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Foto nordische Landschaft

19. Oktober 2015

Ein bisschen Farbe in den Tag mit Johnny Got It Wrong

Es ist ein bisschen früh für Novemberdepressionen, obwohl sich das Oktoberwetter bereits grau in dunkelgrau präsentiert und die Mützen-, Schal- und Handschuhzeit viel zu früh angebrochen ist. Lassen wir uns doch mal mit sonnigen Tönen aus Finnland aufheitern! Teppo Tuomisto heißt der Musiker aus Helsinki mit einer Schwäche für großblumige Hemden in Pastellfarben. Johnny Got It Wrong nennt sich der junge Mann als Musiker. Eigentlich ist der Nachwuchsbarde dem folkigen Singer-Songwriter-Lager zuzurechnen, wenn er gefühlige Balladen zur Klampfe spielt. Die übrigens erfreulich leichtfüßig daherkommen. Nichts da mit transusiger Liedermacher-Nölerei! Bei Johnny kommen selbst nachdenkliche Töne quicklebendig daher!

Erfreulicherweise springt der Sänger mitunter beherzt hinüber ins Poplager und lässt den Präriegaul in einen kräftigen Gallop verfallen. Und so kommt es, dass ausgerechnet der Song »I Don´t Want To Die« sehr temperamentvoll ausfällt und wir am liebsten dazu die Tanzschuhe auspacken wollen. Hier krachen die Gitarren und perlt das Piano. Der Track ist zugegebenermaßen Grenzwert-Eurovision-Material (mal ehrlich: sollen sie doch Johnny schicken, vielleicht gewinnt Finnland den Song Contest endlich mal wieder!), aber er macht einfach Spaß! Ein Lächeln schleicht sich ins Gesicht. Gefühle werden hier groß aufgetragen, der Refrain lässt sich nach zweimaligm Hören mitsingen, auch eine Kunst! Um die Stimmung auf dem eben erschienenen Debütalbum von Johnny Got It Wrong zu beschreiben, muss man übrigens zu altmodischen Vokabeln greifen: Heimelig. Treuherzig. Seelenvoll. Natürlich geht es um die Fröste des Erwachsenwerdens und die Gefahr, sich viel zu früh mit den Dingen zu arrangieren. Alles schon tausendfach gehört. Aber Johnny Got It Wrong erzählt die alte Geschichte mit so viel naivem Charme, dass man ihn gerne länger lauscht.

08. Oktober 2015

Reeperbahn Festival 2015: Fay Wildhagen!

Ich muss etwas gestehen: Finnland war in diesem Jahr Partnerland des Reeperbahn Festivals. Eigentlich hätte ich mich zuhauf auf den Konzerten finnischer Bands herumtreiben müssen. Ich tat es nicht. Dafür gab es einige Gründe. Viele der Bands habe ich bereits live gesehen. Es gab finnische Bands, die mich nicht die Bohne interessierten. Wie die uninspirierten Synthiepopmädels von LCMDF. Ich fand schon die letzten Veröffentlichunges des Duos überaus belanglos. Oder Eva & Manu: Verdiente, sympathische Folkpopster, die ich nicht unbedingt nochmal sehen muss. Übrigens nicht nur Häme hier: Die wunderbare Mirel Wagner hebe ich mir fürs Konzert auf dem Iceland Airwaves in vier Wochen auf! Die Neo-Psychedelik-Band Black Lizard (Foto: Sofia Okkonen) aus Helsinki aber ist unbedingt zu loben! Mit ihrer ungewöhnlichen Stilmischung aus Fuzz-Gitarren, trockentrockenem Bass, mitleidlosen Drums und fast schon ätherischen Vocals. Let the good times roll! Und dass der Drummer so aussieht wie der finnische Doppelgänger von Harry Potter ist ein Extra Goodie!

Aber eigentlich geht man ja aufs Festival, um neue Band zu hören. Oder bekannte Gesichter in neuen Zusammenhängen. Trail-Of-Dead-Sänger Conrad Keely überzeugt in der St. Pauli-Kirche mit dunkelschwarzen Countrysongs und tieftraurigen Balladen. Oh möge man diese verlorene Seele dereinst nicht irgendwo in der einsamen Prärie begraben! Und die rockige Energie der drei Schotten von Fatherson fegt einem geradezu hinweg! Ungemein sympathisch sind die Glasgower auch noch! Man hätte noch stundenlang mit ihnen schwitzen können im Grünen Jäger!

Nun komme ich aber endlich zur skandinavischen Entdeckung des Abends. Und das ist die eigenwillige norwegische Musikerin Fay Wildhagen, die im plüschigen Krimi-Theater auftritt. Eine feine Mischung aus herben und zartfühlenden Tönen zelebriert. Poetisch sind diese ausufernden und unberechenbaren Songs. Brav ist die junge Frau mit den braungelockten Haaren überhaupt nicht. Scheut sich nicht vor großen oder gar überkandidelten Tönen. Steht trotzdem mit einem Fuß in der Folk-Tradition. Als spontane Referenzgrößen fallen nur bedeutende Namen wie Joni Mitchell und sogar Joan Armatrading ein. 21 Jahre alt erst ist die junge Sängerin und Gitarristin, die mit einer Haltung auftritt, die zwischen Schüchternheit und Selbstbewusstsein irrlichtert. Bestens unterstützt von einer Begleitband an Cello, Violine, Trompete und gar Hardangerfiedel. Fay Wildhagen ist offenkundig im Aufbruch. Sucht nach unerhörten Dingen. Und vor allem nach der eigenen Stimme. Vor wilden Gitarrensolos scheut sie nicht zurück, auch nicht vor Refrains, die man bestens mitsingen kann. Und bleibt trotzdem unberechenbar wie eine Katze. Das Publikum lauscht aufmerksam. Mitunter hält man fast den Atem an. Diese dunkelblaue Stunde kurz vor Mitternacht hätte noch lange weitergehen können!

22. August 2015

Donnerstag: Summer Heat statt Summer Breeze – Freitag: Gewitter vs. Summer Breeze 1:0

Es blitzt und donnert,
die Welt geht unter,
doch das Bier bleibt warm,
der Metaller munter.

Donnerstagmorgen holen uns unsere Freunde ab. Schon jetzt hat es 30°C. Zumindest dauert die Fahrt zum Summer Breeze in Dinkelsbühl nicht lange. Nur knapp zwei Stunden später suchen wir uns auf dem V.I.P.-Camping einen Zeltplatz. Schließlich stehen die Zelte, das Auto scheint sicher geparkt zu sein – und das erste Bier ist zum Glück noch kalt. (AdR: Das zweite, dritte, … übrigens auch)

Aus der Ferne lauschen wir Corvus Corax und Tankard. Wir begeben uns auf den Weg zu den Bühnen als Die Apokalyptischen Reiter gerade beginnen. Freunde, die schon Mittwoch anreisten, warten bereits auf uns. Doch zunächst finden wir sie in der Menge nicht, schon jetzt ist wahnsinnig viel los. Auch am Bierstand kein Glück: langsamer und unproduktiver als diese Typen arbeiten nur Beamte. Nach 15 oder 20 Minuten gebe ich genervt auf. Also kein Bier – fürs Erste. Unsere Freunde finden uns im Getümmel. Herzliche Begrüßung, da wir manch einen schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Destruction legen los, aber wirklich interessant sind sie für uns nicht. Auf dem Weg zum Pavillon unserer Freunde hören wir auf der Camel Stage noch bei Nachtgeschrei rein.

Nach einigen Bieren auf dem Campinggelände gehe ich mit meinem Bruder zu Dornenreich vor die T-Stage. Mir gefallen die Österreicher, auch das Zelt ist gut besucht, während sich der Rest Sodom anschaut. Beim Versuch zwei Biere zu kaufen, ertappe ich mich dabei nicht mehr rechnen zu können: Ich will neun Euro bezahlen, aber der Verkäufer beharrt darauf elf Euro zu bekommen. Leider hat er Recht und nicht ich.

Destruction (D)

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09. Juli 2015

Hel(l) aktuell XX: Tuska 2015, Sonntag: Bombastisches Finale


Nach Freitag und Samstag habe ich zum ersten Mal keine Todesängste auf der Busfahrt ausgestanden; ein Wunder, sonst rasen hier alle Busfahrer wie verrückt. Zwei Wegbiere müssen heute reichen, um uns auf das Tuska einzustimmen. Von Warmen sehen und hören wir nur noch die letzten beiden Songs. Zum finalen Stück gibt der COB-Sänger Alexi Laiho seine Stimme zum Schlechtesten. So schlecht haben wir ihn noch nie singen hören … aber gut, der Menge vor der Inferno Stage gefällt das Schauspiel.

Anschließend trumpfen Mokoma auf der Radio Rock Stage auf. Mächtig Druck vom Schlagzeug und kreischende Gitarren, die alten Thrasher geben alles. Eine riesige Meute findet sich vor der Bühne ein, in ihrer Mitte der Circle-Pit. Leider ist ihr Auftritt viel zu schnell vorbei.

Mokoma (FIN)


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03. Juli 2015

Hel(l) aktuell XIX: Tuska 2015, Samstag: Tag der Kontraste


Bevor wir heute zu Tuska gehen, schauen wir am weißen Dom vorbei. Dort startet um 13 Uhr die »Helsinki Pride«, die Schwulen- und Lesbenparade in der finnischen Hauptstadt. Der gesamte Senatsplatz ist in Regenbogenfarben getaucht. Erst stehen wir unten in der Menge, später setzen wir uns auf die Treppe vom Dom um das Ganze von oben zu sehen.

Nachdem unsere Augen davon genug habe, schnappen wir uns zwei Bier, setzen uns in einen kleinen Park nahe dem Tuska-Gelände uns stimmen uns auf den heutigen Tag ein.. Und dann geht’s in den Untergrund …

Leicht angeheitert schleichen wir strammen Schrittes auf Gelände um Bombus nicht auch noch zu verpassen. Von Bloodbath hören wir gerade noch die letzten Töne. Voll ist es bei den Finnen vor der Radio Rock Stage. Der Kontrast zur Pride könnte kaum größer sein: nur schwarz gekleidete Menschen und wesentlich ohrenfreundlichere Musik. Nach Bloodbath stürzt alles zu den Toiletten. Bei Bombus ist es deshalb viel zu leer für die locker groovenden Schweden. Schade.

Bombus (S)

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