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Foto nordische Landschaft

08. April 2010

Paganfest 2010 im Stuttgarter LKA: Finntroll auf dem »Blodmarsch«

paganfest01
Anfang März soll der dritte Wintereinbruch der Saison 2009/2010 wohl auf Finntroll, die Headliner aus dem kalten Norden, einstimmen. Doch erstmal frieren sich einige Leute am 6. März 2010 in Stuttgart den Arsch ab, da der Einlass verspätet begann; und weil es im LKA (immer noch) keinen Extra-Durchgang für Presse gibt, steh ich mittendrin. Zur »Auflockerung« trötet ein hartgesottener Viking Metal-Fan penetrant in ein getuntes Trinkhorn – und nach einer knapp halbstündigen Beschallung mittels jenes Trinkhorns, kann ich in diversen Augen den Wunsch lesen, selbiges dem Besitzer rektal einzuführen.

Irgendwann bin ich drin – und erreiche gerade noch rechtzeitig zum Ende des dritten Lieds der Dänen Svartsot (Ersatz für Equilibrium) den Fotograben. Die halbstündige Spielzeit (minus zweieinhalb Lieder) hinterlässt allerdings keinen bleibenden Eindruck.

Arkona dagegen schon. Die russische Band klingt eine ganze Ecke härter als auf ihrer MySpace-Seite: Das dort stellenweise liebliche Trällern der Fronterin Masha »Scream« Arhipova hat sich in heiseres Keifen verwandelt. Die Sängerin fegt wie ein Derwisch über die Bühne und trifft nebenbei noch Töne in sämtlichen Stimmlagen; Respekt. Fans der Band feiern die Klassiker (»Ot Serdtsa K Nebu«) der Folk/Pagan Metaler ebenso ab, wie Stücke des aktuellen 2009er Albums »GOI, RODE, GOI!«.

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27. März 2010

Der Schritt vom Weg: Alcoholic Faith Mission

Sie könnten auch anders. Wenn sie wollten. Aber sie wollen ganz bewusst nicht: Harmonisch klingen und falsche Hoffnungen verbreiten. Engelsgleiche Töne von sich geben und vorgeben, dass die Welt ein besserer Ort sei. Nein, nicht mit uns!

Von Alcoholic Faith Mission aus Dänemark geht die Geschichte um, dass sie ihre Musik grundsätzlich nur nachts aufnehmen. Passt. afi2Zu ihrer unbequemen Weltsicht, ihrem trotzigen Beharren darauf, dass die kleinen, versteckten Lichter abseits der Allee der leicht zugänglichen Schönheit intensiver strahlen. Es geht hier um bewusste Schrulligkeit. Um kultivierte Schrägheit. Um den unbequemen Weg quer durch das Dickicht, wo der Hauptweg doch so schön asphaltiert ist und überall Papierkörbe und Ruhebänke stehen. Nein, nicht mit uns!

Es regnet unangnehm an diesem Abend in Offenbach. Regen, der wie kalte Spaghetti in den Kragen kriecht. Im immer wunderbaren Hafen2 gibt es zum Trost tschechisches Bier und ein köstliches Kokos-Cookie geschenkt dazu, wie nett! Auf der Bühne Alcoholic Faith Mission, die mit ihrer jüngsten Veröffentlichung »LET THIS BE THE LAST NIGHT WE CARE« so überzeugten, dass sie unser Album des Monats März auf »Nordische Musik« wurden, obwohl die Konkurrenz hochkarätig war, um so viel zu verraten.

Die emotionale Dichtheit des Albums, diese verquere Mischung aus Verletztheit und Euphorie, diese ungewöhnliche Mélange aus Naivität afm3und Weltverdruss, aus Verspieltheit und Ernsthaftigkeit, wie ist es um die live bestellt? Lässt sich das unter veränderten äußeren Bedingungen reproduzieren? Die einfache Antwort, schon nach zwei Songs im ordentlich besuchten Konzert: Es funktioniert bruchlos, ohne Streuverluste. Alcoholic Faith Mission sind live so eigenwillig wie auf Platte. Äußerst angenehm uneitel und bescheiden, fast vergessene Tugenden.

Man denkt: Island! Und man denkt natürlich: Kanada! Traumtänzerei, schmerzhafte Schönheit, bewusstes Querulantentum. Die üblichen verdächtigen Namen brauchen jetzt nicht zu fallen, denn sie dienen höchstens als Zitatgeber. Alcoholic Faith Mission sind auf ihrem eigenen, eigensinnigen Weg zur Schönheit unterwegs, auch wenn er nicht jedermanns und -fraus Vorstellungen entsprechen mag. Mit Gitarren, mit Posaunen und Glockenspielen und der sanften Banshee-Stimme von afi1Sängerin Kristine Permild, an der man sich zögernd wärmen mag,  inmitten all dieser windumtosten Unsicherheiten. Wir gehen den krummen Weg, musikalisch, mit euphorisierender Hingabe. Und gewalttätiger Zärtlichkeit.

Was besonders für die Dänen einnimmt an diesem Abend ist ihre offensichtliche Freude am Zusammenspiel. Hier drängt sich keiner in den Vordergrund, hier gibt es keine Diven und übergroßen Egos, hier geht es um das gemeinsame Gelingen. Und wenn ein Song dann mit hymnischer Hingabe so klappt wie beim Soundcheck am Nachmittag, dann geht ein großes Lächeln durch die ungelenken Gestalt Thorben Seierø Jensen an der Gitarre. Das große Lächeln irrlichtert zurück über das Gesicht der Polarbloggerin, als die Band tatsächlich ihre beiden Lieblingssongs »Put The Virus In You« und »Sobriety Up And Left« nacheinander spielt. Ach!

Fast zum Schluss klettert die gesamte Band geschlossen von der Bühne, mischt sich unters Publikum und bildet einen Halbkreis aus Stimmen, Glockenspiel und Rassel. Singt mit unerwartet harmonischem Wohlklang einen Herzschmerz-Song von bestechender Einfachheit. Der Schlagzeuger entpuppt sich als unwiderstehlicher Schönsänger. Fast hält man den Atem an.

Die Offenbacher wollen die Kopenhagener an diesem Abend kaum von der Bühne lassen, zu deren hingerissenem Erstaunen. Noch eine Zugabe, und dann ist Schluss. Den gemeinen Regen können wir jetzt besser ertragen, nachdem wir Alcoholic Faith Mission gehört haben.

(Fotos: Martin Kurt Haglund, Miriam Dalsgaard)

13. Februar 2010

Schwül und cool: Die Raveonettes

Wer an diesem Abend im Offenbacher Hafen2 ist, hat eine bewusste Entscheidung getroffen: Nein, ich gehe nicht zu den Arctic Monkeys, die just zur gleichen Zeit ein paar hundert Meter weiter im Capitol spielen! Nein, wir sind wegen der Raveonettes hier! Voll ist es im Hafen trotzdem. rave1Die Monkeys hatten es mit der Verfasserin dieser Zeilen vor einigen Jahren nachhaltig verdorben, als sie bei ihrem ersten Frankfurter Gig (als die allgemeine Affenliebe gerade losbrach mit dem ersten Album) die Rekordminimal-Spielzeit von 26 Minuten spielten und die Bühne zugabenlos verließen, neee,  so geht das nicht!

Das dänische Duo (mittlerweile in New York und Los Angeles ansässig) hat sich für die Tour verdiente Begleitmusiker mit an Bord geholt, was Sängerin Sune Rose Wagner nicht davon abhält, die Gitarre abzulegen und zwischendurch unter maximalem Körpereinsatz mit Riesentrommelschlägern die Drums zu bedienen. Schwül ist es im Reich von Wagner und ihrem musikalischen Partner Sharin Foo, schwül und cool. Die beiden bewegen sich geschmeidig wie die Raubtiere im Dschungel des 6oer-Powerpop, den sie mit abgeklärter Raffinesse und mit einer gehörigen Portion Emma-Peel-Ästhetik in die Gegenwart befördern. Selbsbewusst auf den großen Effekt setzen, im Gewittergeflacker mächtiger Stroboskoplichter. Sehr selbstbewusst. Die Ohren gehen weit auf. Die Füße setzen sich in Bewegung, ganz von selbst.

Die rave2Pose spielt im Schaffen der Rave0nettes eine große Rolle, von der 50e-Jahre-Filmplakat-Ästhetik bis zum exakt geschnittenen blonden Pagenkopf von Sune Rose Wagner. Harmlose Zitierfreunde sind sie nicht, dieses Boy-Girl-Duo. Hinter all diesem Power-Säuseln, das live deutlich härter daherkommt als auf Platte, verbergen sich Abgründe und Garstigkeiten. Kuscheltierchen sind die beiden nicht. Eher untergründig aggressiv, von einer unterkühlten Härte. Hat etwas!

Wir schlagen zu mit konzentriertem Understatement, mit kontrollierter Leidenschaft. Mit scheinbarer Harmlosigkeit, mit viel Stilgefühl. Mit leise simmernder Wut. Mit Hingabe. Haben das die Monkeys an diesem Abend geschafft? Es steht zu bezweifeln.

(Fotos: Davey Webster).

12. Februar 2010

Nordisches bei der Berlinale

Vom 11. bis zum 21. Februar 2010 finden die Internationalen Filmfestspiele Berlin zum 60. Mal statt. Aus Anlass des Jubiläums werden bei der Berlinale einige Höhepunkte der Festivalgeschichte auf die Leinwand projiziert, darunter Alf Sjöbergs »Fräulein Julie« mit Anita Björk in der Hauptrolle.

(Kurz)Filme aus Schweden und Dänemark

25 Kurzfilme treten an, um bei den »Berlinale Shorts« den Goldenen Bären zu gewinnen. Als einzigem nordischen Land gelang es Schweden mit gleich drei Beiträgen aus den über 2600 Einsendungen ausgewählt zu werden.
Weitere Filme aus Schweden: »Tussilago« von Jonas Odell, »Unplay« von Joanna Rytel und »Händelse vid bank« von Ruben Östlund.

Am Montag, dem 15. Februar 2010 , laden Scandinavian Locations von 12 bis 14 Uhr Filmschaffende ein, sich dem Norden als Dreh- und Produktionsstandort anzunähern. Am folgenden Mittwoch, dem 17. Februar, zeigen sie ab 17 Uhr Fredrik Gerttens vielbeachteten Dokumentarfilm »Bananas!*« und diskutieren anschließend mit dem Filmteam darüber, wie der globale Bananenmarkt vor den und abseits der Kameras funktioniert.

Der dänische Film ist mit »Submarino« (Thomas Vinterberg), »En Familie« (Pernille Fischer Christensen), »Superbror« (Birger Larsen) und den vier Kurzfilmen: »Fløjteløs« (Siri Melchior), »Sol Skin« (Alice de Champfleurys), »Ønskebørn« (Birgitte Stærmose) und »Megaheavy« (Fenar Ahmad) vertreten. Mehr Informationen findet ihr hier.

11. Februar 2010

Filme im Berliner Felleshus: Max Manus, Bananas!* und Frygtelig lykkelig

Im Felleshus (Gemeinschaftshaus) der Nordischen Botschaften in Berlin werden im Februar sehenswerte Filme aus Norwegen, Schweden und Dänemark gezeigt.

Sonntag, 14. Februar 2010 um 15 Uhr: Film und Podiumsdiskussion »Max Manus«
Mehr als 1,2 Millionen (jeder vierte!) Norweger strömten in die Kinos, um »Max Manus« zu sehen – der Film wurde damit zur erfolgreichsten norwegischen Produktion der letzten 35 Jahre.

Mittwoch, 17. Februar, 17 Uhr: »Bananas!*«
»Bananas!*« vom schwedischen Filmemacher und Journalisten Fredrik Gertten ist ein spannender, vielschichtiger Dokumentarfilm, der das Drama und die Politik hinter unserer globalisierten Welt und unserem globalisierten Essen zeigt.

Mittwoch, 24. Februar, 19. Uhr: »Frygtelig lykkelig«
»Frygtelig lykkelig« (=Terribly Happy), der dänische Film aus dem Jahre 2008 wird im Original mit Untertitel gezeigt.

 
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