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Foto nordische Landschaft

01. Januar 2014

Neujahrsabend mit Blauer Blume

Zugegebenermaßen passen blaue Blumen nicht sonderlich zu kühlem Januarwetter, aber man kann den ersten Tag des Jahres auch damit begehen, amüsiert den Kopf zu schütteln: Darüber zum Beispiel, dass die deutsche Sprache im Ausland zunehmend als cool empfunden wird und bei der Wahl des Bandnamens durchaus in Erwägung gezogen wird. Denn wie kann es sonst sein, dass sich ein Kopenhagene Quartett ausgerechnet Blaue Blume nennt? Und wie schön, dass die Dänen passend zum Einläuten des Jahres 2014 einen Track mit dem schönen Titel »On New Years Eve« geschrieben haben! Der gleich zu Beginn so schön die Smiths und Johnny Marrs Gitarre zitiert! Dann starten wir den Neujahrsabend eben mit exaltierten, überkandidelten Tönen! Die langhaarigen Vier inszenieren sich als theatralische Nachtschattengewächse, die Stimmungslage ist durchaus opernhaft melodramatisch. Und dennoch ist das eindeutig Pop! Die Falsett-Vocals von Jonas Smith kommen mitunter durchaus kabarett-affin daher. Was den Dresden Dolls wohl gefallen dürfte!

Ob die Dänen wissen, dass die blaue Blume das ultimative Symbol der deutschen Romantik ist? Und dass die Kunst darin besteht, diese niemals zu finden? Die Suche nach dem unerreichbaren Sehnsuchtsort schafft einen besonderen Sog. Derzeit werkeln Blaue Blume an ihrem Debütalbum. Schlagen mit »Jealousy« auch ruhigere, balladige Töne an. Erinnern damit daran, dass das Unheimliche, die Schauermär unbedingt Teil des romantischen Weltbildes ist. Melusinen und Undinen könnten an diesen Tönen Gefallen finden! Die Farbe dieser Songs ist unbedingt ein sehr dunkles Karmesinrot. Und es muss dunkel sein, unbedingt, wenn in Tracks wie »Helen« zu hallenden Gitarren erfolglos an die weiche Seite einer grausamen Geliebten apelliert wird. Nein, diese Dame wird kein Erbarmen zeigen, auch wenn Smith flehend, schreiend und flüsternd um Einlass bittet. Antony Hegarty von Antony And The Johnsons müsste hier aufhorchen!

04. Dezember 2013

Na, da sind sie ja wieder, die Sternschnuppen: Goodbye Lisichka

Diese gefühlige Trompete hat gefehlt: Die von Daniel Bonde! Aber so schnell geht auf dieser Welt nichts verloren, auch wenn einige Dinge zu Ende gehen. Neue entstehen! Jetzt erstmal der Reihe nach: Zu den schönsten Entdeckungen des Iceland Airwaves Festivals vor zwei Jahren gehörte die junge dänische Band Raised Among Wolves, die sich ihre eigene Märchenwelt zwischen Tweepop, Folk und anspruchsvoller Bilderbuchästhetik erschuf und in Wo-die-Wilden-Kerle-Wohnen-Wolfsanzügen über die Bühne tollte. Man wartete danach immer auf den großen Paukenschlag, der unweigerlich folgen musste, denn diese Jungspunde aus dem Königreich kamen so verspielt und sympathisch daher, dass aus ihnen einfach etwas werden musste. Allein, so war es nicht. So weit ich es übersehe, wurde eine EP veröffentlicht, und dann passierte nichts mehr. Aus den Resten von Raised Among Wolves aber ist nun eine neue Band entstanden, die den Namen Goodbye Lisichka trägt und deren Musik mitunter so funkelt wie die Sternschnuppen. Wenn eine Band große Kinderaugen hat, dann ist es dieses Trio aus Kopenhagen. Das die eigene Musik als »electronic lo-fi poprock« bezeichnet. Und dabei zu erwähnen vergisst, dass man irgendwie noch immer mit einem Fuß im Märchenland steht und gerne vor sich hintagträumt. Ja, und da ist sie wieder, diese Trompete! Die als Instrument in der Popmusik definitiv unterschätzt wird. Und da ist als Neuerung die sanfte Stimme von Gerda Ordaag, die nun schön mit den beiden Herren in Boy-Girl-Harmonien schwelgen darf. Die Dänen schreiben verhalten euphorische Songs mit schönen Titeln wie »From Our Windows We Can Hear The Humming Trees«. Und lassen die elektronischen Gerätschaften naiv dazu puckern.

Die Drei werkeln aktuell am Debütalbum und entschwinden dabei gerne in märchenhafte Gegenwelten, wo sich unter simplen Küchentischen geheimnisvolle goldene Kästchen verbergen. Ach, zu viel C.S. Lewis gelesen als Kinder? Was Goodbye Lisichka hier vorlegen, sind kleine Oden an Zustände fragiler Schönheit, in denen man der schnöden Welt einfach entwischt, um in Bäumen zu schlafen. Hartgesottene und abgebrühte Gemüter mögen derlei flüchtige Pastell-Preziosen für Grenzwert-Kitsch halten, aber die müssen das Träumen einfach verlernt haben. Und erstmal solch sinnlich hakenschlagende Songs ersinnen wie »Tomorrow Was Just A Flock Of Sequels, My Dear«, das irgendwie so kullert wie ein roter Gummiball über den Pausenhof. Dazu perlt ein zutiefst romantisches Piano. Das Logo des Bandnamens ist in Kinder-Krakelschrift gehalten. Passt! Was mag man den Dänen als ferne gute Fee aus Deutschland zurufen? Dieses Mal bitte nicht so schnell aufgeben!

Foto:Bo Søgaard Nielsen.

20. November 2013

Kleine Melodien, vertrackte Gefühle: Suns Of Satan

Über unglückliche Ehen, in denen die Partner emotional oder intellektuell verkümmern, gibt es regalmeterweise Literatur. Über glückliche, inspirierende Partnerschaften eher nicht. Problembeziehungen sind so viel interessanter und vielschichtiger, so scheint´s. Wenn das mal nicht falsch gedacht ist! Denn dass sich Ehegatten gegenseitig wunderbar anregen können und dabei fern aller langweiligen Heimeligkeit agieren, zeigt das dänisch-norwegische Duo Suns Of Satan, bestehend aus der Sängerin und Perkussionistin Kristine Bjørg Markussen und ihrem multiinstrumentalistischen Ehemann Jeppe Søndergård Knudsen. Und nur für vorsichtige und vorurteilsbeladene Naturen: Mit Death Metal und wildem Headgebange haben Suns Of Satan nichts zu tun. Das Duo definiert sich selbst als »dualistische Liebesaffäre zwischen Gut und Böse«, wobei der Dualismus hier eher auf Katzenpfoten daherkommt. Mann und Frau bewegen sich hier geschmeidig in den weiten Grenzlanden zwischen Weird-, Kammer-, Dream- und Mathpop (uff! das war eine Ansage!). Vielleicht ist es hier noch als kleine Hintergrundinformation von Bedeutung, dass Frau Bjørg Markussen in Westafrika traditionelle tribale Schlagwerkkunst studiert hat und sich im Zuge der Ausbildung mit Hexen-Ritualen beschäftigte.

Auf ihrem Debütalbum »SIDESPRING«, das bereits im Sommer beim dänischen Label Father Figure Records erschienen ist, widmet sich das Duo den scheinbar kleinen Melodien und den fragilen Gefühlen. Einfühlsam gestützt von Keyboard-Samples, Spielzeuginstrumentensounds, zurückhaltenden Synthies und näselnden Gitarren. Die Stimme von Bjørg Markussen erinnert mitunter an die wunderbare (und in Deutschland leider immer noch völlig unbekannte) finnische Sängerin Noora Tommila und ihre Bands Lowlife Rock´n´Roll Philosophers und Eleanoora Rosenholm: Zart, aber dennoch kraftvoll und irgendwie nicht ganz von dieser Welt. Suns Of Satan finden mit ihren Miniatur-Hexenwerk-Songs eine ganz eigene Nische. In der es zwar leicht und luftig zugeht, aber in denen die Gewissheiten langsam schwinden wie das Sonnenlicht zur Abenddämmerung. Das ist schlau und vertrackt und in der kleinen Form auf eine nicht kirre machenden Art sehr aufregend. Dass hier auf Dänisch gesungen wird, steht dem Werkverständnis übrigens keinesfalls im Wege.

Ganz unauffällig führen uns diese scheinbar simplen Songs auf verträumte Nebenwege, wo auch Schatten lauern. Und erst bei mehrfachem Hören fällt auf, wie kompliziert diese Strukturen sind und welche feinen Querverweise hier wie die kleinen Gespenster durch die Tracks huschen: Von Klassik über Folk bis zu Jazzigem und Kinderliederigem. Und trotzdem wird es einem hier nie befangen ums Herz, sondern offen und frei. Hoch lebe die Fabulierkunst! Dieses Album entpuppt sich übrigens kurz vor Jahresende als echte Entdeckung, die es durchaus noch in die persönlichen Jahrescharts schaffen könnte. Via Bandcamp kann man dem Werk zur Gänze lauschen. Und ich weiß nicht, welchen Track ich hier besonders empfehlen soll: Die sind alle gut und auf eine zurückhaltende Weise euphorisierend!

Foto: Verner Johnsen

08. November 2013

Alle Jahre wieder: Nordische Weihnachten im »Süden« 2013

Luciachor, Lucia Weihnachtsmarkt Kulturbrauerei (Berlin) © Foto: Jochen Loch

Wer 2013 nordische Weihnachtsmärkte besuchen will, hat die Wahl zwischen dem Berliner Lucia-Weihnachtsmarkt, den finnischen Weihnachtsdörfern in Stuttgart, Hannover oder Leipzig sowie dem zweitägigen finnischen Weihnachtsbasar in Frankfurt.

Lucia Weihnachtsmarkt in Berlin

Eine feste Größe in Berlin: Der Lucia Weihnachtsmarkt, findet dieses Jahr von Montag, 25. November bis Sonntag, 22. Dezember 2013 statt, wie immer in der Kulturbrauerei im Stadtteil Prenzlauer Berg.

An den Ständen findet ihr nordische Spezialitäten / Leckereien  und nordisch-skandinavische Musik (aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden in der jeweiligen Landessprache) aus kleinen Lautsprecher-Boxen hören. Ihr könnt euch an sieben Schwedenfeuern wärmen oder am Kunstobjekt »Open-Air-Mantel-Heizung«: An dieser skurrilen Installation können sich frierende Besucher angewärmte Pelzmäntel überziehen, für deren Wärmezufuhr ein Holzofen sorgt. Zudem garantiert ein reichhaltiges Rahmenprogramm für Kinder, Familien und Jedermann Abwechslung, wie am Freitag, 13.12.2013, der Lucia-Umzug mit dem Luciakör.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 15 bis 22 Uhr
Samstag und Sonntag: 13 bis 22 Uhr

Finnische Weihnachtsdörfer

Kalevala-Spirit lockt auch 2013 mit finnischer Weihnacht in seine Weihnachtsdörfer: Über stimmungsvolle Holzhäuschen und Lappenzelten zieht der Duft von Flammlachs, Glögi, Kesselkaffee, heißem Preiselbeersaft und vielem mehr.

Dieses Jahr stehen die finnischen Dörfer hier:

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03. Oktober 2013

Die Dänen sind die neuen Isländer: Reeperbahnfestival 2013

Dass die Dänen inzwischen isländischer klingen als die Isländer selbst, ist eine der Entdeckungen, die es auf dem Reeperbahnfestival 2013 zu machen gilt. Flod kommen bei ihrem ersten Deutschland-Konzert auf dem Hamburger Spielbudenplatz nicht – wie es zu erwarten war – zu viert auf die Bühne, sondern nähern sich fast dem Dutzend an. Verstärken sich mit jeder Menge Blasinstrumente und Streichern und schaffen es, in der überaus quirligen Festivalatmosphäre eine feierliche, geradezu kontemplative Stimmung zu erzeugen. Nehmen sich alle Zeit der Welt, um ihren orchestralen Postrock zu entwickeln, der gleichwohl leichtfüßig auftritt und meistens ohne Worte auskommt. Man und frau trägt dazu konsequent schwarz und weiß. Wie ein protestantischer Kirchenchor. Und so überraschend das klingt: Es wird einem dabei andächtig ums Herz. Die jungen Dänen kommen scheinbar aus dem Nichts. Hängen die Latte an diesem Abend bereits sehr hoch. Die Streicher schleichen sich ins Herz. Künftige Konkurrenz für Sigur Rós? Oder Ólafur Arnalds? Könnte sein, könnte sein. Das tastende, experimentell ausufernde Piano-Epos »Lumi« jedenfalls trifft mitten ins Herz.

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