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Foto nordische Landschaft

08. August 2010

The Ghost, oder: Ganz schön großstädtisch, Faröer!

Wir strengen uns jetzt mal sehr an und überlegen, wie viele Musiker von den Faröer Inseln wir kennen. Faröer? Ja, Faröer! Nicht Island, dann wärs ja zu einfach!

Vielleicht fällt uns nach langem Nachdenken ein, dass der Singer-Songwriter Teitur der wohl international bekannteste Künstler der Inselgruppe mitten im Atlantik ist. Und wer ungewöhnlich gut informiert ist, der hat vielleicht am Rande mitbekommen, dass Orka eine sehr wild-verwunschene Form der Rockmusik pflegen und mit selbstgemachten Instrumenten musizieren, die sie allesamt in einer Scheune gefunden haben.

Wenn wir Faröer hören, dann denken wir an windumtoste, schroffe Inselgruppen. An viel Grün und noch mehr Regen und daran, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft vor einigen Jahren beinahe einmal gegen die Freizeitkicker von ganz weit da draußen verloren hat und die Schafe unberührt von der Dramatik irgendwelcher EM-Qualifikationen grasend beinahe auf dem Spielfeld gelandet wären.

Wir denken aber ganz bestimmt nicht an unverschämt lebendige, sehr urbane, unbedingt flott tanzbare und unvermeidlich lächelnd machende, poppig-elektronische Tanzmusik! Gut, dann müssen wir eben jetzt umdenken, denn mit The Ghost haben zwei Anfangszwanziger die Szene betreten, um mit all den Klischees vom exzentrischem Hinterwäldlertum aufzuräumen. Auf ihrem jüngst herausgekommenen Debütalbum »WAR KIDS« glitzert das Duo wie die Pailletten auf dem Bühnenanzug eines Las-Vegas-Entertainers. Zelebriert mit einem selbstbewussten, unverschämt charmanten Lächeln eine sehr tanzbare Mischung aus Elektropop und nicht zu wenig Indierock. Um die Energie geht es hier, ums Unbekümmertsein, ums Strahlen und ums schnoddrig sagen: Hey, wir sind hier!

Unverkennbar ist, dass The Ghost alle Antennen auf Empfang gestellt haben und aktuelle Einflüsse begierig aufgesogen haben: Die rockige Euphorie von We Were Promised Jetpacks und die cool-ironische Eleganz von MGMT. Die Discokugel ist der Fixstern über dem Universum dieser beiden Faröer Jungspunde, und natürlich geht es hier zuvorderst um Theatralik, Coolsein und möglichst dickes Auftragen. Aber auf so unwiderstehlich leichtfüßige Weise, dass die Single »City Lights« eigentlich bei jeder persönlichen Sommerhitparade 2010 ganz vorne mit dabei sein müsste. Weil hier garnichts anderes übrigbleibt, als wie ein übermütiges junges Schaf über die Wiese zu hoppsen und irgendwelche dämlich aussehenden Sprünge zu machen.

The Ghost – ‘City Lights’ from Sunday Best on Vimeo.

24. Mai 2009

Orka oder: Rock von den Faröern, ziemlich anders

Stellen wir mal viele Fragen. Fragen stellen ist immer gut. Also:  Wie viele faröische Rockbands kennen wir? Äähm, keine. Wie hört sich wohl faröische Rockmusik an? Muss irgendwie rauh, karg,ungeschliffen,  geradezu gewaltättig klingen. Nach Isolation und nach der unbändigen Neugier auf Anregungen von Außen und nach stolzem Beharren auf dem Eigenen. orka1Mit diesen Vermutung liegen wir schon mal ziemlich richtig. Denn Orka klingen wie ein Schwall kaltes Wasser ins Gesicht. Wie wenn Tom Waits auf Walfang fahren und dabei Gruselgeschichten erzählen würde. Oder als ob die Einstürzenden Neubauten und Kaizers Orchestra einen Wettstreit starten würden, bei dem es um das Erreichen der Höchstpunktzahl in den Diszipinen Anarchie und Experimentierlust ginge.

Das erste Orka-Album »LIVANDI OYDA« wurde in einer Scheune auf den Faröer aufgenommen. Die Instrumente wurden allesamt selbst gebaut. Aus Gerätschaften, die im Umkreis von Scheunen eben so herumliegen: Sägen, Fässern,Tonnen  Schleifmaschinen, Fernsehantennen und Zaunpfählen. Um nur einige zu nennen. Die sechs Musiker rund um Sänger Kári Sverisson entwerfen damit ein höchst eigenwilliges orka2Klanguniversum, das sich vorschnellen Definitionen widerborstig entzieht. Aber in seiner kraftvollen Eigenwilligkeit durchaus süchtig machen kann.

Dass sich hoch im Norden Ungewöhnliches tut, hat sich inzwischen bis Mitteleuropa herumgesprochen. Nicht zuletzt durch die kraftvollen, rohen, fast schon Angst einflößenden Live-Auftritte des Sextetts. Zum  diesjährigen Transmusicales-Festival in Frankreich wurde Orka als »Band in Residence« eingeladen und ein gemeinsamer Auftritt mit Yann Tiersen (»Die fabelhafte Welt der Amélie«) arrangiert. Wie die Zusammenarbeit mit dem Filmkomponisten ausgefallen ist, kann man hier erfahren.

Ach ja, Orka singen auf Faröisch. Verstehen tut man nicht viel. Fühlen um so mehr. Der Eindruck, den die Nordmänner bislang hinterlassen haben, war nachhaltig. Demnächst orka3sind sie die wohl erste Rockband von den Faröer Inseln, die jemals auf dem legendären Roskilde-Festival gespielt hat.

Die Fotos hat Jógvan Andreas á Brúnni gemacht.

02. Juli 2008

Island, charismatisch: Pétur Ben in Heidelberg

Es kommt bei Konzerten nicht häufig vor, dass die Vorgruppe den bleibenden Eindruck hinterlässt. Was nicht zwingend an der mangelnden Qualität des Hauptacts liegen muss, was in diesem Fall bei Mugison definitiv nicht der Fall ist. Auf den Tourplakaten von Mugison ist der Name Pétur Ben noch nicht einmal als Support Act abgedruckt – was ein unverzeihlicher Fehler ist, denn Herrn Ben müssen wir uns merken. Von dem werden wir noch hören, wenn sich Talent und unwiderstehliche Ausstrahlung irgendwann auf Erden durchsetzen dürfen.

 Ein heißer Sommerabend in Heidelberg. Selbst der Neckar neben dem Karlstorbahnhof scheint träger als sonst zu fließen, und die vielen japanischen Touristen sitzen längst brav auf ihren Hotelzimmern. Warum die Birkenstocksandalen-Fraktion an diesem Abend im Publikum so stark vertreten ist, darf zu den Rätseln gehören, die wir heute nicht mehr lösen müssen. Denn ein unberechenbarer Kobold in Menschengestalt mit Namen Pétur Ben ist uns erschienen und hat Nebelkerzen in die badische Beschaulichkeit geworfen.

 Ein junger Mensch mit stechenden, aber freundlichen Augen, mit straßenköterblonden Strubbelhaaren schnallt sich die Gitarre und wird zu einem gänzlich unberechenbaren Faktor. Er schreit, er fleht, er flüstert. Er haut auf die Gitarre ein, als gelte es sein Leben und bricht mit allen dummen Reinhard-Mey-Klischees, dass ein Singer-Songwriter brav, verständnisvoll und sensibel sein soll. Pétur Ben ist ein Berserker, der Angst und Schrecken unter den Kleinmütigen verbreitet. Von der Bühne springt, sich demonstrativ unters Publikum mischt und so heftig mit den Füßen aufstampfend den eigenen Takt vorgibt, dass der halbe Saal wackelt. Da traut sich kaum noch einer, der Aufforderung zum Mitsingen nicht nachzukommen.

 Pétur Ben ist einer, der brennt, der in Flammen steht. Der blass, dünn, unscheinbar, in viel zu engen schwarzen Jeans steckend einen unbestreitbaren Glamour verbreitet, der bisweilen an den jungen Bowie erinnert. Herr Ben würde dies vehement abstreiten und damit  Unrecht haben. Nicht Äußerlichkeiten zählen, sondern Persönlichkeit und Charisma. Und der Mut zu völlig unerwartetem Hakenschlagen in der Auswahl eines Coversongs: Dass Michael Jacksons »Billy Jean« noch unpeinlich in die Gegenwart zu retten ist, hätten wir vor diesem Abend nicht gedacht.

Gemein, aber wahr: Das Beste an Mugisons Auftritt ist die Tatsache, dass Pétur Ben dort die Leadgitarre spielt und sich zu allem Überfluss noch als Wunderkind an der Blues- und Rockklampfe entpuppt.

Als das Konzert vorbei ist, steht ein spilleriger, unauffälliger junger Mensch mit schmutzig-blonden Strubbelhaaren im Foyer und hält das neue Album von Pétur Ben hoch – zum Verkauf wie auf dem Wochenmarkt. Es ist natürlich der Künstler selbst, der an jedem Album drei Euro verdient, wie er selbstironisch dazu bemerkt. Der superfeste Händedruck und das intensiv strahlende Lächeln als Dank für das ausgesprochene Lob zum überzeugenden Auftritt beweisen, dass der junge Mann in der Menge alles andere als unauffällig ist.

30. Juni 2008

Hel(l) aktuell: III – Noch mehr Tuska 2008

tuska_logoSonntag, Tag III: Nach Freitag und Samstag der letzte Tuska-Tag.

Mit Korpiklaani (pardon: Before The Dawn), Job For A Cowboy, Killswitch Engage, Shade Empire, Sonata Arctica, Nile, Tyr,… − und SLAYER.

…sowie den »Hevi-Kaninchen« im Tuska-Backstage. Sowas gibt’s eben nur in Finnland − und das auch: Eintritt frei für über 65jährige beim Tuska. Metalheads, DAS sind doch mal rosige Zukunftsaussichten!

Doch der letzte Tag beginnt leider mit einer Panne: Korpiklaani sind hier − aber ihr Equipment nicht.

Oder wie es ihre kurzfristig eingesprungene Ersatzband Before The Dawn ausdrückt: »They’re willing to play – but the fucking backline is in Belgium!« Schwacher Trost für die Fans: Zumindest schreiben Korpiklaani wie geplant fleißig Autogramme.

Die zweite Panne: Krankheitsbedingt fällt der Sänger der US-Band Job For A Cowboy aus, die Truppe steht heute als Instrumental-Version auf der Bühne.

Doch nun genug der Vorrede, Bilder sagen mehr als tausend Worte:

BEFORE THE DAWN – finnischer Ersatz für KORPIKLAANI

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KILLSWITCH ENGAGE – USA

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…hier geht’s weiter:

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26. Mai 2008

Musik auf der virtuellen Skandinavienmesse

Screenshot Skandinavienmesse

Was es nicht alles gibt: Nun muss man sich nicht mehr persönlich auf eine Messe begeben, sondern kann das virtuell am heimischen PC tun.

Am Anfang dachte ich an einen Scherz, als mir Thorsten Blum sein Projekt zeigte (das witzigerweise am 1. April an den Onlinestart ging), aber schon bald war ich von der Idee und der professionellen Umsetzung überzeugt. Unter www.skandinavienmesse.de findet man die erste virtuelle (und ganzjährig geöffnete!) Messe zum Thema Skandinavien.

Als Aussteller sind hauptsächlich Reiseveranstalter, Händler im Bereich Bauen und Wohnen, Design und Mode, Jobs, Wirtschaft und Finanzen vertreten. Aber auch die Musik ist repräsentiert, zum einen durch Christian Pliefkes kleines, aber feines Label »Nordic Notes «, zum anderen durch unseren Stand der Nordischen Musik.

Die Aussteller haben die Möglichkeit, ihren Stand in geringem Maß selbst zu gestalten: Man kann Zeitschriftenständer und Informationstafeln bestücken und positionieren, oder man kann zwischen verschiedenen Standeinrichtungen und Standbetreuern wählen. Die Animationen beim Wechsel der Hallen sind nett anzusehen, doch die Simulation des dreidimensionalen Raums hat am Stand selbst ein Ende.

Nichtsdestotrotz überzeugt die Grafik und das Konzept des Projekts, an dem auch Peter Marx (ehemals Nordis-Herausgeber und Veranstalter der »realen« Skandinavienmesse in Essen) beteiligt ist – und an dessen Quellcode mitzuarbeiten Polarpixel die Ehre hatte.

Man muss sehen, wie sich das Projekt langfristig entwickelt, da  sich die Zahl der Aussteller noch in Grenzen hält. Und natürlich kann eine virtuelle Messe niemals eine echte ersetzen, wo es ja vor allem gerade um persönliche Kontakte und ein individuelles Kennenlernen geht.

Doch es ist sicher sinnvoll, eine themenbezogene Präsentationsplattform zu schaffen, die sich in Optik und Feeling von all den anderen Portalen deutlich unterscheidet. Übrigens: Thorsten Blum hat bereits weitere virtuelle Messen eröffnet (oder arbeitet noch daran) – zu den Themen Aquaristik, Einrichtung, Garten, Reise, Sport, Pferde und Wellness …

 
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