Home
Foto nordische Landschaft

25. August 2009

Das Five Corners Quintet: »In Finnland ist Sonntag morgens nirgendwo was los«

Da staunen die fünf Herren in den schwarzen Anzügen und den schmalen dunklen Schlipsen aber. Dass die Lust an der (Hoch)Kultur in Deutschland so ausgeprägt ist, dass sich an einem sonnigen Spätsommersonntag morgens um elf mehr als tausend Zuhörer im lauschigen Garten des Frankfurter Liebighauses einfinden, um im Rahmen der Reihe »Jazz im Museum«  einer hierzulande noch nicht sonderlich bekannten Jazzkappelle aus Helsinki zu lauschen. »In Finnland ist Sonntag morgen um 11 nirgendwo was los«, staunt Teppo Mäkynen, Schlagzeuger und Bandleader des Five Corners Quintets aus Helsinki über die germanische Kulturbeflissenheit. Was für eine Frage, werden sich viele im Publikum gesagt haben. fcq1Denn wo könnte man den Sonntag besser starten als unter Bäumen nah dem Mainufer, den Pappbecher Kaffee und vielleicht noch ein Teilchen Süßes in der Hand?

Die fünf Herren in klassischer 5oer-60er-Jahre-Besetzung (Bass, Piaono, Trompete, Saxofon und Schlagzeug) sind bestens aufgelegt. Obwohl sie am Abend zuvor noch ein Konzert in Jena gegeben haben und die Nacht nach Frankfurt durchgefahren sind. Finnische Mannsbilder haben schon ganz anderen Dingen getrotzt. Leichtfüßig legen sie los – mit ihrer genau auf den Punkt gebrachten Mischung aus Big Band Sound und Klängen, die man sich auch morgens um zwei an einer verrauchten Hotelbar vorstellen kann, wenn der charismatische Sänger der Jazzcombo schon längst betrunken in den Armen irgendeiner geheimnisvollen Schönen gelandet ist. Das Five Corners Quintet zelebriert den Dancefloor Jazz mit einem Augenzwinkern und einem bewussten Amüsesement an der Kunst des Zitierens. Alles schon mal dagewesen? Ja klar, und wenn? Wir machen mit viel Verve unser eigenes Ding. Schreiben unsere eigenen Songs, drehen unsere eigenen Pirouetten und tanzen davon mit Füßen, die den Boden kaum noch berühren.

So kommt es, dass zwischen dem genreobligatorischen Wechselspiel zwischen Solo und Zusammenspiel der Band die Wunderkerzen zu sprühen beginnen. Wegen der reinen Freude am Spiel! fcq2Weil hier fünf einzelne Musiker in großem gegenseitigem Respekt zusammenkommen, um gemeinsam in ein Land der ironischem Leichtigkeit zu gelangen, in das sie alleine nie Einlass gefunden hätten. Die Vibrationen stimmen und swingen und irgendwann sind die zahlreiche, über den ganzen Garten verteilten spätgeborenen Kinder reifer Eltern in ihren Designkinderwagen und ökologisch korrekten T-Shirts ohne Schadstoffe ebenso fröhlich gestimmt wie die Musiker auf der Bühne.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass das Five Corners Quintet an diesem Sommermorgen durch sein Finnischsein punktet. Also mit gespielter Unbeholfenheit, zelebrierter Bescheidenheit und einem aus der nationalen Psyche nicht mehr wegzudenkenden Hang zur Selbstironie. Plus heftigst finnisch gefärbtem Englisch bei den Ansagen  von Teppo Mäkynen. Kennern ist dieses Phänomen als »Finnglish« bekannt. Immer wieder eine Freude!

21. August 2009

Ankkarock 2009, Samstag: »Kiitos means not male pussy!«

ankka_df11
Wer es am Samstag, 1. August 2009, auf das Gelände in Korso (Teil der Stadt Vantaa) geschafft  hat, muss noch weit(er)e Wege zurücklegen: Die Entfernung von der Puistolava zu den beiden anderen Bühnen ist ordentlich. Das Park-Gelände mit seinem kleinen Teich und schmalen Wasserläufen ist, gemessen an deutschen Festivalgeländen nett – gemessen an Finnischen allerdings nur im Mittelfeld.

Gerade noch rechtzeitig um die letzten Lieder Ensiferums (FIN) zu hören, erreiche ich die Puistolava (Parkbühne). Es ist um 15.15 Uhr nicht gerade voll vor der Bühne. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die erste Band bereits um 12.45 Uhr begann – die armen Jungs von Stam1na. Generell ist es auf dem ganzen Festivalgelände nicht sehr voll.
Kompletten Beitrag lesen …

04. August 2009

Ämyrock: Umsonst und draußen am See

Bei den großen finnischen Rockfestivals in diesem Sommer müssen die Besucher zuerst einmal eines: Bezahlen, und das nicht zu wenig. Für zwei Tage Ruisrock waren in diesem Jahr an die hundert Euro fällig. Aber davon später mehr. Denn eines der kleinsten, aber traditionsreichsten Festivals findet im beschaulichen Hämeenlinna statt – und das bereits zum 35. Mal! amyZur Tradition gehört beim Ämyrock-Festival auch, dass es umsonst und draußen ist. Immer am letzten Samstag im Juni. Mitten im Park. Ein neo-klassizistisches, offenes Sommertheaterhäuschen dient als Bühne. Der Vanajavesi-See und die historische Burg Häme sind in Spuckweite. Der berühmteste Sohn der Stadt, der Komponist Jean Sibelius, dürfte angesichts des Lärmpegels beim Festival nach Ohrstöpseln verlangen.

Auf der Bühne stehen ausnahmslos finnische Bands. Allermeistens hoffnungsvolle Nachwuchskapellen. Die vielleicht ein Album herausgebracht haben, vielleicht auch zwei. Und gerade deshalb lohnt sich die Fahrt in die Provinz rund 140 Kilometer nördlich von Helsinki. Weil sich hier oft die aufregendsten jungen Bands tummeln! Und durch die Umsonst- und Draußen-Atmosphäre ist die Stimmung besonders  entspannt und leger. Nur den Regenumhang sollte man nie vergessen. Irgendein Regenschauer geht an den Ämyrock-Samstagen unweigerlich auf das Festival hernieder. Da mag Wochen vorher und Wochen nachher die Sonne scheinen!

Besonders gut swingen lässt es sich bei Ämyrock 2009 gleich nachmittags zu den Elektropoppernregina Regina, die einen giftigneongrünpinken Mix aus dem 80er-Jahre-Kinderzimmer anrühren. Achtung, Synthie-Overkill, garniert mit der quietsch-naiven Kleinmädchenstimme von Sängerin IIsa. In letzter Zeit haben die Drei sehr zu ihrem Vorteil südamerikanische Einflüsse in ihren wilden Plastikmix integriert, was an den Tanzefüßen im Publikum trotz vorwiegend schwarzer Einheitskleidung nicht spurlos vorübergeht. Quietschbunt und fröhlich!

Rabiater geht es später bei Black Audio zu, die einen anarchischen Mix aus Rock und Prog und viel wilder Energie pflegen. Der Titel »Schwerstabeiter des Tages« geht an Schlagzeuger Tommi Forsström, der wenige Stunden später noch einen Auftritt mit seiner Hauptband Viola im mitternächtlichen Ämyrock-Club vor sich hat – allerdings dann in Hämeenlinna-City im wunderbaren neuen Club Suisto, wo der Spaß bis in die frühen Morgenstunden weitergeht!

Der eigentliche Höhepunkt des Tages aber kommt ganz zum Schluss: Murmansk gehören zu den interessantesten Newcomern der letzten Zeit. Allein durch die Eigenwilligkeit und Intensität, mit der sie sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen Noise Rock, Shoegaze, Experimentalrock und Lust am Lärm bewegen. murmanskMit Sängerin Laura Soininen steht hier eine Frau auf der Bühne, die trotz ihrer ungelenken Schüchternheit bereits über eine ausbaufähige Ausstrahlung verfügt. Und eine hysterisch große Stimme sowieso. Murmansk schaffen es,  das schwärzeste Schwarz in die tranceartige Endlosschleife des Postrock zu transportieren. Und dabei immer unerbittlich und unbarmherzig sie selbst zu bleiben. Und man möchte sich verlieren in diesen trostlosen Soundlandschaften, die so ungeheuer unwiderstehlich unberechenbar sind. Live sind Murmansk eine so überaus positive Überraschung, dass ihr Debütalbum »CHINESE LOCKS« auch noch die nächsten Tage auf Dauerrotation im persönlichen Player gespielt wird.

(Fotos sind von Tuomas Kohvakka und Jari Anttonen)

02. Juli 2009

Demonical: »Jede Band kriegt die Fans, die sie verdient«

dem_demonical3
Demonical touren als nordisches Kraftpaket gemeinsam mit Torture Killer und Facebreaker durch die Lande. Nachmittags treffen die Bands in Stuttgart ein, genießen das gute Wetter – und die gute Verpflegung. Während drinnen im Jugendclub der VFB Stuttgart auf der Leinwand um die noch mögliche Deutsche Meisterschaft spielt, plaudert Sänger Sverker »Widda« Widgren auf der Terrasse über deutsche Texte, schwedische Eisenindustrie, »private« Bands und kommerzielle Bands.

»Keine Ahnung wer das zusammengestellt hat – aber es funktioniert«

Euer Basser (Martin Schulman) hat das Interview klargemacht – ist er euer Manager?
Sverker Widgren: (grinst) Nicht wirklich. Aber er kümmert sich um alles, die Interviews, organisiert alles mögliche,… Es ist einfach besser, wenn alles in einer Hand bleibt.

Ihr kommt gerade direkt vom Legacy-Fest. Wie war’s?
Sverker Widgren: Es war gut! Ich hab mich gewundert dass es so voll war. Wir spielten mittags um 15 Uhr und es war voll! In Schweden wäre da keine Sau.
(Pause) Es hat die Hauptbühne weggeblasen,also mussten alle Bands auf der kleinen Bühne spielen. Es gab dann nur kurze Pausen, und vielleicht war bei machen das Set etwas kürzer, aber insgesamt gab es nur eine Stunde Verspätung. Als wir spielten, gab’s keine andere Band (lacht), also mussten alle, die eine Band sehen wollten, uns sehen.
(A.d.R.: Ein Sturm riss Teile der Bühnenplanen ab, starker Regen macht den Einsatz von Strom auf der Bühne unmöglich.)

Das ist eure erste Headlinertour. Wie kam es zu diesem nordischen Killer-Paket?
Sverker Widgren: Keine Ahnung (grinst). Keine Ahnung wer das zusammengestellt hat – aber es funktioniert.
Ich denke, es ist ein gutes Paket. Martin kannte das Label von Torture Killer ganz gut. Und wie du gesehen hast, ist auch unser Tourbus finnisch.
(Pause) Und ich kenne Facebreaker flüchtig von meiner anderen Band, Diabolical – in der spiele ich Gitarre. (Lacht) Wir hatten mal ne legendäre Aftershow-Party zusammen. 2001. Irgendeine Band renovierte gerade ihren Proberaum – und wir machten eine Abbruchparty draus: Jemand hat da Werkzeug vergessen… (diabolisches Grinsen) …und so benutzten wir andere Instrumente.
Aber zurück zur Tour: Ich hatte gar keine Erwartungen. Aber bisher lief es richtig gut. Alle Clubs waren gut, auch voll. Außer Göteborg, da waren wenig Leute, schlecht organisiert.

Kompletten Beitrag lesen …

30. Juni 2009

Hel(l) aktuell X: Tuska 2009, Sonntag

0titel
…schon ist (nach Samstag und Freitag) der letzte Tuska-Tag – den dänischen Volbeat seidank noch mal mit (mindestens) einer verdammt guten Liveband. Diese werden in den einschlägigen Radiosendern übrigens seit langem heftigst beworben. Prognose: Vor der Bühne wird’s (endlich) richtig voll.

Den Anfang machen wie gewohnt finnische Bands. Während Medeia (FIN) im höllisch heißen Inferno-Zelt eine höllische Party feiern, stehen die Jungspunde Amoral auf der Sue-Stage.

Kompletten Beitrag lesen …

 
Seite 24 von 45« Erste...2122232425262728...Letzte »