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Foto nordische Landschaft

27. Februar 2008

Ensiferum: Excuse me, are you from lordi?

Am 9. Dezember 2007 in Karlsruhe plaudern Ensiferums Markus Toivonen und Sami Hinkka über die aktuelle Tour, Amorphis, Lordi und Hevikaraoke.

Den ersten Teil des Interviews findet ihr hier – nun folgt Teil zwei…

»Hey, how do you play ‘Into Hiding’?«

Mit welcher Band würdet ihr denn gerne touren?
Markus: Iron Maiden! Die beste Band der Welt. (Gelächter)
Markus: Nein ernsthaft. Moonsorrow, Tyr, Amorphis,…

Amorphis hat euch sehr beeinflusst…
Markus: Als ich die Band gründete, 1995, war ich Amorphis-Fan. Ich dachte, Amorphis ist die beste Band aller Zeiten.

nicht Iron Maiden…
(Gelächter)
Markus: Damals nicht. Amorphis’ »TALES FROM THE THOUSAND LAKES« ist das beste Album aller Zeiten.

Ihr habt Amorphis’ »Into Hiding« gecovert, wie waren denn die Reaktionen drauf?
Markus: Oh, viele Leute sagen »Das klingt nicht wie Ensiferum«.

ensiferum

und haben Amorphis selbst sich dazu geäußert?
Sami: (grinst) Die haben gelacht.
Markus: Wir hatten ja denselben Proberaum, sie kamen und wir gingen…
Sami: …und wir fragten sie »Hey, how do you play ‘Into Hiding’?« (Gelächter)

Spielt ihr den Song auch live?
Markus: Wir haben ihn nur 2005 gespielt im Nosturi. Aber wir spielen auf dieser Tour das Medley dreier finnischer Volkslieder von »DRAGONHEADS«. (AdR: »Karjalan Kunnailla – Myrskyluodon Maija – Metsämiehen Laulu«)


Folkmusik zu verkaufen?

Habt ihr eine fixe Setlist für die ganze Tour?
Sami: Wir spielen immer das gleiche Set.
Markus: Außer in Griechenland, weil wir da zum ersten Mal waren.
Sami: (grinst) Da gab’s dann eine Art »Hitparade« unserer Songs.

Also auch aus der Zeit vor Petri. Wie nahmen eure Fans eigentlich den Sängerwechsel auf?
Markus: Wir machten 2004 die erste Tour mit Petri (grinst) – und manche Leute streiten immer noch wer Bessere ist. (AdR: Petri Lindroos löste Jari Mäenpää nach »IRON« am Mikro ab). Aber die meisten haben ihn sehr schnell akzeptiert. Er hat Charisma, er ist ein guter Performer.

und trägt die schwarzen Balken im Gesicht wie ihr alle. Warum macht ihr das?
Sami: Warum nicht? (Gelächter) Es ist ein Ritual… (deutet auf Markus, dieser solle sich äußern)
Markus: …wir machen das schon seit 1998, das kam einfach so Pause) und unsere Fans machen das auch.

ensiferum

Petri ist auch Fronter bei Norther. Gab es schon mal Terminprobleme?
Markus: Nein, bisher nicht. Wir konnten das ganz gut koordinieren.

Was hört ihr denn privat?
Markus: Ich höre alle möglichen Metalbands, aber auch Folk.

Finnischen Folk?
Markus: Nein alle Arten von Folk.
Sami: (unterbricht ihn lachend) In Kanada waren wir mal in einem Mittelalter-Restaurant. An einer Wand stand ein Regal mit französischer Folkmusik. (grinst) Nach ein paar Bier wollte er sie dann kaufen…

und hat er sie bekommen?
Sami: Ein paar haben sie ihm verkauft. (Gelächter)


»Excuse me, are you from Lordi?«

Wo wart ihr denn außer Kanada noch? Südamerika, Australien,…?
Sami: Nein noch nicht. Aber wir haben da Fans, neulich kam eine Mail aus…
Markus: …Neuseeland.

Ihr habt die Zeit eure Mails zu lesen?
Sami: Oh ja, zu lesen schon…
Markus: …aber nicht um zu antworten. Aber wir bekommen Mails von überall.

Das ist der Vorteil des Internets – und der Nachteil…?
Markus: Das neue Album steht schon im Netz – und ist offiziell noch nicht draußen. Bei zwei Alben von uns wurde die Veröffentlichung wegen technischen Pannen/Problemen verschoben – und zweimal war das Zeug dann im Netz. (Pause) Ich verstehe diese Leute nicht. Ich will das Album dann in der Hand halten, wenn es raus ist, und nicht vorher.

chthonic

Wie erfolgreich war denn »VICTORY SONGS«, trotz alldem?
Sami: In Finnland erreichte es #6 der Alben-Charts, in Deutschland immerhin die Top 100.
Markus: Es verkauft sich gut, wir sind wirklich glücklich über die Verkaufszahlen.

Top100 in Deutschland, Platz 6 in Finnland. Habt ihr eine Erklärung, wieso Metal dort so populär ist?
Markus: Hm. Keine Ahnung. (Pause) Ich denke, dass alles mit Amorphis’ »TALES FROM THE THOUSAND LAKES« anfing.
Sami: Und Sentenced.
Markus: Später kamen dann Nightwish und Children Of Bodom

und Lordi. Was haltet ihr von deren Gewinn beim Eurovision Song Contest?
Markus: Wir glauben das war eine gute Sache – auch wenn Lordi nicht mein Fall ist.
Sami: (grinst) Als wir ihn Athen waren, pirschte sich ein Typ an mich ran, und fragte dann ganz vorsichtig: »Excuse me, are you from Lordi?« (verdreht die Augen)


Hevikaraoke und GROSSE Festivals

und was haltet ihr von Hevikaraoke?
Sami: (grinst) Ich denke das ist lustig.
Markus: Ich habe das ein- oder zweimal gemacht. (Pause) Ich denke wenn die Leute das machen wollen, dann sollen sie (lacht).

chthonic

Aber ihr steht lieber auf der Bühne. In Clubs oder auf Festivals?
Markus /Sami (unisono): Clubs!
M: In Finnland können wir nur in Helsinki spielen, in anderen Städten füllen wir keinen Club.
S: Wir spielen mehr in Deutschland als in Finnland…
M: …wir sollten herziehen. (Gelächter)
M: Aber wir spielen auch gerne auf großen Festivals.

In Finnland?
S: Ich sagte auf GROSSEN Festivals. (Gelächter)
M: Wacken, Grasspop,…
S: in Großbritannien spielten wir bei Bloodstock mit Turisas und Stratovarius.
M: …jaja, die GROSSEN finnischen Bands. (Gelächter)

Was habt ihr für die Zukunft geplant? Kommt eine DVD?
S: Nicht jetzt. Erstmal ein neues Album.
M: Aber eine DVD kommt auf jeden Fall irgendwann noch. Ich habe Material von 1996 bis heute. Wir wollen damit eine Bandgeschichts-DVD machen (Pause) Hm… das könnt eine Doppel-DVD werden. (Gelächter).

Und damit entlasse ich die Jungs in die unmittelbare Zukunft: Zu ihrem Auftritt im Karlsruher Substage.
P
aljon kiitoksia Samille ja Markuksille.

ensiferum

21. Februar 2008

It’s only rock’n’roll…

 …but some people seem to take a bit too seriously:

Die finnische Zeitung Iltalehti veröffentlichte eine Liste der 100 einflussreichsten Personen in Finnland – und setzte den HIM-Fronter Ville Valo auf Platz 32.

Das bedeutet er rangiert vor diversen Köpfen aus der Medienlandschaft oder Politikern (u.a. einem Mitglied der EU-Kommission). Yep.

It's only rock'n' roll – but they like it.

05. Februar 2008

Boomhauer in meiner Stadt (playing their wooden Currywurst)

Es gibt Bands, da merkt man schon vor dem Konzert, das wird eine Supersache. Einfach weil die Beteiligten sich als absolute Profis zu erkennen geben, denen doch eines nie anhanden gekommen ist: die wahre, gute und meinetwegen altmodische Spielfreude. 

Die drei Burschen von Boomhauer gehören in diese Kategorie, zu Gast – natürlich – in der Astra Stube. Wo andere stundenlang auf sich warten und sich also mehr als bitten lassen, mach(t)en die drei keinen großen Aufstand um ihre Kunst. Pünktlich trafen sie zum Auftritt einer nicht weiter erwähnenswerten Vorgruppe ein, spendeten höflich Applaus, enterten anschließend die Bühne, bauten ruckzuck ihre Instrumente auf und schon ging es los. Wie viel Lebenszeit verbringt der Konzertgänger schließlich mit dem Warten auf den Auftritt! Boomhauer meinen es gut mit uns.

Und dann die Musik, Freunde, das war wie von einem anderen Stern. Ruppig, aber höchst präzise droschen sie ihren Fun-Punk-Country-Style herunter, das der Glaube an den guten alten und dreifaltigen (Gitarre/Bass/Drums) Krachrock in die Zuhörenden einschlug wie ein Blitz. Ein Song jagte den anderen, unterbrochen von kleinen Geschichtchen über Michael Schumacher in der VIP Lounge neulich am Flughafen, über geliehenen Gitarren oder über die gültigen, wenn auch verstorbenen Idole des Drummers Mikko „Buddha“ Lappalainen (Marvin Gaye, Elvis).

Genial in seiner Schlichtheit auch das Ende des Konzerts: Sagten sie nicht vorhin etwas von wegen the last song? Und war das eben nun die Zugabe? Irgendwie ja, irgendwie nein. Also noch eine? Klar, noch eine. Aber nicht nur ein Song. Sondern noch einer und noch einer und noch einer und wo sie schon mal dabei waren, da …

08. Januar 2008

Ensiferum: »… und danach haben wir ein bisschen gefeiert«

ensiferum, substage

Am 9. Dezember 2007 in Karlsruhe plaudern Ensiferums Markus Toivonen und Sami Hinkka über die aktuelle Tour, Amorphis , Lordi , Hevikaraoke, ihre Begleitband Chthonic – und was Finnen unter »ein bisschen feiern« verstehen. Das vollständige Interview erscheint in Kürze auf unserer Hauptseite , hier schon mal ein Vorgeschmack:

Markus Toivonen: Sori, ich sag gleich, mein Englisch ist heute nicht so gut…
Sami Hinkka: …vielleicht solltest du statt des Bieres ein paar Vitamine zu dir nehmen…(deutet auf eine ziemlich vergammelte Karotte)

Haben die eure Vorgänger hier vergessen?

Sami: (grinst) Die hat tatsächlich irgendjemand hier im Bus gefunden.

ensiferum, substage

Abgesehen von den Vitaminen – wie lief die Tour bisher?
Markus: Gut. Dieses Mal ist es nur eine kurze Tour, wir waren ja im April schon unterwegs. Wir starteten am 29. November in Athen.
Sami: Das war zwar nur ein kleiner Club, aber das Publikum dort war super!
Markus: Wir spielten ja zum ersten Mal in Griechenland.

Wurde euer aktuelles Album »VICTORY SONGS« dort veröffentlicht?
Markus: Nein. (grinst) Die müssen es wohl direkt bei Spinefarm bestellen. (Pause) Seit dem Rückflug von Athen sind wir mit dem Bus unterwegs, durch Belgien, Niederlande und Deutschland.

Sami: Hamburg war ganz gut. Und gestern spielten wir in Köln.
Markus: Der Club war seit drei Wochen ausverkauft. Das war eine richtig gute Show.
Sami: Und danach haben wir ein bisschen gefeiert. (Gelächter)

Die Vorband Chthonic: »Sehr nette, coole Typen«


chthonic, substage

Habt ihr eure Vorband(s) selbst ausgesucht? Eine Blackmetal-Band aus Taiwan ist recht ungewöhnlich…
Markus: Das Management schlug Chthonic vor. Wir waren dann auf deren Website, haben mal in ihre Musik reingehört etc.
Sami: Und sie gefielen uns.
Markus: Die sind wirklich gut.
Sami: Und sehr nette, coole Typen. Wir teilen uns den Bandbus und die Stimmung ist großartig.
(Gelächter)
Markus: Die Armen…
Sami: …am Anfang haben sie höchstens zwei Bier am Abend getrunken…
Markus: …dann haben sie gesehen, dass wir Vodka trinken – und sehr höflich gefragt ob sie auch mal probieren dürften.
Sami: (lacht) Nach der gestrigen Show in Köln hatten wir dann sieben leere Flaschen Vodka im Bus.
Markus: (grinst) Acht. Du hast meine vergessen.
Sami: (grinst) Stimmt.

ensiferum, substage

…dafür seht ihr aber recht fit aus…
Sami: (zweifelnd) Tatsächlich? Das glaub ich nicht…
Markus: Zuhause stehe ich normalerweise zwischen 6 und 7 Uhr morgens auf…
Sami: …und heute sind wir erst um 8 Uhr morgens schlafen gegangen
Markus: …und nachmittags um 17 Uhr oder so aufgestanden.

Habt ihr eigentlich schon mal in Asien gespielt?
Markus: Einmal. In Tokio 2005, auf einer Metal Veranstaltung mit anderen finnischen Bands, bei den »Finnish Music Days«.
Sami: Aber wir würden gerne in Asien touren.

Vielleicht eine Tour mit vertauschten Rollen: Ihr als Support von Chthonic…?

Markus: Das würden wir sofort machen! Wir verstehen uns super – und diskutieren schon über die Idee. Es wäre großartig wenn’s klappen würde.

Fortsetzung folgt…

03. Januar 2008

Musik von vorne: Bands für 2008 [4/4]

Natürlich hätten wir diese Liste noch viel länger machen können. Und müssen! In Norwegen tummeln sich in Oslo und in der Bergen-Szene noch exzellente Künstler (beispielsweise die genialen Avantgardeure von Shining und Italo-Beatmeister Lindstrøm ), in Schweden reißt die Serie an wunderbaren Folkpop-Musikern nicht ab und Finnlands Bands haben 2007 schon dominiert. Man nenne an dieser Stelle Rubik und Sister Flo. Nach Teil eins und zwei und drei gibt es hier nun weitere Exemplare aus der spannenden skandinavischen Musikszene.

LAU NAU (FIN)

 Der Wodkaverbrauch in den düsteren Monaten steigt in Finnland gen unendlich. So lautet ein weitverbreitetes Klischee. Bei Lau Nau dürfte neben Patchouli eher das ein oder andere Kraut die Lebensadern weiten und so für den passenden Singsang sorgen. Man stellt sich quasi automatisch vor, die Frau hinter diesem Projekt haust mit zerzausten Haaren in irgendeinem Märchenwald und lässt einmal pro Tag schleppend ihre geränderten Fingernägel über die Harfe sausen. Das ist avantgardistisch und weird, aber so was muss es eben auch geben. Es geht hier eher um Sounds als Songs, allerdings muss Laura mit ihren rekrutierten Waldschraten die gerade eingespielten für ihr neues Album auswählen. Mit Glück erscheint es 2008. Zum Weiterhören empfehlen wir den Komplettkatalog des spannenden Labels Fonal, z.B. Valojuopot oder Shogun Kunitoki. Aber Achtung: Circa 96% der zufällig befragten Passanten verneinten die Frage, ob es sich dabei um Musik handele…

Homepage: myspace.com/launau

BLOODGROUP (ISL)

 Wenn hier im ersten Satz etwas wie »blutrünstig«, »brachial« oder »todesmetallisch« stehen würde, wären die Erwartungen wohl passend erfüllt. Aber ein paar Isländische Scherzkekse spielen mit Assoziationen (wie z.B. auch der Kanadier von Destroyer) und lassen danach bunte Luftblasen folgen. Die Mischung ist undefinierbar. Hier wird sich zwischen Elektro, Pop, Soul und Funk bewegt – bunter bemalt als ein Keith Haring-Bild. Stillstehen ist unmöglich, ebenso weitere Informationen über diese Band zu erhalten. Schüttelt Extremitäten zu dieser frischen Band aus eisi Iceland!

Homepage: myspace.com/bloodgroup

BARR (SWE)

 »Barr is Swedish for pine needle. And a seven piece making acoustic mayhem.« So steht es zumindest auf ihrer myspace-Homepage. Bisher gibt es nur wenige Songs, die eingespielt dort ihren Platz finden. An eine offizielle Präsenz oder gar mehr Infos ist nicht zu denken. Aber ihre Folkpop gefällt durchaus mit einer reichhaltigen Instrumentierung und guten Ideen. Dass das Umfeld aus Jenny Wilson und Moneybrother besteht, dürfte da auch nicht gerade hinderlich sein. Ein Label ist allerdings noch nicht gefunden, so dass Zeit genug bleibt, dem Baum beim wachsen der Band beim Werdegang zuzugucken. Würde übrigens super auf Imperial Recordings passen, wo z.B. auch Promise And The Monster (auch total neu), José Gonzalez und Co drauf sind.

Homepage: myspace.com/barrmusic

Es gibt viel zu entdecken. Freuen wir uns also auf 2008!

 
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