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Foto nordische Landschaft

03. Februar 2014

Sehnsucht und Verlorenheit: Navneløs

Die Schweizer verfügen über einen guten Musikgeschmack! Besonders Mitte Februar! Denn seit einigen Jahren hat sich in St. Gallen zur Wintermitte das Nordklang Festival etabliert. Die Macher hatten bislang ein sehr gutes Händchen für eine Mischung aus bereits etablierteren Acts und viel versprechenden Newcomern aus allen skandinavischen Ländern. Auf die Bekanntgabe des Line-Ups freue ich mich wie aufs Kirmesfeuerwerk, denn bislang gab es jedes Mal aufregende Entdeckungen zu machen. Auch wenn ich noch nie selbst vor Ort war! 2014 wird sich die Züricher Bloggerkollegin Katla erstmals nach St. Gallen aufmachen und hoffentlich von Ihren Eindrücken berichten!

Und schau an, was die Schweizer in Dänemark entdeckt haben! Die junge Band Navneløs, die sich in den unerforschten Weiten zwischen Postrock, Kammermusik, Film-Soundtrack, leicht angejazzten Klängen und experimentellen Tönen bewegt. Und sich dabei selbstbewusst alle Zeit der Welt nimmt! Übersetzt heißt der Bandname übrigens »namenlos«. Der Kerntruppe hat sich an der Klejtrup Musikefterskole kennengelernt und seitdem sind sowohl das Orchester und auch der Ehrgeiz explodiert, wie das heutige Quintett auf seiner Website augenzwinkernd berichtet. Was hier den Unterschied macht, ist das unberechenbare, eigensinnige Cello. Und natürlich die Stimme von Lin Høgh Rosenbeck! Im vergangenen Jahr haben die Fünf eine durchaus sperrige, selbst betitelte EP vorgelegt. Das Debütalbum soll noch in diesem Monat folgen. Man muss diesen Nachwuchskräften einfach vertrauen und ihnen auf Abwege folgen. Denn sie wollen es sich nicht einfach machen auf ihrer Suche nach Wegweisern durch diesen Zustand permanenter Verwirrung, der sich modernes Leben nennt. »Wie wollen wir leben«? ist eine Frage, die sich nicht nur deutsche Diskursrocker stellen.


»Unsere Generation ist ständig auf der Suche nach Liebe und Verständnis. Das hat sowohl Sehnsucht als auch Verlorenheit geschaffen. Dies sind die Gefühle, die wir versuchen, in unserer Musik und unserenTexten widerspiegeln«, sagt Lin frei nach den Übersetzungsvorschlägen der Firma Google. Denn auf deutsch ist über Navneløs kaum etwas zu erfahren. Was schade ist, denn man wüsste gerne, warum es hier mitunter rockig und melodramatisch zugeht, wie im dunkel treibenden »Metronord«, in dem die Realitäten langsam verschwimmen und die Flucht vor der erstickenden, grausamen Erwachsenenwelt das eigentliche Thema ist.

Ich könnte im Überschwang der Gefühle auch noch das Video zum sanft euphorisierenden Song »Tænkt På Et Sted« posten, in dem die Stimme der Sängerin auf gebrochene Weise vom Träumen erzählt und sie so schön melancholisch aufs winterliche Meer blickt. Aber genug ist genug! Und da das Polarblog nicht mit Musik zugekleistert werden soll, habe ich mir etwas überlegt. Auch wenn ich Herrn Zuckerberg grundunsympathisch finde, gibt es seit gestern eine Facebook-Polarblog-Seite. Und da sich ein Neubeginn bestens für gute Vorsätze eignet, will ich täglich zumindest einen Song posten, der gefällt. Heute waren es die putzmunteren Finnen von Satellite Stories, die übrigens im Feburar hierzulande auf Tour sind. Morgen wird das Wiederauftauchen einer sehr geschätzten dänischen Band gefeiert. Und übermorgen? Ach, mal schauen, wie ausdauernd der gute Wille ist! Und wer mag, »befreunde« sich also via Facebook, was immer das heißen mag.

Foto: Ida Dorthea

12. Januar 2014

Kites and Komets: Organischer Elektropop?!

Hat dieser bärtige dänische Herr zu lange über die Grenze in Richtung Deutschland geguckt oder sind die Vokabeln »organisch« oder »nachhaltig« bei unseren nördlichen Nachbarn ebenso Allgemeingut wie bei uns? Sei´s drum: Mikael Kærsgaard, normalerweise bei den Schlaupopstern Munich aktiv, beschreibt sein Soloprojekt Kites and Komets als »organischen Elektropop«. Darunter kann sich nun jeder etwas anderes vorstellen, aber dass es sich hier nicht um aggressive Hau-Drauf-Mucke handelt, versteht sich von selbst. Dabei hat es Herr Kærsgaard gar nicht nötig, sich hinter solch wolkigen Attributen zu verstecken. Denn der blasse Dandy zelebriert hier schön überkandidelte, hochromantische und melodieverliebte Sahnestückchen, die überaus discotauglich sind. Vor allem in den späteren Abendstunden, wenn man nach dem fünften Glas Schampus leicht gefühlsduselig wird! Ein dezidiert unnostalgischer Rückblick in die plüschigen Hochzeiten des Glitzerkugel-Zeitalters also, das im neumodischen Elektronika-Outfit daherkommt und die Kunst der Übertreibung nicht bis ins Gigantomanische steigert. Der Track »When Love Turns To Me« ist zwar schon ein bisschen älter, kommt aber immer noch schön dekadent daher. Der tragische Held trägt hier schwarz. Was sonst?

“When Love Turns To Me” – VEGA. from Kites and Komets on Vimeo.

Kites and Komets werkelt derzeit eifrig an neuem Material. In Albumform hat Kærsgaard, so weit ich das überblicke, nur eine EP vorgelegt, aber das kann ja noch werden. Im Träumen spielt der gute Mann zumindest schon in der ersten Liga! Und dass er nicht immer nur bleich und verdüstert daherkommt, zeigt er in dem fröhlichen, frischverliebten Sommerstückchen »Summer In Your Eyes«, in dem die Sonne strahlend scheint und sogar glückliche Glockenspielklänge zu hören sind. Geht doch! Man muss sich doch nicht immer nur die Nächte auf der Tanzpiste verbringen und Leute anhimmeln, die sowieso nichts von uns wissen wollen!

10. Januar 2014

Rückblick 2013: »Deep shadows and brilliant highlights«


Meine persönlichen Tiefpunkte »Deep Shadows« und die Höhepunkte: »Brilliant Highlights« im Jahre 2013:

ALBEN

Höhepunkte:
siehe meine Charts 2013

Tiefpunkte:
Witchgrave – »WITCHGRAVE«
Screamer
– »PHOENIX«
NiteRain – »CROSSFIRE«
One Inch Giant – »THE GREAT WHITE BEYOND«
Aratic – »TO THE EARLY GRAVE«
Skirmish – »JET BLACK DAYS«
Amorphis – »CIRCLE«
Battle Beast – »BATTLE BEAST«

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05. Januar 2014

Kúra: Auf dem halben Weg zum Mond

Den halben Weg zum Mond haben Kúra zumindest schon zurückgelegt: »HALFWAY TO THE MOON« heißt der Titel des Debütalbums. Das isländisch-dänische Elektronik-Duo bewegt sich in angenehm angedüsterten Gefilden, irgendwo zwischen Melancholie und Minimalismus. Wobei die triphoppigen Anspielungen nicht zu überhören sind. Was die nächtlichen Tieftemperaturen hier nicht jenseits des Gefrierpunktes sinken lässt, ist die Stimme von Fanney Ósk Þórisdóttir, die verspielte Wärme ausstrahlt. Wie glaubhaft versichert wird, ist Kúra mit der Vokabel »Streicheln« wohl am besten übersetzt. Wobei diese Variante wohl eher eine ganz zarte, flüchtige Berührung ist. Zumindest legt das der feine Track »Gógó« nahe, den man zur Not auch Kindern als Schlaflied vorsingen könnte. Beats, Gitarre und Produktion besorgt übrigens die dänische Hälfte des Duos, nämlich Brynjar Bjarnfoss. Leben tut man praktischerweise in Kopenhagen und Reykjavik.

Kúra streben durchaus auch auf die großstädtischen Danceflloors, aber auf eine zurückhaltende, unterkühlte Weise so. GusGus sind als Geschwister im Geiste hier gar nicht so fern, aber die Jungspunde schleppen weniger intellektuelles Gepäck mit sich herum als die Altmeister. Einen feinen Sinn für Stil nennen sie aber gleichwohl ihr eigen, wie im Song »Anchor«, in dem ein kraftvstrotzender Bodybuilder die Hauptrolle spielt, dem all die die mächtigen Muskeln nicht vor Selbstzweifeln und Rückzug in die Innerlichkeit schützen. Trotz (oder vielleicht gerade: wegen!) der herbstlichen Stimmung verspürt man hier übrigens unbändige Lust, sofort ins nächste Flugzeug nach Island zu steigen und sich in diesen kargen, grau-blauen Landschaften zu verlieren. Der Track steht übrigens für Menschen, denen an Besitz gelegen ist, auf der Soundcloud-Seite der Band zum freien Download zur Verfügung. Kúra werkeln übrigens gerade an einer neuen EP. Ach ja, Frau Þórisdóttir: Vielleicht hören sich moderne Sirenengesänge so an!

Kúra – Anchor from Kristian Touborg on Vimeo.

01. Januar 2014

Neujahrsabend mit Blauer Blume

Zugegebenermaßen passen blaue Blumen nicht sonderlich zu kühlem Januarwetter, aber man kann den ersten Tag des Jahres auch damit begehen, amüsiert den Kopf zu schütteln: Darüber zum Beispiel, dass die deutsche Sprache im Ausland zunehmend als cool empfunden wird und bei der Wahl des Bandnamens durchaus in Erwägung gezogen wird. Denn wie kann es sonst sein, dass sich ein Kopenhagene Quartett ausgerechnet Blaue Blume nennt? Und wie schön, dass die Dänen passend zum Einläuten des Jahres 2014 einen Track mit dem schönen Titel »On New Years Eve« geschrieben haben! Der gleich zu Beginn so schön die Smiths und Johnny Marrs Gitarre zitiert! Dann starten wir den Neujahrsabend eben mit exaltierten, überkandidelten Tönen! Die langhaarigen Vier inszenieren sich als theatralische Nachtschattengewächse, die Stimmungslage ist durchaus opernhaft melodramatisch. Und dennoch ist das eindeutig Pop! Die Falsett-Vocals von Jonas Smith kommen mitunter durchaus kabarett-affin daher. Was den Dresden Dolls wohl gefallen dürfte!

Ob die Dänen wissen, dass die blaue Blume das ultimative Symbol der deutschen Romantik ist? Und dass die Kunst darin besteht, diese niemals zu finden? Die Suche nach dem unerreichbaren Sehnsuchtsort schafft einen besonderen Sog. Derzeit werkeln Blaue Blume an ihrem Debütalbum. Schlagen mit »Jealousy« auch ruhigere, balladige Töne an. Erinnern damit daran, dass das Unheimliche, die Schauermär unbedingt Teil des romantischen Weltbildes ist. Melusinen und Undinen könnten an diesen Tönen Gefallen finden! Die Farbe dieser Songs ist unbedingt ein sehr dunkles Karmesinrot. Und es muss dunkel sein, unbedingt, wenn in Tracks wie »Helen« zu hallenden Gitarren erfolglos an die weiche Seite einer grausamen Geliebten apelliert wird. Nein, diese Dame wird kein Erbarmen zeigen, auch wenn Smith flehend, schreiend und flüsternd um Einlass bittet. Antony Hegarty von Antony And The Johnsons müsste hier aufhorchen!

 
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