Home
Foto nordische Landschaft

30. Juni 2006

Verlosung: Daniel Cirera für lau!

 Mädels, was ist nur mit euren Prinzipien los…? Wart ihr nicht mal gegen Typen, die mit aus dicken Hosen geschüttelten Weicheisongs über ihre bösen bösen Exfreundinnen bei euch punkten wollen? Habt ihr nicht gestern noch geschworen, jeden Flip-Flop-tragenden Gitarrenschmachter hochbogig von der Rockkante zuschubsen? Wolltet ihr nicht dem nächsten besserwisserischen Sonnenuntergangsliederschreiber zehnfach ausgeführt an den Kopf tackern, wohin er sich seinen Strandsand rieseln lassen kann?

Ja, wolltet ihr – bevor euch ein schwedischer Halbspanier auf Weltenbummlerpfaden einen Song vor die Tür gelegt hat, den seitdem nicht nur Eure, sondern auch meine Fußmatte allmorgendlich mitsummt. Eine Melodie, zu der wir beim Zähneputzen in den Spiegel flöten, beim Autofahren lenkradtrommelnd vor uns hinpfeifen und mittags in der Mensa die Hähnchenkeulen tanzen lassen. Und dazu ein Text, der direkter aus sämtlichen gebrochenen Herzen dieser Welt spricht, als es all die Platten in »L wie Liebeskummer«-Regal jemals könnten. »Motherfucker – Fake Vegetarian Ex-Girlfriend« ist längst das Sommergefühlslied des Jahres, logisch!

Dass der smarte Folkpopper weitaus mehr drauf hat, als sich für einen einzigen Hit bewundern zu lassen, ist dann auch nur noch so lange Floskel, solang man nicht das Album »Honestly I Love You *cough* « kennen- und ins Herz schließen gelernt hat. Denn keiner der entspannten Strandgitarrensongs braucht sich vom Exfreundinnenabrechnungsohrwurm zu verstecken – und live ist ein Abend mit Daniel Cirera und seiner Band sowieso mindestens einen ganzen Sommer lang. Wer noch zweifelt, den überzeugt der Schwede beim exklusiven Radiokonzert der CampusRadios NRW im Cubanova in Münster höchstpersönlich. Also weitersagen, hingehen, Prinzipien vergessen!

Daniel Cirera (exklusives Radiokonzert)
17.07.2006, Cubanova, Münster
Einlass: 20:30 Uhr / Beginn: 21:00 Uhr

Es gibt für dieses Konzert keine Karten im freien Verkauf. Nordische Musik und das Polarblog verlosen 5×2 Gästelistenplätze. Schreibt einfach über das Kontaktformular eine Mail an Markus mit dem Betreff Cirera-Verlosung.

28. Juni 2006

Ruisrock hat ein Herz für Fussballfans

Am 9. Juli schlägt die Stunde der Wahrheit. Was ist wichtiger: Eines der besten Sommerfestivals in Finnland, nämlich Ruisrock, oder das Finale der Fussball-WM? In anderen Worten: Morrissey oder Ronaldinho/Ballack/Beckham/Zidane oder (bitte nicht !) Totti? Das treibt den wahren Fan beider Kunstrichtungen an den Rand der Verzweiflung.

Zum Glück ist in Finnland die Kunst des Konsens wunderbarerweise weit verbreitet. Obwohl die Finnen meines Wissens zero Mal an einer WM teilgenommen haben, zeigen sie Verständnis für diese akute Notlage. Also: Klar gibt es das Finale live auf der Großleinwand, und der Rest des Programms läuft leicht zeitversetzt anschließend weiter. Kein Problem! Vielleicht sehen wir ja Herrn Morrissey unter der Schar der Fussball-Aficionados. Und die Backyard Babies neben den Crash-Bubis im Publikum. Auf jeden Fall: Mein Sonntag der 9. Juli ist gerettet! Ohne Grundsatzentscheidung!

25. Juni 2006

Lost In Music

 Jens Lekmann holt die Klampfe wieder aus dem zugestaubten Schuppen. Und setzt sich sogar in den Überteich-Flieger, um einige Shows in den USA zu spielen. Natürlich könnte man nun verzweifelt mit den Handballen auf den schweren Eichentisch schlagen, weil er wieder nicht den Weg in die unsrigen Gefilde einschlägt, aber man kann sich auch trösten – mit seinen erhabenen und überaus souveränen Songs, die selbst im Sommer erstklassig funktionieren. 

Eine vorgeschmäcklerische Gratis-MP3 von seinem letzten Album »Oh, You´re So Silent, Jens « gibt es auf dem kost-nix Online-Sampler des kontrovers-genialen Pitchforkmedia-Magazines. Dabei: weitere 23 Hörproben von leider hierzulande noch absolut unbekannten Bands, die auf dem Pitchfork Music Festival in Chicago neben Herrn Lekman auftrumpfen werden. Wir empfehlen uneingeschränkt den kompletten legalen Download,  der bei solch fantastischer Musik  (herausragend: The Mountain Goats, The National und Spoon) reichlich glücklich macht!

21. Mai 2006

Punktsieg Kanada

Auch wenn die Schweden die Kanadier jetzt bei der Eishockey-WM 5:4 vom Eis gefegt hat: Bei den Singer-Songwritern geht der Punktsieg der Woche eindeutig an Kanada.

Zwei Konzerte im kleinem Rahmen in Rhein-Main. Den Anfang macht der Schwede Björn Kleinhenz im 603 qm in Darmstadt. Linkisch, schlaksig, den Kopf fast zwischen den Schultern versteckt,  betritt er díe Bühne. Schnallt sich die Akkustikgitarre um und beginnt. Langsame, introvertierte Songs, die nicht zu fern von Kristoffer Åström sind, aber denen der eigene Ausdruck noch ein wenig fehlt. Kleinhenz ist im Zwiegespräch mit sich, das Publikum nimmt er nur schüchern wahr. Eigenartig temperamentlos. Der Funke will an diesem warmen Frühlingsabend nicht recht überspringen, auch wenn das Publikum freundlich applaudiert und geduldig ausharrt. Ganz nett, das Ganze, aber nicht weiter bemerkenswert, was Herr Kleinhenz hier bietet. Und ohne Zugabe zu verschwinden gibt sowieso Abzüge in der B-Note.

Ganz anders sieht die Sache bei Owen Pallett aka Final Fantasy aus Toronto aus, der im kleinen Theatersaal des Frankfurter Mousonturms auftritt. Die Violine unter den Arm geklemmt, springt er in Socken auf die Bühne. Spielt eine Melodie. Sampelt diese. Legt noch eine drüber. Sampelt. Entwirft neue Klangrhythmen mit der Geige und fängt an, mit klarer, sicherer Stimme über Phantasiewelten und die Widrigkeiten des Alltags zu singen. Feinfühlig begleitet von einer jungen Asiatin, die über Overhead-Projektor fantasievolle Scherenschnitte zu den Songs entwirft, die im Hintergrund tanzen. Spätestens nach dem dritten Stück sind alle Frau und Mann im Publikum in den zarten jungen Mann mit dem unordentlichen Haarschopf verliebt. Was Pallett aus seiner Violine herausholt macht Staunen: Manchmal klingt sie wie eine Harfe, dann nah am Drumcomputer und dann wieder wie die großen Romantiker des 19. Jahrhunderts. Dazu der jungenhafte Charme von Pallett, der gekonnt mit dem Publikum flirtet, mal haucht, mal schreit, mal troubadourhaft schmachtet. Die Frankfurter wollen ihn kaum von der Bühne lassen. Wunderbar! Immer noch lächelnd trollen wir uns nach Hause.

14. Mai 2006

Mari Boine auf der Folkbaltica

Mari BoineDas Maketing ist ein eigenartiges Geschäft. In Norwegen steht Mari Boines neue CD (Universal) seit 24. April in den CD-Regalen und stieg sogar bereits in die Charts auf. Und in Deutschland? Da stellte man fest, dass man einige Wochen Vorlauf benötigt, um CD-Veröffentlichung und Medienberichte zu synchronisieren (als ob das ein Geheimnis gewesen wäre!) und dass man, wenn man die ganze Promo-Maschinerie jetzt starten würde, in die Fußball-WM hineinkäme. Ja und? Ich dachte immer noch, CD-Rezensionen fänden im Kulturteil und Fußball im Sportteil der Medien statt. Wie gesagt: Das Marketing ist ein eigenartiges Geschäft …

Mari Boine live auf der FolkbalticaDoch zum Wesentlichen: Ich wollte nicht warten bis zum deutschen Erscheinungstermin des Mari Boine-Albums »IDJAGIEDAS« am 25. August (wer die CD früher hören will, kann sie über die üblichen skandinavischen CD-Shops wie CD On bestellen) und offiziellen Promotermin am 8. Juni in Berlin, wo alle Journalistengespräche an einem Tag gebündelt werden. Ich ließ mir von Uwe Kerkau, meinem »Lieblings-Promoter«, die CD schicken, akkreditierte mich für die Folkbaltica und arrangierte über Konzert-Veranstalter Jens-Peter Müller sowie Mari Boines deutschen Manager Donald Weimer einen Gesprächstermin, so dass ich wohl der derste deutsche Journalist war, der die samische Sängerin zu ihrem neuen Album interviewte.

Der Zeitplan war knapp: Mari Boine reiste direkt aus Norwegen an; im Auto von Hamburg nach Flensburg kommend traf sie erst gegen halb sechs ein. Das Interview musste flexibel arrangiert werden – als ich um halb fünf ihre neue Band beim Aufbau traf, die sich nun »Mari Boine Project« nennt, wurde klar, dass das Gespräch erst nach dem Konzert stattfinden konnte. Nicht weiter tragisch: So hatte ich Gelegenheit, Maria Kalaniemi noch persönlich zu sprechen, nachdem wir unser Interview vor einigen Monaten nur per Telefon geführt hatten.

Kompletten Beitrag lesen …

 
Seite 45 von 46« Erste...3940414243444546