24. Mai 2009
Orka oder: Rock von den Faröern, ziemlich anders
Stellen wir mal viele Fragen. Fragen stellen ist immer gut. Also: Wie viele faröische Rockbands kennen wir? Äähm, keine. Wie hört sich wohl faröische Rockmusik an? Muss irgendwie rauh, karg,ungeschliffen, geradezu gewaltättig klingen. Nach Isolation und nach der unbändigen Neugier auf Anregungen von Außen und nach stolzem Beharren auf dem Eigenen.
Mit diesen Vermutung liegen wir schon mal ziemlich richtig. Denn Orka klingen wie ein Schwall kaltes Wasser ins Gesicht. Wie wenn Tom Waits auf Walfang fahren und dabei Gruselgeschichten erzählen würde. Oder als ob die Einstürzenden Neubauten und Kaizers Orchestra einen Wettstreit starten würden, bei dem es um das Erreichen der Höchstpunktzahl in den Diszipinen Anarchie und Experimentierlust ginge.
Das erste Orka-Album »LIVANDI OYDA« wurde in einer Scheune auf den Faröer aufgenommen. Die Instrumente wurden allesamt selbst gebaut. Aus Gerätschaften, die im Umkreis von Scheunen eben so herumliegen: Sägen, Fässern,Tonnen Schleifmaschinen, Fernsehantennen und Zaunpfählen. Um nur einige zu nennen. Die sechs Musiker rund um Sänger Kári Sverisson entwerfen damit ein höchst eigenwilliges
Klanguniversum, das sich vorschnellen Definitionen widerborstig entzieht. Aber in seiner kraftvollen Eigenwilligkeit durchaus süchtig machen kann.
Dass sich hoch im Norden Ungewöhnliches tut, hat sich inzwischen bis Mitteleuropa herumgesprochen. Nicht zuletzt durch die kraftvollen, rohen, fast schon Angst einflößenden Live-Auftritte des Sextetts. Zum diesjährigen Transmusicales-Festival in Frankreich wurde Orka als »Band in Residence« eingeladen und ein gemeinsamer Auftritt mit Yann Tiersen (»Die fabelhafte Welt der Amélie«) arrangiert. Wie die Zusammenarbeit mit dem Filmkomponisten ausgefallen ist, kann man hier erfahren.
Ach ja, Orka singen auf Faröisch. Verstehen tut man nicht viel. Fühlen um so mehr. Der Eindruck, den die Nordmänner bislang hinterlassen haben, war nachhaltig. Demnächst
sind sie die wohl erste Rockband von den Faröer Inseln, die jemals auf dem legendären Roskilde-Festival gespielt hat.
Die Fotos hat Jógvan Andreas á Brúnni gemacht.


Ein heißer Sommerabend in Heidelberg. Selbst der Neckar neben dem
Ein junger Mensch mit stechenden, aber freundlichen Augen, mit straßenköterblonden Strubbelhaaren schnallt sich die Gitarre und wird zu einem gänzlich unberechenbaren Faktor. Er schreit, er fleht, er flüstert. Er haut auf die Gitarre ein, als gelte es sein Leben und bricht mit allen dummen Reinhard-Mey-Klischees, dass ein Singer-Songwriter brav, verständnisvoll und sensibel sein soll. Pétur Ben ist ein Berserker, der Angst und Schrecken unter den Kleinmütigen verbreitet. Von der Bühne springt, sich demonstrativ unters Publikum mischt und so heftig mit den Füßen aufstampfend den eigenen Takt vorgibt, dass der halbe Saal wackelt. Da traut sich kaum noch einer, der Aufforderung zum Mitsingen nicht nachzukommen.
Pétur Ben ist einer, der brennt, der in Flammen steht. Der blass, dünn, unscheinbar, in viel zu engen schwarzen Jeans steckend einen unbestreitbaren Glamour verbreitet, der bisweilen an den jungen Bowie erinnert. Herr Ben würde dies vehement abstreiten und damit Unrecht haben. Nicht Äußerlichkeiten zählen, sondern Persönlichkeit und Charisma. Und der Mut zu völlig unerwartetem Hakenschlagen in der Auswahl eines Coversongs: Dass Michael Jacksons »Billy Jean« noch unpeinlich in die Gegenwart zu retten ist, hätten wir vor diesem Abend nicht gedacht.
Sonntag, Tag III: Nach 





Eigentlich kennt man die Färöer nur als Gruppenletzter in der EM-Qualifikation. Musikalisch regierte dort die anachronistische Punkband »
Ganz anders EF. Diese orientieren sich an den großen Epen, umgeben sich mit Wortlosigkeiten und quälen gleich dreifach die sechs Saiten. Die Abenteuer und Leidenschaften verpacken sie in höchst dramatische und schöne Postrock-Songs, wie sie sonst (mit Ausnahme der etwas ruppigeren
Was Madonna Anfang der 90er auf den Sperrmüll warf, haben die sechs Jungs vom 