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Foto nordische Landschaft

22. Dezember 2007

Huuhkaja! Teil 2: Ein Uhu macht Karriere

Kurz vor Weihnachten wird es uns unerwartet friedlich ums Herz und wird uns klar, dass jetzt die Zeit für eine nette Geschichte gekommen ist. Und die geht so: Dass ein riesiger Uhu (huuhkaja in der Landessprache)  im Juni durch einen eindrucksvollen Auftritt im Olympiastadion zu Helsinki den zwischenzeitlichen Abbruch eines Fußball-Länderspiels erzwang, ist noch in bester Erinnerung. Die finnische Nationalmannschaft fasste durch den couragierten Auftritt des im Stadion lebenden Uhus neuen Mut und rang das gegnerische belgische Team schließlich mit 2:0 nieder.  Seitdem ist der Vogel (lateinisch Bubo Bubo) in Finnland ein Held und es gibt nicht wenige einheimische Touristen, die eigens ins Olympiastadion pilgern, um vielleicht einen Blick auf »Bubi« zu erhaschen. Jawohl, der Uhu brauchte natürlich einen Namen. Da er sich bevorzugt auf den Reporterplätzen niederlässt, musste der legendäre Radiokommentator Bror-Erik »Bubi« Wallenius schließlich als Namenspate herhalten.

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten küren die Journalisten der in Helsinki tätigen Lokalredaktionen den »Bürger des Jahres« der Hauptstadt. Anno 2007 gab es einen einsam an der Spitze liegenden Gewinner: »Bubi«, den Uhu! Erstmals in der Geschichte dieser Auszeichnung ging Platz eins also an einen Vogel. Klar, schreibt der »Helsingin Sanomat« , die größte Tageszeitung des Landes, klar hätte es auch einige verdienstvolle menschliche Kandidaten gegeben, aber »Bubi« hat sie alle lässig abgehängt. Ein Uhu ist also die Persönlichkeit, über die man in Helsinki in diesem Jahr am meisten gesprochen hat.

Die Auszeichnung ist natürlich mit einem Geschenk verbunden:  Einer signierten Lithografie der Künstlerin Tuula Juuti. Da »Bubi« den Preis schlecht persönlich abholen kann, soll das Werk jetzt im Olympiastadion aufgehängt werden. Viele Fans des Vogels hoffen indessen, dass er seine Flugkünste bald wieder vor einer internationalen Kulisse zeigen wird. Etwa bei den Qualifikationsspielen zur Fussball-Weltmeisterschaft 2010, wenn das deutsche Team kommt. Ballack und »Bubi« etwa gäben ein schönes Bild ab.

29. November 2007

Mäkkelä’s Trash Lounge in meiner Stadt

Und ich dachte, die halbe Welt kennt Mäkkelä’s Trash Lounge und die Hälfte davon wird da sein, aber dann saßen am Ende in der Astra-Stube ein gutes Dutzend an Besuchern locker gestaffelt im Raume herum, was die Stimmung des Songwriters jedoch nicht sonderlich trübte. Der später erzählte, bei jeder Tour würde er darauf achten, dass Hamburg auf dem Plan stünde und sei es dann so weit, würde es draußen in Strömen regnen, es sei schweinekalt (mindestens) und die Zuhörerzahl würde sich auch in Grenzen halten (sic!), weshalb er jedes Mal dächte: Also das nächste Mal lässt du Hamburg mal aus, das war’s mit Hamburg, Hamburg muss nicht sein. Und? Tja, auch dieses Mal sagte der Meister: “Danke. Es war ein schöner Abend mit euch, auch wenn ich langsam jeden von euch vom Gesicht her kenne. Ich komme wieder, klar. Danke noch mal.”

Es war wirklich ein schönes Konzert. Mäkkelä’s Trash Lounge spielte seine leicht ruppigen Weisen, die eben nie umkippen ins gefällig Melodiöse, wie man es bei anderen Menschen mit Gitarre erlebt. Höchstens, dass er ein paar Melodien anriss, aber sich nie darauf ausruhte. Dazu erzählte er zwischendurch kleine Geschichten – wie er mal in einem Club in London spielte und was das mit Pinguinen zu tun hätte. Wie dies Jahr gewesen wäre, was ihm alles abhanden kam – eine Gitarre, eine Frau – und das eben dies das Abschlusskonzert für eben dieses seltsame Jahr 2007 sei.

Und man muss ihn wirklich mal live sehen, denn es ist einfach berückend, wie er eben noch ruhig und selbstverständlich erzählt und einzelne Gäste begrüßt (Etwa: „Ich dachte, du hasst Singer-Songwriter?“ Und sie: “Manchmal muss man eben leiden.”), um dann im nächsten Moment ganz in seine Musik zu kippen. Da wird nichts runter gespielt, da wird nicht geschlunzt, da ist einer ganz da, bis zum letzten Akkord. Wirklich gut und wirklich nett, dieser Mann.

27. November 2007

Halloween spezial: Apocalyptica, Stam1na, Sturm und Drang

Wer will schon zu einer, der mittlerweile überall obligatorischen, Halloween-Parties – wenn er stattdessen einen finnischen Dreier haben kann? Am 31. Oktober rocken nicht nur Apocalyptica , sondern auch deren Landsmänner Stam1na sowie Sturm und Drang das Kongresszentrum B in Stuttgart.

apocalyptica stuttgart

Die erwartete Klientel: 13+30 Jahre und überwiegend weiblich. Begründung: Sturm und Drang zierten bereits die Bravo – und Apo ziehen bekanntermaßen alles an, bis hin zu bejahrten (Haus)Frauen auf der Suche nach ihrer (verpassten) Jugend. Glücklicherweise wuseln doch mehr Besucher als erwartet durch die Halle. Vielleicht haben diese schon »UUDET KYMMENEN KÄSKYÄ « von Stam1na gehört? Kompletten Beitrag lesen …

17. Oktober 2007

Tampere mal zwei: Day Eleven und Negative im Substage

Donnerstag 20. September. Der erste Gedanke beim Betreten des Substage: Ist das leer hier. Anscheinend sind Negative doch nicht so angesagt– und die Vorband Day Eleven dürften in Deutschland nur wenige kennen.

day eleven, negative, substage

Dank der familiären Atmosphäre ergattern die überwiegend weiblichen Besucher problemlos Plätze in den ersten Reihen. Wie erwartet in Schwarz gewandet, mit ein paar Leopardenflecken, Streifen, Sternchen oder neonrosa Tüll aufgemotzt, warten sie dort auf die Tamperianer …während die männlichen Besucher ebenso problemlos einen Platz an der Bar ergattern – und dort warten.

DAY ELEVEN

day eleven. substage

Mit leichter Verspätung betreten Day Eleven die Karlsruher Bühne, rocken mit »Blood Runs Thick« vom aktuellen »SLEEPWALKERS«-Album los. Apropos Album: Auf Tonträger klingen die Jungs deutlich besser, live bleiben sie (guter) Durchschnitt. Nichtsdestotrotz feiert das Publikum die Jungs – jaja, der Finnen-Bonus –, klatscht nicht nur nach, sondern auch zu den Rocksongs.

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24. September 2007

Popkomm 2007: Finnland langweilt, Belgien begeistert

Wer trifft eigentlich die Entscheidungen, welche Bands auf der Berliner Popkomm spielen dürfen? Die Veranstalter, sicherlich. Die Labels, klar. Und ein gewisses Wort mitzureden hat bei den finnischen Bands wohl auch die Umsatzankurbelhilfsorganistation Music Export Finland. Im Prinzip ist nichts dagegen zu sagen, dass sich die Vertreter von Staat und Musikverbänden darum bemühen, die heimischen Bands im Ausland bekannter zu machen. Bei der Auswahl aber sollte ein gewisser Sachverstand und Qualitätsanspruch walten. Schön wärs.

Warum muss man das Klischee von den langhaarigen Rockrabauken unbedingt jedes Mal bedienen? Und sich konventionell für Sicherheit, Vorhersehbarkeit und gepflegte Langeweile entscheiden? Präsentiert wurden an diesem Abend in der Berliner Kulturbrauerei fünf Bands, die mit Ausnahme von Lapko alle von bestürzender Durchschnittlichkeit waren. Spätestens nach drei Songs fing man an zu gähnen. Bei den Von Hertzen Brothers etwa: Brave Jungs mit einer wenig originellen Mischung aus traditionellem Rock- und Popelementen. Mit der Ausstrahlung von karierten Küchenhandtüchern.

Oder Feiled (Foto):  Die Augen mit Kajalstift fett umrandet, nett tätowiert, heftigst auf ihre Gitarren eindreschend und eine Prise gepflegten Goth einfließen lassen. Von dieser Sorte muss es weltweit etwa 328.503 Bands geben, die alle ähnlich klingen und gleich grimmig schauen. Die nächste Generation der HIM-Klone lässt grüßen und wir schlafen gleich ein. Es kommt kaum Besseres nach: Crumbland überschreiten mit ihrem altmodischen Macker-Mitsing-Rock die Grenze zur Körperverletzung. Wir ergreifen reichlich ernüchtert endlich die Flucht. Wie ein nicht unbeträchtlicher Teil des Berliner Publikums, das mit den Füßen abstimmt und einfach geht. Anderswo auf dem Riesen-Gelände der Kulturbrauerei gibt es sicherlich aufregendere Bands zu entdecken. Etwas Besseres als den künstlerischen Stillstand finden wir überall.

Irgendwie geraten wir zu den Belgiern im Maschinenhaus. Jawohl, zur grandiosen Pop- und Rocknation Belgien. Und lassen uns völlig überwältigen von Charme, Talent und Temperament von Sioen (Foto),  der für einen Singer-Songwriter ordentlich Lärm macht, seinem Piano die unglauhlichsten Töne entlockt und den eindeutig besten Violinisten dabei hat. Ein seliges Grinsenauf allen Gesichtern. Das Publikum will den kleinen Mann mit den kurzen braunen Haaren, den Knopfaugen und dem nettesten Lächeln des Abends kaum von der Bühne lassen. Und auch die uns zuvor völlig unbekannten Absynth Minded aus Gent reißen mit purer Verrücktheit, mutigem Grenzgängertum und hingebungsvoller Spielfreude mit. Danke, merci, Belgien. Douze points!

Eine letzte Chance geben wir den Finnen noch. Lapko spielen zum Schluss. Und die können zumindest was und wagen was und denen geht ab und zu ein origineller musikalischer Gedanke durch den Kopf. Obwohl meine Freundin Sabine mäkelig meint, dass Sänger Malja definitiv zu viel auf die Bühne spuckt beim Singen. Naja. Kleinigkeiten. Hier stimmen die Grundkoordinaten zumindest.

Den finnischen Verantwortlichen dieses Abends wünscht man ein wenig mehr Offenheit und Mut. Denn es gibt sie in Finnland, die aufregenden Bands. Die rätselhaften Paavoharju , die sich in kein Raster zwängen lassen. Die fröhlichen Pop-Nekrophilisten Sister Flo. Die verhuscht-eigenwillige Singer-Songwriterin Islaja. Die herzallerliebsten Popträumer Ultrasport (Foto).  Die Elektro-Romantiker Viola. Die leidenschaftlichen Rubik, die zeigen, dass Rock Tiefgang haben kann. Und nicht zuletzt die wundervoll zerbrechlichen Sternenfänger Wojciech.

 
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