14. Oktober 2006
Geduld und Langsamkeit – eine polare Tugend

Aufmerksame Leser des Polarblogs wissen, dass ich in Urlaub war. Nur soviel: Der Ipod hat sich bewährt; er hat die gewaltige nordische Landschaft noch gewaltiger gemacht. Erste Foto-Eindrücke aus der Digital-Knipse in diesem Beitrag.
Nur: Ich bin nicht wie geplant ins Fjäll gekommen. Das Wetter hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bestens vorbereitet und hoch motiviert liefen wir, mein Kumpel Mike und ich, am zweiten Tag in eine weiße Schneewand. Wir waren noch im Tarradal, einem tief eingeschnittenen Tal, wo zwei Wochen zuvor noch Wanderer ausgeflogen wurden, weil es heftige Überschwemmungen gab. Die gab es in der zweite Septemberhälfte nicht mehr – ebenso wenig wie irgendwelche anderen Wanderer –, aber dafür Wind aus Südost.
Das heißt in dieser Region: Schnee, und nicht zu knapp. In der erlebten Ausprägung recht ungewöhnlich für die zweite Septemberhälfte, aber ab und zu kommt es eben vor. Schon im Tal auf 300 Metern. Unser Weg hätte uns in den nächsten Tagen auf über 1000 Meter geführt, was den klimatischen Alpenregionen von 2000 Metern entspricht. Schweren Herzens brachen wir unsere Tour ab.

Was das für einen Aufruhr der Gefühle verursacht, wird wohl nur der verstehen, der schon mal in so einer Situation war. Könnte man nicht doch …? Vielleicht ist der Schnee dort oben trotz Verwehungen gar nicht so hoch? Vielleicht sind die Geröllfelder trotz der Schneedecke noch passierbar, ohne sich den Hals zu brechen? Vielleicht könnten wir trotzdem unsere Tour wie geplant laufen? Doch das wäre leichtsinnig gewesen. Dass unsere Entscheidung der Rückkehr richtig war, zeigten die Tage danach: Es fiel noch mehr Schnee.
Als ich da nun saß und diese Machtdemonstration der Natur zu akzeptieren versuchte, merkte ich wieder einmal, was das Leben im Norden prägt: Die Natur diktiert den Rhythmus; wer ihn nicht akzeptiert, wird untergehen. Und der Zufall wollte es, dass noch zwei Sami in unserem Notraum Zuflucht suchten, die auf der Elchjagd waren. Zwei Elche hatten sie geschossen, die auf der anderen Fluss-Seite lagen. Immer wieder spähten sie mit ihren Ferngläsern hinüber, um sicherzugehen, dass kein Bär sich über ihre Beute hermachen würde.
Isaak und sein Sohn Lars-Isaak betreiben den Sommer über in der weit abgelegenen Bergsiedlung Staloluokta noch Rentierzucht – ganz traditionell, auch wenn sie mittlerweile ebenfalls Helikopter, Schneescooter und Iridium-Satelliten-Telefon einsetzen.
Wer als Tourist den Kontakt zu Sami sucht, wird erfolglos bleiben. Sie meiden ihn, erst recht zu Touristen. Man muss ihnen zufällig begegnen, und wenn das Umfeld und die Chemie stimmt, werden sie erzählen. Beides stimmte an diesem Abend. Wir alberten herum, machten uns gegenseitig über unsere Stirnlampen lustig (Petzl und Zeiss sind auch bei Sami beliebte Marken), skippten durch das Ipod-Repertoire (Lars-Isaak liebte meine MP3s von Niko Valkeapää) und erzählten Geschichten. Zum Beispiel vom novemberlichen Zusammentreiben der Rentiere in den Bergen, wo die allerwichtigste Tugend die Geduld sei. In seltenen Fällen sei das Wetter dann so unberechenbar, dass man vier Wochen lang die Berghütte nicht verlassen könne. Da es dann eh nur wenige Stunden hell ist, schlafe man am besten möglichst viel, so Isaak.

Ich könnte noch einige Beispiel mehr nennen, aber es läuft immer wieder auf die gleiche Schlüsseltugend hinaus: Geduld. Bedächtigkeit. Ja, Langsamkeit sogar. Und Energie nur dann, wenn sie nötig ist. Genau nach diesem Schema handelten und bewegten sich die beiden Rentierzüchter; ebenso wie der Bär, dessen Kot wir später fanden.
Wohl noch nie habe ich diese von der nordischen Natur diktierte Verhaltensweise so ausgeprägt in der nordischen Musik bemerkt wie an diesem Abend in dieser Berghütte, als ich auf meinem Ipod die Zeitlupen-Songs von Susanna And The Magical Orchestra oder Solveig Slettahjell hörte, als ich Sidsel Endresens tongewordenen Eisblöcken lauschte und ich mich in Wimmes Lobgesang auf den Raufuß-Bussard vertiefte.

Natürlich ist das von der Natur geprägte Musikverständnis der Skandinavier ein Klischee. Aber es ist auch – wenngleich in einer anderen Dimension als von den meisten deutschen Musikjournalisten ausgemalt – schlichte Realität.


Skandal! Wenn Paris Hilton sich in ihrem neuen Video als
zusehen. Vielmehr würde man wohl gelangweilt einfach das Programm wechseln. Aber auch deutsche Zeitungen zeigen sich befremdet und erbost:
anerkanntes Jugendrepertoire und somit kaum Aufregung und Beanstandung wert. Ob sie verkaufsfördernd sind, sei auch ausdrücklich an dieser Stelle dahingestellt.
eit leider um Meilen verfehlt. Harter Analverkehr zur Steigerung der Gesangsqualitäten, fragte ein Musikforum? Oder das neue sexuelle Selbstverständnis der Frauen, die Eva Hermans neues Werk wohl eher nicht gekauft haben? Was die ehemalige Radio Bremen-Moderatorin zu dieser billigen, durchsichtigen und vor allem nicht jugendfreien Fäkal-Kampagne zu Steigerung des eigenen Bekanntheitgradsgetrieben haben mag, ist eigentlich irrelevant. Aber es zeigt, dass der geplante Bruch mit den gesellschaftlichen Konventionen immer funktionieren wird und zudem bilderbuchhaft, wie man alle weiteren Dimensionen des künstlerischen Anspruchs umschifft. Über Reimführung, Beats und musikalisches Geschick braucht man nämlich an dieser Stelle erst gar nicht nachgedacht werden. Wahre Provokation zu üben, die nicht als übermäßig inszeniert gilt und trotzdem eindringlich, tiefgründig ist, findet weiterhin wohl nur in der Avantgardekunst statt.
igabe ab 16 Jahren. Ein Indiz dafür, dass die Überschreitung von Geschmacksgrenzen, die ja auch immer gesellschaftlich geprägt sind und gesellschaftlichem Wandel unterliegen, Einzug in den Alltag gehalten hat. Wenn selbst drastische Frauenverachtung bis hin zu latenten Vergewaltigungsphantasien in unserer Zeit als »normal« und »unbedenklich« von den Prüfstellen angesehen werden, sind Skandale dann nicht nur massenmediale Zeugen von ökonomischen Strukturen? In Wahrheit würden viele den Skandalen nämlich Diskussionsunwürdigkeit attestieren. Erst der erbost gehobene, immer eher konservative Zeigefinger von Zeitung, Radio und Fernsehen macht aus einer Banalität einen Skandal. Jedoch greif auch hier das bekannte Schwarz/Weiß-Schema nicht immer. Klar entpuppen sichdie meisten Skandale als unhaltbare Luftblase, aber gerade der Text von Sido und seiner Einschätzung durch die Bundesprüfstelle ist ein gutes Beispiel für einen möglichen kritischen Dialog, der durchaus seine Berechtigung hätte.
nnen. Das Label Epic versucht derzeit mit der Dänin
Wie muss es sich anfühlen, wenn man monatelang fremdkommandiert wird? Nachdem es für Daniel Cirera erst einmal auf große
Man hat ja sonst nichts zu tun. Legt man eben mal auf einer Diplom-Party auf. Es hieß: »Wir sind hier ein kleiner Kurs und wir hören hier so ziemlich alle Rock – aber pack mal zur Sicherheit auch ein paar Platten Fettes Brot und so ein«. Ganze Kiste also von Aereogramme bis Zutons gefüllt und die leicht angestaubten Compis mit dem Chartskram schön weit unten verstaut. Für den absoluten Notfall. Und ab nach Münster. Easy Indie-Disco? Denkste!