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Foto nordische Landschaft

08. Juni 2007

Huuhkaja! Wie ein Uhu ein Fußballspiel entscheiden kann

»Huuhkaja! Huuhkaja!« könnte sich zum neuen Favoriten unter den Fangesängenn finnischen Stadien etablieren. Dass die finnische Fußballnationalmannschaft der Männer im Qualifikationsspiel gegen Belgien ihre theoretische Chance gewahrt hat, im kommenden Jahr zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft teilzunehmen, hat das Team  nicht zuletzt dem spekakulären Auftritte eines riesigen Uhus (Huuhkaja in der Landessprache) im Olympiastadion zu Helsinki zu verdanken.

Der imposante Uhu (Flügelspannweite zwei Meter) meinte zur Mitte der ersten Halbzeit, dass das bis dahin torlose finnische Team die Unterstützung der heimischen Fauna dringend nötig hatte. Wíe der Helsingin Sanomat berichtet, flog der im offenkundig im Olympiastadion lebende Nachtvogel mit mächtigem Flügelschlag vom Dach aufs Spielfeld, um sich ein genaues Bild von den Geschehnissen auf dem Rasen zu machen.  Der britische Schiedsrichter Mike Riley unterbrach die Partie. Keiner der Fussballer wagte sich in die Nähe des mächtigen Vogels (lateinisch Bubo Bubo), der es immerhin auf eine Größe von deutlich über einen halben Meter bringt. Eine rote Karte gegen das Tier hätte wohl wenig genutzt. Die belgischen Spieler staunten, die finnischen grinsten, und die 30.000 Zuschauer sangen begeistert einen neuen Song: »Huuhkaja! Huuhkaja«! Der Uhu ließ sich nicht lumpen, kreiste lässig über das Spielfeld und ließ sich theatralisch nacheinander auf beiden Toren nieder, bevor er schließlich in einigem Abstand im Seitenaus verharrte und die Partie weitergehen konnte. Wenig später schoss Johansson für Finnland zum 1:0 ein.

Der Uhu verschwand dann zur zweiten Halbzeit, hatte sich aber als Glücksbringer und wichtigster Mann auf dem Platz bereits in den finnischen Herzen unsterblich gemacht. Die Gastgebeber gewannen mit 2:0. Auf Youtube gibt es wunderbare Amateurvideos mit dem Helden des Abends in der Hauptrolle zu sehen.

Die Fotos haben Markus Jokela und Sami Keros vom Helsingin Sanomat gemacht.

20. Mai 2007

Grey’s Anatomy oder: Frau Patsavas liebt skandinavischen Indiepop

Wenn in Filmen der Abspann läuft, erscheint irgendwann unter ferner liefen der/die Music Supervisor. Das sind die Leute, die die passenden Songs zum Film auswählen. Die etwa dafür verantwortlich sind, dass im britischen Gangsterfilm Layer Cake der Held im Sportwagen zum Treffen mit dem Big Boss fährt und punktgenau The Cults »She Sells Sanctuary« einsetzt. Das lässt einem fast aus dem Kinosessel hochspringen, so gut ist das. Music Supervisor sind die Leute, die ganz zum Ende im ironischen  Seeforscherdrama Die Tiefseetaucher dafür sorgen, dass sich die Crew zu den Klängen von Sigur Ros´ (Foto) »Staralfúr« endlich wieder liebhat. Atemberaubend schön.

Was für ein Leben. Music Supervisor verdienen ihr Geld damit, den lieben langen Tag Musik zu hören und über den perfekten Song für die jeweilige Szene nachzudenken. Sich im Team mit den Drehbuchschreibern und Produzenten darüber abzustimmen, welches die optimale Lösung für den Soundtrack ist. Die Wahl kann und muss sogar manchmal unorthodox ausfallen.

Music Supervisor hinterlassen ihre Spuren auch in Fernsehserien. So ist die Jugendseifenoper O.C. California dafür bekannt, dass ihre Music Supervisorin Alexandra Patsavas ein ausgesprochener Indiepop-Fan ist. Patsavas hat es fertiggebracht, Tiger Lous (Foto) Song »Warmth«  zur besten Sendezeit zu spielen. Allein dafür liege ich ihr schon zu Füßen. Die Dame ist auch Music Supervisor unserer derzeitigen Lieblingsseifenoper Grey´s Anatomy, einem ironischen Dramolett um die erotischen Liebeswirren aufstrebender Assistenzärzte.

Patsavas hat weiterhin ein ausgesprochenes Faible für skandinavischen Pop. Seit in der letzten Folge von Grey´s doch tatsächlich Peter Bjorn and Johns Sommerhit »Young Folks« erklang, ist Bestandsaufnahme angesagt. Eine kleine Recherche erbringt, dass sich diese Music Supervisorin erstaunlich gut auskennt mit Pop aus Schweden, Norwegen und Island. Die Cardigans werden ebenso zur musikalischen Untermalung der melodramatischen Amouren im Krankenhaus gespielt wie die Legends oder die Moonbabies. Schöne, traurige Frauenstimmen stehen ganz weit oben in der Gunst von Patsavas. Emiliana Torrini, Susanne And The Magical Orchestra (Foto)  mit dem wunderbaren Joy-Division-Cover »Love Will Tear Us Apart« und völlig unangefochten an der Spitze: Die norwegische Chanteuse Kate Havnevik , die bislang fast zehn Songs zur Serie beigesteuert hat. Neuerdings hat Patasvas The Whitest Boy Alive und vor allem die Labrador-Labellieblinge Mary Onettes zu Grey´s beigesteuert.

Schau einer an, und wir dachten, die Amerikaner hätten keine Kultur! Nur noch ein kleiner Tipp, Frau Patsavas: Auch in Finnland gibt es wunderbaren Indiepop! Wenn Sie mal eine Anregung brauchen: Mail an mich genügt!

Wer jetzt genau wissen möchte, wie er oder sie am besten Music Supervisor wird, ob man das studieren kann und dazu Tipps von der Expertin selbst bekommen will: Alexandra Patsavas hat inzwischen ihr eigenes Plattenlabel gegründet (!)  und gibt auf ihrer myspace-Seite ausführlich Auskunft über ihre Karriere.

10. Mai 2007

Sonderangebot: Rednex for sale!

 Sie sind Multimillionär und haben ein großes Herz für die kulturellen Machenschaften der Welt. Deswegen unterstützen sie Kulturprojekte, kaufen Hektoliterweise Pils, um den Regenwald zu retten und engagieren sich in der Denkmalspflege, damit greuliche Kriegsdenkmal mit dem unbekannten Soldat in Trudenhausen nicht volends den Geist aufgibt.

Wir unterbreiten Ihnen nun einen weiteren Vorschlag, wie Sie ihr Geld sinnstiftend einbringen können. Kaufen Sie Musik! Kaufen sie nicht nur Musik, sondern gleich die ganzen Rechte der Songs, den kompletten Backkatalog, die Bühnengestaltung, das Outfit, das Marketing, den Projektnamen und die Homepage. Kaufen Sie eine Band (Kleingedrucktes: Und deren Schulden). Kaufen Sie die scheußliche 90er-Jahre-Schundband REDNEX! Verbieten Sie sodann die Aufführung und das Wiederkäuen unsäglicher Klassiker wie »Cotton Eye Joe«, »Spirit Of The Hawk« oder »Wish You Were Here« (okay, hier könnte eine Ausnahmeklausel geltend gemacht werden) und sämtliche gleichklingenden B-Seiten.

Lassen Sie daraufhin alle Verträge ruhen, bis die Band all ihre 379 Cowboyhüte abgenommen hat, die Indianerklamotten ausgezogen hat und bei McDoof am Tresen steht, um endlich mal mit Arbeit ihr Geld zu verdienen. Bewahren Sie so mit unendlichem Gutmenschentum unmündige Kinder und Schlagerfans vor dem Kauf weiterer Nullnummern dieser Ausnahmekapelle. Bewahren Sie die Unmündigen davor, dass sie das Elend per Massenticket auch live mitbekommen. Leisten Sie ihren Beitrag zur musikalischen Qualitätssicherung und klicken Sie hier. Das Team vom Polarblog dankt es Ihnen.

07. Mai 2007

Willkommen Eurovision Teil 2

Das Großereignis des Jahres in Helsinki rückt näher, und vorm ersten Abträllern eines Schlagers und vorm ersten »Finland Twelve Points« steht schon ein Gewinner des diesjährigen Eurovision Song Contest fest. Dieser ist kein anderer als unser alter Bekannter Markku from Finland, über den wir schon Anfang des Jahres gebloggt hatten. Wir erinnern uns: Das ist dieser skurile Mensch, der selbstgemachte Videos auf seine myspace-Seite stellt, die dem Rest der Welt finnische Eigenheiten näherbringen soll. Markku hat in den letzten Monaten im Rahmen seines Kreuzzugs in Sachen nationale Eigenwerbung so viele Fans gewonnen, dass er auf dem Videoportal Youtube zu den kleinen Stars gehört. 60.000 Besucher haben sich an den eigenwilligen Machwerken des Mannes aus Tampere erfreut. Das ist in einem kleinen Land wie Finnland selbst den TV-Verantwortlichen nicht verborgen geblieben. 

 Markku macht jetzt also Karriere: Der Fernsehsender SubTV räumt dem Englisch radebrechenden Original in diesen Tagen des Countdowns zum Song Contest eine halbstündige Sendung ein, in der er in gewohnt unbeholfen-charmanter Art die finnische Haupstadt unsicher macht. 

Die größte Tageszeitung des Landes, der Helsingin Sanomat, enthüllt inzwischen genüsslich, dass es Markku gar nicht gibt. Markku ist nämlich eine Kunstfigur, ersonnen von einer Freundestruppe um den Werbefachmann Antti Toivonen, der selbst in die Rolle des Markku schlüpft und sich den charakteristischen Schnauzbart nur aufgeklebt hat. »Wir hätten nie gedacht,  dass die Welt Markku wirklich ernst nehmen könnte, aber genau das ist passiert«, zitiert das Blatt Toivonen. Und eigentlich richten sich die Videos gar nicht an die ausländischen Schlagerfestbesucher, sondern an die Finnen selbst, denen Markku in charakteristischer Weise den Spiegel vor die Nase hält. Denn tatsächlich ist es so, dass Markku ein Jedermann ist, den man an jeder Straßenecke treffen kann. Meint Koivonen. Und der muss es ja wissen.

Da bleibt nur noch zu sagen: Willkommen Eurovision! 

22. März 2007

Das Darmstädter Echo und Boomhauer

BoomhauerIrgendwann ist es für jeden das erste Mal. Auch für das Darmstädter Echo, die bekannte Qualitätszeitung aus der südhessischen Metropole – und die legendären finnischen Garagenrocker Boomhauer.

Da hat das Provinzblatt an einem Freitagabend doch tatsächlich die Kulturkorrespondentin ins 603qm geschickt, um über die Abgründe finnischer Verrückheit zu berichten.

Folgendes hat die Dame erlebt:

Das finnische Trio Boomhauer kommt da äußerst erfrischend daher: Die drei gehen der Frage nach, ob Schlangen Vögel fressen, werfen Anekdoten ein wie Konfetti oder fotografieren das Publikum mit dem Handy. »Die Familie zu Hause glaubt nicht, dass wir internationale Rockstars sind«, erläutert Mikko Lappaleinen diese Beweisaufnahme.

Im Gegensatz zu diesem schwergewichtigen Schlagzeuger kommt sein Instrument auffallend abgespeckt daher. Lediglich drei Trommeln und ein Becken braucht er, um die packende Musik voranzutreiben. Das entspricht ganz dem Weniger-ist-mehr-Prinzip, das die Band überzeugend zum Klingen bringt.

Dazu passt perfekt der hysterische Gesang des Gitarristen Saku Krappala. Das Organ des schmächtigen Kerlchens spricht mehr als es singt, und das in hochtöniger Überzeichnung. Zwischen den meist kurzen Stücken verbreitet er – »Ladies and Gentlemen!« – im Schnellsprechverfahren allerlei Nonsens und amüsiert das Publikum mit Geschichten von der Autobahn oder wie an einem Berg mal Goethe zu ihm sprach.

Doch die Grenze zur Albernheit überschreiten sie nicht. Denn auf der Bühne stehen drei ernst zu nehmende Musiker, die schräge Bluesakkorde mit kantigen Rockbeats mischen, von poppigen Melodien in raue Garagen-Sounds fallen oder eine plänkelnde Gitarre mit einem schnodderig gespielten Bass paaren. Das ist knackige Musik mit Köpfchen. Und am Ende des Konzerts haben sie dann doch noch gelernt, dass es »Darmstadt« heißt und nicht »Darmstein«.

Sehr aufmerkam beobachtet, Darmstädter Echo! Hauptsache, die Sache mit Darmstadt und Darmstein ist klargestellt!

Hinzuzufügen bleibt: Boomhauer-Sänger Saku Krappala ist für seine Verhältnisse an diesem Abend geradezu schüchtern.  Wenn der Mann richtig aufdreht, sieht die Sache anders aus. Hinzuzufügen bleibt: Die Spielfreude, Anarchie, Energie und Rotzfrecheit von Boomhauer gehen im Duell mit dem anfänglich sehr zurückhaltenden Darmstädter Publikum eindeutig als Sieger vom Platz. Faktum bleibt: Ein Boomhauer-Konzert ist immer unwiderstehlich. Auch wenn Herr Krappala mal wieder seine wunderbaren langsamen Songs nicht live spielt.

Nach dem Konzert verrät uns Saku noch, dass wir ihm gratulieren können: Der Mann hat vor kurzem seine Ausbildung in der Fachrichtung Ernährungswissenschaft in Turku abgeschlossen! Ob der Gitarrenwüterich und Meister der abstrusesten Anekdoten nun bald professionell den Kochlöffel schwingen wird, bleibt offen, aber zu Kartoffelbrei und gebratenem Elch wird es allemal reichen.

Außerdem dürften wir uns darauf einstellen, bald Sakus sanfte musikalische Seite kennenzulernen: Das »schmächtige Kerlchen« (nicht ganz korrekt beobachtet, Darmstädter Echo!) arbeitet unter dem Namen Pocket Knife an seiner Solo-Platte, die wohl noch in diesem Jahr beim 22-Pistepirkko-Label Bone Voyage Recordings herauskommen wird. Wir warten gespannt darauf, Saku! Und bitte bald wiederkommen, Jungs!

 
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