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Foto nordische Landschaft

20. September 2011

Summer Breeze 2011: Donnerstag – Vom norwegischen Dreier (Vreid, Kvelertak, Kampfar) bis Marduk

Wie schon in den Vorjahren spielen vom 18. bis 20. August 2011 auf dem Summer Breeze Open Air im beschaulichen Dinkelsbühl jede Menge nordischer Bands, von Arch Enemy bis Wolf.

Genauer gesagt: Auf Platz Eins liegt Schweden mit Arch Enemy, Demonical, Engel, Facebreaker, Hammerfall, Marduk, Rev 16:8, Scar Symmetry, Sonic Syndicate, The Haunted und Wolf. Weit abgeschlagen die Norweger mit Enslaved, Helrunar, Kampfar, Kvelertak, Vreid, die Finnen mit Kalmah, Moonsorrow, Tarja Turunen und Turisas – und die Färöer mit Tyr.

Wer vorfeiern wollte, konnte das schon ab Mittwoch (17. August) im Partyzelt und auf der vierten Bühne, der Camel Stage neben dem Partyzelt. Hier wurde wie gehabt der New Blood Award Contest ausgetragen, bei dem fünf Underground-Bands um den Eröffnungsslot am Donnerstag spielten. Für uns beginnt das Festival allerdings erst am Donnerstag, mit dem norwegischen Dreier (Vreid, Kvelertak, Kampfar).

Vreid

Meine Höhepunkte 2011: Der norwegische Dreier (Vreid  sind hier verdammt gut, Kvelertak wie immer genial, Kampfars Oberschenkelklopfer Dolk verdient für sein Bühnengebaren einen Extrapunkt), Enslaved (allerdings auf Tuska besser), Demonical (geiler Old School Death) und Bolt Thrower (Hurra, sie leben noch!)

Genug der Vorworte, hier der komplette Bericht:

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15. September 2011

R.I.P. Hole In The Sky: Samstag – »A Perfect Vision of the Rising Northland« mit Enslaved, Mayhem, Immortal

True Norwegian Black Wheather.

Samstag, 27. August 2011. Der letzte Tag des letzten Festivals beginnt, noch höchstens acht Sunden und Hole In The Sky ist endgültig Geschichte (Hier geht’s zum Freitag).

Helheim haben um 18 Uhr die Ehre den rein norwegischen Abschiedstag einzuleiten. Die Viking Metaller, die im Mai 2008 musikalische Früherziehung im Kindergarten praktizierten, spielen hier leider, leider nur eine halbe Stunde. Wer mehr hören will, sollte sich »HEIÐINDÓMR OK MÓTGANGR« zulegen.

Virus trifft leider nicht ganz meinen Geschmack, ich warte und freue mich auf Enslaved. Deren aktuelles Album »AXIOMA ETHICA ODINI« mein Album des Jahres 2010 wurde. Die ich diesen Sommer bereits zweimal gesehen habe: Auf Tuska, als verdiente Headliner auf der EMP-Bühne (der bessere Auftritt) und auf dem Summer Breeze, wo sie am Freitag viel zu früh gespielt haben (der schlechtere Auftritt). Und deren besten Auftritt 2011 ich jetzt sehe.

Die Bergener um Sänger und Bassist Grutle Kjellson haben hier ein furioses Heimspiel. In ihrer Stadt, auf ihrem Festival präsentieren sie ihre komplette Bandgeschichte zwischen Black metal und Avantgarde, mit Stücken von der ersten EP »HORDANES LAND« über »FROST«,»BELOW THE LIGHTS«, »VERTEBRAE«, »RUUN« und »ISA« bis zu»AXIOMA ETHICA ODINI«. Geil!

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12. September 2011

R.I.P. Hole In The Sky: Freitag – »The Dawn of a New Age« mit Satyricon, Nifelheim, Ghost

True Norwegian Black Candle


Requiescat in pace: Die zwölfte Ausgabe des Hole In The Sky-Festivals vom 24. bis 27 August 2011 im norwegischen Bergen ist zugleich die letzte. Aus. Schluss. Vorbei. Eines der besten (Black Metal) Festivals ist Geschichte.

Und ich wage zu behaupten Hole In The Sky 2011 bietet eines der besten Line-Ups in der Geschichte des Festivals, wenn nicht das Beste. Für »The Last Supper« stellen die Organisatoren DIE norwegischen Black Metal-Bands auf die Bühne: Satyricon, Immortal, Enslaved und Mayhem – oder was davon überlebt hat.

Die schwedischen Headliner Marduk am Mittwoch im Club Garage habe ich leider ebenso verpasst wie die norwegischen Wardruna im Logen Teater, da ich erst am Freitag auf das Festival gehen kann. Auch Archgoat (FIN), In Solitude (S) und Devil (N) hätte ich mir gerne angeschaut.

Den Anfang machen für mich also am Freitag, 26. August 2011, im USF Verftet die amerikanischen Negative Plan – die allerdings ungehört an mir vorbeigehen: Die Schlange am Akkreditierungsschalter ist seeehr lang, und die Spielzeit der Amis beträgt nur eine halbe Stunde.

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04. September 2011

Katzengesang mit Hasenmaske: Sleep Party People

Wenn Katzen singen könnten, dann würde sich das möglicherweise so anhören wie die schrägen, unberechenbaren Töne von Sleep Party People. Was Katzen als nächstes tun, lässt sich ebensowenig vorhersagen wie die Kapriolen, auf welche die drei Dänen verfallen könnten. Katzengesang ist hier nicht im Sinne von Katzenmusik gemeint, sondern eher in Bezug auf falsettbetonte Unberechenbarkeit. Sleep Party People erschaffen elektronische Kunstmärchen, die nicht weniger hintergründig ausfallen als das Gesamtwerk von E.T.A. Hoffmann oder Wilhelm Hauff. Also sehr 19. Jahrhundert, sehr romantisch sich in lichten Weiten verlierend, auf der Suche nach der unerreichbaren blauen Blume. Das Unheimliche schleicht sich aber hier hinterrücks heran wie ein bucklig Männlein ins Plüsch-Melodram. Nur dass die genialischen Künstler hier mit Laptops daherkommen und hochartifizielle, gleichwohl maunzige Gegenwelten erschaffen. Die Elektronik ist die neue, die wunderliche Innerlichkeit.

SLEEP PARTY PEOPLE – A Sweet Song About Love (by Tracy Maurice) from Brian Batz on Vimeo.

Nun denn! Bei ihrem Konzert in den Schwanengesangtagen des Offenbacher Hafen 2 (wird abgerissen, die Finanzierung des Neubaus ist gerade zur Hälfte geschafft, wem die Erhaltung von Indiepopkultur im besten Sinne am Herzen liegt, der möge bitte spenden!), hüllen sich die drei Protagonisten in schwarze Hoodies und Hasenmasken, mit sachte wippenden Ohren, was einen durchaus die Musik unterstützendes sanftes, lautloses Rauschen erzeugt. Einfach zu goutieren ist es nicht, was das Trio, angeführt von Mastermind Brian Batz, hier erzeugt: Eigenwillige Neuinterpretation, die selbst vor dem abgegriffensten Kitsch nicht zurückschreckt. Der Blick ins Youtube-Schatzkästlein ergibt, dass Sleep Party People tatsächlich eine pianodominierte Interpretation von Stille Nacht, Heilige Nacht eingespielt haben! Darauf verzichten die Drei aus dem Königreich im Spätsommer weise, um uns auf anderen Pfaden auf Abwege zu locken, so wie die Hexe die verirrten Kinder per Pfefferkuchenhaus in die Falle dirigiert. Mit Sirenenstimme, in diesem Fall!

Ohne Vocoder wäre Brian Batz so nackt wie Juliette Gréco ohne Lidstrich. Die Lust am Verfremden, sie steckt an ihrem Spaß am Schaffen von Paralleluniversen, die süß locken wie die Loreley. Herr Batz gestikuliert und fleht die Soundmänner an um mehr Licht, um mehr Wärme, um mehr Präzision an. Vor 20 Zuhörern an einem Wochentag, an dem der Mond über dem Main schief hängt wie eine kullernde Weinflasche. Man fremdelt zunächst mit dieser sehr künstlichen, sehr gefühligen Musik, den artifiziellen Tönen, der spielerischen Versteckerei. Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem sich die Leidenschaft hier glutvoll einschleicht, die großen Gefühle mannshoch werden, und man sich bedingungslos ergibt und denkt, dass Andeutungen und nicht Tatsachen das Herz schneller schlagen lassen. Man kann es nicht wirklich greifen, was sich hier tut. Es ist dekadent, es ist überzüchtet, es ist merkwürdig und es ist irgendwie großartig.

Sleep Party People – Notes To You from Speed Of Sound on Vimeo.

19. August 2011

Flow Festival 2011: Cirko, der Lieblingsort

Um ganz ehrlich zu sein: Zuerst strande ich beim Flow Festival nur wegen schmerzender Füße im Cirko, weil man sich nach langem Stehen dort so schön auf den großzügig im halbdunklen Raum verteilten Liegekissen niederlassen und durchschnaufen kann. Bis dann ziemlich rasch dämmert, dass in diesem Zirkus, einem auf den ersten Blick wenig spektulären Nebengebäude auf dem Festivalgelände, der wunderbare Sami Sanpäkilä, Herz und Hirn des experimentellen finnischen Fonal-Labels, sich hier seine ganz eigene Spielwiese der verwirrenden Töne eingerichtet hat. In einer entspannten, offenen Atmosphäre. Schauen. Hören. Sich sachte wegpusten lassen. Oder von Melodramen rücklings überwältigen.

Die manischen Elekronik-Tüftler Fricara Pacchu sind ein solcher Fall. Der Großteil ihres Werkes ist bislang nur auf Kassette erschienen. Ein Album mit dem irreführenden Titel »STORIES OF OLD« ist selbstverständlich nirgendwo anders als bei Fonal erschienen. Fricara Pacchu nehmen uns mit auf eine Geisterbahnfahrt in die unberechenbare Welt anarchisch-wilder Töne, in der die Genregrenzen zwischen Synthie-Blubbermusik und psychedelischen Ausschweifungen mühelos fallen und die Spielekonsolenmusik-Ästhetik eindeutig auf die dunkle Seite der Macht überschwenkt. Ausruhen ist hier nicht, in diesem beunruhigen, unwirklichen, knallbunten Paralleuniversum, das selbstverständlich fast ohne Worte auskommt und trotzdem ganze Romane schreibt. Man sollte danach bloß nicht anfangen, Lovecraft-Romane zu lesen, sonst läuft man womöglich Gefahr, ernsthaft an die Existenz von Aßerirdischen zu glauben.

Fricara Pacchu: Bianca’s Beach Party by Fonal Records

Sami Sanpäkilä selbst lässt es sich am Sonntag nicht nehmen, bei Kemialliset Ystävät, dem ausufernden Projekt von Jan Anderzén aus Tampere, mit auf die Bühne zu steigen und zu demonstrieren, dass es elektronische Eigenbröteleien durchaus eine geschmeidige Eleganz entwickeln können. Wie eigentlich alle Fonal-Bands sind diese chemischen Freunde mit Vorliebe dabei, sich ins Unterholz zu schlagen und die Merkwürdigkeiten alltäglicher Töne herauszuarbeiten. In diesem Fall ist das Ergebnis sogar überaus tanzbar. Wenn nicht eine gesamter, vollbepackter Saal voller Zuhörer, im Halbdunkel auf Sitzkissen und aneinander geschmiegt, mit entspannter Konzentration zuhören würde. Tanzen werden wir später noch, keine Bange, und nicht zu wenig. Bei den wunderbaren Math-Rockern Battles aus New York City etwa, die sich nicht im geringsten davon stören lassen, dass Festival-Headliner Kanye West zeitgleich spielt. Die geschätzten 6,3 Prozent Flow-Besucher, die es nicht zu Herrn Wests ausgetüftelter Show gezogen hat, haben ihre Entscheidung nicht bereut.

Kemialliset Ystävät: Kivikasan rauhassa (2010) from M Petteri on Vimeo.

Ganz zum Schluss holt Meister Sanpäkilä im Cirko übrigens noch ein musikalisches Überraschungsei aus der Tasche: In Gestalt eines mir bislang völlig unbekannten Duos aus der bekannten deutschen Rockmetropole Saarbrücken: Pretty Lightning heißen die beiden langbemähnten Musiker an Gitarre und Drums, die mit ihrem psychdelischen, spacigen Bluesrock alle Teufel dieser Welt für immer in die Mississsippi-Sümpfe treiben könnten, cool lächelnd. Johhny Cash und Jack White dürften diese heftigen Töne aus der saarländischen Hauptstadt lieben. Das demnächst erscheinende Album der Zwei trägt den schönen Titel »THERE ARE WITCHES IN THE WOODS«, wodurch der Bogen zum Fonal-Label elegant gschlagen ist.

 
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