden wird, dessen Herz ohne Arg ist. Diese Gralssuche übt einen unwiderstehlichen Reiz aus, weil sie sich endlos hinzieht und das Unterwegssein das Ziel ist. Klingt abgehoben? Die Band um die Strängberg-Zwillinge Per und Claes, die sich weiträumig unter dem Banner des Postrock sammelt, hat für einen allzu ausgetüftelten ideologischen Überbau nur ein Achselzucken übrig. Sie wollen vor allem schwelgen und sich in schimmernden Sehnsuchtswelten verlieren.

Zwischen Immanu El und EF aus Göteborg gab es ganz zu Beginn noch einige personelle Überschneidungen, doch inzwischen geht man nach diversen Umbesetzungen völlig getrennte Wege. Hatten EF ihre »kleinen Brüder« zunächst noch lächelnd in die Popecke gestellt, so trifft das heute nur noch ein Drittel der Wahrheit. Immanu El verlieren sich mit Vorliebe in ausufernden Songstrukturen, die sich harmonisch ineinander verschlingen wie Kunststickereien, die aus vielen kleinen Fäden ein flüchtiges Aufblitzen von Harmonie ergeben, je nach Lichteinfall. Sanftheit ist der Monarch, der im Königreich der fünf Jungspunde regiert. Ein liebeskranes Piano leidet. Die Gitarren legen repetitiv ausgefeilte Harmonien darüber. Und wie Wolken am spätnachmittäglichen Herbsthimmel verlieren sich die sanft nuschelnde Stimmen der Gebrüder Strängberg darüber. Für die dieser Auftritt im wohlgefüllten Hafen2 ein besonderer ist: Zwillingsgeburtstag heute! Ein Ständchen für »dear Per and Claes« aus dem (weiblichen) Teil des Publikums rührt die beiden Blondschöpfe dann doch.

Sarkastisch aufgelegte Zeitgenossen mögen die Musik von Immanu El als grenzwertkitschig bewerten, denn die seufzende Hingabe an ein unbekanntes Wunderland oder ferne Idealwelten spielen für die Schweden eine zentrale Rolle. »IN PASSAGE« heißt ihr neues, feines Album, auf dem sie mit dem Boot hinaus in die blauen Wasser der Ozeane stechen, großäugig, in Erwartung herzzreißender Begegnungen mit allen Circen und Zauberern dieser Welt. Aber eigentlich kommt es nie zur Klimax, das lockende Vorspiel ist es, was die Schweden reizt. Das Sich-Ergeben und im sanftesten Mahlstrom hin in unbekannte, blaue Tiefen ziehen zu lassen von den lockenden Melusinen. Sie werden noch lange davon singen, in Songs, die in Schönheit dahinsinken, wie der hingebungsvollen Hymne »On Your Shoulders« oder dem fahnenflatternd romantischen »Skagerak«. Hach! Man ergibt sich, sinkt mit der Wange an die nächste einladende Schulter und schließt die Augen.

IMMANU EL NEW ALBUM ‘IN PASSAGE’ (VISUAL) from IMMANU EL on Vimeo.

(Foto: Per Möller)

 
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