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Foto nordische Landschaft

16. Juni 2006

Auf der Suche nach dem Sommerhit

Sommer, Sonne, kurzes Röckchen, Eiswaffel mit drei Kugeln balancierend und dabei noch mit dem Fahrrad um die Ecke kommen…jetzt fehlt nur noch der mir passende Sommerhit dazu. Also bitte kein balkanesisches Gejammer, kein südamerikanischer Temperamentsausbruch und kein dummer dänischer Reggae. Etwas Poppiges, Leichtes, Verträumtes.

Fündig werde ich in Finnland (Überraschung!). Beim Soloprojekt von Janne Laurila, ehemals Herz und Hirn von Office Building. Der hat den wunderbaren Song »Endless Summer« auf seine Myspace-Site gestellt. Der Song schwebt so schwerelos wie die bösen Pollen durch die Luft und ist gerade diesen Tick traurig, um richtig glücklich zu machen. Laurila schreibt hier so wunderbare Reime wie »and even heartache is fun, when you are bathing in the sun«. Und die Orgel schmeichelt dazu. Seit Tagen spielt die innere Jukebox wenig anderes. So lass ich mir den Sommer gefallen.

10. Juni 2006

Provinzjuwel

Ab und zu wird der Glaube an die Gerechtigkeit doch wieder hergestellt. Dass Musiker, die es verdienen,  ein ganz kleines bisschen Anerkennung bekommen. Und sogar nach langen Jahren des Suchens einen Plattenvertrag erkämpfen. Wäre ja auch zu schade, wenn der wunderbare Verlierer-Pop der Cats On Fire nur wenige Eingeweihte an Finnlands Südküste erreichen würde.

Letzten Sommer, unterwegs in Finnland, Station in Turku am Rande des Ruisrock-Festivals. Sehr spät noch ins Dynamo, einen der nettesten Clubs der Stadt, entspannte Atmosphäre im Holzhaus, und draußen geht um halb zwei schon fast die Sonne wieder auf. Víer linkische Jungs auf der Bühne. Die diese Ausstrahlung einer ernsthafter Brillenträgercombo haben, ohne Brillen zu tragen. Aber sie sind gut! Mit einem Sinn für Melodien und Timing beim Gitarrenpop, eine gewissen Unschuld und einem Frontmann mit Ausstrahlung und dem Mut der Verzweiflung.

Seit den Smiths habe ich junge Männer selten so schön am Leben leiden hören wie diese Band mit dem unmöglichen Namen Cats On Fire. Irgendwann fällt ihnen das Keyboard theatralisch von der Bühne, aber selbst ihr Scheitern hat etwas Poetisches. Unmöglich, sich an diesem Abend nicht in die Band zu verlieben. Mit geröteten Wangen und einem Lächeln im Gesicht frage ich nach Platten. Gibts nicht. Keiner scheint sich weiter für dieses Provinzjuwel zu interessieren.

Seitdem habe ich regelmäßig mit einem Auge verfolgt, wie es den Cats ergeht. Mit großem Vergnügen das Blog von Sänger Mattias Björkas gelesen, der so wunderbar wehleidig ist. Und mich immer wieder gewundert, warum keiner diese talentierte Band unter Vertrag nehmen will. Aber jetzt tut sich endlich etwas! Das schwedische Label Fraction Discs bringt ihre EP heraus. Und das deutsche Label Marsh-Marigold Records das Debütalbum der Cats On Fire. Vielleicht sehen wir sie auch mal außerhalb Finnland. Würde mich freuen.

23. Mai 2006

Finnische Musik ist hip!

Finnische Musik ist hip! Danke, Radio HR3, für diese erstaunliche Einsicht! Auf dem Weg zum Belle and Sebastian-Konzert ín Mainz gestern abend geschieht das Unglaubliche: HR3, sonst auf gehobenem Dudelfunkniveau agierend, bringt aus Anlass von Lordis unerwartetem Erfolg beim European Song Contest zur besten Sendezeit eine ganze Stunde Populärmusik aus Finnland. Die unbedarfte Moderatorin tut so, als habe sie gerade die Entdeckung des Jahrhunderts gemacht, präsentiert aber hauptsächlich die in Deutschland ohnehin schon bekannten Namen: HIM, Nightwish, The Rasmus, Apocalytica, die Leningrad Cowboys und Tarja Turunen. Aber auch Preziosen wie Eläkeläiset und M.A. Numminen. Dass ich das noch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erlebe!

Mir als großer Anhängerin der wunderbar leichten finnischen Popmusik fällt aber auf, das genau dieses Genre hier fehlt. Passt wohl nicht in das Bild der finnischen Musikszene als entweder tiefschwarz gewandeter Deathrocker oder liebenswerter Kauze. Dabei gibt es in Finnland so großartige Bands wie The Latebirds, Viola, Sister Flo, Wojciech, Magenta Skycode, Matti Johannes Koivu, Astrid Swan, Goodnight Monsters, Since November, The Crash, Ultramariini, Boomhauer, Daisy, Kevin oder Ultrasport. Die nächste finnische Popstunde sollte ich gestalten, liebe HR3-Macher! Ich warte noch auf Euren Anruf!

Und danke, Lordi! Ihr habt einen Ball ins Rollen gebracht!

22. Mai 2006

Das Phänomen Lordi

Nicht dass ich Lordi nun für besonders spannend oder gar genial hielte. Wir haben sie in unseren Rezensionen immer als das gewürdigt, das sie darstellten: eine grundsolide, konservative Metal/Rock’n'Roll-Band, die die von Kiss und Alice Cooper etablierten Schockrock-Grenzen ein wenig weiter ausdehnte. Musikalisch eroberte ihr heiserer Rock’n'Roll weder Neuland noch hob er sich – ohne die visuelle Komponente – aus der Masse sonderlich heraus:
http://www.nordische-musik.de/musiker.php?id_musiker=258

Lordi Daher passen ihre Mainstream-Melodien, wenn man mal den ganzen optischen Budenzauber, das Riff-Geklopfe und Lordis Röchelstimme abzieht, sehr wohl in einen Eurovision Song Contest. Nummern wie »Blood Red Sandman« oder »The Children Of The Night« könnten – anders arrangiert und instrumentiert – durchaus auch im Dudelfunk eines Altersheims Anklang finden. Wer also nun Gift und Galle spuckt angesichts der finnischen Sieger, hat folgendes nicht kapiert:

  1. Von Schlager erwartet man Entertainment, Zerstreuung, Show, kurz: Spaß. Kein diesjähriger Teilnehmer konnte den so konsequent liefern wie Lordi.
  2. Es stellt sich natürlich zu Recht die Frage, ob man bei einem Schlagerwettbewerb eine passgenau in der Metal-Schublade steckende Band überhaupt zulassen soll. Oder andersherum gefragt: Was hätte Tokyo Hotel auf dem Montreux Jazz Festival verloren? Doch Finnland wagte … und gewann. Und damit ist die Frage hinfällig, denn wenn die Zuhörerschaft meint, dass Lordi hier nicht fehl am Platz ist, dann hat sie per definitionem recht.
  3. Eifrig wird nun darüber diskutiert, ob der Erfolg von Lordi ein Indiz für die Aufgeblasenheit und weitflächige Langeweile dieses ganzen degenerierten Schlager-Spektakels ist. Schon möglich, denn es fällt auf, dass das Publikum, das zum ersten Mal tatsächlich eine Wahl hatte (also nicht nur zwischen Gleichem, sondern zwischen Unterschiedlichem wählen konnte), dies ohne Zögern tat. Es ist jedenfalls zu vermuten, dass die Finnen die Schlagerszene zum Nachdenken brachten, und schon allein dafür gebührt ihnen unsere Anerkennung.
  4. Wer Lordis Geisterbahn-Fummel für besonders schockierend hält, lebt in einer kleinen Scheinwelt. Zur Weiterbildung empfohlen: Marilyn Manson, Dimmu Borgir, W.A.S.P., u.v.m.

Was mich nun aber doch etwas beunruhigt: Ob wir nächstes Jahr Nicole oder Sarah Connor als deutsche Kandidatinnen mit Horrormaske erleben werden?

13. Mai 2006

The Rasmus

Oh weh. Der Untergang des Abendlandes naht. Jetzt haben doch tatsächlich die Jammerbuben von The Rasmus 2004 mit ihrem wehleidigen und penetranten "In The Shadows" international mehr Tantiemen einsammeln können als Altmeister Jean Sibelius mit seinem Violinkonzert oder der Zweiten Sinfonie. Sibelius hatte bei den Tantiemen bisher immer die Nase vorn gehabt, schreibt die Finnish Composers' Copyright Society – und mutmaßt, dass HIM 2005 der gleiche Coup gelingen könnte. Schlimmer geht immer!

 
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