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Foto nordische Landschaft

04. März 2014

Wer sind IKI? Meerjungfrauen, freche Gören?

Acht junge Frauen, die sich IKI nennen. Und ihr gemeinsames Projekt folgendermaßen beschreiben: »IKI ist ein neugeborenes Baby, eine freche Göre, eine Meerjungfrau oder eine weise alte Frau« . Upps, Mädels, da habt ihr euch ja eine Menge vorgenommen! Und vor allem deshalb, weil ihr das alles auf die Reihe bekommen wollt, ohne dass euch ein einziges Instrument dabei unterstützt. Nur mit den Stimmen also! Das Ergebnis sind ungewöhnliche Töne: experimentell, jazzig, poppig, soulig, opernhaft, unerwartet björdesk und so schwer zu fassen wie die Schwestern im Geiste von Coco Rosie. Die jungen Frauen haben eine all-skandivische All-Star-Vocal-Girlgroup gegründet und kommen aus Finnland, Dänemark, Island und Norwegen. Man muss sie allein schon wegen ihrer wunderbaren Bühnenkostüme loben! Einfach zu goutierende Kost bietet das Oktett mit Tracks wie der hoffnungslosen Liebesgeschichte zwischen der Meerjungfrau und dem Matrosen keinesfalls, dafür aber tropfen die Wassertropfen hier aus weiblichen Kehlen. Von schauriger Romantik ist das!

»Alles kann bei uns passieren«!, kündigen die acht IKIs an, und das ist nicht gelogen. Man lässt sich mit den Mädels auf eine rasante Geisterbahnfahrt der Stimmen ein, die mögliche Schrecken elegant umkurvt und uns mitunter mit putzmunteren und gummiballhüpfenden Experimentaltracks wie »Quisandolete« ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern. Im Jahr 2011 ist ihr erstes, selbst betiteltes Album erschienen, das rein aus Improvisationen entstand und innerhalb von nur drei Tagen aufgenommen wurde. Aktuell arbeiten die Mädels am Zweitling, einer Zusammenarbeit mit dem sländischen Gitaristen Hilmar Jensson. Aufgenommen wurde im ehemaligen Studio von Sigur Rós in Island. In Deutschland live erleben kann man die IKIs etwa beim Festival Nordischer Klang Anfang Mai in Greifswald. Man braucht dort wahrscheinlich irgendeinen soliden Gegenstand, an dem man sich festhalten kann: denn so rasant und unvorhersehbar sind die Stimmen dieser Sängerinnen unterwegs!

Iki_Quisanadolele from louise from on Vimeo.

20. Februar 2014

Vom Verlieben in den Klang der Wörter: Eggs Laid By Tigers

Sich vom Klang der Worte überwältigen lassen. So können musikalische Liebesgeschichten beginnen. Die Drei von Eggs Laid By Tigers, Veteranen der Kopenhagener Musikszene mit hoher Affinität zum Jazz, haben allesamt wundersame Begegnungen mit den Gedichten des walisischen Poeten Dylan Thomas hinter sich. Und haben sich zu einem ungewöhnlichen Projekt zusammengeschlossen: Die Band, die ihren Namen einer Gedichtzeile von Thomas entnommen hat, vertont ausschließlich Verse des Walisers. Der übrigens in diesem Jahr hundert Jahre alt geworden wäre, aber bereits im Jahr 1953 verstarb. Beflissene Hochkulturpflege haben die Dänen mit ihrem Projekt nicht im Sinn: Sensibel, zartfühlend und fabulierwütig kommen die folkpoppigen Songs auf dem Debütalbum »UNDER THE MILE OFF MOON« daher. Bei ihrem Nachmittagskonzert im Offenbacher Hafen2 sehen Eggs nur auf den ersten Blick etwas abgekämpft aus: Haben sie doch am Abend zuvor noch in St. Gallen beim Nordklang Festival gespielt und auf dem Weg ins Hessische das Kunststück fertiggebracht, sich in der ordentlichen Schweiz hoffnungslos in abgelegenen Alpentälern zu verfahren! Aber kaum stehen die Drei auf der Bühne, ist von Müdigkeit nichts zu spüren: Sondern dominieren Konzentration, unbedingte Hingabe an Wort und Musik und eine geradezu kindliche Spielfreude. Was übrigens die Kinder im Publikum am besten zu würdigen wissen: Die hören aufmerksam zu, ganz im Gegensatz zu manchen Erwachsenen, für die es offenkundig eine Überforderung darstellt, auch nur eine halbe Stunde lang den Mund zu halten! Gitarrist Jonas, der seit rund anderthalb Jahren in Berlin lebt, macht launige Ansagen auf deutsch mit allerliebstem dänischen Akzent. Und sein Kollege Martin erzählt auf der Bühne mit leuchtenden Augen davon, wie es sich anfühlte, im vergangenen Jahr das Geburtshaus von Dylan Thomas in Swansea zu besuchen. »Ich schaute aus diesem Fenster und sah, wie die Schiffe in den Hafen ein- und ausliefen! Und ich konnte begreifen, was seine Gedichte inspiriert hat!«

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03. Februar 2014

Sehnsucht und Verlorenheit: Navneløs

Die Schweizer verfügen über einen guten Musikgeschmack! Besonders Mitte Februar! Denn seit einigen Jahren hat sich in St. Gallen zur Wintermitte das Nordklang Festival etabliert. Die Macher hatten bislang ein sehr gutes Händchen für eine Mischung aus bereits etablierteren Acts und viel versprechenden Newcomern aus allen skandinavischen Ländern. Auf die Bekanntgabe des Line-Ups freue ich mich wie aufs Kirmesfeuerwerk, denn bislang gab es jedes Mal aufregende Entdeckungen zu machen. Auch wenn ich noch nie selbst vor Ort war! 2014 wird sich die Züricher Bloggerkollegin Katla erstmals nach St. Gallen aufmachen und hoffentlich von Ihren Eindrücken berichten!

Und schau an, was die Schweizer in Dänemark entdeckt haben! Die junge Band Navneløs, die sich in den unerforschten Weiten zwischen Postrock, Kammermusik, Film-Soundtrack, leicht angejazzten Klängen und experimentellen Tönen bewegt. Und sich dabei selbstbewusst alle Zeit der Welt nimmt! Übersetzt heißt der Bandname übrigens »namenlos«. Der Kerntruppe hat sich an der Klejtrup Musikefterskole kennengelernt und seitdem sind sowohl das Orchester und auch der Ehrgeiz explodiert, wie das heutige Quintett auf seiner Website augenzwinkernd berichtet. Was hier den Unterschied macht, ist das unberechenbare, eigensinnige Cello. Und natürlich die Stimme von Lin Høgh Rosenbeck! Im vergangenen Jahr haben die Fünf eine durchaus sperrige, selbst betitelte EP vorgelegt. Das Debütalbum soll noch in diesem Monat folgen. Man muss diesen Nachwuchskräften einfach vertrauen und ihnen auf Abwege folgen. Denn sie wollen es sich nicht einfach machen auf ihrer Suche nach Wegweisern durch diesen Zustand permanenter Verwirrung, der sich modernes Leben nennt. »Wie wollen wir leben«? ist eine Frage, die sich nicht nur deutsche Diskursrocker stellen.


»Unsere Generation ist ständig auf der Suche nach Liebe und Verständnis. Das hat sowohl Sehnsucht als auch Verlorenheit geschaffen. Dies sind die Gefühle, die wir versuchen, in unserer Musik und unserenTexten widerspiegeln«, sagt Lin frei nach den Übersetzungsvorschlägen der Firma Google. Denn auf deutsch ist über Navneløs kaum etwas zu erfahren. Was schade ist, denn man wüsste gerne, warum es hier mitunter rockig und melodramatisch zugeht, wie im dunkel treibenden »Metronord«, in dem die Realitäten langsam verschwimmen und die Flucht vor der erstickenden, grausamen Erwachsenenwelt das eigentliche Thema ist.

Ich könnte im Überschwang der Gefühle auch noch das Video zum sanft euphorisierenden Song »Tænkt På Et Sted« posten, in dem die Stimme der Sängerin auf gebrochene Weise vom Träumen erzählt und sie so schön melancholisch aufs winterliche Meer blickt. Aber genug ist genug! Und da das Polarblog nicht mit Musik zugekleistert werden soll, habe ich mir etwas überlegt. Auch wenn ich Herrn Zuckerberg grundunsympathisch finde, gibt es seit gestern eine Facebook-Polarblog-Seite. Und da sich ein Neubeginn bestens für gute Vorsätze eignet, will ich täglich zumindest einen Song posten, der gefällt. Heute waren es die putzmunteren Finnen von Satellite Stories, die übrigens im Feburar hierzulande auf Tour sind. Morgen wird das Wiederauftauchen einer sehr geschätzten dänischen Band gefeiert. Und übermorgen? Ach, mal schauen, wie ausdauernd der gute Wille ist! Und wer mag, »befreunde« sich also via Facebook, was immer das heißen mag.

Foto: Ida Dorthea

12. Januar 2014

Kites and Komets: Organischer Elektropop?!

Hat dieser bärtige dänische Herr zu lange über die Grenze in Richtung Deutschland geguckt oder sind die Vokabeln »organisch« oder »nachhaltig« bei unseren nördlichen Nachbarn ebenso Allgemeingut wie bei uns? Sei´s drum: Mikael Kærsgaard, normalerweise bei den Schlaupopstern Munich aktiv, beschreibt sein Soloprojekt Kites and Komets als »organischen Elektropop«. Darunter kann sich nun jeder etwas anderes vorstellen, aber dass es sich hier nicht um aggressive Hau-Drauf-Mucke handelt, versteht sich von selbst. Dabei hat es Herr Kærsgaard gar nicht nötig, sich hinter solch wolkigen Attributen zu verstecken. Denn der blasse Dandy zelebriert hier schön überkandidelte, hochromantische und melodieverliebte Sahnestückchen, die überaus discotauglich sind. Vor allem in den späteren Abendstunden, wenn man nach dem fünften Glas Schampus leicht gefühlsduselig wird! Ein dezidiert unnostalgischer Rückblick in die plüschigen Hochzeiten des Glitzerkugel-Zeitalters also, das im neumodischen Elektronika-Outfit daherkommt und die Kunst der Übertreibung nicht bis ins Gigantomanische steigert. Der Track »When Love Turns To Me« ist zwar schon ein bisschen älter, kommt aber immer noch schön dekadent daher. Der tragische Held trägt hier schwarz. Was sonst?

“When Love Turns To Me” – VEGA. from Kites and Komets on Vimeo.

Kites and Komets werkelt derzeit eifrig an neuem Material. In Albumform hat Kærsgaard, so weit ich das überblicke, nur eine EP vorgelegt, aber das kann ja noch werden. Im Träumen spielt der gute Mann zumindest schon in der ersten Liga! Und dass er nicht immer nur bleich und verdüstert daherkommt, zeigt er in dem fröhlichen, frischverliebten Sommerstückchen »Summer In Your Eyes«, in dem die Sonne strahlend scheint und sogar glückliche Glockenspielklänge zu hören sind. Geht doch! Man muss sich doch nicht immer nur die Nächte auf der Tanzpiste verbringen und Leute anhimmeln, die sowieso nichts von uns wissen wollen!

10. Januar 2014

Rückblick 2013: »Deep shadows and brilliant highlights«


Meine persönlichen Tiefpunkte »Deep Shadows« und die Höhepunkte: »Brilliant Highlights« im Jahre 2013:

ALBEN

Höhepunkte:
siehe meine Charts 2013

Tiefpunkte:
Witchgrave – »WITCHGRAVE«
Screamer
– »PHOENIX«
NiteRain – »CROSSFIRE«
One Inch Giant – »THE GREAT WHITE BEYOND«
Aratic – »TO THE EARLY GRAVE«
Skirmish – »JET BLACK DAYS«
Amorphis – »CIRCLE«
Battle Beast – »BATTLE BEAST«

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