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Foto nordische Landschaft

07. August 2016

Hel(l) aktuell XXI: Tuska 2016, Freitag: Takk, Kvelertak!

Ein warmer, sonniger Freitagnachmittag auf dem Gelände des alten Gaswerks in Helsinki. Auf der Hauptbühne (Radio Rock Stage) spielen gerade Cattle Decapitation (USA) mit denen unser erster Tuska-Tag beginnt. Viel bekommen wir nicht mit, da wir direkt zu den finnischen Frosttide in Richtung Inferno-Stage gehen.

Auf dem Weg in die Halle fällt uns die neu gestaltete Helsinki-Stage auf: sie ist nun leicht nach rechts gedreht, Bühne und Vorplatz sind mit einem großen Zelt überdacht. Frosttide erinnern etwas an ihre Landsmänner Ensiferum. Leider ist nicht allzu viel los in der kleinen Halle. Liegt womöglich an der sehr frühen Spielzeit. Allgemein sind am frühen Nachmittag wenig Besucher auf dem Gelände.

Laut Aussage der Sängerin zum ersten Mal in Finnland: Delain aus den Niederlanden.  Vor der Zeltbühne (Helsinki Stage) haben sich die schon anwesenden Fans versammelt, um den ersten Auftritt Delains in Helsinki zu sehen. Mir ist die Musik zu beliebig, auch die Stimme der Sängerin, Charlotte Wessels, gefällt mir nicht so recht. Dafür den anwesenden Zuhörern umso mehr.

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13. Juni 2016

Sowjetschlager und 60ies-Pop: Kuparilinna

Ach, was waren das noch für Zeiten, als beim Eurovioson Song Contest alle Beiträge in der Landessprache gesungen werden mussten. Bunte Zeiten, unbedingt! Denn das Finnische eignet sich hervorragend als Sprache der Popmusik mit seinen vielen hüpfenden Vokalen. Allerliebst klingen die finnischen Retro-Sounds der putzmunteren Finnen von Kuparilinna. Die schelmischen Fünf aus Helsiniki schlagen auf ihrem sehr selbstironischen Debütalbum eine schaumige Mélange aus luftigem Blumenkinder-60ies Pop und gefühligem Sowjetschlager im 70er-Style an. Hier scheint die Sonne selbst bei den mitunter kühlen nordischen Sommertemperaturen. Scheinbar naiv und sympathisch großäugig präsentieren sich die Fünf um Sängerin Liila. Und bieten federleichte, sehr tanzbare Klänge, die eine perfekte Balance zwischen Retro-Kitsch und poppigem Übermut finden. Das ist ebenso eigenwillig wie charmarmt und auf eine unterkühlte Weise frech. Die Wurlitzer-Orgel spielt dazu gefühlig auf. Und weil wir hier in Finnland sind, schimmert eine ganz kleine Träne im Knopfloch. So stelle ich mir die Kleinen Strolche vor, wenn sie erwachsen sind! Dem Debütalbum kann man zur Gänze auf Bandcamp lauschen. Ein sicheres Gegenmittel gegen all die Sturzbäche an Juni-Regen, die so allmählich aufs Gemüt drücken. Die feine Single »Aurinko« (Sonne!) feiert mit flotten Trompetenklängen die kleinen Freuden des Lebens und kommt im allerliebsten Schlunzer-Stil daher. Hebt die Laune sehr subito!

27. März 2016

Peppina im Märchenland

Man mag sie ja kaum noch glauben, diese wundersamen Geschichten, wie unbekannte Musiker im Internet entdeckt werden und einen hoffnungsvollen Karrierestart hinlegen. Gerade im weltweit wuchernden Singer-Songwriter-Genre, wo sich jeder zum potenziellen Star-Leider-berufen fühlt, der drei Akkorde spielen kann! Aber es gibt sie tatsächlich immer noch, die kleinen Erfolgsgmeldungen. Denn so hat es die junge Singer-Songwriterin Peppina als einer der sehr raren finnischen Acts zum diesjährigen South By Southwest Festival und zum renommierten Sundance Film Festival geschafft. Aber der Reihe nach: Denn alles fing damit an, dass die Nachwuchskraft aus Helsinki mit knapp 17 Jahren ihre ersten Songs auf die Produktions-Plattform hitRECord hochlud, die vom US-Schauspieler und -Regisseur Joseph Gordon-Levitt (wir erinnern uns: 500 Days Of Summer!) bereits vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Hier kommen Kreative aus aller Welt zusammen, Musiker, Grafiker, Texter und Filmemacher gleichermaßen. Und das Allerberbeste ist: Die Künstler werden fair bezahlt, falls eine Zusammenarbeit entsteht. Peppinas Tracks gefielen so gut, dass mehrere kurze Animationsfilme zu ihrer Musik gedreht wurden, darunter das sehr beschwingte, märchenaffine »Beastly Beauty«. Weitere Videos gibt es hier zu entdecken. Ganz schön breites Oeuvre für eine knapp Zwanzigjährige!

Und damit nicht genug: Die hitRECord-Kontakte erwiesen sich als so lohnend, dass Peppina Ihre Debüt-EP »FOLLOW YOUR GRAVITY« in New York mit renommierten Studio-Musikern aufnehmen konnte. Und ich muss an dieser Stelle übrigens ein wenig Abbitte tun: Nach einer ganzen Reihe nichtssagender Gigs von Singer-Songwritern im Rhein-Main-Gebiet, bei denen mir Füße und Ohren gleichermaßen einschliefen, meckerte äußerst ungnädig über dieses Genre. »Du könntest mich schütteln, ich könnte Dir vom gestrigen Abend keinen einzigen Song nennen, der irgendwie hängengeblieben ist«, mailte ich an einen Freund nach einen Doppel-Konzert von Singer-Songwritern in der Bundesliga-Metropole Darmstadt. Klampf, Krampf und gepflegte Langeweile. Ein wenig gefälliger darf es durchaus sein! Denn das Erstlingswerk von Peppina sehr leichtüßig, anmutig und durchaus frühlingshaft ausgefallen. Überzeugt mit professionellen Arrangements. Die EP ist sehr hörenswert. Man kann ihr zur Gänze via Soundcloud lauschen. Ach ja, und das Märchen ist noch nicht zu Ende erzählt: Der Song »We Can Go Back Again« hat es auf den Soundtrack des US-Indie-Films »MARRIED YOUNG« geschafft, der gerade produziert wird.

14. Februar 2016

Süßkram de luxe mit Girls Night Out

Heute ist die Welt unerfreulicherweise in Pink getaucht. Den Tag der Verliebten ausgerechnet ins schmuddeligste Februarwetter zur legen, wer ist denn auf diese kontraproduktive Idee gekommen? Sei es drum: Wenn schon gezwungenermaßen überall Liebe in der Luft ist, dann wollen wir doch lieber die Dinge auf die Spitze treiben und uns der totalen Zuckervergiftung hingeben! Zu himmelhohen Synthiefanfaren! Also auf nach Kopenhagen! Wo sich der Musikstudent Terkel Atushi Røjle neuerdings Girls Night Out nennt und einige Gleichgesinnte um sich geschart hat, die wie er große Fans der Disco-Kultur der späten 70er sind. Jung-Terkel trägt weißen Rollkragenpullover und kleidsame Topffrisur. Die Website der Band funktioniert mit roten Herzchen als Cursor! Girls Night Out meinen es offenkundig ernst mit ihrer Retromanie! Einen Track haben diese Zuckerwatte-Popsters bislang herausgebracht: Das glorios pastellige »Let´s Get Serious« schwelgt in Falsett-Vocals und ist ein wunderbar überkandideltes Stückchen Pop. So geht Säuseln auf hohem Niveau! Man mag mitunter an die lange verblichenen finnischen Bambi-Popsters The Crash denken, die ebenfalls Meister des dicken Auftragens waren. Hurra, heute klatschen wir noch einen Löffel Schlagsahne auf den Schwarzwaldbecher! Essiggurken gibt es morgen wieder!

20. Dezember 2015

Stillvergnügtes Singen mit Onoila

Wie gelangt eigentlich die Musik ins Polarblog? Wenn man mich fragt: Am liebsten per Zufall! Ich mag es, wenn die Dinge zu mir kommen. Wenn sich per Zufall die Wege kreuzen. Ich halte es mit Pippi Langstrumpf: Ich bin ein begeisterter Sachensucher. Und Sachenfinder! Der schwarze Schal, den ich gerade um den Hals geschlungen trage? Der hing tagelang traurig draußen am Geländer der hiesigen Sparkassenfiliale herum, bis ich mich endlich erbarmte, ihn mit nach Hause nahm & wusch & hoppsa! Ein wunderbares Teil! Das Buch, das ich gerade lese, hat jemand im Zug liegen lassen. Ich hätte es ja gerne dem rechtmäßigen Besitzer gegeben, aber das Abteil war leer & der Zug an der Endstation angelangt. “The Consolations Of Philosophy” heißt es, geschrieben von Alain De Botton. Mir war der Mann bis dahin unbekannt. Lauter kluge Essays! Das kleine Penguin-Büchlein enthält auch ein geistvolles Kapitel über das gebrochene Herz & wie man es tröstet. Und dort sind halbe Seiten mit Bleistift unterstrichen. Ergo, der Verlierer oder die Verliererin hat heftigen Liebeskummer. Welche kleine Dramen des Alltags man als Sachensucher so entdeckt!

Und nun komme ich endlich zum Punkt und zu Onoila. Die Band aus dem finnischen Turku pflegt einen feinen, gitarrenlastigen Singer-Songwriterpop, der stillvergnügt und schelmisch daherkommt, um zwei altmodische deutsche Wörter zu verwenden. Ein Mitglied der Band saß letztens bei meiner Freundin Oona im Wohnzimmer & wurde von ihr via Instagram markiert. Klar, da werde ich neugierig und schaue nach! Onoila hatten bis vor zehn Minuten 39 “Freunde” auf Facebook. Ich stöbere auf der Seite herum & stoße auf ein schönes Do-It-Yourself-Video, wo ein pelzbemützter Jüngling im Wald herumstrolcht und mit Pfeil und Bogen unerhörterweise auf weiße Tauben schießt. Brave Liedermacher tun so was nicht, die flehen nach ein bisschen Frieden! Eine garstige kleine Ballade also, so viel lässt sich mit beschränkten Finnischkenntnissen erahnen. Und sehr leichtfüßig und selbstironisch dabei! Die Fünf von Onoila nehmen sich erfreulicherweise nicht zu ernst, sondern goutieren mit todernster Miene und lachenden Augen die Absurditäten des Alltags. Das selbst betitelte Debütalbum ist im August herausgekommen. Man kann es als Kassette (!) erwerben und zuvor ausführlich via Bandcamp hereinhören. Und diese Töne müpfen alle Mußestunden auf – mit den unerwarteten Schlenkern, die sie schlagen! Mir gefällt “Palava Kivi” ausgesprochen gut, wo die Band urplötzlich zu fetten Orgelklängen in den Powerpop-Modus wechselt. Himmel, was für ein unwiderstehliches Durchs-Wohnzimmer-Step-Stückchen im Waldschrat-Gewand. Mehr von dieser Huckleberry-Finn-Attitüde!

Metsästäjän balladi from Onoila on Vimeo.

 
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