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Foto nordische Landschaft

05. April 2013

Inferno 2013, Donnerstag – (Black) Metal Ostern: Iskald-er Start

Eier suchen? Familientreffen? Essen gehen? Viele (norwegische) Metaller haben eine ganz andere Oster-Tradition: Sie pilgern zum Inferno-Festival nach Oslo. Vom 27. bis 30. März 2013 stehen hier 29 Bands auf der Bühne des Rockefeller und der seines kleinen Bruders John Dee.

Weitere 18 Kapellen heizten in den Club-Shows am Mittwoch schon mal an: Bei der Indie Recordings Labelnight im John Dee, der von Dark Essence Records im Blå, auf der Metal Hammer Norway-Bühne im Revolver sowie im Rock In, Victoria und De Ville’s Rock. Wer eher unbekannte, überwiegend norwegische Bands entdecken will, sollte hier vorbeischauen.

Ich komme am Donnerstag gerade rechtzeitig in Oslo an, um den norwegischen Opener Iskald im Rockefeller zu sehen (Horned Almighty aus Dänemark habe ich verpasst).

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21. März 2013

Das Haus hinter den Augen: Deer Bear

Ein Haus hinter den Augen bauen: Ein hehrer Anspruch, den sich Deer Bear gestellt haben. Der Dame und dem Herrn aus Dänemark geht es um Ying und Yang, um Innerlichkeit und Expressivität. Um Verlangsamung und organische Entstehungsprozesse. Huch, hört sich verkopft an, was die die beiden als Überbau für ihren melancholischen Folkpop errichtet haben. Die Zusammenarbeit zwischen Anne Hjort, die vom Elektropop herkommt, und Lars Bjørn-Hansen, dessen musikalische Herkunft in der Death-Metal-Band Koldborn begründet liegt, muss ohnehin verwundern. Wie diese beiden sich gefunden haben, ist wahrscheinlich eine lange Geschichte. Aber als Duo klingen die beiden aber so, als würden sie sich bereits lange, lange Zeit kennen. Und der Song »No Choice« ist ein wunderbar eindringlicher, gleichwohl leise beruhigender Soundtrack für späte Nachstunden.

Deer Bear sehen ihre Musik als Schutzwall. Gegen die schnöde moderne Welt mit all ihrer Kälte. Musik, so sagen sie mit entwaffnender Ehrlichkeit, ist das beste Mittel, um die elende Leiderei zumindest zeitweise am Zuschlagen zu hindern. Sie sind ernsthaft, naiv und irgendwie trotzdem leichtfüßig und seltsam tröstlich. Wärmen mit Streichern, Klampfe und Stimme.l Innehalten und nachdenken: Nicht die schlechteste Sache, dabei dem schmiegsamen Zwiegesang dieser beiden zu lauschen. Ihr Debütalbum heißt »HOUSE BEHIND THE EYES«, wie sonst.

17. März 2013

Romantisch suchen mit den Shaking Sensations

Wir sollen endlich aufhören, uns dauernd Sorgen zu machen. Diesen guten Rat legen uns die Shaking Sensations gleich mit dem schlichten Titel ihres neuen Albums »START STOP WORRYING« ans Herz, das Ende des Monats erscheinen wird. Nun denn! Wenn man der ruhigen, nachdenklichen Variante des instrumentalen Postrock lauscht, welche die fünf Jungmänner aus Kopenhagen zelebrieren, dann kehrt tatsächlich eine gewisse innere Ruhe ein. Ohne dass es dabei langweilig wird. Denn Spannungsbögen erzeugen, das können die Dänen! Die mit zwei Schlagzeugen agieren, ohne dabei einen undefinierbaren Lärmbrei zu erzeugen! Dafür stehen die sensiblen Gitarren viel zu sehr im Vordergrund!

Wer sich dem instrumentalen Postrock verschreibt, der hat immer etwas von einem romantisch Suchenden. Denn was tun denn Bands wie Godspeed You! Black Emperor oder Mogwai anderes, als sich auf Gralsfahrt nach etwas Unbestimmten, Perfektem zu machen, das man mit Worten nicht beschreiben kann? The Shaking Sensations sind also auch in diesem Sinne auf empfindsamer Wanderschaft. Ihre Pilgerkleidung ist schwarz und ihre Musik ebenso repetitiv wie expressiv. Man lässt sich hier auf nahezu symphonische Weise Zeit, um die blaue Blume zu suchen und explodiert nur in raren Momenten wie in »The Obsidian Sea« in intensiver Schönheit.

Diese Band mag altmodische Holzschnitte, die von allerlei phantastischen Seegetier bevölkert ist. Diese Band mag Songtitel wie »Our Hearts Were Young And Gay« und klingt dabei keinesfalls mittelalterkitschig. Diese Band kommt im März und April hierzulande auf Tour, und auch wenn ich fast eine Stunde fahren muss bis ich den nächstgelegenen Veranstaltungsort erreiche: Dann gehe ich eben auf Mini-Pilgerfahrt.

23. Februar 2013

Ruhige Schönheit mit Farao. Frühreife mit Schultz And Forever

»Time To Forgive The Winter« heißt ein Song der wunderbaren belgischen Popband Girls In Hawaii. in Dem Winter vergeben fällt Ende Februar allmählich schwer. Ein Tag unaufhörlichen Schneefalls, rutschiger Straßen und mäßiger Sicht. Was tun? Außer sich endlose Kannen Tee kochen, um die beginnende Erkältung in Grenzen zu halten. In all die Musik hereinhören, die man sich als »könnte interessant sein« im kleinen grünen Buch notiert hat. Und bedauern, heute abend nicht in der Schweiz zu sein, genauer gesagt: in St. Gallen auf dem Nordklang Festival. Denn die Macher dieses kleinen, feinen Festivals haben in den vergangenen Jahren stets ein gutes Händchen für viel versprechende Newcomer bewiesen, die bislang knapp unter dem musikalischen Horizont der Polarbloggerin gesegelt sind.

Farao etwa, das Projekt der in London lebenden jungen norwegischen Singer-Songwriterin Kari Jahnsen. Gitarre, helle Stimme und nachdenkliche kleine Geschichten von großer Zartheit und ruhiger Schönheit. Könnte im Ergebnis langweilig klingen, tut es aber nicht. Denn die simplen Stories haben sanfte Tiefe und sind alles andere als nur harmlos. Sind fein arrangiert und irgendwie komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Viel mehr zu hören als den einen, vorzüglich sehnsüchtigen Song »Forces« gibt es noch nicht, der wunderbar die Balance zwischen Traurigkeit und Tapferkeit hält. Stimmlich erinnert Farao leicht an die britische Chanteuse Scout Niblett. Frau Jahnsen werkelt derzeit in Island mit Experimental-Folkster Mike Lindsay von Tunng an ihrer Debüt-EP. Im April kommt Farao als Support ihres Landsmannes Moddi für einige Konzerte nach Deutschland. Noch ein Grund, dort hinzugehen!

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10. Februar 2013

Dråpe, oder: psychedelisch blaue Himmel

Der Himmel über dem musikalischen Universum von Dråpe ist blauer als sonstewo. Vielleicht, weil das Quintett aus Oslo sich vorgenommen hat, entspannte Psychedelik mit leichtfüßigem Shoegazing zu verbinden. Und dabei mühelos wie ein Kirmesluftballon abzuheben. Wie im angenehm verträumten und souverän spacigen Song »Blue Skies«, zu dem sich bestens schlendern lässt. Oder dem hinwegdriftenden »Shimmering«, in dem die Stimme von Sängerin Hanne Olsen Solem auf intelligente Weise auf Abwege gerät und die Gitarren übersteuert lärmen dürfen. Die Fünf arbeiten gerade an ihrem Debütalbum und malen ihre Welt in satt-pastelligen ineinanderlaufenden Farben, ohne dabei peinlich retrohörig zu wirken. Und am intensivsten ist vielleicht der dringliche Schöngesang in »By Heart«, wo man selbstbewusst mit dem (britischen) Indiepop flirtet. Und völlig zu Recht das Banner mit der Aufschrift hochhält, dass der Sommer der Liebe nie vorbei ist, wenn wir das nur wollen.


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