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Foto nordische Landschaft

03. März 2018

Luftige Töne von der Grenzgängerin: Ellen Andrea Wang

Luftige Sounds mit Ellen Andrea Wang: Die norwegische Bassistin, Sängerin und Komponistin will sich in keine Schublade stecken lassen und bewegt sich voller Neugier im Spannungsfeld zwischen Jazz, Funk, Pop und elektronischen Sounds. Puristin ist die Frau jedenfalls nicht! Seichte Töne sind ihr ein Graus, lieber umgibt sie sich auf der Bühne mit kongenialen Partnern wie Andreas Ulvo an den Tasten und Erland Dahlen am Schlagzeug und macht sich auf in aufregende musikalische Grenzlande. Der Fama nach hat sie Kontrabassunterricht genommen, weil sie unbedingt in einer Band spielen wollte. Aber an einem ungewöhnlichen Instrument! Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist, dass Ellen Andrea Wang auch noch singen kann, mit einer hellen, biegsamen Stimme. Und das Ergebnis klingt alles andere als angestrengt, sondern leicht und souverän zugleich. Und sie hat hörbaren Spaß am Spiel mit den Genres! Kürzlich hat Ellen Andrea Wang ihr zweites Album »BLANK OUT« vorgelegt und kommt mit der neuen Scheibe im Gepäck jetzt auf Deutschlandtour. Wer die kommenden Abend noch nicht verplant hat, dem seien die Konzerte ans Herz gelegt, die sich bei unseren Tourterminen finden. Wer Rezensionen zur Entscheidungsfindung braucht, wird hier fündig. Und wer einfach nur mal reinhören will: Das luftige A Change Of Heart mit seinen Disco-Anklängen gefällt!

(Foto: Solveig Selj)

26. Februar 2018

Gar nicht klassisch: Killer Kid Mozart

Wenn ich im Moment eine Serie bingewatche, dann ist es die temporeiche und kluge US-Komödie Mozart In The Jungle um einen genial-durchgeknallten Dirigenten, sein neurotisches und widerspenstiges Orchester und die Untiefen der Ney Yorker Klassikszene. Gael Garcia Bernal und Malcolm McLaren sind eine wahre Freude, und dass der gute alte Mozart immer wieder auftaucht und dem eitlen Dirigenten den Kopf zurechtzurücken, ist ein Zusatz-Goodie. Und ich schwöre: Danach kriegt man solche Lust, den lieben langen Tag Sibelius zu hören, dass man die alten Klassik-CDs gar nicht schnell genug hinten aus dem Plattenschrank kramen kann. Und ist man einmal im Mozart-Fieber, dann wird man hellhörig, sobald der Name irgendwo fällt: Zum Beispiel bei Killer Kid Mozart. Genialer Name irgendwie!

Killer Kid Mozart sind drei Rotzlöffel aus dem norwegischen Provinznest Elverum, die den guten alten, schlunzigen Collegerock hochleben lassen: Mit überzeugender dicker Lippe, unwiderstehlichen Powerpop-Vibes, viel anarchischer Energie und einem echten Händchen für mitreißende Melodien. Wer zu diesen euphorisierenden Straßenköter-Sounds nicht tanzt, hat im Leben irgendetwas falsch gemacht! Hallvard Bonden heißt die gerade mal 19jährige Nachwuchskraft, der drei Freunde um sich geschart hat, um alles niederzuwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Die spätpubertäre Welt junger Männer aus der Kleinstadt in drei Minuten erklären und dabei auch noch eine schmuddelige Euphorie verbreiten: Das kriegen Killer Kid Mozart mit links hin! Die Gitarren stechen wie die Wespen, die lächelnde Schnoddrigkeit wird bald die Weltherrschaft ergreifen und das Leben ist manchmal so wundervoll intensiv, dass es wehtut! Infos zur Band sind rar, via Soundcloud kann man aber ausführlich in das noch schmale Schaffen der Band hereinhören und hoffen, dass die Jungspunde auch mal ein Album herausbringen. Oder ein deutsches Sommerfestival aufmischen und alle drögen Singer-Songwriter-Klampfer vom Hof jagen!

03. Februar 2018

The Winter Of My Discontent: Eurosonic 2018

Jetzt sind schon fast zwei Wochen ins Land gegangen, und ich habe immer noch kaum etwas über dass Eurosonic Festival in Groningen geschrieben, mit dem das Konzertjahr traditionell eingeläutet wird. In der nordniederländischen Stadt ist es Mitte Januar allein aus jahreszeitlichen Gründen recht ungemütlich, aber Gräue, Glätte, Kälte, Schneetreiben und schiefergraue Himmel gehören zum Eurosonic quasi dazu. Wie jedes Jahr präsentierten sich hier Anfang des Jahres die viel versprechendsten europäischen Newcomermusiker und hoffen darauf, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Was schwierig ist angesichts der Fülle der auftretenden Bands, von denen man selbst bei bestem Willen nur einen Bruchteil live sehen kann. Denn die Venues liegen zum Teil weit auseinander und bei ekligen Graupelschauern überlegt man es sich drei Mal, bevor man einen gemütlichen Club verlässt und eine Viertelstunde ans andere Ende der Innenstadt radelt. Realistisch gesehen wird nur ein sehr, sehr geringer Teil der hier auftretenden Bands den Durchbruch schaffen. Einige wenige werden gehypt. Der Rest verschwindet wieder in der Versenkung und begnügt sich mit kleinen Erfolgen auf den heimischen Musikmärkten. Der Grund, warum ich bislang nichts schrieb, hat nichts mit diesen Überlegungen zu tun. Sondern mit der Tatsache, dass nur sehr, sehr wenige der Bands, die ich auf dem Eurosonic hörte, Eindruck hinterlassen haben. Zu viel Durchschnittskost dabei. Und manche Band, die ich im Polarblog in der Vergangenheit lobend erwähnte, erwies sich live als unglaublich fade und beim Beherrschen der Instrumente auf Schülerkapellen-Niveau.

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04. Januar 2018

Ein sanfter Sturm zieht auf mit Daniela Reyes

Daniela Reyes könnte fast als Wunderkind durchgehen: Knapp 15 Jahre ist sie alt, hat aber schon ihren ersten Plattenvertrag beim norwegischen Qualitätslabel Toothfairy ergattert (wo übrigens auch Durchstarterin Ary zu finden ist!) und bereits auf mehreren renommierten Festivals in ihrer Heimat gespielt. Und da sie sich im arg überfischten Becken der Singer-Songwriter bewegt, ist diese kleine Karriere in jungen Jahren als noch erstaunlicher zu bewerten.

Aus dem großen Meer der Klampfenliesen hervorzustechen, dazu gehört schon was! Vielleicht liegt es daran, dass Daniela Reyes diese sehr ausdrucksstarke, leicht belegte Stimme hat und mit wunderbarer Großäugigkeit für ihr Alter ganz schön lebensweise Geschichten erzählt. Und außer Gitarre auch noch Ukulele, Akkordeon, Bass und die Loopstation zu bedienen weiß! Mit ihrer scheinbaren Naivität erinnert die Musikerin durchaus an die unvergessene Melanie. Der nicht sehr norwegische Name der jungen Sängerin ist kein Zufall: Daniela Reyes stammt ursprünglich aus Kolumbien und wurde schon in sehr frühen Jahren von einer norwegischen Familie adoptiert. Das Akkordeonspiel hat sie von ihrem norwegischen Adoptiv-Großvater gelernt. Ein großes Repertoire vorzuweisen hat die Nachwuchskraft naturgemäß noch nicht, aber im fein zurückgenommen »Station Z« lässt die junge Frau mit der großen Präsenz einen sanften Sturm aufziehen und alle Sterne am Himmel leuchten! Wir merken uns für das Jahr 2018: Unschuld ist das neue Cool!

13. Dezember 2017

Schwarzromantische Töne für die dunkelsten Nächte: Ellis May

Wir nähern uns den dunkelsten Tagen des Jahres. Die Schwärze kriecht mit gierigen Fingern heran und will uns fest umschlingen. Dagegen taugt kein weihnachtlicher Lichterglanz etwas! Als Soundtrack zu diesen stillen, nicht enden wollenden Nächten passt die Musik von Ellis May bestens. Das ist der Nom de Plume der dänischen Produzentin und Sängerin Sophia Maj.

Die Kopenhagenerin ist dem Unheimlichen, das unverhofft im Alltag auftaucht, in respektvoller Bewunderung verbunden. Die Schauerballade, ein irrlichterndes Piano und rauchige Vocals: Damit führt uns Ellis May im geisterhaften Track »Father« gekonnt auf Abwege. Dass es in dieser düsteren Mär um sehr persönliche Dinge geht, um Verlust und den Umgang damit, das glauben wir ihr unbenommen. Schwarzromantisch sind die Pfade, die May hier beschreitet, unerschrocken und mit offenen Sinnen. Sie maunzt und flüstert und mäandert stimmlich, als wolle sie selbstbewusst das Erbe von Lydia Lunch antreten, nur in zartere Form. Bei diesem subtil ausufernden Fünfminüter sollte man Geduld mitbringen, um perfekt goutieren zu können, wie hier subtile Spannungsbögen aufgebaut werden. Mitunter kommt die finnische Kollegin Mirel Wagner in den Sinn, um die es in letzter Zeit leider sehr still geworden ist. Ein großes Oeuvre hat Ellis May noch nicht aufzuweisen, aber wer neugierig geworden ist: Auf ihrer Soundcloud-Seite enthüllt sie auch ihre elektronikbetontere Seite, ohne an geisterhafter Intensität einzubüßen.

Beim ersten Festival des Jahres, dem Eurosonic im niederländischen Groningen, gibt es 2018 erfreulicherweise einen Länderschwerpunkt Dänemark. Ganz klar, dass der Auftritt von Ellis May ganz oben auf meiner provisorischen Liste der »unbedingt zu sehenden« Acts steht!

Foto: Frederik Maj

 
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