20. Mai 2008
Eurovision Song Contest: Erstes Halbfinale – mit Teräsbetoni

Mal abwarten wie sich die Nordlichter dieses Jahr beim Ex-Grand Prix (neudeutsch »Eurovision Song Contest«) schlagen. Heute abend zeigt das ndr-Fernsehen ab 21 Uhr das erste Semifinale des Eurovision Song Contest 2008 – mit dabei: Die Finnen Teräsbetoni.
Wie groß sind die Chancen, dass Teräsbetoni (=Stahlbeton) den Geniestreich ihrer Landsmänner Lordi wiederholen können?
Nicht so groß: Lordi hatten 2006 im Vorfeld bereits so viel Aufmerksamkeit erregt, wie kein anderer Teilnehmer zuvor. Die von den ewig gleichen Grand-Prix-Teilnehmern gelangweilten Zuschauer und die Metaller aller Länder vereinigten sich – und verhalfen Lordi zu einem unglaublichen 292-Punkte-Sieg. Selbst wenn Teräsbetoni gewinnen sollten, können sie eines nicht wiederholen: Lordi waren die ersten finnischen Gewinner in der Geschichte des Grand Prix/ESC.
Zunächst einmal müssen Teräsbetoni das heutige Halbfinale überstehen, um am 24. Mai in Belgrad an den Start zu gehen. Einen garantierten Platz haben der der Vorjahressieger Serbien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien; die weiteren 20 Finalisten werden in zwei Semifinalrunden (mit je 19 Teilnehmern) ermittelt.
Teräsbetonis Konkurrenten am heutigen Abend (in der Startreihenfolge):
Montenegro, Israel, Estland, Moldau, der Debütant San Marino, Belgien, Aserbaidschan (ebenfalls zum ersten Mal dabei), Slowenien, Norwegen, Polen, Irland, Andorra, Bosnien-Herzegowina, Armenien, Niederlande, Rumänien, Russland und Griechenland.
Die Zuschauer in Deutschland können im Ersten Halbfinale per Televoting und SMS mitbestimmen, welche zehn Länder sich für das Finale am Sonnabend qualifizieren. Die Telefonnummern werden während der Sendung bekannt gegeben.
Und hier die »nordischen« Kandidaten des heutigen Abends im Detail:
Startplatz 9: Norwegen – Maria Haukaas Storeng mit »Hold On Be Strong«
Startplatz 6: Finnland – Teräsbetoni mit »Missä Miehet Ratsastaac
Das zweite Halbfinale
Das zweite Semifinale am 22. Mai eröffnet Island, gefolgt von Schweden und Dänemark.
Startplatz 1: Island – Euroband mit »This Is My Life«
Startplatz 2: Schweden – Charlotte Perrelli mit »Hero«
Startplatz 13: Dänemark – Simon Mathew mit »All Night Long«


Die kennt außerhalb Finnlands keiner, weil das Vorurteil herrscht, dass Popmusik als Subgenre in diesem Land nicht existiert. Was für ein Fehlschluss! Ultrasport sind fünf junge Kerle aus Helsinki, die seit Jahren die wunderbarsten federleichten Popzitronensoufflés aus dem Ärmel schütteln. Wer jemals eine Sommerliebe erlebt hat, die den Herbst nicht überdauerte, dem sei zum Trost der schüchtern-melancholische Song »Kissing Summers« ans Herz gelegt. Ach, dann geht es gleich besser. Oder »Nothing Can Go Wrong« vom gleichnamigen Debütalbum: Wer dazu nicht lächelt, ist selbst schuld! Mit der zweiten Veröffentlichung »FALSE START CITY« sind die Jungs rund um Sänger Sami Konttinen übermütiger geworden. Machen sich über schlechte Architektur und hässliche Mädchen lustig. Der unwiderstehliche Höhepunkt des Albums ist das rotzfreche »Jenni And The Cigarette Taste On Her Tongue«: Da küsst einer das Mädel nur, weil er den Zigarrettengeruch ihres Mundes mag! Wer dazu nicht tanzt, muss scheintot sein.
Von Popmusik lässt sich im begrenzten finnischen Markt nicht leben. Den Schritt nach Resteuropa haben die Jungs nie in Angriff genommen, wohl wegen fehlener Verbindungen. Ohne ein fähiges Label und gute Promoter läuft nichts. Und dann wird man älter und hat fertigstudiert und die Freundin kriegt ein Kind und man hat noch weniger Zeit als zuvor. Und dann holen einem das Erwachsenenleben und der Alltag ein und irgendwann macht das Bandprojekt keinen rechten Sinn mehr. Und so kommt das Ende von Ultrasport daher: Pragmatisch, undramatisch, fast schon zu banal.
Die sechs Jungspunde aus einem Vorort von Reykjavik haben Anfang des Jahres als Vorband der Kaiser Chiefs diese fast an die Wand gespielt und galten als DIE Indierockhoffnung Islands. Gehypt, herumgereicht, interviewt, hochgelobt, ständig auf Tour. Viele Bands werden mit diesem Druck fertig. Jakobínarína nicht. Zu früh kam wohl der Erfolg, zu hoch wurden die Erwartungshaltungen. Die Band kam nicht mehr zum Songschreiben, fand keine Ruhe mehr. Reibereien und Meinungsverschiedenheiten werden den Rest dazugetan haben. Es heißt, dass einige der Jungs jetzt erstmal ihren Schulabschluss nachholen wollen. Willkommen zurück in der Realität.





…nicht unbedingt der bestmögliche Einstand, haben sie doch auf ihrem Century-Debüt das Tempo merklich gedrosselt. Das Publikum tut sich schwer mit den neuen Songs, gibt sich zurückhaltend – und Petri gewohnt wortkarg.
Nach dem Stück nimmt sich Matthias »Warlord« Nygård erstmal Zeit, seine Zuhörerschaft zu begrüßen – und wer weiß, möglicherweise hat sogar einer der Anwesenden die Finnen damals im Vorprogramm der Apokalyptischen Reiter gesehen.
Die Band hat die Bühne noch nicht mal ganz verlassen, als aus diversen Kehlen ein Gewirr aus »Battle Metal«, »Rasputin« und »Turisas«-Rufen erschallt.

