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Foto nordische Landschaft

25. Juni 2006

Lost In Music

 Jens Lekmann holt die Klampfe wieder aus dem zugestaubten Schuppen. Und setzt sich sogar in den Überteich-Flieger, um einige Shows in den USA zu spielen. Natürlich könnte man nun verzweifelt mit den Handballen auf den schweren Eichentisch schlagen, weil er wieder nicht den Weg in die unsrigen Gefilde einschlägt, aber man kann sich auch trösten – mit seinen erhabenen und überaus souveränen Songs, die selbst im Sommer erstklassig funktionieren. 

Eine vorgeschmäcklerische Gratis-MP3 von seinem letzten Album »Oh, You´re So Silent, Jens « gibt es auf dem kost-nix Online-Sampler des kontrovers-genialen Pitchforkmedia-Magazines. Dabei: weitere 23 Hörproben von leider hierzulande noch absolut unbekannten Bands, die auf dem Pitchfork Music Festival in Chicago neben Herrn Lekman auftrumpfen werden. Wir empfehlen uneingeschränkt den kompletten legalen Download,  der bei solch fantastischer Musik  (herausragend: The Mountain Goats, The National und Spoon) reichlich glücklich macht!

21. Mai 2006

Punktsieg Kanada

Auch wenn die Schweden die Kanadier jetzt bei der Eishockey-WM 5:4 vom Eis gefegt hat: Bei den Singer-Songwritern geht der Punktsieg der Woche eindeutig an Kanada.

Zwei Konzerte im kleinem Rahmen in Rhein-Main. Den Anfang macht der Schwede Björn Kleinhenz im 603 qm in Darmstadt. Linkisch, schlaksig, den Kopf fast zwischen den Schultern versteckt,  betritt er díe Bühne. Schnallt sich die Akkustikgitarre um und beginnt. Langsame, introvertierte Songs, die nicht zu fern von Kristoffer Åström sind, aber denen der eigene Ausdruck noch ein wenig fehlt. Kleinhenz ist im Zwiegespräch mit sich, das Publikum nimmt er nur schüchern wahr. Eigenartig temperamentlos. Der Funke will an diesem warmen Frühlingsabend nicht recht überspringen, auch wenn das Publikum freundlich applaudiert und geduldig ausharrt. Ganz nett, das Ganze, aber nicht weiter bemerkenswert, was Herr Kleinhenz hier bietet. Und ohne Zugabe zu verschwinden gibt sowieso Abzüge in der B-Note.

Ganz anders sieht die Sache bei Owen Pallett aka Final Fantasy aus Toronto aus, der im kleinen Theatersaal des Frankfurter Mousonturms auftritt. Die Violine unter den Arm geklemmt, springt er in Socken auf die Bühne. Spielt eine Melodie. Sampelt diese. Legt noch eine drüber. Sampelt. Entwirft neue Klangrhythmen mit der Geige und fängt an, mit klarer, sicherer Stimme über Phantasiewelten und die Widrigkeiten des Alltags zu singen. Feinfühlig begleitet von einer jungen Asiatin, die über Overhead-Projektor fantasievolle Scherenschnitte zu den Songs entwirft, die im Hintergrund tanzen. Spätestens nach dem dritten Stück sind alle Frau und Mann im Publikum in den zarten jungen Mann mit dem unordentlichen Haarschopf verliebt. Was Pallett aus seiner Violine herausholt macht Staunen: Manchmal klingt sie wie eine Harfe, dann nah am Drumcomputer und dann wieder wie die großen Romantiker des 19. Jahrhunderts. Dazu der jungenhafte Charme von Pallett, der gekonnt mit dem Publikum flirtet, mal haucht, mal schreit, mal troubadourhaft schmachtet. Die Frankfurter wollen ihn kaum von der Bühne lassen. Wunderbar! Immer noch lächelnd trollen wir uns nach Hause.

14. Mai 2006

Mari Boine auf der Folkbaltica

Mari BoineDas Maketing ist ein eigenartiges Geschäft. In Norwegen steht Mari Boines neue CD (Universal) seit 24. April in den CD-Regalen und stieg sogar bereits in die Charts auf. Und in Deutschland? Da stellte man fest, dass man einige Wochen Vorlauf benötigt, um CD-Veröffentlichung und Medienberichte zu synchronisieren (als ob das ein Geheimnis gewesen wäre!) und dass man, wenn man die ganze Promo-Maschinerie jetzt starten würde, in die Fußball-WM hineinkäme. Ja und? Ich dachte immer noch, CD-Rezensionen fänden im Kulturteil und Fußball im Sportteil der Medien statt. Wie gesagt: Das Marketing ist ein eigenartiges Geschäft …

Mari Boine live auf der FolkbalticaDoch zum Wesentlichen: Ich wollte nicht warten bis zum deutschen Erscheinungstermin des Mari Boine-Albums »IDJAGIEDAS« am 25. August (wer die CD früher hören will, kann sie über die üblichen skandinavischen CD-Shops wie CD On bestellen) und offiziellen Promotermin am 8. Juni in Berlin, wo alle Journalistengespräche an einem Tag gebündelt werden. Ich ließ mir von Uwe Kerkau, meinem »Lieblings-Promoter«, die CD schicken, akkreditierte mich für die Folkbaltica und arrangierte über Konzert-Veranstalter Jens-Peter Müller sowie Mari Boines deutschen Manager Donald Weimer einen Gesprächstermin, so dass ich wohl der derste deutsche Journalist war, der die samische Sängerin zu ihrem neuen Album interviewte.

Der Zeitplan war knapp: Mari Boine reiste direkt aus Norwegen an; im Auto von Hamburg nach Flensburg kommend traf sie erst gegen halb sechs ein. Das Interview musste flexibel arrangiert werden – als ich um halb fünf ihre neue Band beim Aufbau traf, die sich nun »Mari Boine Project« nennt, wurde klar, dass das Gespräch erst nach dem Konzert stattfinden konnte. Nicht weiter tragisch: So hatte ich Gelegenheit, Maria Kalaniemi noch persönlich zu sprechen, nachdem wir unser Interview vor einigen Monaten nur per Telefon geführt hatten.

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12. Mai 2006

Oh, David …!!!

Eigentlich hab ich die Debüt-CD von David Fridlund gar nicht so oft gehört, auch wenn ich überall in der Welt herumposaune, dass es die CD des Jahres werden kann. Doch als ich plötzlich bei David im Konzert stand, kannte ich sie in- und auswendig! Muss also wirklich etwas dran sein, Kinnings!

Und was das für ein Konzert war! 15, vielleicht 20 Leute hatten in der rumpelig-schnuckligen Prinzenbar Platz genommen, aber David und seine wunderbaren Musiker traten auf die Bühne, als seien mindestens hundertmal so viele Gäste anwesend. Ach, war das hübsch. Ganz dicht und engagiert spielten die vier ihre Songs, probten einiges neues und was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, was für Pranken David hat, wenn er sein Klavier bearbeitet, dabei hat er ganz zarte Hände …

Eigentlich wollte ich vorher noch ein Interview mit ihm machen, allein an diesem Tag brach sich unser Kind den Arm und ich konnte einen tiefen und zeitintensiven Einblick in unser Gesundheitssystem haben, aber das wäre jetzt eine andere Geschichte …

09. Mai 2006

Kari Bremnes in der Hamburger Fabrik

Kari Bremnes live in der Hamburger Fabrik 2006Es war natürlich wieder ein Pflichtbesuch, nachdem ich mich durch Kari Bremnes' komplette Discografie gearbeitet hatte und sie vor einigen Monaten interviewt hatte: ihr Auftritt in der Hamburger Fabrik am 5. Mai.

  • Helge Norbakken ist jedes Mal, wenn ich ihn höre, noch besser geworden.
  • Neben Bengt Hanssen (Keyboards) war diesmal noch ein Trompeter dabei: Mathias Eick (sonst bei Jaga Jazzist, Motif, Motorpycho, Iro Haarla, u.v.m.) trat damit live in die Fußstapfen, die Nils Petter Molvær und Arve Henriksen im Studio getreten hatten.Die Fabrik war diesmal bestuhlt. Passt zur Musik.
  • Kari Bremnes legte den Schwerpunkt auf die Songs ihres neuen Albums – die Auswahl der Songs »Ansiktet Te Månen«, »En Stemme I Athen«, »Per Og Paul Og Janus« und »Over En By« hätte ich anders getroffen, aber sie war im Rahmen des Konzerts ok.
  • Apropos »Over En By«: Bei der Ansage zu diesem Lied, mit dem sie das reguläre Programm beendete, verhaspelte sie sich, denn zuvor sollte laut Setlist noch der »Schrei« gespielt werden. Die Überleitung in letzter Sekunde war jedoch elegant, und die meisten Konzertbesucher bemerkten den Fauxpas sicher nicht.
  • Wenn Dirk Achim Dhonau im Programmheft der Fabrik aus meinem Interview mit Kari Bremnes zitiert und sogar seine Headline »Joni Mitchell des Nordens« aus meiner Rezension entnimmt, ehrt das zwar, aber ohne Quellenangabe wirkt das doch immer etwas lausig und unehrenhaft.
 
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