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Foto nordische Landschaft

04. Juli 2017

Tuska 2017, sonniger Sonntag: Apocalyptica kontra Oranssi Pazuzu

Der Tuska-Sonntag steht traditionell gerne im Zeichen des True/Heavy/Power Metals, mit Bands wie Stratovarius, Accept, Sonata Arctica etc. Battle Beast habe ich gerade verpasst, doch die finnischen Heavy Metaller touren fleißig,  die nächste Club-/Festival-Show kommt bestimmt. Doch schon stehen Dirkschneider, also die Band um Udo Dirkschneider in der gleichen Besetzung wie U.D.O. auf der RadioRock-Bühne und spielen nur Accept-Songs – soweit alles klar?

Wenngleich ich Judas Priest verdammt geil fand und Accept in der ehemaligen bzw. 2005 wieder vereinten Formation ganz spaßig, kann ich mit dem heutigen Auftritt von Dirkschneider nicht viel anfangen. Zwar böllern die Instrumentalisten (zu) kräftig aus den Boxen, doch wirkt das Gefiepse des Sängers unstimmig dazu. In Suvilahtie haben die Deutschen jedenfalls genug Heavy-Fans, so dass der Platz vor der Hauptbühne gefüllt ist – und die ebenfalls gut gefüllten Fans singen kräftig mit. So erklingen aus hunderten Kehlen die Refrains von »London Leatherboys«, »Restless and Wild / Son of a Bitch« und selbstredend von »Balls to the Wall«.

Im Anschluss kämpfen die psychedelischen (eigentlich auf Eis gelegten) Stoner Rocker/Metaller Jimsonweed auf der Inferno-Bühne mit technischen Problemen: Erst ist die Gitarre der Finnen kaum zu hören, dann fällt der Bass aus – was der Profi an der Gitarre, Sami Yli-Sirniö (Waltari, Kreator etc), nonchalent mit einer längeren Improvisation überbrückt. Doch auch die problemfreien Lieder der Truppe um »Suho Superstar« überzeugen nicht – ob es deshalb im Saal so leer ist, wie bei keiner anderen Band zuvor?

Und weiter geht’s im Zelt mit Baroness, die deutlich spannender klingen.

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03. Juli 2017

Tuska 2017, Samstag: Ausverkauft – HIM sei Dank

Da ich sowohl Impaled Nazarene (FIN) als auch Mokoma (FIN) mehrfach live gesehen habe, beginnt der zweite Tuska-Tag für mich mit den wieder vereinigten Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus: Eine Band, die bereits auf dem allerersten Tuska anno 1998 (damals noch im Tavastia/Semifinal) spielte und deren Alben ich fast so lange höre.

Vor der RadioRock-Bühne ist es bereits unglaublich voll, kein Vergleich zum gestrigen Tag um diese Zeit. Ob das an Timo und Co liegt, oder an den heutigen Headlinern? Egal, soll es im Publikum von HIM-Devotionalien wimmeln, Rautiainen und seine Mannen rocken, als seien sie keinen Tag getrennt gewesen. Sie feiern mit ihren Fans alte Gassenhauer wie »Rajaton Rakkaus«, »Rajatila« und natürlich »Nyt on mies!«.

Vom düsten Rock/Metal geht’s weiter ins Zelt zu den jungen Thrashern Lost Society aus Jyväskylä. Diese Hochgeschwindigkeits- Jungspunde in nahezu pefekter 1980er-Optik machen mächtig Spaß – und mächtig Druck. Leider nur 45 Minuten lang, die mit Krachern von »Braindead« über »Kill (Those Who Oppose Me)« und »Rage Me Up« bis zu »Riot« wie im Flug vergehen. Wer Lost Society noch nie live gesehen hat, sollte das schleunigst ändern und zur Band um Front-Rampensau Samy Elbanna gnadenlos mitmoshen!

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02. Juli 2017

Tuska 2017, Freitag: Zum 20. gratulieren ST, Mayhem, Sabaton – und Pekko Käppi

Punktlandung in Suvilahti: Exakt zu den ersten Takten von Suicidal Tendencies’ »You Can’t Bring Me Down« betrete ich das Gelände des Tuska-Open-Airs. Die Kalifornier liefern auf der Haupt-/RadioRock-Bühne ein gewohnt soldides, sauberes Set – und Fronter Mike Muir wirkt als hätte er nach stolzen 36 Jahren immer noch Spaß daran.

Dagegen ist Gitarrist Dean Pleasants (seit 1996 dabei) nahezu ein Bandküken, ganz zu schweigen von den letztjährig dazu Gestoßenen, alias Basser Ra Díaz, Ex-Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo sowie Gitarrist Jeff Pogan. Apropos dazu stoßen: Gegen Ende des Sets spielen die Crossover-Thrash-Veteranen wie immer, so auch in Helsinki, das wie-viele-Menschen-passen-auf-die-Bühne-Spiel, und lassen so viele Fans wie möglich zu sich hoch klettern – und jetzt alle: »Pledge Your Allegiance«.

Von den Urgesteinen ziehe ich weiter zu einem für mich bis dato unbekannten Künstler – zumindest live. Auf Alben ist der Finne Pekko Käppi für nordische-musik ein alter Bekannter, sowohl gemeinsam mit K:H:H:L als auch mit dem Jouhiorkesteri. Die Folk-Blues-Rocker auf der Inferno-Bühne sind die positive Überraschung des Tages. Sie sind nicht nur erstaunlich laut und mächtig, sondern haben auch einen satten Groove – und das zu dritt: Ein Basser, ein Gitarrist der gleichzeitig Schlagzeug spielt (zugegeben: nur die Hi Hat) und natürlich Pekko Käppi an der Jouhikko. Wer die Chance hat diese Truppe live zu erleben: Hingehen!

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26. Juni 2017

Wir nehmen das Schlauchboot mit den Pole Siblings

Wir nehmen das Schlauchboot und lassen uns gemächlich den Fluss heruntertreiben. Mit den Pole Siblings geht das ganz entspannt! Das Geschwister-Duo aus Finnland mit derzeitigem Wohnsitz in Schweden hat in diesen Tagen seine Debüt-EP »IT MIGHT GROW« vorgelegt und liefert damit den perfekten Soundtrack für schwerelose Ferienwochen. Das ist Pastellpop mit folkigen Untertönen, der erfreulicherweise ohne jede Süßlichkeit auskommt. Sofia & Johan Stolpe schwelgen in sanften Harmoniegesängen. Durchaus möglich, dass man die Stimmen der beiden kaum auseinanderhalten kann! Ums Träumen geht es hier. Und um kleine und große Sehnsüchte. Eine leise Melancholie flirrt durch diese vier angenehm zurückhaltendem Songs. Der schönste Track ist vielleicht das verspielte »Nog Va He Bra«, das mit einer Besonderheit aufwartet: Die Geschwister Stolpe singen hier in einem finnisch-schwedischen Dialekt, der zart exotisch klingt. Darauf hat die Welt gewartet! Wer nach Referenzbands sucht, wird bei Vasas Flora Och Fauna fündig. Via Bandcamp kann ausführlich in die Debüt-EP hereinhören!

Foto: Fredrik Diffner

27. Januar 2017

Schmerzensmänner im Schneesturm: Eurosonic 2017

Das Eurosonic Festival im holländischen Groningen bildet bei mir und vielen anderen Musikfans im Januar traditionell den Jahresauftakt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Das Wetter in der Universitätsstadt im Norden des Landes ist um diese Jahreszeit häufig grauselig, und der Januar 2017 macht keine Ausnahme. Wie gut, dass man sich am warmsouligen Weltschmerz von Albin Lee Meldau wärmen kann, bevor es wieder heraus aufs Fahrrad und in den Schneesturm geht! Der junge schwedische Schmerzensmann tritt passenderweise in einer Kirche auf: Die bildet den perfekten Rahmen dafür, über das eigene Schicksal nachzusinnen! Zwar hängen dunkle Wolken über dem musikalischen Universum des tiefdunkel gekleideten Troubadours, der mit souligen Tracks wie dem schwarzsamtigen »Let Me Go« auch mal den Himmel um Unterstützung anfleht. Mit diesem wärmenden Whiskey aus Klängen im Herzen trotzt nachts um eins auf dem Fahrrad entlang der Grachten den fiesesten Schneeflocken!

Leider nicht im Gotteshaus findet die Rückkehr von Mikko Joensuu nach Groningen statt. Vor sechs Jahren ist der finnische Musiker hier mit seiner Band Joensuu 1685 aufgetreten. Lange ist es her! Der Mann mit dem strähnigen Blondhaar hat sich seitdem mehrmals gehäutet. Unvergessen sein großartiger Auftritt beim Flow Festival in Helsinki vor einigen Jahren, als er als Mischung zwischen Waldschrat und wiedergeborenem Christen auftrat und seine gequälte Seele scheunentorbreit öffnete. Inzwischen hat Mikko die beiden sehr wundervollen EPs »AMEN 1« (Songwriting!) und »AMEN 2« (Elektrokrautrock)! vorgelegt, in denen es immer noch viel um Finsternis und Erlösung geht. Aber irgendwie fällt inzwischen warmes Licht in seine dunklen inneren Kammern. Bei Mikko Joensuus Auftritt in einen wunderbar altmodischen Theater gleich um die Ecke bei der Kathedrale kommt der Finne sehr bescheiden daher. Konzentriert sich auf seine americana-affinen, melancholischen, sanft taubengrauen Balladen von »AMEN 1«. Mit dem üblichen wehleidige Genöle der meisten Singer-Songwriter heutzutage haben diese Tracks voller Tiefgang nichts zu tun. Näher, mein Gott zu Dir: Mit Mikko Joensuu kann man sich mit diesem Gedanken peinlichkeitsfrei anfreunden. Und auf dem persönlichen Wunschzettel für dieses Jahr vermerken, dass die krautrockige Variante von »AMEN 2« live sehr wunderbar klingen würde! Dass Mikko Joensuu in all den Jahren auch außerhalb Finnlands nachhaltig Eindruck hinterlassen hat, beweist eine kleine Episode beim diesjährigen Eurosonic: Am Vorabend stehe ich in der Schlange an, um die wunderbare Anna Meredith zu hören und komme mit einer netten Österreicherin ins Gespräch. Erzähle ihr, dass ich am kommenden Abend Mikko Joensuu sehen werde. Die Augen der jungen Frau strahlen plötzlich auf wie Leuchtraketen. »Mikko Joensuu! Genau! Und dieser wunderbare Song von Joensuu 1685!« Ja, genauso ist es!

 
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