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Foto nordische Landschaft

14. September 2009

Summer Breeze 2009, Samstag: …die Anwohner kommen

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Schattensuche.

Und täglich grüßt die Merchandising-Meile… (siehe Freitag) Einige Besucher sind mittlerweile angepisst davon, mehrmals täglich vom Eingang/Partyzelt den langen Weg an diversen Merchandising-Ständen vorbei bis zu den Openair-Bühnen laufen zu müssen.

…vielleicht wollten die Veranstalter durch die erzwungenen »Fußmärsche« jedoch nur einen gesunden Gegenpol zum Alkoholkonsum und absolut vielfältigen Essensangebot zu fairen Preisen setzen.

Samstag: Pain and Death

Doch noch liegen die meisten im Zelt – und werden wie ich von der Hitze und den »lieblichen« Klängen der französischen Death Metaler Benighted aufgeweckt. Das Konzept, die Bands abwechselnd auf den Hauptbühnen spielen zu lassen, damit man alle sehen kann, ist super. Aber muss man schon um 11 Uhr morgens damit anfangen? Bevor ich richtig wach werde, ist das Konzert auch schon vorbei.

Gespannt bin ich auf die finnische Combo Black Sun Aeon, die erst letztes Jahr gegründet wurde (AdR: …übrigens von Before The Dawn-Fronter Tuomas Saukkonen). Für die düstere Musik ist es aber eindeutig zu sonnig und zu früh. Außerdem sehen die drei Leutchen, die sich dazu kaum bewegen, auf der Bühne etwas verloren aus. Die sollte ich wohl besser mal bei einem Clubkonzert ansehen.

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13. September 2009

Summer Breeze 2009, Freitag: Keith Caputo im Hippie-Look

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Mittlerweile hat so mancher eine (unfreiwillige) Begegnung mit dem Schotter vor der Hauptbühne gemacht – dieser mag ja eine grandiose Idee im (nicht wirklich) eingetretenen Regen-Fall sein. Aber im häufiger vorgekommen tatsächlichen »Fall« hat das bei einigen zu spontaner Bekanntschaft mit den, wirklich sehr netten, Sanitätern geführt.

Ob der Besucher, der mit einem »Ich muss euch jetzt mal was sagen… Ihr seid einfach super!« einem etwas verdutzten Sani um den Hals gefallen ist, ebenfalls Schotter-Platzwunden behandeln lassen musste, werden wir wohl nie erfahren.

Abgesehen von der Verletzungsgefahr, steht sich auf dem Geröll nicht wirklich bequem – und glücklicherweise ist scheinbar (noch) niemand auf die Idee gekommen, die Steine zu werfen. Aber: Für das Summer Breeze 2010, denkt euch bitte etwas anderes aus.

Love and Peace

Musikalisch beginnt der Freitag (siehe auch Donnerstag) mit den polnischen Unsun (AdR: mit dem Ex-Vader Gitarristen Maurycy »Mauser« Stefanowicz), gefolgt von den deutschen The New Black, die aber beide ziemlich durchschnittlich sind. So bewegen sich die meisten erst zu den Klängen von Elvis’ »American Trilogy« Richtung Bühne. Das Lied kündigt The Cumshots an, die norwegischen »Death’n’Roller«. Die für ihre brutalen Shows berüchtigte Band hält sich diesmal zurück – vielleicht weil man in Deutschland ohnehin kaum noch jemanden schockieren kann? Dafür dankt Sänger Kristopher Schau wie gewohnt seiner Mutter für ihre Unterstützung – Hilfe und dafür, dass sie ihn geboren hat.
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12. September 2009

Summer Breeze 2009, Donnerstag: Hilfe, die Metaler kommen!


Was in Finnland längst zum Alltag gehört, wirkt in ländlichen Gegenden Bayerns (noch) erschreckend: Folglich werden Mitte August in Dinkelsbühl eigens zum Summer Breeze(!) Transparente mit religiösen Botschaften aufgehängt. Die Kirche hat wohl Angst um ihre Schäfchen, denn plötzlich wimmelt es in dem Dorf – pardon der großen Kreisstadt – von schwarz gekleideten, langhaarigen Gestalten mit »satanischen« T-Shirts. Irritiert bis misstrauisch beäugen die Bewohner das Geschehen.

Obwohl das Summer Breeze bereits zum vierten Mal in Dinkelsbühl stattfindet, können sich die Ansässigen anscheinend (noch) nicht mit dem Anblick der Metalfans anfreunden, die mit 25.000 Besuchern pro Tag die Einwohnerzahl des Örtchens weit überschreiten. Irgendjemand – ein Sozialpädagoge? – kam daher auf die Idee, den Dinkelsbühlern eine Führung über das Gelände anzubieten (siehe Samstag). Vermutlich um zu demonstrieren, dass »die« nur etwas anders aussehen, aber eigentlich ganz nett sind und nur feiern, trinken und Musik hören wollen – so ähnlich wie auf einem bayrischen Volksfest. …ob die Maßnahme erfolgreich war, wird sich zeigen.

Beim Summer Breeze 2009 spielen vom 12. bis 15. August auf zwei Openair-Bühnen (ohne Überschneidungen) und parallel dazu im Partyzelt 90 Bands, fast rund um die Uhr. Das »Pre-Summer Breeze« begann bereits am Mittwoch, 12. August, nachmittags im Partyzelt mit einem Newcomer-Wettbewerb, dessen Gewinner den Folgetag auf der »Pain Stage« eröffnen darf.  Für den Großteil der Besucher beginnt das Festival erst am Donnerstag, so auch für uns von nordische-musik.de, die der große Anteil nordischer Bands nach Bayern zog (AdR: Nach 12 Jahren(!)wieder auf einem deutschen Festival).

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10. September 2009

Joensuu 1685: Shining Brighter Than The Light

Im Frühherbst der Blick zurück in den Sommer. Weil dieses Album über die vergangenen Wochen hinweg eigensinnig den Weg ganz oben in den Stapel gefunden hat, wo die absolut wichtigsten Platten stets griffbereit für alle Lebenslagen liegen. Und immer wieder diesen einen Song hören: (You Shine) Brighter Than The Light und nicht genug davon bekommen.

Joensuu 1685 auf der kleinsten Bühne auf dem Ruisrock Festival in Turku. Drei späthippiehafte junge Männer mit Hinterwäldler-Ausstrahlung. Sie sind selbstbewusst genug, eines ihrer größten Asse zu Beginn auf den Tisch zu legen, gleich den Standard so hoch wie möglich zu setzen: joensuu3Eben mit (You Shine) Brighter Than The Light. Mit seinen süchtigmachenden, mantrahaft-eindrücklich wiederholten Keyboardlines, die diesem Song eine ungeahnte Eindrücklichkeit verleihen. Die bleiben. Und Dummbacken könnten das Stück in die weite Kategorie Ballade einreihen und falscher nicht liegen. Es ist eine Hymmne, ein Manifest für eine Band, die sich ihr eigenes Territorium erobert, Schneisen ins Dickicht schlägt. Sich irgendwo zwischen Progressive Rock, Experimentalrock und Noiserock einrichtet und eine gute Portion finnische Innerlichkeit dazugibt, fundamentalchristlich angehaucht. Diese Jungs haben ihre Bibel gelesen.

Beim Festivalauftritt ist die Band, die sich nach dem gemeinsamen Nachnamen der drei Mitglieder benannt hat, in sich selbst und ihre Musik versunken. joensuu-2Verliert sich in aufeinandergetürmten Soundstrukturen, Lärm und Rückkopplungen und ist doch ganz präzise bei sich. Vielleicht irgendwo auf dem Weg, um das helle Licht zu sehen. Wütend, leidenschaftlich, anders.

Wer im Osten Deutschlands wohnt, hat demnächst die Gelegenheit, Joensuu 1685 live zu erlebem. Die Band kommt für drei Konzerte nach Deutschland. Näheres unter unseren Tourterminen. Berlin, Leipzig, Dresden. Hingehn!

(Die Fotos sind von Tomi Mikola und Näyrde Von G.)

31. August 2009

First Aid Kit: »Wir spielen jetzt ein Buffy Sainte-Marie-Cover«

Ein wenig Wehmut ist immer dabei bei Folklore im Garten, dem Festival rund um das Kulturzentrum Schlachthof in Wiesbaden. Trotz immer noch sommerlicher Temperaturen, trotz Miniröcken, kurzen Hosen und Kaltgetränken im Freien – es liegt ein Hauch von Abschied in der Luft. Der Abschied vom Sommer ist greifbar im intensiven Blau des Himmels. Bereits um kurz nach sieben beginnt die Sonne hinter einem der Schuppen entlang der Eisenbahngleise langsam zu versinken. Es ist das letzte Open-Air-Festival der Saison, danach kommt der September, und wahrscheinlich stehen ab morgen schon die ersten Packungen Spekulatius als Einstimmung auf die Weihnachtszeit auf einem Sondertisch im Supermarkt.

In diese leicht melancholische Stimmung des Abschieds von etwas Strahlendem und dem Beginn von etwas Nachdenklichen passt der sanfte Folkpop von First Aid Kit: Die Schwestern first-aid-kit-3Klara und Johanna Söderberg, beide noch deutlich unter 20, sind heutige Wiedergängerinnen von ernsthaften Klampfenheldinnen aus den 6oern wie etwa Melanie. Schüchternheit und Schlaghosen und weiße Puffärmelblüschen inklusive. Betont bescheiden huschen die beiden auf die Bühne. Von nichts anderem begleitet als Gitarre, Keyboards und Hackbrettchen. Kaum können sie unter all den Schwaden ihrer wallenden Haare in die Menge schauen.

Aber dann beginnen die beiden zu singen. In einer selbstverständlichen Harmonie, dass die Gespräche im Publikum rasch verstummen. Klar, das ist Retro. Klar, das ist so, als befänden wir uns Mitte der 60er auf irgendeinem fortgschrittlicheren US-Campus und die ersten zarten Rückbesinnungen auf das Folk-Erbe der 20er- und 30er-Jahre kommen selbstbewusst hoch und ein Hauch von Protest und erstem Hippietum liegt in der Luft. Das klingt erstmal völlig gestrig und so lange vergessen, dass wir uns heute an Namen wie Buffy Sainte-Marie fast nicht mehr erinnern können. Die kanadische Folksängerin hat den Anti-Kriegs-Klassiker »Universal Soldier« geschrieben, eine der Hymnen gegen den Vietnamkrieg. Und genau dieses Lied, seit fast vierzig Jahren allmählich in Vergessenheit geraten, covern die beiden Schwestern jetzt. Befreien es behutsam vom Staub der Jahre, passen den Text an unsere Zeit an und singen es mit einer respektvollen Frische, dass die alten Zöpfe ganz von alleine fallen. Ernsthaftigkeit und Naivität siegen!

Diese schwedischen Mädels haben überhaupt kein Problem damit, dass sie sich in einer Tradition first-aid-kit-4bewegen, deren große Zeit sich fast zu Zeiten ihrer Großeltern abspielte. Wir mögen das und machen unsere eigene Geschichte daraus! Mit erstaunlich tiefgründigen, vom Wechselspiel der beiden Stimmen getriebenen Songs, die sich bewusst auf die Folk-Tradition der 6oer beziehen. Aber bereits einen eigenen Ton anschlagen, der sogar das vom sonnigen Tag und einigen alkoholischen Getränken angetüterte Publikum auf den Holzbänken aufhorchen lässt. Uncool ist anders!

»We aim for the hearts, not the charts!« haben sich First Aid Kit als Wahlspruch selbst vorgegeben. Bei den Festivalbesuchern kommt diese Botschaft an. Das Publikum will die beiden in Deutschland noch nahezu unbekannten minderjährigen Damen nicht unter zwei Zugaben von der Bühne lassen. Das erste lange Album haben die Schwedinnen noch nicht einmal eingespielt. Es kommt erst im Januar. Kann einem fast schwindelig machen, die Vorstellung, was diese beiden jungen Frauen noch anstellen werden, wenn sie die 20 überschritten haben.

Die Fotos sind von Josefin Klåvus.

 
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