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Foto nordische Landschaft

26. Juni 2017

Wir nehmen das Schlauchboot mit den Pole Siblings

Wir nehmen das Schlauchboot und lassen uns gemächlich den Fluss heruntertreiben. Mit den Pole Siblings geht das ganz entspannt! Das Geschwister-Duo aus Finnland mit derzeitigem Wohnsitz in Schweden hat in diesen Tagen seine Debüt-EP »IT MIGHT GROW« vorgelegt und liefert damit den perfekten Soundtrack für schwerelose Ferienwochen. Das ist Pastellpop mit folkigen Untertönen, der erfreulicherweise ohne jede Süßlichkeit auskommt. Sofia & Johan Stolpe schwelgen in sanften Harmoniegesängen. Durchaus möglich, dass man die Stimmen der beiden kaum auseinanderhalten kann! Ums Träumen geht es hier. Und um kleine und große Sehnsüchte. Eine leise Melancholie flirrt durch diese vier angenehm zurückhaltendem Songs. Der schönste Track ist vielleicht das verspielte »Nog Va He Bra«, das mit einer Besonderheit aufwartet: Die Geschwister Stolpe singen hier in einem finnisch-schwedischen Dialekt, der zart exotisch klingt. Darauf hat die Welt gewartet! Wer nach Referenzbands sucht, wird bei Vasas Flora Och Fauna fündig. Via Bandcamp kann ausführlich in die Debüt-EP hereinhören!

Foto: Fredrik Diffner

27. Januar 2017

Schmerzensmänner im Schneesturm: Eurosonic 2017

Das Eurosonic Festival im holländischen Groningen bildet bei mir und vielen anderen Musikfans im Januar traditionell den Jahresauftakt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Das Wetter in der Universitätsstadt im Norden des Landes ist um diese Jahreszeit häufig grauselig, und der Januar 2017 macht keine Ausnahme. Wie gut, dass man sich am warmsouligen Weltschmerz von Albin Lee Meldau wärmen kann, bevor es wieder heraus aufs Fahrrad und in den Schneesturm geht! Der junge schwedische Schmerzensmann tritt passenderweise in einer Kirche auf: Die bildet den perfekten Rahmen dafür, über das eigene Schicksal nachzusinnen! Zwar hängen dunkle Wolken über dem musikalischen Universum des tiefdunkel gekleideten Troubadours, der mit souligen Tracks wie dem schwarzsamtigen »Let Me Go« auch mal den Himmel um Unterstützung anfleht. Mit diesem wärmenden Whiskey aus Klängen im Herzen trotzt nachts um eins auf dem Fahrrad entlang der Grachten den fiesesten Schneeflocken!

Leider nicht im Gotteshaus findet die Rückkehr von Mikko Joensuu nach Groningen statt. Vor sechs Jahren ist der finnische Musiker hier mit seiner Band Joensuu 1685 aufgetreten. Lange ist es her! Der Mann mit dem strähnigen Blondhaar hat sich seitdem mehrmals gehäutet. Unvergessen sein großartiger Auftritt beim Flow Festival in Helsinki vor einigen Jahren, als er als Mischung zwischen Waldschrat und wiedergeborenem Christen auftrat und seine gequälte Seele scheunentorbreit öffnete. Inzwischen hat Mikko die beiden sehr wundervollen EPs »AMEN 1« (Songwriting!) und »AMEN 2« (Elektrokrautrock)! vorgelegt, in denen es immer noch viel um Finsternis und Erlösung geht. Aber irgendwie fällt inzwischen warmes Licht in seine dunklen inneren Kammern. Bei Mikko Joensuus Auftritt in einen wunderbar altmodischen Theater gleich um die Ecke bei der Kathedrale kommt der Finne sehr bescheiden daher. Konzentriert sich auf seine americana-affinen, melancholischen, sanft taubengrauen Balladen von »AMEN 1«. Mit dem üblichen wehleidige Genöle der meisten Singer-Songwriter heutzutage haben diese Tracks voller Tiefgang nichts zu tun. Näher, mein Gott zu Dir: Mit Mikko Joensuu kann man sich mit diesem Gedanken peinlichkeitsfrei anfreunden. Und auf dem persönlichen Wunschzettel für dieses Jahr vermerken, dass die krautrockige Variante von »AMEN 2« live sehr wunderbar klingen würde! Dass Mikko Joensuu in all den Jahren auch außerhalb Finnlands nachhaltig Eindruck hinterlassen hat, beweist eine kleine Episode beim diesjährigen Eurosonic: Am Vorabend stehe ich in der Schlange an, um die wunderbare Anna Meredith zu hören und komme mit einer netten Österreicherin ins Gespräch. Erzähle ihr, dass ich am kommenden Abend Mikko Joensuu sehen werde. Die Augen der jungen Frau strahlen plötzlich auf wie Leuchtraketen. »Mikko Joensuu! Genau! Und dieser wunderbare Song von Joensuu 1685!« Ja, genauso ist es!

08. Januar 2017

Untergangs-Glam mit den Lowlife Philosophers

Wie konnte ich nur all die Jahre ohne die Stimme von Noora Tommila leben? Frage ich mich, als ich beim überfälligen Ausmisten des Plattenschrankes unverhofft auf »VIOLENT CALM« stoße, dass eindrucksvolle Debüt der finnischen Experimentalrockster Lowlife Philosophers? Hereinhören via Bandcamp unbedingt empfohlen, allen voran der wunderbare Siebenminüter »Sunbeams«!

Noora Tommila ist sowieso unvergessen als Sängerin der Weltende-Ästheten Eleanoora Rosenholm, die ebenfalls exzellente und in Resteuropa unbeachtet gebliebene Meisterwerke vorgelegt haben. Wer ein paar Minuten Zeit hat, sollte sich das subtil verstörende Video zu »Maailmanloppu« anschauen, in dem aus dem Männermord von Frauenhand eine Kunstform wird. Die Lowlife Philosophers und Eleanoora Rosenholm und viele andere experimentelle Bands wie Circle oder Magyar Posse stammen alle aus Pori, einem finnischen Küstenstädtchen, das ein wahrerer Tummelplatz experimentierfreudiger Exzentriker ist.

Von den Lowlife Philosophers hatte ich lange nichts mehr gehört und wähnte die Band eigentlich dahingeschieden, wie so viele andere auch. Von den mausgrauen Realitäten des Erwachsenenlebens eingeholt vielleicht? Stimmt nicht, wie eine kleine Recherche ergibt! Zwar gab es personelle Umbesetzungen, aber die Kernmitglieder sind immer noch dabei. Haben vor nicht allzu langer Zeit ihr drittes Album »SAME REVOLUTION TWICE« vorgelegt. Und hurra: Die Philosophers pflegen weiterhin leicht jazzige Untertöne, sind aber dem Progressive Rock in seiner wilden, eigentümlichen Pori-Ausprägung ebenso zugeneigt. Und zelebrieren einen düsteren Glam! Und über allem schwebt die verwunschene Stimme von Noora Tommila! Der feine Track »Doomed« ist übrigens von erstaunlicher Leichtigkeit!

(Foto: Lauri Hannus)

28. Oktober 2016

Die spinnen die Finnen: »hydraulic press channel«

Am 31. Oktober 2016 feiert der »hydraulic press channel« (HPC) sein einjähriges Jubiläum. Der HPC ist ein YouTube-Kanal des finnischen Fabrikanten Lauri Vuohensilta und seiner Frau Anni. Gestartet im Oktober 2015, veröffentlichen sie dort Videos von verschiedenen Objekten, die sie in einer hydraulischen Presse zerquetschen.

Am 31. Oktober 2015 veröffentlichten sie den erfolglosen Versuch ein Stück Papier mehr als sieben Mal mit der hydraulischen Presse zu falten – inzwischen wurde das Video mehr als 11 Millionen mal angeschaut.Der unerwartete Erfolg des Kanals veranlasste Lauri Vuohensilta weitere Videos für den hydraulic press channel zu produzieren.

Hier könnt ihr Euch selbst ein Bild des HPC machen:

06. September 2016

Ab in die Sonne mit den Merries! Bevor der Sommer endet

Finnische Bands müssen den weltweiten Rekord bei Songs halten, die sich mit Sonne und Sommer beschäftigen. Und bei skurrilen Do-It-Yourself-Videos sowieso. Allerhöchste Zeit, kurz vor dem offiziellen kalendarischen Herbstbeginn die Bekanntschaft der Merries zu machen! Das Sextett um den Gitarristen und Sänger Juuso Härmä hält die Werte des guten alten College-Indierock hoch und lässt die elektrischen Klampfen lustvoll jammen. Das sind unbekümmerte Töne für Menschen, die ihr Studium nicht in Rekordzeit abgeschlossen, sondern dem lieben Gott die Zeit gestohlen haben. Ach, ernsthaftes Erwachsenwerden, es ist uns damit nicht eilig! Diese entspannte Tagträumer-Attitüde lebt in den Song der Merries. Denken wir an die guten alten Replacements, denken wir an die Lemonheads, dann kommen wir der Sache schon ziemlich nahe. Wobei die Merries sich durchaus kleine Ausflüge in ein Land gestatten, in dem man unerwartet glücklich, gar schon euphorisch ist! Das ist sehr charmant, das. Man muss diese Schluffis einfach ein bisschen liebhaben. Dass der Herzschmerz vom Liebesglück nur eine Turnschuhlänge entfernt ist, versteht sich von selbst. Die Merries haben jüngst ihr selbst betiteltes Debütalbum vorgelegt. Wo sie schwelgerisch lärmen und mitunter unerwartete Dinge tun und einer Hammondorgel eine tragende Gastrolle einräumen. Via Bandcamp kann man ausführlich in den Erstling hereinhören. Aber bevor der Sommer endet, genießen wir schnell noch das schrullige Video zum feinen Song “Travel To The Sun”.

 
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