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Foto nordische Landschaft

28. September 2018

Her mit den jungen finnischen Wilden! Reeperbahn Festival 2018

So richtig aufregende neue Indierock-Bands aus Finnland? In den vergangenen Jahren kam nicht sehr viel. Umso erfreulicher, sich beim Reeperbahn Festival 2018 mal so richtig von Newcomern aus Suomi begeistern zu lassen: Hineingedrängt ins Gewühle im neuen (?) Club namens Thomas Read, der eigentlich einen irische Trinkhalle ist. Und dort halten die Jungspunde aus Helsinki namens “>The Holy (Foto: Tero Ahonen) mit höchstem Stimmen- und Körpereinsatz den guten alten Stadion-Indierock hoch, und das peinlichkeitsfrei! Große Gefühle, griffige Refrains und jede Menge Leidenschaft haben diese vier Herren und Basserin Laura im Köcher. Und zwei Schlagzeuge, was der ganzen Sache noch mehr Dringlichkeit verleiht. Die Gitarren klingen durchaus melodisch, aber stechen wie die Wespen!

Mit Eetu Henrik Iivari besitzen The Holy einen Sänger mit beachtlicher Bühnepräsenz – die überstrapazierte Vokabel charismatischer Frontmann wäre hier fehl am Platze. Diese Jungspunde brennen voller spätpubertärer Energie, jeder Menge Teenage Angst und noch viel mehr Euphorie. Das Publikum an der Reeperbahn haben The Holy binnen Minutenfrist auf ihrer Seite. Voll ist es! Was angesichts einer Konkurrenz von mindestens zehn oder mehr Bands, die etwa zeitgleich spielen, ganz schön beachtlich ist. Sind hier nach all den Jahren endlich die würdigen Nachfolger der großartigen Landsleute Joensuu 1685 gefunden? Durchaus möglich!

NEØV sind zwar ganz genau genommen keine echten Newcomer, aber sie waren in den letzten Jahren wohl auf der grünen Weide und sind in Ruhe erwachsen geworden. Oder so ähnlich. Die Band um die Brüder Anssi und Samuli Neuvonen wirkt bei ihrem Gig in einem der Keller im Club-Haus am Spielbudenplatz frisch und voller Spielfreude. Und wenn Musiker so schön pfeifen können wie diese Jungs, dann haben sie mich sowieso sofort auf ihrer Seite! Die Jungs aus dem mittelfinnischen Seengebiet wirken trotz des mittlerweile erschienen dritten Albums immer noch erfreulich jung, naiv und begeisterungsfähig. Und durchaus stadionpoppig! Sie schwelgen, sie schmachten und leiden ein wenig am Leben und an der Liebe. Aber nicht zu sehr, gottseidank. Sind peinlichkeisfrei romantisch. Positiv fallen hier die abwechslungsreichen Arrangements auf. Vor allem die Bläsereinsätze gefallen. Sollten hier endlich die legitimen Nachfolger der wundervollen Delay Trees gefunden sein? Durchaus möglich!

21. August 2018

Ach, es gibt finnische Elfen: Karina

Gibt es den Sommerschlaf? Offenkundig! Denn das Polarblog hat nach langen, emsigen Jahren mal eine mittelkleine Pause eingelegt. Zudem werkeln wir im Hintergrund eifrig an dem lange überfälligen Relaunch unserer Haupt-Site Nordische Musik, was sich als ziemlich aufwändig erweist. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Aber wenn´s dann mal fertig ist, wird es sehr schick aussehen. Versprochen! Der Sommerschlaf war aber auch ein kleiner, stiller Protest gegen die allgegenwärtige Info-Überflutung. Ich bin inzwischen fast mehr mit dem Löschen überflüssiger Promo-Mails beschäftigt als mit Musikhören. Ich übertreibe zugegebenermaßen etwas. Aber der Promo-Mail-Terror hat letztendlich eine gewisse Unlust erzeugt. Ich ertappe mich mittlerweile dabei, dass ich abends am liebsten Klassik höre. Eine Phase? Vielleicht.

Aber die Neugier auf neue Musik ist immer noch da! Dieses Jahr habe ich es zwar wieder nicht aufs wunderbare Flow-Festival in Helsinki geschafft, aber das Stöbern im Programm hat bislang immer unbekannte Schätze zu Tage befördert. Dieses Mal das Trio Karina , deren sanfter, verträumter Folkpop den perfekten Soundtrack für spätsommerliche Abende bietet. Wenn die Hitze nachlässt und die Gedanken ungestört spazieren gehen können.

Karina sind ein Folkpop-Trio aus Helsinki, das im März sein Debütalbum herausgebracht hat. Das Besondere an den Dreien: Sie singen auf Finnisch! Und das hört sich erstaunlich stimmig, poetisch und überaus anmutig an. Denn anders als manche braven Klampfen-Heinze und Klampfen-Heinzinnen schwingen bei Karina ein gewisser koboldhafter Übermut und eine naive Verspieltheit mit. Sollte es tatsächlich finnische Elfen geben? Durchaus möglich! Besonders fein ausgefallen ist der Track »Bambi«, der mit kitschigen Rehlein so gar nichts zu tun hat.

Foto: Reetta Sarikoski

21. Oktober 2017

Das Fabrikmädchen und das Unheimliche: Minja Koski

Wenn das Unheimliche plötzlich in den Alltag einzieht, dann zieht es uns sacht den Boden unter den Füßen weg. Und dann bleiben Erinnerungen lange, lange lebendig. Minja Koski, finnische Schauspielerin und Sängerin, hat eine besonders verstörende Erinnerung: Als sie ein kleines Mädchen war, versuchte eine Jugendliche, sich im Teich vor der Dorfdisco zu ertränken. In Kuhmo war das, der Heimatstadt der Musikerinn, einem 6.000-Seelen-Nest in Nordfinnland, hart an der russischen Grenze. Minja alias M hat das Erlebnis in einem sanft verstörenden Song namens »Kaarina« verarbeitet. Man spürt fast, wie Dunkelheit und Wald an das Haus heranrücken. Es ist, als ob kleine schwarze Vögel durch das Debütalbum »TEHTAANTYTTÖ« flattern. Übersetzt heißt das Fabrikmädchen, was wohl die einzige Karrieremöglichkeit in Kuhmo sein dürfte.

Das Mädchen und die dunklen Mächte, die aus den Wäldern rufen, das ist nur eines der Leitmotive dieses subtil verstörenden Albums. Denn Minja hat sich hier mit dem Turkuer Produzenten und Soundtüftler Miikka Ahlman zusammengetan, der das Poe´sche Grauen mit aktuellen Beats unterlegt und so die Schauermär mit leichter Hand Richtung Dancefloor entführt. Die scheinbare Naivität, die Minja Koski stimmlich transportiert, führt in die Irre: Diese Frau weiß genau, was sie tut! Sie singt über das Leben an den Rändern, wo sich die Gewissheiten verflüchtigen, was die Sinne ungemein schärft. Was passiert denn den Mädchen aus den Grimm´schen Märchen? Genau, sie gehen wie Rotkäppchen, Gretel und Schneewittchen im Wald verloren. Minja Koski ist eine heutige Nachfahrin dieser Heldinnen, die vom Wege abkommnen und lernen, dass die faszinierendsten Gestalten tief verborgen im schwarzen Dickicht leben. Ach ja, und die finnische Sprache eignet sich bestens für diese Ausflüge in dunkelschwarze Wunderwelten!

30. August 2017

Summer Breeze 2017 – Samstag: Auf Händen getragen

Frühester Arbeitsbeginn des diesjährigen Summer Breeze. Die Veranstalter haben um elf Uhr zur jährlichen Pressekonferenz geladen – und hier sind ein paar Zahlen-Daten-Fakten rund ums Festival:

Dieses Jahr sind 40.000 Besucher anwesend. Aus den beiden Hauptbühnen wurde die Summer Breeze-Stage; sie besitzt die größte transportable Drehscheibe Europas auf einem Open-Air-Festival mit 20 Metern Durchmesser. 27 Kilometer Bauzaun wurden im Vorfeld aufgebaut.

Natürlich wird auch über das Unwetter von gestern gesprochen. Die gute Nachricht ist, dass es nicht so schlimm war wie befürchtet; niemand kam zu Schaden. Zwischendurch haben wir Mühe, die Antworten der Veranstalter zu verstehen: Auf der SB-Stage legen die Excrementory Grindfuckers dermaßen laut los, dass Veranstalter Achim Ostertag sanft grinsend ein »wen hab ich da gebucht?« entfährt.

Im Anschluss an die Pressekonferenz hätten wir uns mehr Zeit lassen sollen auf dem Weg zur SB-Stage. Primal Fear (D) liefern ein schauriges Gejaule ab, aber da müssen wir durch. Denn Delain (NL) spielen nach ihnen. Bei den Holländern sind ausgesprochen viele Männer anwesend. Muss wohl an den schönen Frauen auf der Bühne liegen – oder doch an der Musik? Frontfrau Charlotte Wessels versteht es jedenfalls das Publikum mitzureißen.

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29. August 2017

Summer Breeze 2017 – Freitag: Déjà-vu – ein Unwetter zieht heran

Memorian (UK) liegen gerade in ihren letzten Zügen, als wir auf dem Battlefield eintreffen. Wir sind zu früh dran für Battle Beast (FIN) und drehen auf der Suche nach CDs noch eine Runde durch die Händlermeile.

Vor der Summer Breeze-Stage einen Platz zu bekommen, fällt bei den Finnen recht schwer: Es ist erstaunlich viel los. Mit tanz- und bangbaren Rhythmen begeistert die Band um Fronterin Noora Louhimo das Publikum, das immer mehr fordert und sichtlich Spaß hat.

Die traditionellen Heavy Metaller begeistern ihre Fans mit Stücken wie »Familiar Hell«, »Touch In The Night« und natürlich »Black Ninja« – und diese danken es ihnen mit abfeiern und mehr oder minder textfestem Mitsingen.

Auf dem Weg in Richtung T-Stage nutzen wir die Möglichkeit erst einmal kurz aus der Sonne raus zu gehen – und entdecken fliegende Einhörner.

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