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Foto nordische Landschaft

22. August 2015

Donnerstag: Summer Heat statt Summer Breeze – Freitag: Gewitter vs. Summer Breeze 1:0

Es blitzt und donnert,
die Welt geht unter,
doch das Bier bleibt warm,
der Metaller munter.

Donnerstagmorgen holen uns unsere Freunde ab. Schon jetzt hat es 30°C. Zumindest dauert die Fahrt zum Summer Breeze in Dinkelsbühl nicht lange. Nur knapp zwei Stunden später suchen wir uns auf dem V.I.P.-Camping einen Zeltplatz. Schließlich stehen die Zelte, das Auto scheint sicher geparkt zu sein – und das erste Bier ist zum Glück noch kalt. (AdR: Das zweite, dritte, … übrigens auch)

Aus der Ferne lauschen wir Corvus Corax und Tankard. Wir begeben uns auf den Weg zu den Bühnen als Die Apokalyptischen Reiter gerade beginnen. Freunde, die schon Mittwoch anreisten, warten bereits auf uns. Doch zunächst finden wir sie in der Menge nicht, schon jetzt ist wahnsinnig viel los. Auch am Bierstand kein Glück: langsamer und unproduktiver als diese Typen arbeiten nur Beamte. Nach 15 oder 20 Minuten gebe ich genervt auf. Also kein Bier – fürs Erste. Unsere Freunde finden uns im Getümmel. Herzliche Begrüßung, da wir manch einen schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Destruction legen los, aber wirklich interessant sind sie für uns nicht. Auf dem Weg zum Pavillon unserer Freunde hören wir auf der Camel Stage noch bei Nachtgeschrei rein.

Nach einigen Bieren auf dem Campinggelände gehe ich mit meinem Bruder zu Dornenreich vor die T-Stage. Mir gefallen die Österreicher, auch das Zelt ist gut besucht, während sich der Rest Sodom anschaut. Beim Versuch zwei Biere zu kaufen, ertappe ich mich dabei nicht mehr rechnen zu können: Ich will neun Euro bezahlen, aber der Verkäufer beharrt darauf elf Euro zu bekommen. Leider hat er Recht und nicht ich.

Destruction (D)

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09. Juli 2015

Hel(l) aktuell XX: Tuska 2015, Sonntag: Bombastisches Finale


Nach Freitag und Samstag habe ich zum ersten Mal keine Todesängste auf der Busfahrt ausgestanden; ein Wunder, sonst rasen hier alle Busfahrer wie verrückt. Zwei Wegbiere müssen heute reichen, um uns auf das Tuska einzustimmen. Von Warmen sehen und hören wir nur noch die letzten beiden Songs. Zum finalen Stück gibt der COB-Sänger Alexi Laiho seine Stimme zum Schlechtesten. So schlecht haben wir ihn noch nie singen hören … aber gut, der Menge vor der Inferno Stage gefällt das Schauspiel.

Anschließend trumpfen Mokoma auf der Radio Rock Stage auf. Mächtig Druck vom Schlagzeug und kreischende Gitarren, die alten Thrasher geben alles. Eine riesige Meute findet sich vor der Bühne ein, in ihrer Mitte der Circle-Pit. Leider ist ihr Auftritt viel zu schnell vorbei.

Mokoma (FIN)


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03. Juli 2015

Hel(l) aktuell XIX: Tuska 2015, Samstag: Tag der Kontraste


Bevor wir heute zu Tuska gehen, schauen wir am weißen Dom vorbei. Dort startet um 13 Uhr die »Helsinki Pride«, die Schwulen- und Lesbenparade in der finnischen Hauptstadt. Der gesamte Senatsplatz ist in Regenbogenfarben getaucht. Erst stehen wir unten in der Menge, später setzen wir uns auf die Treppe vom Dom um das Ganze von oben zu sehen.

Nachdem unsere Augen davon genug habe, schnappen wir uns zwei Bier, setzen uns in einen kleinen Park nahe dem Tuska-Gelände uns stimmen uns auf den heutigen Tag ein.. Und dann geht’s in den Untergrund …

Leicht angeheitert schleichen wir strammen Schrittes auf Gelände um Bombus nicht auch noch zu verpassen. Von Bloodbath hören wir gerade noch die letzten Töne. Voll ist es bei den Finnen vor der Radio Rock Stage. Der Kontrast zur Pride könnte kaum größer sein: nur schwarz gekleidete Menschen und wesentlich ohrenfreundlichere Musik. Nach Bloodbath stürzt alles zu den Toiletten. Bei Bombus ist es deshalb viel zu leer für die locker groovenden Schweden. Schade.

Bombus (S)

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27. Juni 2015

Hel(l) aktuell XVII: Tuska 2015, Freitag: Mein erstes Mal


Endlich angekommen hier in Norden Europas. Heute beginnt das Tuska Festival in Helsinki. Vom 26. bis zum 28. Juni 2015 wird es laut um das alte Gasometer in Suvilahti. Einen der Opener in den Clubs am Donnerstagabend, Turmion Kätilöt im Tavastia, verpassen wir, da zu wir zu geschlaucht von der langen Anreise sind.

In Helsinki selbst sehen wir nur unwesentlich mehr schwarzgekleidete, böse dreinschauende Menschen als an den Tagen ohne Festival. Nach gemütlichem Schlendern durch die Stadt und einem Besuch im Hellsinki Rock Shop (unbedingt mal reinschauen, auch online) beginnt der Festival-Freitag für uns mit Ghost Brigade, die wir uns auf der Inferno Stage anschauen.

Ghost Brigade (FIN)



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27. Mai 2015

Nostalgisch im Niemandsland: Vasas Flora Och Fauna

Pop aus den scheinbar vergessenen Provinzen. Pop in der Sprache der Minderheit. Pop zwischen den Stühlen. Wer sich bisweilen gefragt hat, was aus Mattias Björkas geworden ist, dem Mastermind hinter den besten finnischen Smiths-Epigonen aller Zeiten, nämlich Cats On Fire, der wird bei der neuen Band Vasas Flora Och Fauna fündig. Björkas hat sich hier mit der Sängerin und Pianistin Iiris Viljanen zusammengetan. Beide stammen aus der Region Österbotten an der finnischen Westküste mit ihrer kleinen Metropole, der Küstenstadt Vaasa. Hier ist die schwedischsprachige Minderheit Finnlands zuhause, zu der auch Mattias Björkas du Iiris Viljanen gehören. Auf dem Debütalbum »SLÄKT MED LOTTA SVERD« erschafft das Duo sehr fein handgemachte, eigenwillige, irgendwie sanft nostalgische Töne, die den schwedischen Sänger Jens Lekman bereits zu dem Kompliment hingerissen hat, es handele sich hier um den bewegendsten Pop seit Jahren. Hoppla, da muss man ja als alter Fan des Lekman-Klassikers »Black Cab« unbedingt hereinhören!

Diese Töne klingen ungewöhnlich: Nicht schwedisch, nicht finnisch, irgendwie unbekannt. Schwer einzuordnen. Um Alltagsgeschichten geht es hier offenkundig, unspektakulär und gleichwohl von schrulliger Wärme. Melancholisch klingt das, aber nicht im Übermaß. Und ohne jegliche Kenntnisse des Finnlandschwedischen wird hier klar, dass Björkas kleine Ironien und Garstigkeiten in die Songs einwebt, was auch schon zu Cats-On-Fire-Zeiten zu seinen Markenzeichen gehörte. Lotta Svärd ist übrigens ein Gedicht im Epos vom »Fähnrich Stahl« des finnlandschwedischen Dichters Johan Ludvig Runeberg. Lotta, die im Epos mit ihrem Mann in den Krieg zieht, ist Namenspatin der 1924 gegründeten schwedischen Lottabewegung und der 1918 geschaffenen und im finnischen Winter- und Fortsetzungskrieg tätigen Lotta-Svärd-Organisation. Beide dienten als Zivilschutzorganisationen von Frauen im Kriegsfall, sagt Wikipedia. Ganz so kriegerisch geht es bei Vasas Flora Och Fauna nicht zu. Lieber pflegt man augenzwinkernde Anspielungen an die glorreiche Rocker-Tradition der Region Österbotten, aus der legendäre Haudegen wie Leevi And The Leavings oder Dennis Lyxzén stammen, der Sänger der Hardcore-Punkband Refused. Der Track Leevi And The Leavings pflegt aber keineswegs heftige Töne, sondern schwelgt in zurückhaltend-euphorischen Harmoniegesängen. Und irgendwann schmiegt sich die Farfisa-Orgel an Gitarre und Piano an, als wollte sie da Schnurren lernen.

 
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