Home
Foto nordische Landschaft

14. Februar 2016

Süßkram de luxe mit Girls Night Out

Heute ist die Welt unerfreulicherweise in Pink getaucht. Den Tag der Verliebten ausgerechnet ins schmuddeligste Februarwetter zur legen, wer ist denn auf diese kontraproduktive Idee gekommen? Sei es drum: Wenn schon gezwungenermaßen überall Liebe in der Luft ist, dann wollen wir doch lieber die Dinge auf die Spitze treiben und uns der totalen Zuckervergiftung hingeben! Zu himmelhohen Synthiefanfaren! Also auf nach Kopenhagen! Wo sich der Musikstudent Terkel Atushi Røjle neuerdings Girls Night Out nennt und einige Gleichgesinnte um sich geschart hat, die wie er große Fans der Disco-Kultur der späten 70er sind. Jung-Terkel trägt weißen Rollkragenpullover und kleidsame Topffrisur. Die Website der Band funktioniert mit roten Herzchen als Cursor! Girls Night Out meinen es offenkundig ernst mit ihrer Retromanie! Einen Track haben diese Zuckerwatte-Popsters bislang herausgebracht: Das glorios pastellige »Let´s Get Serious« schwelgt in Falsett-Vocals und ist ein wunderbar überkandideltes Stückchen Pop. So geht Säuseln auf hohem Niveau! Man mag mitunter an die lange verblichenen finnischen Bambi-Popsters The Crash denken, die ebenfalls Meister des dicken Auftragens waren. Hurra, heute klatschen wir noch einen Löffel Schlagsahne auf den Schwarzwaldbecher! Essiggurken gibt es morgen wieder!

20. Dezember 2015

Stillvergnügtes Singen mit Onoila

Wie gelangt eigentlich die Musik ins Polarblog? Wenn man mich fragt: Am liebsten per Zufall! Ich mag es, wenn die Dinge zu mir kommen. Wenn sich per Zufall die Wege kreuzen. Ich halte es mit Pippi Langstrumpf: Ich bin ein begeisterter Sachensucher. Und Sachenfinder! Der schwarze Schal, den ich gerade um den Hals geschlungen trage? Der hing tagelang traurig draußen am Geländer der hiesigen Sparkassenfiliale herum, bis ich mich endlich erbarmte, ihn mit nach Hause nahm & wusch & hoppsa! Ein wunderbares Teil! Das Buch, das ich gerade lese, hat jemand im Zug liegen lassen. Ich hätte es ja gerne dem rechtmäßigen Besitzer gegeben, aber das Abteil war leer & der Zug an der Endstation angelangt. “The Consolations Of Philosophy” heißt es, geschrieben von Alain De Botton. Mir war der Mann bis dahin unbekannt. Lauter kluge Essays! Das kleine Penguin-Büchlein enthält auch ein geistvolles Kapitel über das gebrochene Herz & wie man es tröstet. Und dort sind halbe Seiten mit Bleistift unterstrichen. Ergo, der Verlierer oder die Verliererin hat heftigen Liebeskummer. Welche kleine Dramen des Alltags man als Sachensucher so entdeckt!

Und nun komme ich endlich zum Punkt und zu Onoila. Die Band aus dem finnischen Turku pflegt einen feinen, gitarrenlastigen Singer-Songwriterpop, der stillvergnügt und schelmisch daherkommt, um zwei altmodische deutsche Wörter zu verwenden. Ein Mitglied der Band saß letztens bei meiner Freundin Oona im Wohnzimmer & wurde von ihr via Instagram markiert. Klar, da werde ich neugierig und schaue nach! Onoila hatten bis vor zehn Minuten 39 “Freunde” auf Facebook. Ich stöbere auf der Seite herum & stoße auf ein schönes Do-It-Yourself-Video, wo ein pelzbemützter Jüngling im Wald herumstrolcht und mit Pfeil und Bogen unerhörterweise auf weiße Tauben schießt. Brave Liedermacher tun so was nicht, die flehen nach ein bisschen Frieden! Eine garstige kleine Ballade also, so viel lässt sich mit beschränkten Finnischkenntnissen erahnen. Und sehr leichtfüßig und selbstironisch dabei! Die Fünf von Onoila nehmen sich erfreulicherweise nicht zu ernst, sondern goutieren mit todernster Miene und lachenden Augen die Absurditäten des Alltags. Das selbst betitelte Debütalbum ist im August herausgekommen. Man kann es als Kassette (!) erwerben und zuvor ausführlich via Bandcamp hereinhören. Und diese Töne müpfen alle Mußestunden auf – mit den unerwarteten Schlenkern, die sie schlagen! Mir gefällt “Palava Kivi” ausgesprochen gut, wo die Band urplötzlich zu fetten Orgelklängen in den Powerpop-Modus wechselt. Himmel, was für ein unwiderstehliches Durchs-Wohnzimmer-Step-Stückchen im Waldschrat-Gewand. Mehr von dieser Huckleberry-Finn-Attitüde!

Metsästäjän balladi from Onoila on Vimeo.

19. Oktober 2015

Ein bisschen Farbe in den Tag mit Johnny Got It Wrong

Es ist ein bisschen früh für Novemberdepressionen, obwohl sich das Oktoberwetter bereits grau in dunkelgrau präsentiert und die Mützen-, Schal- und Handschuhzeit viel zu früh angebrochen ist. Lassen wir uns doch mal mit sonnigen Tönen aus Finnland aufheitern! Teppo Tuomisto heißt der Musiker aus Helsinki mit einer Schwäche für großblumige Hemden in Pastellfarben. Johnny Got It Wrong nennt sich der junge Mann als Musiker. Eigentlich ist der Nachwuchsbarde dem folkigen Singer-Songwriter-Lager zuzurechnen, wenn er gefühlige Balladen zur Klampfe spielt. Die übrigens erfreulich leichtfüßig daherkommen. Nichts da mit transusiger Liedermacher-Nölerei! Bei Johnny kommen selbst nachdenkliche Töne quicklebendig daher!

Erfreulicherweise springt der Sänger mitunter beherzt hinüber ins Poplager und lässt den Präriegaul in einen kräftigen Gallop verfallen. Und so kommt es, dass ausgerechnet der Song »I Don´t Want To Die« sehr temperamentvoll ausfällt und wir am liebsten dazu die Tanzschuhe auspacken wollen. Hier krachen die Gitarren und perlt das Piano. Der Track ist zugegebenermaßen Grenzwert-Eurovision-Material (mal ehrlich: sollen sie doch Johnny schicken, vielleicht gewinnt Finnland den Song Contest endlich mal wieder!), aber er macht einfach Spaß! Ein Lächeln schleicht sich ins Gesicht. Gefühle werden hier groß aufgetragen, der Refrain lässt sich nach zweimaligm Hören mitsingen, auch eine Kunst! Um die Stimmung auf dem eben erschienenen Debütalbum von Johnny Got It Wrong zu beschreiben, muss man übrigens zu altmodischen Vokabeln greifen: Heimelig. Treuherzig. Seelenvoll. Natürlich geht es um die Fröste des Erwachsenwerdens und die Gefahr, sich viel zu früh mit den Dingen zu arrangieren. Alles schon tausendfach gehört. Aber Johnny Got It Wrong erzählt die alte Geschichte mit so viel naivem Charme, dass man ihn gerne länger lauscht.

08. Oktober 2015

Reeperbahn Festival 2015: Fay Wildhagen!

Ich muss etwas gestehen: Finnland war in diesem Jahr Partnerland des Reeperbahn Festivals. Eigentlich hätte ich mich zuhauf auf den Konzerten finnischer Bands herumtreiben müssen. Ich tat es nicht. Dafür gab es einige Gründe. Viele der Bands habe ich bereits live gesehen. Es gab finnische Bands, die mich nicht die Bohne interessierten. Wie die uninspirierten Synthiepopmädels von LCMDF. Ich fand schon die letzten Veröffentlichunges des Duos überaus belanglos. Oder Eva & Manu: Verdiente, sympathische Folkpopster, die ich nicht unbedingt nochmal sehen muss. Übrigens nicht nur Häme hier: Die wunderbare Mirel Wagner hebe ich mir fürs Konzert auf dem Iceland Airwaves in vier Wochen auf! Die Neo-Psychedelik-Band Black Lizard (Foto: Sofia Okkonen) aus Helsinki aber ist unbedingt zu loben! Mit ihrer ungewöhnlichen Stilmischung aus Fuzz-Gitarren, trockentrockenem Bass, mitleidlosen Drums und fast schon ätherischen Vocals. Let the good times roll! Und dass der Drummer so aussieht wie der finnische Doppelgänger von Harry Potter ist ein Extra Goodie!

Aber eigentlich geht man ja aufs Festival, um neue Band zu hören. Oder bekannte Gesichter in neuen Zusammenhängen. Trail-Of-Dead-Sänger Conrad Keely überzeugt in der St. Pauli-Kirche mit dunkelschwarzen Countrysongs und tieftraurigen Balladen. Oh möge man diese verlorene Seele dereinst nicht irgendwo in der einsamen Prärie begraben! Und die rockige Energie der drei Schotten von Fatherson fegt einem geradezu hinweg! Ungemein sympathisch sind die Glasgower auch noch! Man hätte noch stundenlang mit ihnen schwitzen können im Grünen Jäger!

Nun komme ich aber endlich zur skandinavischen Entdeckung des Abends. Und das ist die eigenwillige norwegische Musikerin Fay Wildhagen, die im plüschigen Krimi-Theater auftritt. Eine feine Mischung aus herben und zartfühlenden Tönen zelebriert. Poetisch sind diese ausufernden und unberechenbaren Songs. Brav ist die junge Frau mit den braungelockten Haaren überhaupt nicht. Scheut sich nicht vor großen oder gar überkandidelten Tönen. Steht trotzdem mit einem Fuß in der Folk-Tradition. Als spontane Referenzgrößen fallen nur bedeutende Namen wie Joni Mitchell und sogar Joan Armatrading ein. 21 Jahre alt erst ist die junge Sängerin und Gitarristin, die mit einer Haltung auftritt, die zwischen Schüchternheit und Selbstbewusstsein irrlichtert. Bestens unterstützt von einer Begleitband an Cello, Violine, Trompete und gar Hardangerfiedel. Fay Wildhagen ist offenkundig im Aufbruch. Sucht nach unerhörten Dingen. Und vor allem nach der eigenen Stimme. Vor wilden Gitarrensolos scheut sie nicht zurück, auch nicht vor Refrains, die man bestens mitsingen kann. Und bleibt trotzdem unberechenbar wie eine Katze. Das Publikum lauscht aufmerksam. Mitunter hält man fast den Atem an. Diese dunkelblaue Stunde kurz vor Mitternacht hätte noch lange weitergehen können!

22. August 2015

Donnerstag: Summer Heat statt Summer Breeze – Freitag: Gewitter vs. Summer Breeze 1:0

Es blitzt und donnert,
die Welt geht unter,
doch das Bier bleibt warm,
der Metaller munter.

Donnerstagmorgen holen uns unsere Freunde ab. Schon jetzt hat es 30°C. Zumindest dauert die Fahrt zum Summer Breeze in Dinkelsbühl nicht lange. Nur knapp zwei Stunden später suchen wir uns auf dem V.I.P.-Camping einen Zeltplatz. Schließlich stehen die Zelte, das Auto scheint sicher geparkt zu sein – und das erste Bier ist zum Glück noch kalt. (AdR: Das zweite, dritte, … übrigens auch)

Aus der Ferne lauschen wir Corvus Corax und Tankard. Wir begeben uns auf den Weg zu den Bühnen als Die Apokalyptischen Reiter gerade beginnen. Freunde, die schon Mittwoch anreisten, warten bereits auf uns. Doch zunächst finden wir sie in der Menge nicht, schon jetzt ist wahnsinnig viel los. Auch am Bierstand kein Glück: langsamer und unproduktiver als diese Typen arbeiten nur Beamte. Nach 15 oder 20 Minuten gebe ich genervt auf. Also kein Bier – fürs Erste. Unsere Freunde finden uns im Getümmel. Herzliche Begrüßung, da wir manch einen schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Destruction legen los, aber wirklich interessant sind sie für uns nicht. Auf dem Weg zum Pavillon unserer Freunde hören wir auf der Camel Stage noch bei Nachtgeschrei rein.

Nach einigen Bieren auf dem Campinggelände gehe ich mit meinem Bruder zu Dornenreich vor die T-Stage. Mir gefallen die Österreicher, auch das Zelt ist gut besucht, während sich der Rest Sodom anschaut. Beim Versuch zwei Biere zu kaufen, ertappe ich mich dabei nicht mehr rechnen zu können: Ich will neun Euro bezahlen, aber der Verkäufer beharrt darauf elf Euro zu bekommen. Leider hat er Recht und nicht ich.

Destruction (D)

Kompletten Beitrag lesen …

 
Seite 5 von 58« Erste...23456789...Letzte »