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Foto nordische Landschaft

21. Oktober 2017

Das Fabrikmädchen und das Unheimliche: Minja Koski

Wenn das Unheimliche plötzlich in den Alltag einzieht, dann zieht es uns sacht den Boden unter den Füßen weg. Und dann bleiben Erinnerungen lange, lange lebendig. Minja Koski, finnische Schauspielerin und Sängerin, hat eine besonders verstörende Erinnerung: Als sie ein kleines Mädchen war, versuchte eine Jugendliche, sich im Teich vor der Dorfdisco zu ertränken. In Kuhmo war das, der Heimatstadt der Musikerinn, einem 6.000-Seelen-Nest in Nordfinnland, hart an der russischen Grenze. Minja alias M hat das Erlebnis in einem sanft verstörenden Song namens »Kaarina« verarbeitet. Man spürt fast, wie Dunkelheit und Wald an das Haus heranrücken. Es ist, als ob kleine schwarze Vögel durch das Debütalbum »TEHTAANTYTTÖ« flattern. Übersetzt heißt das Fabrikmädchen, was wohl die einzige Karrieremöglichkeit in Kuhmo sein dürfte.

Das Mädchen und die dunklen Mächte, die aus den Wäldern rufen, das ist nur eines der Leitmotive dieses subtil verstörenden Albums. Denn Minja hat sich hier mit dem Turkuer Produzenten und Soundtüftler Miikka Ahlman zusammengetan, der das Poe´sche Grauen mit aktuellen Beats unterlegt und so die Schauermär mit leichter Hand Richtung Dancefloor entführt. Die scheinbare Naivität, die Minja Koski stimmlich transportiert, führt in die Irre: Diese Frau weiß genau, was sie tut! Sie singt über das Leben an den Rändern, wo sich die Gewissheiten verflüchtigen, was die Sinne ungemein schärft. Was passiert denn den Mädchen aus den Grimm´schen Märchen? Genau, sie gehen wie Rotkäppchen, Gretel und Schneewittchen im Wald verloren. Minja Koski ist eine heutige Nachfahrin dieser Heldinnen, die vom Wege abkommnen und lernen, dass die faszinierendsten Gestalten tief verborgen im schwarzen Dickicht leben. Ach ja, und die finnische Sprache eignet sich bestens für diese Ausflüge in dunkelschwarze Wunderwelten!

04. Oktober 2017

Das traurigste Mädchen Schwedens: Sarah Klang auf dem Reeperbahn Festival 2017

Wenn man Sarah Klang lauscht, dann könnte man glatt auf die Idee kommen, dass sie das traurigste Mädchen Schwedens ist: So jung und schon so desillusioniert! Mit einer Stimme, die warm und lebenserfahren klingt. Und wenn man die Augen schließt und nur lauscht, dann könnte man meinen, dass die junge Frau aus Göteborg ihre prägenden Jahre in den USA verbracht hat. Dem ist aber mitnichten so. Zu ihrem Auftritt beim Reeperbahn Festival in der knallvollen Pooca Bar trägt Sarah Klang ein weißes Kleid. Größer könnte der Gegensatz zu ihren melancholischen, countryesken Balladen kaum sein! Die tiefe Traurigkeit des Blues schwingt hier ebenso mit wie die schwül-düstere Popmusik der 80er Jahre.

Um Bühnenpräsenz muss sich die Schwedin an diesem angenehm milden Abend nicht bemühen: Sie hat sie einfach. Einfühlsam unterstützt von ihrer Begleitband taucht Sarah Klang ab in düstere Gefühlswelten, die von zerbrochenen Beziehungen und schmerzhaften Abschieden künden. In innigen und doch opulenten Track “Strangers” geht es um eine gescheiterte Beziehung – und um die Belastung, dem Ex in der Kleinstadt fast täglich über den Weg laufen zu müssen. Unschön, das! Mit der privaten Sara hat dieser Seelenjammer allerdings nichts zu tun: Sie ist mit einem ihrer Bandmitglieder glücklich liiert, erzählt sie beim Konzert. Aktuelles Liebesglück und Herzschmerz in den Songs beißen sich also keineswegs! Von Sarah Klang dürften wir noch hören in den kommenden Monaten: Sie hat eben einen Plattenvertrag beim Hamburger Label Ferryhouse unterschrieben und bringt Anfang 2018 hierzulande ihr Debütalbum heraus.

(Foto: Linnéa Wilhelmsson)

30. August 2017

Summer Breeze 2017 – Samstag: Auf Händen getragen

Frühester Arbeitsbeginn des diesjährigen Summer Breeze. Die Veranstalter haben um elf Uhr zur jährlichen Pressekonferenz geladen – und hier sind ein paar Zahlen-Daten-Fakten rund ums Festival:

Dieses Jahr sind 40.000 Besucher anwesend. Aus den beiden Hauptbühnen wurde die Summer Breeze-Stage; sie besitzt die größte transportable Drehscheibe Europas auf einem Open-Air-Festival mit 20 Metern Durchmesser. 27 Kilometer Bauzaun wurden im Vorfeld aufgebaut.

Natürlich wird auch über das Unwetter von gestern gesprochen. Die gute Nachricht ist, dass es nicht so schlimm war wie befürchtet; niemand kam zu Schaden. Zwischendurch haben wir Mühe, die Antworten der Veranstalter zu verstehen: Auf der SB-Stage legen die Excrementory Grindfuckers dermaßen laut los, dass Veranstalter Achim Ostertag sanft grinsend ein »wen hab ich da gebucht?« entfährt.

Im Anschluss an die Pressekonferenz hätten wir uns mehr Zeit lassen sollen auf dem Weg zur SB-Stage. Primal Fear (D) liefern ein schauriges Gejaule ab, aber da müssen wir durch. Denn Delain (NL) spielen nach ihnen. Bei den Holländern sind ausgesprochen viele Männer anwesend. Muss wohl an den schönen Frauen auf der Bühne liegen – oder doch an der Musik? Frontfrau Charlotte Wessels versteht es jedenfalls das Publikum mitzureißen.

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29. August 2017

Summer Breeze 2017 – Freitag: Déjà-vu – ein Unwetter zieht heran

Memorian (UK) liegen gerade in ihren letzten Zügen, als wir auf dem Battlefield eintreffen. Wir sind zu früh dran für Battle Beast (FIN) und drehen auf der Suche nach CDs noch eine Runde durch die Händlermeile.

Vor der Summer Breeze-Stage einen Platz zu bekommen, fällt bei den Finnen recht schwer: Es ist erstaunlich viel los. Mit tanz- und bangbaren Rhythmen begeistert die Band um Fronterin Noora Louhimo das Publikum, das immer mehr fordert und sichtlich Spaß hat.

Die traditionellen Heavy Metaller begeistern ihre Fans mit Stücken wie »Familiar Hell«, »Touch In The Night« und natürlich »Black Ninja« – und diese danken es ihnen mit abfeiern und mehr oder minder textfestem Mitsingen.

Auf dem Weg in Richtung T-Stage nutzen wir die Möglichkeit erst einmal kurz aus der Sonne raus zu gehen – und entdecken fliegende Einhörner.

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28. August 2017

Summer Breeze 2017 – Donnerstag: Metalcore und Zickenterror

Ab Donnerstag werden dann zusätzlich zur T- und Camel-Stage auch die Hauptbühnen gerockt, genauer: die neue »Zwei-in-eins« alias »Summer Breeze-Stage« mit Drehscheibe. Nach einem ausgewogenen (Bier-)Frühstück statten wir dem »Battlefield« einen Besuch ab. Auf der Summer Breeze-Stage spielen The New Roses aus Wiesbaden als Ersatz für Xandria (D). Allzuviel ist noch nicht los an diesem Donnerstagmorgen. Wir hören uns ein paar Songs des lässigen (Hard) Rocks an und sind bester Laune, das Aufstehen hat sich gelohnt.

Anschließend stapfen wir eine Runde übers Gelände, um uns einen Überblick über die Änderungen im Vergelich zu den Vorjahren zu verschaffen. Vor der SB-Stage gibt es nun einen komplett abgetrennten Bereich mit dem Eingang rechts von der Bühne und dem Ausgang links. Trotz der vielen Durchsagen, die darauf hinweisen, haben die Ordner am Ausgang genug damit zu tun, den Leuten zu erklären, wo der Eingang ist. Im Laufe des Tages soll das noch schlimmer werden.

Da wir vor Obituary (USA) nichts mehr sehen wollen (wir haben die Wahl zwischen Metalcore, Metalcore und Metalcore) und die Sonne jetzt schon erbarmungslos brennt, gehen wir zurück ans Zelt zu den anderen. Zu fünft machen wir uns später auf den Weg zu den Death Metallern aus Florida. Recht statisch stehen sie auf der großen Bühne, nur Sänger John Tardy läuft hin und wieder umher. Zu verdenken ist ihnen das bei den Temperaturen nicht, zumal sie nicht mehr die Jüngsten sind. Die druckvolle Musik macht trotzdem Laune: sie ist so langsam, dass es fast schon schmerzt.

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