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Foto nordische Landschaft

29. Juni 2009

Hel(l) aktuell IX: Tuska 2009, Samstag

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Heute häufen sich im Publikum die Bandana-Träger dank Suicidal Tendencies, die quasi anstelle der abgesagten Bullet For My Valentine den Samstag headlinen: Suicidal Tendencies sagten schneller  zu, als Bullet For My Valentine ab. Mit (noch) strahlend blauem Himmel beginnt der zweite Tag (siehe auch Freitag) des Tuska Open Airs in Hel(l)sinki.

So, noch schnell die letzten Takte von Dauntless (FIN) mitgenommen, deren Sänger im roten Kleid über die Inferno-Stage springt – da waren mir Deathchain (FIN) auf der Sue-Bühne nicht nur optisch lieber: Die Jungs sind eine ziemlich gute, knüppelnde Liveband.

Dann geht’s auch schon weiter mit Sabaton, die mit den verspätet gelandeten The Faceless getauscht haben.
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27. Juni 2009

Hel(l) aktuell VIII: Tuska 2009, Freitag

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Das letztjährige Tuska Line-Up – Slayer! Slayer! Slayer! – können die Organisatoren ohnehin nicht überbieten. Allerdings scheinen die Bands beim Tuska 2009 so unattraktiv für die Besucher zu wirken, dass das Helsinkier Open Air Festival im Kaisaniemi-Park  nicht ausverkauft ist: Nicht nur einzelne Tagestickets, sogar 3-Tages-Tickets sind am Freitag noch zu haben. Das passierte seit Jahren nicht mehr.

immortal1Die größten Publikumsmagnete sind die Headliner: Immortal, Suicidal Tendencies, Volbeat – leider kein Vergleich zum Billing 2008. Auf dem Festivalgelände hat der Besucher am ersten Tag, bei Temperaturen Richtung 30°C-Marke, entsprechend viel Bewegungsfreiheit.
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27. Juni 2009

Hel(l) aktuell VII: Kotiteollisuus im On The Rocks

kotiteollisuus1Das Powertrio Kotiteollisuus rockt das ausverkaufte Helsinkier On The Rocks am Donnerstag, 25. Juni 2009. Bei gefühlten 50°C gebärden sich Sänger/Gitarrero Jouni Hynynen, Basser Janne Hongisto und Schlagzeuger Jari Sinkkonen wilder als so manche Metalband.

Statt die gewohnten Kuss-Orgien zu zelebrieren, spielen sich die Jungs aus Lappeenranta heute mit großem Spaß verbale Bälle zu. Dabei beziehen sie auch das Publikum ein: Als sich zwei Mädels aus der ersten Reihe bemühen die Setlist zu lesen, nimmt Jouni das zum Anlass dies im Falsett zu kommentieren: »Oh, schau welchen Song sie als näxtes spielen!« Und parodiert noch eine Weile weiter, zur Freude der Anwesenden – der Mädels inklusive.

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14. Juni 2009

For A Minor Reflection: Schuhe fliegen, Gefühle explodieren

Erstmal hinfinden! Unwirtlichen Industrielandschaften trotzen und unerschrocken verlassene Treppenhäuser erklimmen, dem fernen Klang menschlicher Stimmen folgen. Aber dann! Beim Konzert der isländischen Postrocker For A Minor Reflection auf der semi-improvisierten Bühne in den Geschäftsräumen des Frankfurter Hazelwood-Labels im tiefsten Rödelheim geht es unerwarteterweise zunächst so zu wie bei einem Betriebsausflug von Blaumannträgern. Die Band wünscht sich vor zu erledigender Arbeit per Handschlag gutes Gelingen. Zunächst stellt der zweite Gitarrist Guðfinnur Sveinsson dem Publikum das handelnde Personal auf der Bühne namentlich vor. Erst dann legen die 20-jährigen Herren los.famr1 Als Allererstes streift sich Sologitarrist Kjartan Holm (Foto) die Turnschuhe von den Füßen und schleudert sie in lässigem Bogen von der Bühne. Schlagzeuger Jóhannes Ólafsson ist schon gleich mal auf Strümpfen gekommen. Fühlt Euch wie zuhause, Jungs!

Verhalten fangen sie an. Das gehört zum Wesen des Postrock. Spannungsbögen langsam aufbauen und irgendwann in Schönheit und Lärm explodieren und diesen Moment möglichst lange in allen Variationen auskosten. Es liegt nah, Parallelen zu endlos herausgezögerten Orgasmen zu ziehen. Gitarrengewitter entfachen, kontrollierte Raserei zelebrieren. Irgendetwas suchen, das man vielleicht irgendwann findet oder besser doch nie. Postrocker sind vielleicht die letzten noch verbliebenen Romantiker dieser Welt und die vier sehr minderjährig aussehenden Isländer machen an diesem Abend keine Ausnahme.

Dass die jungen Musiker ihren großen Vorbildern Mogwai und Explosions In The Sky aufmerksam gelauscht haben, ist an diesem Abend hörbar. Von Sigur Rós könnte der Hang zum Traumwelten-Schaffen kommen. Was nicht verwundern dürfte, ist doch Gitarrist Kjartan der kleine Bruder des Sigur-Rós-Bassisten Georg Holm. Und jetzt Schluss mit den Querverweisen,famr2 denn For A Minor Reflection sind an diesem Abend im leider nur recht spärlich besuchten Hazelwood-Headquarter vor dem legendär stoffeligen Frankfurter Publikum vor allem eins: sie selbst. Leidenschaftlich, naiv, ausprobierend, hingebungsvoll und intensiv. Guðfinnur (Foto) denkt, er müsse gutgemeinte Anekdoten erzählen. Muss er nicht. Ihre Musik steht für sich.

For A Minor Reflection sind Zerstörer und Kreateure. Zerlegen die Musik in ihre Einzelteile. Und in Momenten gelingt es ihnen, etwas Neues zu schaffen. Dann kreischen die Gitarren wie wütende Möwen. Dann entsteht eine Ahnung, dass diese Vier irgendwann unerhörte Klangwelten schaffen werden. famr3Denn da ist neben der Wut auch die Zartheit. Wenn sich Kjartan und Guðfinnur ganz zum Schluss ans E-Piano setzen und mit somnambuler Sicherheit vierhändig spielen. Plötzlich sind diese beiden eckigen, dürren, ungelenken und unfertigen jungen Männer die schönsten Menschen im Saal. In zwei Jahren schon könnten For A Minor Reflection großartig sein. Vielleicht schon in einem Jahr. Das Herz schlägt schneller.

Die Fotos hat Käthe deKoe beim Münchener Konzert aufgenommen – besten Dank nochmals, dass ich Deine Fotos verwenden darf!

06. Juni 2009

Cats On Fire: Temperenzlerbewegung, tanzbar

Um die Extremitäten von Mattias Björkas muss man sich Sorgen machen. Der Sänger von Cats On Fire schlenkert seine Arme und Beine beim Tanzen mit solcher Heftigkeit hin und her, dass man auweiadenkend hofft, dass sie sich nicht aus ihren Gelenken lösen. Aber es muss der eckig-stilvolle Tanzstil von Björkas sein, der an diesem Abend im Heidelberger Karlstorbahnhof größeres Gliedmaßenchaos  verhindert. cats1Würde auch nicht zum fröhlich-intelligenten Loser-Pop der vier aus Turku passen, die sich als Tourverstärkung die wunderbare Jessica Rapo an Keyboard und Backing Vocals  mitgebracht haben, die ansonsten bei der Tweepopband Le Futur Pompiste aktiv ist.

Das zweite Cats-Album OUR »TEMPERANCE MOVEMENT« ist kürzlich in Deutschland erschienen und auf eine sehr wohlwollende Resonanz gestoßen. Die Financial Times Deutschland gab dem Werk sogar die Höchstpunktzahl. Die wohl unerwartete Wertschätzung fern der Heimat scheint den Finnlandschweden mächtig Rückenwind zu verleihen. Temperamentvoll und überhaupt nicht katzenpfötchensanft legen sie los, als wollten sie dem britischen Dandypop ein Denkmal setzen. Morrissey und Paul Weller, euer Stil, eure Arroganz, euer unglaubliches Feingefühl für die kreative Wucht des Verlierertums, sie leben hoch! Lasst uns tanzen, auch wenn wir auf Parties immer nur in der Küche herumstehen und der/die begehrte Person wie gewohnt mit jemand anderem nach Hause geht.

Die Schüchternen cats-2sind an diesem Abend nicht auf der Bühne, sie sind im Publikum. Es dauert, bis sich die Heidelberger Füße in Bewegung setzen, da nützen selbst funkelnde Gitarrenpophymnen wie »Born Again Christian« nur wenig. Tut nichts zur Sache, irgendwann ist selbst der wertkonservativste Student machtlos gegen die überwältigende Kraft des tanzbaren, federleichten Indiepops in der besten Tradition der 80er Jahre in verfallenden nordbritischen Industrielandschaften. Cats On Fire sind an diesem Abend mit Recht selbstbewusst. Mischen gekonnt die Sahnenstücke ihrer beiden Alben, wechseln gefühlvoll zwischen introspektiver Traurigkeit und temperamentvoller Ironie. Hätten gerne, gerne noch eine zweite Zugabe spielen können.

Zwei finnische Pobbands im Doppelpack an einem Abend, das hat in deutschen Konzertsälen Seltenheitswert. Denn nicht vergessen wollen wir die Vorband, die allerliebst semi-dilettantischen Goodnight Monsters mit ihrem großäugig-naiven Kinderzimmerpop und ihrer wohl gepflegten merkwürdigen Drolligkeit. Und nicht zuletzt ihrem großen Gespür für Popharmonien! Das Duo wähnt sich fern der flachen finnischen Heimat in Heidelberg gar im Land der Fjorde.»Heidelberg seems to me like Norway, you know, the river and the mountains, they look like Fjords!«

Nach dem K0nzert ein entspannter Schwatz mit beiden Bands. Über Autobahnen, Baustellen, das größte Faß der Welt, die Wirtschaftskrise und die Nettigkeit des deutschen Publikums. cats3Selbst Cats-Bassist Kenneth, wohl sonst ein großer Schweiger, spricht drei Sätze hintereinander und beweist einen schönen Sinn für Selbstironie. »In Interviews sage ich grundsätzlich nichts, weil es sowieso das Gegenteil dessen sein wird, was die anderen sagen«, sagt er, glücklich grinsend.

Das Interview mit Cats On Fire, in dem Kenneth tatsächlich kein Wort sprach (schade!), demnächst auf Nordische Musik.

 
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