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Foto nordische Landschaft

16. Mai 2015

Verschwör Dich gegen Dich: Salaliitto

Schmelzendes Eis, wilde Hoffnung und diese überwältigenden jugendlichen Gefühlsschwankungen: Wer »Virhe« sieht, das erste Video von Salaliitto aus Turku, muss unbedingt an einen der besten skandinavischen Musikfilme überhaupt denken, nämlich an »POPULÄRMUSIK AUS VITTULA«, dem man zur Steigerung der Laune mindestens ein Mal pro Jahr sehen sollte. Salaliitto heißt übersetzt übrigens Verschwörung und Virhe ist der Fehler, aber sinistre Szenarien wird man in der Welt der Südfinnen nicht finden. Obwohl die vier Bandmitglieder die Klippen der postpubertären Angst bereits seit einiger Zeit umschifft haben dürften, schwingt durch diesen feinen, finnisch gesungenen Track eine Anfangszwanziger-Empfindsamkeit. Mit einer großen Hoffnung, dass die Dinge sich doch unerwartet so entwickeln könnten, wie man es sich gewünscht hat. Zurückhaltende Gitarren, sehnsüchtige Stimme und ein leichte Anmutung psychedelischer Klangwelten blitzen hier auf. Was in dieser lauten Welt besonders für das Quartett einnimmt, ist die Bescheidenheit: Hier muss keiner mit großer Klappe und monumentalen Mätzchen punkten. Weniger ist mehr, aber dafür entsteht hier eine strubbelige Zärtlichkeit. Salaliitto arbeiten aktuell an ihrem Debütallbum, suchen ein Plattenlabel und lassen sich von den Zwängen des Erwachsenenlebens hoffentlich nicht von ihrem Tun abhalten. Dank für den musikalischem Tipp geht einmal mehr an den geschätzten und unermüdlichen Bloggerkollegen Vesa Lautamäki von One Chord To Another.

17. April 2015

Unberechenbare Psychedelik-Provokateure: Superfjord

Die müssen ein wenig verrückt sein, denkt man, wenn man zum ersten Mal »IT´S DARK BUT I HAVE THIS JEWEL« lauscht, dem unberechenbaren Debütalbum von Superfjord aus dem finnischen Tampere. Das Septett bewegt sich geschmeidig wie die streunenden Katzen zwischen Psychedelik, eigenwilligen Electronica, experimenteller Filmmusik, Shoegaze, Jazz , Alternativ-Folk und Weirdpop. Uff! Superjord exisieren in loser Besetzung bereits seit mehreren Jahren, haben sich aber erst jetzt ernsthaft zusammengesetzt und am Erstling gewerkelt. Inspirieren lässt man sich von den Launen der Natur und dem Kosmos im Allgemeinen. Sagen die Sieben, zu deren Mitgliedern etliche erprobte Szeneveteranen wie Ville Särmä von Kevin und Musiker von Sister Flo gehören. Das ist eine Ansage: Mit Klein-Klein will man sich offenkundig nicht begnügen. Und dann geht die Abenteuerfahrt zu unbekannten musikalischen Gestaden los. Respekt vor irgendwelchen Genregrenzen haben die Finnen jedenfalls keinen! Und vor großen Namen sowieso nicht: Nur wenige Debütanten dürften sich trauen, auf ihrem Erstlingswerk ein sehr entfremdetes Cover des John-Coltrane-Klassikers »A Love Supreme« hinzulegen! Die Finnen scheuen nicht einmal vor schamaschinen Gesängen zurück, wie sie im sehr spacigen »La Locura/Tonttumauste« beweisen. Wo einem die Ohrem mächtig mit ungewöhnlichen Klängen durchspült werden. Nur gut, dass der bestens aufgelegte Arturri Taira von Rubik sich hier am Gesang beteiligt, der sieht sowieso schon aus wie ein Waldschrat!

Superfjord schreiben den Soundtrack für Tage, an denen alles passieren mag. Wir müssen nur bereit sein, uns überraschen zu lassen. Und keine Angst, schwerblütig geht es hier nicht zu, sondern mitunter durchaus licht, luftig und leichtfüßig. Gerade das beschwingte Instrumentalstück »The Great Vehicle« nimmt fast unmerklich Fahrt auf und strebt dann um so entschiedener in Richtung sonnenumflirrter Gefilde von fast schon lyrischer Schönheit. Die spinnen, die Finnen: Wenn das zu solch ungewöhnlichen Ergebnissen führt, dann bitte mehr davon! Dem Erstling kann man übrigens zur Gänze via Soundcloud lauschen.

09. März 2015

Zarte Frühlingsgefühle mit Uuma

Die finnischen Freunde posten gerade begeistert die ersten Frühlingsfotos und strecken ihre Gesichte jedem auch noch so kleinen Sonnenstrahl begeistert entgehen. Zu schmelzendem Eis und pastelligen Farben passen die zarten Töne von Uuma bestens: Die junge Band aus Helsinki um Sängerin Sini Hyytiäinen hat sich erst vor rund anderthalb Jahren zusammegefunden und werkelt aktuell am Debütalbum. Die Finnen agieren mit angenehmer Zurückhaltung und bewegen sich mit sorgsamer Zärtlichkeit auf den weiten Weiden des akustischen, angefolkten Pop. Und pflegen dabei eine schwebende Leichtigkeit, die hart an der Grenze zur bittersüßen Melancholie spaziert. Sini Hyytiäinenens Stimme ist von ernsthafter Mädchenhaftigkeit – übrigens einer Tugend, die in Zeiten allgegenwärtigen Selbstoptimierungswahns auszusterben droht. Lieber die kleinen Gefühle hegen und pflegen, scheint die Devise von Uuma zu lauten. Die Zwischentöne wollen sie offenkundig hochhalten. Und klingen dabei, um noch so ein altmodisches Wort zu verwenden, überaus anmutig. Groß ist das Oeuvre von Uuma naturgemäß noch nicht, aber die erste Single »Let Nobody Know« klingt viel versprechend. Dass sie mit beiden Beinen fest im Pop stehen, wird durch die Leichtigkeit deutlich, mit der sie selbst schmerzliche Gefühle verarbeiten. Bei Uama dringt eine blasse Sonne mit sanfter Macht selbst durch angegraute Himmel. Wenn das nicht zum beginnenden Frühling passt!

07. Januar 2015

Das letzte Konzert 2014: Amorphis auf Jubiläums-Tour

Tatort: Die neue Welt
Tatverdächtige: Kleiner Mann mit Dreads samt Band
Tatzeit: Kapitalistischer/katholischer Hochfeiertag
Tatzeugen: Sehr ruhige Gesellen

Als wir hörten, dass Amorphis am 26. Dezember 2014 in Berlin spielen, genauer gesagt in Huxley’s neuer Welt, war uns klar: da gehen wir hin. Vor allem, da wir zu dem Zeitpunkt sowieso in Berlin sind.

Also auf zu »Varietébühne, Sportpalast, Rollschuhbahn und Ausflugsziel am Rande des Volksparks Hasenheide«. Vorband ist an diesem Abend die erst 2013 gegründete Doom Metal-Band Avatarium, mit Jennie-Ann Smith als Fronterin und (Ex-)Tiamat-Schlagzeuger Lars Sköld. Die Schweden geben ihr Bestes, versuchen die geschätzt 700 bis 800 Zuhörer anzuheizen und zum Mitmachen zu bewegen. Leider ohne großen Erfolg. Das konzertverwöhnte Berliner Publikum scheint sich nicht angesprochen zu fühlen und steht nur regungslos in der Halle herum. Vielleicht lenkt die Zuschauer auch nur das skurrile Bühnenoutfit der Sängerin zu sehr ab. Nach einer guten halben Stunde gehen Avatarium von der Bühne und machen Platz für Amorphis.

Die Finnen feiern mit einer Jubiläums-Tour den 20. Geburtstag ihres zweiten Albums  »TALES FROM THE THOUSAND LAKES«. Erstmals spielen sie die Scheibe komplett live, vom ersten bis zum letzten Song.*
Von der Originalbesetzung sind Schlagzeuger Jan Rechberger (wieder) dabei, Gitarrist Esa Holopainen (immer noch) sowie Gitarrist (zu Gründungszeiten Sänger) Tomi Koivusaari, ergänzt durch Keyboarder Santeri Kallio (seit 1999), Basser Niclas Etelävuori (seit 2000) und Fronter Tomi Joutsen (seit 2005).

Anfangs ist auch bei ihnen das Publikum sehr verhalten, doch mit zunehmender Dauer des Konzerts wachen einzelne Personen auf und bangen sogar.

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05. Januar 2015

Hurra, hurra, The Rollstons

Das neue Jahr fängt gleich mit guten Nachrichten an: Da hatte man gedacht, dass sich The Rollstons aus dem schönen Jyväskyla im finnischen Seengebiet als brave Familienväter zur Ruhe gesetzt hätten. Denn von den Musikern um die Gebrüder Valo (nicht verwandt oder verschwägert mit Ville!), die vor sage und schreibe zwölf Jahren mit »OUR GRAIN COULD FILL YOU STADIUM« einen Klassiker des finnischen Indiepop vorgelegt haben, war seit einer sehr geraumen Weile kein einziger Piep mehr zu hören. Um so erfreulicher ist es jetzt, das sie wieder aus der Versenkung auftauchen. Gewohnt finnisch wortkarg lässt sich die inzwischen um einige unbekannte Köpfe angewachsene Großgruppe nicht über geplante Alben oder andere Aktivitäten aus, aber man spielt zumindest Mitte Januar schon einmal live im fernen Helsinki, schau einer an! Der neue Song »Swiss Times«, in den man vial Soundcloud hereinhören kann, ist jedenfalls ein feines Stückchen übermütiger Indiepop und klingt erfreulicherweise überhaupt nicht altersweise! Sondern kommt in bester Rollstons-Tradition daher: Mit übermütigen, quietschlebendigen, angenehm selbstironischen Popmelodien. Mitunter zeigen sich die Rollstons als Liebhaber geradezu südlich perlender Gitarrenläufe! Uneitle Popsongs zu schreiben, deren Melodien erst nach Tagen auf Dauerrotation in der inneren Jukebox gehen – auch eine Kunst, das! Die Rollstons machen Popmusik aus dem vielleicht schönsten Grund, denn es überhaupt gibt: Weil es ihnen Spaß macht. Nicht aus Eitelkeit, nicht aus Gewinnstreben, nicht aus Ehrgeiz, nicht aus Egoismus. Und genau dieses Vergnügen hört ihnen an! Bitte bald mehr davon!

 
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