Home
Foto nordische Landschaft

13. April 2008

Battle Metal: Norther & Turisas im Karlsruher Substage

turisas

Vor gerade mal drei Monaten, am 9. Dezember 2007 , stand Petri Lindroos zuletzt auf der Bühne des Karlsruher Substages – allerdings als Ensiferum -Fronter. Heute, am 19. März kehrt er mit seiner Zweit-Combo Norther zurück, um den Weg für seine Landsmänner Turisas zu bereiten. Kurz nach 21 Uhr eröffnen die Death Metaller den Gig mit »My Antichrist«, dem Opener ihrer aktuellen Scheibe »N«.

norther…nicht unbedingt der bestmögliche Einstand, haben sie doch auf ihrem Century-Debüt das Tempo merklich gedrosselt. Das Publikum tut sich schwer mit den neuen Songs, gibt sich zurückhaltend – und Petri gewohnt wortkarg.

Gegen Mitte des Sets taut schließlich doch der eine oder andere auf, möglicherweise dank der »MIRROR OF MADNESS«-Stücke wie »Blackhearted« oder »Unleash Hell«.

Die ersten Arme fahren in die Höhe, die ersten Köpfe fangen an zu schwingen. Zu »Death Unlimited« vom gleichnamigen Album sowie »Black Gold« und »Self-Righteous Fuck« –  beides ordentliche Arschtreter von »N« – mosht sich die Meute ordentlich warm. Zu spät. Eine gute Dreiviertelstunde ist um. Das war’s.

norther

Umbaupause für Turisas. Bierpause für die Fans. Vereinzelt sind Turisas-Jünger mit rot-schwarzer Kriegsbemalung auszumachen.
Und es dauert… Die ersten werden ungeduldig, schreien »Turisas«, »Battle Metal«-Chöre werden laut.

Kurz nach 22 Uhr ist es soweit: Unisono recken die Fans ihre Fäuste in die Luft, als die ersten Takte von »The Dniepre Rapids« (»VARANGIAN WAY«) erklingen, und Turisas (benannt nach dem finnischen Kriegsgott) im besten Make-Up die Bühne erklimmen.

turisasNach dem Stück nimmt sich Matthias »Warlord« Nygård erstmal Zeit, seine Zuhörerschaft zu begrüßen – und wer weiß, möglicherweise hat sogar einer der Anwesenden die Finnen damals im Vorprogramm der Apokalyptischen Reiter gesehen.
Möglicherweise hat auch jemand den eigentlichen Akkordeonspieler Lisko gesehen …der nach der Februar-Show in Groningen nie wieder gesehen wurde – zumindest von keinem Bandmitglied.
An seiner Statt ist heute die 17jährige Netta Skog mit von der Partie, die dem (männlichen) Publikum nicht minder einheizt als Lisko.

Auf den Live-Kracher »Holmgard And Beyond« folgt »Portage To Unknown« beide ebenfalls vom aktuellen Album. Die Menge singt, schunkelt, pogt, beim Trinklied »One More« greifen Zuschauer wie Band zum Bier, während beider Schminke langsam aber sicher der Hitze Tribut zollt und erste Schweißströme sich ihre Spuren bahnen.

Immer wieder quatscht der Fronter mit dem Publikum, nach dem Stück »Messenger« vom Debüt »BATTLE METAL« hält er die Zeit reif für »something more epic«: Zum Abschluss des regulären Sets spielt das Sextett »Miklagard Overture«, ein extralanges Stück, das alle Turisas-Merkmale bündelt – und das Nygård nutzt, um alle Bandmitglieder vorzustellen.

turisasDie Band hat die Bühne noch nicht mal ganz verlassen, als aus diversen Kehlen ein Gewirr aus »Battle Metal«, »Rasputin« und »Turisas«-Rufen erschallt.

Wer »Rasputin« fordert, bekommt es auch: Turisas geben den Boney M.-Hit in ihrer eigenen Balalaika-Metal-Interpratation zum Besten. Nach »Sahti-Waari« stimmen sie das endgültige letzte, von den Fans heiß ersehnte Lied »Battle Metal« an.

Verdammt heiß dürfte es übrigens auch »Warlord« und seiner Mannschaft in ihren Fellen geworden sein, welche diese nun endlich backstage ablegen dürfen – sofern sie es noch können.

Und während die Fans, welche nach und nach das Substage verlassen, in Gedanken vermutlich schon beim verlängerten Osterwochenende sind …machen sich die Krieger auf die nächste Station ihrer Tour zu erobern.

11. März 2008

Daisy oder die Pechvögel schlagen zurück

Daisy aus Turku ist eine von Unglücksfällen geradezu heimtückisch heimgesuchte Band. Dabei haben die fünf Jungs doch nichts anderes im Sinn, als fröhlich-unbeschwerte, naiv-leichte Indiepopsongs zu schreiben. Ihre besten Kumpels sind die Kitschpopper The Crash , die genau wie Daisy einen Plattenvertrag bei einem Majorlabel landen. Fängt doch alles gut an, und das Debütalbum »A GIRL`S BEST FRIEND« im Jahr 2003 ist zwar kein Hitparadenstürmer, aber wird bei Kritik und Fans wohlwollend aufgenommen.

So könnte es glatt weitergehen, werden sich die Daisy-Jungs um Sänger Thomas Lilley gedacht haben. 2004 sind sieben neue Songs so gut wie fertig – und da kündigen sich schon die Vorboten des künftigen Desasters an. Durch einen Computercrash einschließlich Festplattenkonfetti gehen die neuen Songs fast verloren – können aber in heroischer Anstrengung gerettet werden. Zeit für Sicherungskopien, geloben sich die geschockten Daisys. Und werden mit dem aktuellen Material bei ihrem Label Warner vorstellig. Warner-Großmufti Pekka Ruuska aber ist weniger überzeugt und feuert die Band. Autsch!

Das Annus Horribilis ist aber für Daisy noch lange nicht vorbei. Ende November brennt bei einem Großbrand in Turku das Gebäude ab, in dem sich der Probenraum der Band befindet. Alle Instrumente, das gesamte technische Equipment und natürlich der Computer mit dem neuen Material. Wo sind die Sicherungskopien? Genau, die liegen im Regal gleich neben dem Computer. Aua!

Aber irgendwie wollen diese Jungs nicht aufgeben. Berappeln sich, können im Probenraum von The Crash vorläufig unterkommen und machen langsam weiter. Nehmen unverdrossen die verbrannten Songs wieder auf und spielen hier und da ein Konzert. Und vor allem: Verlieren die Hoffnung nicht und bleiben zusammen. Und drei Jahre und ein paar zerquetschte Monate sind Daisy endlich am Ziel. Mit »IT´S ABOUT TIME « erscheint ihr Zweitling beim kleinen Label Elements Music. Die Jungs freuen sich riesig und ihre Freunde freuen sich mit ihnen. Es müssen viele Freunde sein, denn plötzlich steht der Zweitling auf Platz 22 der finnischen Album-Charts. Und im Mai touren die Daisys sogar im Mutterland des Pop. Wie heißt es so schön in ihrem aktuellen Ohrwurm Song »Go«? »You can´t stop me trying«!

27. Februar 2008

Ensiferum: Excuse me, are you from lordi?

Am 9. Dezember 2007 in Karlsruhe plaudern Ensiferums Markus Toivonen und Sami Hinkka über die aktuelle Tour, Amorphis, Lordi und Hevikaraoke.

Den ersten Teil des Interviews findet ihr hier – nun folgt Teil zwei…

»Hey, how do you play ‘Into Hiding’?«

Mit welcher Band würdet ihr denn gerne touren?
Markus: Iron Maiden! Die beste Band der Welt. (Gelächter)
Markus: Nein ernsthaft. Moonsorrow, Tyr, Amorphis,…

Amorphis hat euch sehr beeinflusst…
Markus: Als ich die Band gründete, 1995, war ich Amorphis-Fan. Ich dachte, Amorphis ist die beste Band aller Zeiten.

nicht Iron Maiden…
(Gelächter)
Markus: Damals nicht. Amorphis’ »TALES FROM THE THOUSAND LAKES« ist das beste Album aller Zeiten.

Ihr habt Amorphis’ »Into Hiding« gecovert, wie waren denn die Reaktionen drauf?
Markus: Oh, viele Leute sagen »Das klingt nicht wie Ensiferum«.

ensiferum

und haben Amorphis selbst sich dazu geäußert?
Sami: (grinst) Die haben gelacht.
Markus: Wir hatten ja denselben Proberaum, sie kamen und wir gingen…
Sami: …und wir fragten sie »Hey, how do you play ‘Into Hiding’?« (Gelächter)

Spielt ihr den Song auch live?
Markus: Wir haben ihn nur 2005 gespielt im Nosturi. Aber wir spielen auf dieser Tour das Medley dreier finnischer Volkslieder von »DRAGONHEADS«. (AdR: »Karjalan Kunnailla – Myrskyluodon Maija – Metsämiehen Laulu«)


Folkmusik zu verkaufen?

Habt ihr eine fixe Setlist für die ganze Tour?
Sami: Wir spielen immer das gleiche Set.
Markus: Außer in Griechenland, weil wir da zum ersten Mal waren.
Sami: (grinst) Da gab’s dann eine Art »Hitparade« unserer Songs.

Also auch aus der Zeit vor Petri. Wie nahmen eure Fans eigentlich den Sängerwechsel auf?
Markus: Wir machten 2004 die erste Tour mit Petri (grinst) – und manche Leute streiten immer noch wer Bessere ist. (AdR: Petri Lindroos löste Jari Mäenpää nach »IRON« am Mikro ab). Aber die meisten haben ihn sehr schnell akzeptiert. Er hat Charisma, er ist ein guter Performer.

und trägt die schwarzen Balken im Gesicht wie ihr alle. Warum macht ihr das?
Sami: Warum nicht? (Gelächter) Es ist ein Ritual… (deutet auf Markus, dieser solle sich äußern)
Markus: …wir machen das schon seit 1998, das kam einfach so (Pause) und unsere Fans machen das auch.

ensiferum

Petri ist auch Fronter bei Norther. Gab es schon mal Terminprobleme?
Markus: Nein, bisher nicht. Wir konnten das ganz gut koordinieren.

Was hört ihr denn privat?
Markus: Ich höre alle möglichen Metalbands, aber auch Folk.

Finnischen Folk?
Markus: Nein alle Arten von Folk.
Sami: (unterbricht ihn lachend) In Kanada waren wir mal in einem Mittelalter-Restaurant. An einer Wand stand ein Regal mit französischer Folkmusik. (grinst) Nach ein paar Bier wollte er sie dann kaufen…

und hat er sie bekommen?
Sami: Ein paar haben sie ihm verkauft. (Gelächter)


»Excuse me, are you from Lordi?«

Wo wart ihr denn außer Kanada noch? Südamerika, Australien,…?
Sami: Nein noch nicht. Aber wir haben da Fans, neulich kam eine Mail aus…
Markus: …Neuseeland.

Ihr habt die Zeit eure Mails zu lesen?
Sami: Oh ja, zu lesen schon…
Markus: …aber nicht um zu antworten. Aber wir bekommen Mails von überall.

Das ist der Vorteil des Internets – und der Nachteil…?
Markus: Das neue Album steht schon im Netz – und ist offiziell noch nicht draußen. Bei zwei Alben von uns wurde die Veröffentlichung wegen technischen Pannen/Problemen verschoben – und zweimal war das Zeug dann im Netz. (Pause) Ich verstehe diese Leute nicht. Ich will das Album dann in der Hand halten, wenn es raus ist, und nicht vorher.

chthonic

Wie erfolgreich war denn »VICTORY SONGS«, trotz alldem?
Sami: In Finnland erreichte es #6 der Alben-Charts, in Deutschland immerhin die Top 100.
Markus: Es verkauft sich gut, wir sind wirklich glücklich über die Verkaufszahlen.

Top100 in Deutschland, Platz 6 in Finnland. Habt ihr eine Erklärung, wieso Metal dort so populär ist?
Markus: Hm. Keine Ahnung. (Pause) Ich denke, dass alles mit Amorphis’ »TALES FROM THE THOUSAND LAKES« anfing.
Sami: Und Sentenced.
Markus: Später kamen dann Nightwish und Children Of Bodom

und Lordi. Was haltet ihr von deren Gewinn beim Eurovision Song Contest?
Markus: Wir glauben das war eine gute Sache – auch wenn Lordi nicht mein Fall ist.
Sami: (grinst) Als wir ihn Athen waren, pirschte sich ein Typ an mich ran, und fragte dann ganz vorsichtig: »Excuse me, are you from Lordi?« (verdreht die Augen)


Hevikaraoke und GROSSE Festivals

und was haltet ihr von Hevikaraoke?
Sami: (grinst) Ich denke das ist lustig.
Markus: Ich habe das ein- oder zweimal gemacht. (Pause) Ich denke wenn die Leute das machen wollen, dann sollen sie (lacht).

chthonic

Aber ihr steht lieber auf der Bühne. In Clubs oder auf Festivals?
Markus /Sami (unisono): Clubs!
M: In Finnland können wir nur in Helsinki spielen, in anderen Städten füllen wir keinen Club.
S: Wir spielen mehr in Deutschland als in Finnland…
M: …wir sollten herziehen. (Gelächter)
M: Aber wir spielen auch gerne auf großen Festivals.

In Finnland?
S: Ich sagte auf GROSSEN Festivals. (Gelächter)
M: Wacken, Grasspop,…
S: in Großbritannien spielten wir bei Bloodstock mit Turisas und Stratovarius.
M: …jaja, die GROSSEN finnischen Bands. (Gelächter)

Was habt ihr für die Zukunft geplant? Kommt eine DVD?
S: Nicht jetzt. Erstmal ein neues Album.
M: Aber eine DVD kommt auf jeden Fall irgendwann noch. Ich habe Material von 1996 bis heute. Wir wollen damit eine Bandgeschichts-DVD machen (Pause) Hm… das könnt eine Doppel-DVD werden. (Gelächter).

Und damit entlasse ich die Jungs in die unmittelbare Zukunft: Zu ihrem Auftritt im Karlsruher Substage.
P
aljon kiitoksia Samille ja Markuksille.

ensiferum

21. Februar 2008

It’s only rock’n’roll…

 …but some people seem to take a bit too seriously:

Die finnische Zeitung Iltalehti veröffentlichte eine Liste der 100 einflussreichsten Personen in Finnland – und setzte den HIM-Fronter Ville Valo auf Platz 32.

Das bedeutet er rangiert vor diversen Köpfen aus der Medienlandschaft oder Politikern (u.a. einem Mitglied der EU-Kommission). Yep.

It's only rock'n' roll – but they like it.

05. Februar 2008

Boomhauer in meiner Stadt (playing their wooden Currywurst)

Es gibt Bands, da merkt man schon vor dem Konzert, das wird eine Supersache. Einfach weil die Beteiligten sich als absolute Profis zu erkennen geben, denen doch eines nie anhanden gekommen ist: die wahre, gute und meinetwegen altmodische Spielfreude. 

Die drei Burschen von Boomhauer gehören in diese Kategorie, zu Gast – natürlich – in der Astra Stube. Wo andere stundenlang auf sich warten und sich also mehr als bitten lassen, mach(t)en die drei keinen großen Aufstand um ihre Kunst. Pünktlich trafen sie zum Auftritt einer nicht weiter erwähnenswerten Vorgruppe ein, spendeten höflich Applaus, enterten anschließend die Bühne, bauten ruckzuck ihre Instrumente auf und schon ging es los. Wie viel Lebenszeit verbringt der Konzertgänger schließlich mit dem Warten auf den Auftritt! Boomhauer meinen es gut mit uns.

Und dann die Musik, Freunde, das war wie von einem anderen Stern. Ruppig, aber höchst präzise droschen sie ihren Fun-Punk-Country-Style herunter, das der Glaube an den guten alten und dreifaltigen (Gitarre/Bass/Drums) Krachrock in die Zuhörenden einschlug wie ein Blitz. Ein Song jagte den anderen, unterbrochen von kleinen Geschichtchen über Michael Schumacher in der VIP Lounge neulich am Flughafen, über geliehenen Gitarren oder über die gültigen, wenn auch verstorbenen Idole des Drummers Mikko „Buddha“ Lappalainen (Marvin Gaye, Elvis).

Genial in seiner Schlichtheit auch das Ende des Konzerts: Sagten sie nicht vorhin etwas von wegen the last song? Und war das eben nun die Zugabe? Irgendwie ja, irgendwie nein. Also noch eine? Klar, noch eine. Aber nicht nur ein Song. Sondern noch einer und noch einer und noch einer und wo sie schon mal dabei waren, da …

 
Seite 49 von 59« Erste...4647484950515253...Letzte »