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Foto nordische Landschaft

28. August 2006

In Case You Need Bandnamen

 Die diplomatischste Art der Bandnamensfindung. Sind erst die Saiten des Gitarristen mit der Heckenschere durchtrennt und das Drumkit mit Cola gefüllt, kann man sich endlich zusammenraufen. Ob es sich denn lohnt, bei all dem herumfliegenden Equipment überhaupt noch weiter zu machen, oder ob die Aktion mit der abgebrochenen Bierflasche gerade eben unbedingt sein musste. Ein Name muss her. Etwas, was jeder mag. Was irgendwie noch politisch korrekt ist – schließlich stoßen die großen Plattenfirmen bei Namen wie »Made Out Of Babies«, »Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs« oder »FleischLEGO« angewidert spitze Schreie aus. Denkt man.

Was liegt also näher, als die gefühlte Neutralität der Nordländer zu bemühen und einfach mal ziel-, wahl- und lustlos auf Seite 80 des angegammelten Diercke-Atlas zu tippen, der gleich neben der schimmelüberwucherten Pizza von der letzten Probensession hier im dunkelfeuchten Keller seinen eigenen Rock'n'Roll-Mikrokosmos gegründet hat? Eben. Das dachten sich auch »Architecture In Helsinki«, die ein bisschen spinnerten und hibbeligen Australien-Pop veranstalten und noch niemals eine Sauna von innen gesehen haben. Hauptsache cool go north.

Aber während deren Album »IN CASE WE DIE« schon seit ein paar Monaten das CD-Regal im Order »A« bevölkert und es auf der nächsten Tour exklusiv das »WE DIED: THEY REMIXED«-Obuluswerk käuflich zu erwerben gibt, machen die Briten von »Copenhagen« eine eher schlechte Figur. Songwriterisch ist das eher Apfelkuchen mit Majonäse (Verhunzung: neue Rechtschreibreform) als Schwarzwälderkirsch mit Sahne.

Die Faszination an schlichten skandinavischen Städtenamen infizierte auch »Oslo« von der amerikanischen Westküste. Sie würden sich gerne als eine Mischung aus Interpol und Coldplay sehen, aber den Gefallen tun wir ihnen nicht. Zwei fehlen noch, dann können wir hinter den Hauptstädten überall ein Häkchen setzen. Also los, zieh das Keyboard aus der Bassdrum und fang an! First come, first serve! [x].

Stockholm [ ]

Reykjavik  [ ] 

08. Juli 2006

Das Polarblog-Mixtape

 Erst gerade hab ich den Tipp bekommen: Einen der schönsten Campingplätze Schwedens findet man am östlichen Vänern-Ufer bei Hällekis zwischen Mariestad und Lidköping. Camping »Kinnekulle« heißt er. Einige der schönsten Songs für den Campingsommer findet Ihr hier – zum Teilen und Liebhaben. Und natürlich, um passend den Sonnenuntergang am Vänern genießen zu können. Dabei sind einige schon bekannte Künstler und viele Newcomer, die durch ihre Frische, ihren Charme oder Einfallsreichtum bestechen.  

Wenn Euch die Songs gefallen, unterstützt bitte die Künstler und kauft ihre Alben. Sie haben es verdient.

26. Juni 2006

Sichtweisen

 Normalerweise sind wir ja aufs Hören spezialisiert, aber damit unsere anderen Sinne nicht vollends verkümmern, gibt es hier einen kurzen visuellen Ausflug in die Kälte Grönlands und zu den dort lebenden Inuit, die Jacob Aue Sobol auf eigenwillige Weise ganz nah an sich heran gelassen haben. Der mehrfach ausgezeichnete Däne zeigt nicht ganz alltägliche Porträits des arktischen Alltags und scheut auch keine intimen Einblicke, die eine uns unbekannte Welt eröffnen. Das obige Foto entstammt einer kleinen Galerie, die man auf seiner Homepage einsehen kann.

Zwar gänzlich unnordisch, dennoch brillant ob ihrer Klarheit und Ausdrucksstärke: die Polaroid-Serien von Mike Brodie. Die leicht menschelnden Portraits von Vagabundierenden, Hobos und Straßenkids zeigen ihr Leben am Rande der amerikanischen Zivilisation, das ungeahnte Freiräume von Kreativität und Individualität eröffnet. Lebensstark, diese Fotos!

21. Juni 2006

Fünf Köstlichkeiten

Bandkarrieren zu prophezeien ist manchmal ein bisschen wie auf WM-Spiele tippen. Tschechien – Ghana? Klare Sache, oder? Nur zu blöd, dass die Gefahr des Unterschätzens immer irgendwo lauert. Tschechien: 0, Ghana: 2. Sicher ist eben nichts. Na klar, wenn man The Next Big Thing ausrufen möchte, dann tut man es nicht mit einer Gruppe, die gerade auf einem viertklassigen Label mit null Marketingbudget ihre Debüt-EP veröffentlicht. Aber nichtsdestotrotz ist es spannend, im Untergrund zu buddeln – auch ganz ohne Prognosen auf die Zukunft. Fünf skandinavische Länder, fünf Künstler, fünf kleine oder große Entdeckungen!

Island geht mit Jakobínarína ins Rennen. Eine Band, die im Deutschunterricht richtig gut aufgepasst hat (man höre den Track auf der Myspace-Seite) und ausnahmsweise mal nicht aus der Hauptstadt Reykjavik stammt, sondern aus Hafnarfjörður. Infos abseits der ersten krachigen, aber melodiösen Hörproben ihres Rocksounds sind über die sechs Jungspunde noch spärlich gesät und ohne Kenntnisse der Sprache mit den vielen ð, í, æ, þ noch deutlich spärlicher. Call them »Jako« and keep an eye on them! Geben wir ihnen aber vorher noch die Chance, kurz erwachsen zu werden.

Crunchy Frog, das knusprige dänische Label vermeldet mit Wolfkin (Christian Wolf und Lars Vognstrup) einen Neuzugang. Im pornomäßigen 60er-Soundsalat lässt sich so einiges entdecken: Drumbeilagen aus Programmierern, gepitchter Synthiekäse und psychedelische Soßen. Als Backing-Gitarrist von Junior Senior und bei Money Your Love hat sich Lars das Popmelodieschreiben schon mal abgeguckt. Zumindest die erste Single »A Vacant Heart« versprüht schon genügend Wärme und Tiefe.

Joaquin aus Norwegen hat zwar spanische Wurzeln, macht aber nur halb so heißblütige Popmusik. Neben einer emphatischen und recht sehnsuchtvollen Stimme gibt es immer den Panoramablick gen Mainstream. Aber immerhin kümmert sich der überaus freundliche Nordmann trotz Sony-Deal (in Norwegen schon bei MTV, in Dänemark bereits Radiostar) höchst eigenständig um seine deutsche Promo. Das gibt Fleißpünktchen! Trotzdem steht das Trendbarometer aber tendentiell auf ZDF-Fernsehgarten.

»Please Wait!« bitten die Consequences und bieten genug Platz für Liebhaber von gefühlsechtem Schwedenpop. Gerade wird mit den Produzenten von Mando Diao und den Shout Out Louds (manchmal denkt man, die haben da nur einen Produzenten in ganz Schweden) noch am Debüt-Album gefeilt, aber ein bisschen mehr Eigenheit würde man sich schon wünschen. Die Luft wird in diesem Genre immer dünner, zumal sich an dieser und dieser Stelle genug landeseigene Konkurrenz befindet, die noch die Nasen vorn hat. Von Finnland gar nicht erst zu sprechen.

Bleibt für heute noch eine nette Band aus eben jenem Finnland zu suchen und zu finden. Früher solo unterwegs – jetzt mit Verstärkung – raschelt Vuk mit ihrer Avantgarde-Mischung aus LoFi-Singsang und folkloristischem Unterbau auf ganz bezaubernd eigenen Pfaden. Das erinnert nicht nur zufällig zwischendurch von der Sprechgestik an Björk oder PJ Harvey, denn die Einflüsse von Vuk sind weit gestreut. Hauptsache: atmosphärische Musik, die schon beim ersten Hören Aufmerksamkeit verlangt. In richtige Wege kanalisiert, darf man weiteren Veröffentlichungen dieser Dame schon mal entgegenfiebern!

29. Mai 2006

Radiomusik

Wie schön doch Radiohören sein kann, sitzt man in einem hölzernen Fereinhaus in Dänemark, wo – wie hier üblich – eine kleine Anlage an die holzgetäfelte Wand gedübelt ist und man nur ein wenig suchen muss, bis Radio Dänemark 3 sein gutes Werk tun kann. Ein hübscher Sender, der Pop und Rock und Indiezeugs aller Arten spielt, und zwischendurch lachen die Dänen viel.

Zu hören waren neben dem üblichen Popeinerlei immer wieder Songs von Under Byen, The Velours, Figurines plus diverser dänischer Hip Hop. Und natürlich jede Menge Lordi, wozu die Moderatoren vorher und hinterher jeweils herzhaft rülpsten und sich freuten, dass ihr Schlagerpüppchen völlig zu recht leer ausgegangen war.

Zu empfangen etwa in der Nähe von Sondervig am Ringköpingfjord auf der UKW-Frequenz 92,3.

 
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