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Foto nordische Landschaft

20. Mai 2014

Inferno 2014 – Samstag: Würdiger Schlusspunkt


Am dritten und letzten Festivaltag schaffe ich es zwar nicht zu den ersten Takten des Openers The Sickening im John Dee zu stehen, doch komme ich auch nicht sehr viel später im Kellerclub an. Tatsächlich gelingt es mir heute erstmals alle Bands bis zu den finalen schwedischen Watain zu sehen.

The Sickening (Norwegen)
Brutaler, moshbarer, innovationsfreier Death Metal, passioniert zum Besten gegeben.

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24. April 2014

Weitermachen, Wojciech!

Schön, eine Stimme wiederzuhören! Die von Jari Oisalo, der für sein Bandprojekt den komplizierten polnischen Bandnamen Wojciech gewählt hat. Lange war es still gewesen um die Traumtänzer aus Turku, deren Sternenfänger-Album »SOINTULA« immer noch eine Lieblingsscheibe ist, die im Regal unter den Unverzichtbaren steht. Plattenvertrag haben Wojciech keinen mehr. Und die Zwänge des Erwachsenenlebens werden das Übrige dazu getan haben, dass man von Herrn Oisalo länger nichts mehr hörte. Aber dann, letztens, eine Nachricht von Jari via Twitter: zwei Jahre hat er an neuem Material gewerkelt, erst Anfang 2014 wurde nun aufgenommen und abgemischt. Zwei Tracks der neuen Veröffentlichung AVARUUSFAARAO liegen auf Bandcamp vor. Und schau einer an, Stehenbleiben ist die Sache von Wojciech nicht: Hier packt er die Synthies aus und bewegt sich im Siebziger-Jahre-Elektronikland, bevor er beginnt, seine kleinen, nachdenklichen Geschichten zu erzählen. Auf Finnisch natürlich, der Weltsprache der Popmusik. Man driftet hier schon fast unmerklich in psychedelische Gefilde, ohne dabei zu dick auftzutragen. Bleibt schön nachdenklich, ohne dabei dröge zu sein. Sich einfach treiben lassen und weiterhin den Sternen nachgucken. Gut so, sollte man nicht verlernen! Und weitermachen sowieso!

Dass Jari Oisalo es auch krachen lassen kann, zeigt er mit seinem Nebenprojekt Tyynyt, in dem die Gitarren ausnahmsweise lärmen dürfen und Herr O. trotzdem denkender Nerd bleibt. In Songs wie »Lrja« darf es auch mal leicht melodramatisch werden, ohne dass dies zu überladen wirkt. Ach, was spricht dagegen, leicht härtere Töne anzuschlagen, wenn man sich seine Shoegaze-Sensibilität dabei vewahrt. Dinge ausprobieren, darum geht es doch! Auch wenn nicht alles perfekt ist und man sich in diese Tracks erstmal reinhören muss. Denen es im Übrigen gut tut, dass sie ihre kleine Schrulligkeit kultivieren. Seine Träume aufgeben? Das würde Jari Oisalo wahrscheinlich niemals wirklich.

21. April 2014

Kings Of Black Metal 2014 – Band des Tages: Khold

Tatort: Immer noch das beschauliche Alsfeld
Tatverdächtige: (True) Black Metaller
Tatzeit: Verlängert – Samstag plus Warm-Up-Freitag
Tat-Zeugen: Dresscode-treu gewandet

Zum vierten Mal logiert das Kings Of Black Metal-Festival im Örtchen Alsfeld an der Märchenstraße. Statt Rapunzel, Froschkönig und Dornröschen bevölkern am 5. April 2014 (sowie am Warm-Up-Abend zuvor) pflichtgemäß in schwarz gekleidete Black Metal-Jünger die Stadthalle, den Parkplatz davor sowie einige Seitenstraßen und Gaststätten in der nächsten Umgebung. Aus ganz Deutschland, vom Bodensee bis zur Nordsee, sowie aus dem benachbarten Frankreich reiste der Löwenanteil der Besucher zum größten (einzigen) existierenden reinen Black Metal-Festival an.

Erfreulicherweise sind auch dieses Jahr einige Bands dabei, die man nicht ständig und überall zu hören bekommt. Fatalerweise hat uns das Autobahn-Wetter – bzw. die Fahrer, die damit nicht umgehen können – an unserem Anreisetag, Samstag, einen Strich durch die Rechnung gemacht: Iskald aus Norwegen haben wir leider verpasst – warum lasst ihr diese großartige Kapelle auch als Opener spielen? Warum nicht Velnias, die meine Begleitung nach dem Set mit einem »die haben also nur ein Lied gespielt« kommentiert. Zu Recht. Alles klang gleich. Auch die isländischen Svartidaudi können (live) nicht richtig punkten, wenngleich sie sich optisch kreativ in Szene setzen: Das um die untere Gesichtshälfte geschlungene Tuch des Fronters bietet beim Singen und einatmen einen äußerst fotogenen Anblick.

Möglicherweise sind die ausufernden Instrumentalpassagen »Schwarzer Tod«-Musiker einfach nicht die dankbarsten Elemente für eine Liveshow. So gern ich beispielsweise Opeth-Alben mag, live funktionieren sie für mich nicht, zu sperrig, zu langatmig, zu einschläfernd. Die erste spannende Kapelle heute ist die mit dem längsten Anreiseweg.
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18. April 2014

Zeit der Unschuld mit Good Omens

Sie singen so, als könnten sie kein Wässerchen trüben: Good Omens aus Helsinki. Erzählen simple Stories. Singen Alltagsballaden von ruhiger Schönheit. Schwelgen im Beobachten von kleinen Dingen. Und betrachten die Welt mit einer Haltung, die von selbstbewusster Unschuld und heiterer Naivität geprägt ist. Kommen entspannt und unangestrengt daher und irgendwie sehr zärtlich. Der Fama nach haben sich die Vier (oder Fünf)) beim spontanen sommerlichen Musizieren im Park kennengelernt. Eine große Portion Wärme haben sie in den langen finnischen Winter hinübergerettet. Gut so! Denn in diesen feinen folkpoppigen Songs flackert ein warmes Feuerchen. Ganz besonders im fein mit Streichern arrangierten Track »Carry On« , der ganz von der sanft mädchenhaften Stimme von Sängerin Saara Taini lebt. Die hier mitunter an die unvergessene Edie Brickell erinnert.

Good Omens kommem in diesen schlichten, aber keineswegs langweiligen Songs ganz ohne größere emotionale Wallungen aus. Die wären in dieser filigranen Welt auch absolut überflüssig. Die Finnen nehmen sich lieber zurück und hüten sich vor falschen lauten Tönen. Wollte man wesensverwandte Musiker finden, dann würde man vielleicht bei den Schweden Solander oder den Briten Lanterns On The Lake fündig. Was nicht die schlechtesten Referenzen sind! Die Finnen haben im Februar ihr Debütalbum »BY OPEN PLAIN« herausgebracht, dem man zur Gänze auf Bandcamp lauschen kann. Was sich nicht nur zu blauen Stunden lohnt! Denn es gibt jede Menge Zwischentöne zu entdecken. Versteckten Humor dazu und mitunter schrullige Anwandlungen. Dass das Album auf dem Lande aufgenommen wurde, irgendwann zwischen Winter und Frühling, das kann man irgendwie hören. Die Band selbst beschreibt den eigenen Sound als Mischung zwischen Eis, Nebel und Wasser. Ach, aber so kalt und ungemütlich geht es hier doch nicht zu! Etwa in »Sun And Moon«, wo schön zurückgenommene Man-Frau-Harmoniegesänge ein kleines Fest feiern!

(Foto: Merja Isomaa-James)

04. März 2014

Wer sind IKI? Meerjungfrauen, freche Gören?

Acht junge Frauen, die sich IKI nennen. Und ihr gemeinsames Projekt folgendermaßen beschreiben: »IKI ist ein neugeborenes Baby, eine freche Göre, eine Meerjungfrau oder eine weise alte Frau« . Upps, Mädels, da habt ihr euch ja eine Menge vorgenommen! Und vor allem deshalb, weil ihr das alles auf die Reihe bekommen wollt, ohne dass euch ein einziges Instrument dabei unterstützt. Nur mit den Stimmen also! Das Ergebnis sind ungewöhnliche Töne: experimentell, jazzig, poppig, soulig, opernhaft, unerwartet björdesk und so schwer zu fassen wie die Schwestern im Geiste von Coco Rosie. Die jungen Frauen haben eine all-skandivische All-Star-Vocal-Girlgroup gegründet und kommen aus Finnland, Dänemark, Island und Norwegen. Man muss sie allein schon wegen ihrer wunderbaren Bühnenkostüme loben! Einfach zu goutierende Kost bietet das Oktett mit Tracks wie der hoffnungslosen Liebesgeschichte zwischen der Meerjungfrau und dem Matrosen keinesfalls, dafür aber tropfen die Wassertropfen hier aus weiblichen Kehlen. Von schauriger Romantik ist das!

»Alles kann bei uns passieren«!, kündigen die acht IKIs an, und das ist nicht gelogen. Man lässt sich mit den Mädels auf eine rasante Geisterbahnfahrt der Stimmen ein, die mögliche Schrecken elegant umkurvt und uns mitunter mit putzmunteren und gummiballhüpfenden Experimentaltracks wie »Quisandolete« ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern. Im Jahr 2011 ist ihr erstes, selbst betiteltes Album erschienen, das rein aus Improvisationen entstand und innerhalb von nur drei Tagen aufgenommen wurde. Aktuell arbeiten die Mädels am Zweitling, einer Zusammenarbeit mit dem sländischen Gitaristen Hilmar Jensson. Aufgenommen wurde im ehemaligen Studio von Sigur Rós in Island. In Deutschland live erleben kann man die IKIs etwa beim Festival Nordischer Klang Anfang Mai in Greifswald. Man braucht dort wahrscheinlich irgendeinen soliden Gegenstand, an dem man sich festhalten kann: denn so rasant und unvorhersehbar sind die Stimmen dieser Sängerinnen unterwegs!

Iki_Quisanadolele from louise from on Vimeo.

 
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