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Foto nordische Landschaft

17. April 2011

Wahre Finnen? Dann lieber Eleanoora Rosenholm!

Die finnischen Freunde sind via Twitter und Facebook zutiefst depremiert an diesem Abend. Abgestoßen von ihrem eigenen Land. Bei den Parlamentswahlen haben die »Wahren Finnen«, ein absonderlicher Verein von Euro-Skeptikern, Abtreibungsgegnern und Ausländerpolitiks-verschärfern, an die 20 Prozent der Stimmen geholt. Für das Land moderater Töne ein Schock. Man schaut aus dem Fenster und erkennt die Welt nicht mehr. Die Anti-Wahre-Finnenfanpage auf Facebook ist binnen Stundenfrist auf 30.000 Fans hochgeschnellt. Was auch etwas bedeutet. Bei fünf Millionen Einwohnern. Ein Land im Schock.

Was tun in dieser Stunde, in der die Nachbarn plötzlich gar nicht mehr so harmlos aussehen, sondern wie sinistere Charaktere? Die es richtig gut fänden, wenn Finnland so täte, als sei es allein auf der Welt? Schotten schließen und raus aus dem Euro und den indiskutablen Portugiesen und Griechen den Stinkefinger zeigen? Weil wir ach so ordentlich sind und richtig rechnen können? Ist das die Lösung?

Man schaut auf diesen Abend und denkt: Hier passiert etwas Grundsätzliches. Eine Positionsbestimmung. Ein Blick auf das, was wir sind. Oder denken was wir sind. Es mag nicht schmeichelhaft sein. Aber bisher war Finnland weitgehend eine höfliche und respektvolle Konsensgesellschaft. Das ist vorbei. Im Guten wie im Schlechten. Was nun kommt, wird anders sein. Man wird Position beziehen müssen. Sagen müssen: Hier stehe ich, und ich kann nicht anders.

Was passt als Antithese zu diesem Abend besser als das Fonal-Label? Offen für das Absonderliche in all seinen grauzarten Schattierungen. Ein Lied über das Ende der Welt? Eleanoora Rosenholm haben es. Ende und Anfang. Die Traumtänzer des magischen Realismus im Pop haben ausgerechnet dieser Tage ein neues, eigenwilliges Album mit dem schönen Titel »HYVÄILE MINUA PIMEA TÄHTI« vorgelegt (übersetzt etwa: Kuschele mich in den dunklen Stern). Nachdenklich. Experimentell. Anders. Auf keinen Fall eindimensional. So soll es sein.

Eleanoora Rosenholm: Valo kaasumeren hämärässä from Sami Sänpäkkilä on Vimeo.

14. April 2011

Paganfest 2011: »Heidenspaß« mit Korpiklaani

Im Frühjahr touren die Heiden vereint unter dem Namen »Paganfest« durch die Lande, einige Bands wie Varg (Deutschland) oder Eluveitie (Schweiz) kennt der Besucher noch vom vergangenen Besuch im LKA Longhorn.
Am 25. März 2011 gibt es in Stuttgart wie auch im Vorjahr eine »extended show« mit Extra-Bands – Eluveitie und Heidevolk. Von Bands ist allerdings um halb vier, eine Viertelstunde bevor Kivimetsän Druidi (Finnland) anfangen sollen, weit und breit nichts zu sehen. Die Türen sind noch geschlossen.

Um den Fans die Wartezeit zu verkürzen, liefern sich zwei Autofahrer ein kleines Duell: Aus entgegengesetzten Richtungen bahnen sie sich einen Weg durch überall am Straßenrand stehende Tourbusse und hunderte schwarzgekleidete Metaller. Mit wenigen Metern Abstand stehen sich dann ein Kleinwagen und ein BMW gegenüber, keiner der Fahrer ist bereit nur einen Millimeter zu weichen. Mittlerweile findet die Menge Spaß an dem Spektakel, gekrönt von dem Ausruf: »Wall Of Death!«

Wir hätten stundenlang zusehen können, hätte sich nicht ein Polizeibus genähert und das Schauspiel dadurch zugunsten der nun auf zwei Fahrzeuge angewachsenen Partei beendet.

Jetzt öffnen sich endlich die Pforten und Obscurity (Deutschland) eröffnen das Paganfest. Den undankbaren Platz als erste Kapelle meistern die Jungs um Agalaz ganz gut, der Club ist verhältnismäßig voll – was wohl an der einstündigen Verspätung liegt und den Deutschen einige Zuschauer mehr beschert.

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13. April 2011

Samae Koskinen, eine ganz leise Liebeserklärung

Kann man es mit dem Namen Samae Koskinen in der etablierten Popwelt irgendwohin bringen? Wenn man finnisch singt und damit für 99,8% der resteuropäischen Bevölkerung unverständlich bleibt? Und dazu noch eher vierschrötig und so gar nicht kamerafreundlich aussieht? Und noch niemals über die finnischen Landesgrenzen hinausgekommen ist, weder als Solokünstler, noch mit der seit fast einem Jahrzehnt aktiven Band Sister Flo? Die übrigens wundervoll ist und mit »White Noise« einen der Songs geschrieben hat, die bei jeder Bestenliste finnischer Poptitel ganz vorne liegen müssten?

Nein, nein, nein, das kann nichts werden, lauten die Antworten, und sie sind grundfalsch. Weil Samae Koskinen sehr eigensinnig seinen eigenen Weg gegangen ist, sich in seinen kleinen Kreisen zwischen Tampere, Turku, Helsinki und Hyvinkää bewegt. Sich von Moden abkoppelt und lieber feine, abgründige Geschichten erzählt, die gleichwohl von einer untergründig hymnischen Heiterkeit sind, wenn man ganz genau hinhört. Samae bewegt sich gerne im Kuriositätenkabinett. Hat mit und ohne Sister Flo das ganz eigene Genre des Nekropop begründet und singt Songs über Würmer, Leichen und den Tod sowieso, ohne dass uns das in irgendeiner Weise niederdrücken müsste. Die helleren Seiten der Dunkelheit entdecken. Ein höchst ehrenwertes, wenngleich völlig uncooles Unterfangen. Ist doch völlig egal!

Samae Koskinen vor Jahren ein einziges Mal live erlebt, zu sehr später Stunde im Turkuer Klubi. Ein eher zur körperlichen Fülle neigender Barde, der im Anzug und barfuß auf die Bühne kommt und so wunderbar ungelenk tanzt, dass man sich vertrauensvoll bei ihm einhängen möchte. Und trotzdem eine sich um keinerlei Konventionen kümmernde Souveränit ausstrahlt, ein In-Sich-Ruhen, mit allen Widersprüchlichkeiten. Wobei das Fehlen jeglicher Anbiederung an den Massengeschmack genau das ist, was Samae Koskinen ausmacht. Ein Leichtigkeit in der Schwere. Eine unerwartete Tiefe in scheinbar flinkfüßigem Tempo. Ein untergründiges Bekenntnis zum Verlieren und Wiederaufstehn. Sind das nicht einige der Hauptingredienzen, die den Pop auch ausmachen? Den Pop, der uns in allem fluffigen Ungestüm den Boden unter den Füßen wegzieht?

Samae Koskinen hat dieser Tage sein drittes Soloalbum vorgelegt, und ja, das ist eine leise Liebeserklärung an den Mann aus Hyvinkää und die kleinen Dinge und die Kraft, die in ihnen steckt. »En Anna Periks« heißt die die erste Single, was übersetzt etwa heißt »ich gebe auf«. Nichts da, ganz das Gegenteil. Und der Albumtitel »KUULUUKO, KUUNTELEN« ist sowieso eine unmissverständliche Aufforderung zum Hereinkommen und Zuhören.

Samae Koskinen – En Anna Periks from Ivo Corda on Vimeo.

30. Januar 2011

Delay Trees, oder: Vom Lob der Bescheidenheit

Die Vorband? Wer kommt schon wegen der Vorband? Die Polarbloggerin zum Beispiel an diesem Sonntag, weil Delay Trees im vergangenen Jahr so unvermittelt aus der finnischen Provinz aufgetaucht sind und mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum eines der zärtlichst tastenden Alben über die entscheidende Wegkreuzungen im Alter von Mitte 20 nund schwierige Entscheidungen über den künftigen Lebensweg vorgelegt haben. Mitlaufen oder nicht, das ist hier die Frage.

Und ach! Fast möchte man in der Frankfurter Brotfabrik lächeln über die traditionelle finnische Bescheidenheit. Man stelle sich vor: Ein gut gefüllter Saal mit Musikfans, die hauptsächlich wegen der britischen Indiepophelden Iliketrains ihren Weg in den Vorort Hausen gefunden haben. Und dann kommen diese schüchternen Finnen auf die Bühne und sagen nichts und spielen einfach ihre Songs, als sollten diese nur für sich sprechen. Was ja höchst ehrenwert ist. Aber dennoch: Außer auf finnisch zum Soundman gerichtete Ansagen erfährt man zunächst nichts von diesem so unprätentiös daherkommenden Youngsters, die doch den schwerelos melancholischen Verliererpop pflegen, dass einem geradezu warm ums Herz wird. »Speak to me in tongues. Or through fire alarms. Don´t lose your belief, not now, not now, no now«, verschwenden sie ihr Pulver bereits ganz am Anfang mit ihrem vielleicht schönsten Song »Cassette 2012« . Die Nackenhaare stellen sich auf, und die Menschen rundum haben ein gewisses verklärtes Lächeln auf den Gesichtern. Und die haben mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,8% noch nie von Delay Trees aus Helsinki und Hämeenlinna gehört.

So wenig Zeit! So viel zu sagen! Zu den Schmerzen des ernsthaften Erwachsenwerdens und dem zähen Festhalten an den Idealen, die man mit Anfang 20 hatte. Und das alles in seiner zerbrechligsten Form konstatieren und konservieren. Ganz zum Schluss sagt Sänger Rami Vierula endlich, dass die Band Delay Trees heißt und aus Finnland kommt. Wurde auch Zeit.

Iliketrains spielen später ein ordentliches und inspiriertes Set. Aber auch ein routiniertes, arriviertes Set. Die unbefangene Unfertigkeit und das tastende Unterwegssein von Delay Trees, die sind es, die von diesem Abend bleiben.

Delay Trees “Cassette 2012″ from James Martin | Vim & Vigor on Vimeo.

27. Januar 2011

Glückwunsch Apocalyptica: Ihr habt eine der schlechtgepflegtesten Bandwebsites überhaupt

Die offizielle deutsche Website der finnischen Apocalyptica ist kein Ort, an dem der Interessierte aktuelle Informationen findet. So wurden beispielsweise die Frankreichdaten der Band (wie in La Laiterie, Starsbourg) im Februar annulliert, doch auf der Website: Nichts. Weder wieso, noch dass überhaupt.

Klickt man auf die News-Abteilung, tauchen dort heute gerade mal fünf Meldungen auf. Fünf. Und fast alle behandeln das sogenannte Apocalptica-Fan-Mosaik für das Cover von »7TH SYMPHONY«.

Kein Wunder brauchten die Betreiber der Seite zehn Tage um auf eine »falsche« Veröffentlichung zu reagieren.

Zitat:

»RICHTIGSTELLUNG – Berlin, 10.01.2011
– betrifft Artikel auf www.anwalt24.de vom 31.12.2010.
Hier im Wortlaut: ‘Apocalyptica’ zahlt wegen Verletzung von Marken- und Namensrechten nach Vergleich vor dem Landgericht Berlin 45.000 Euro Schadensersatz an ‘Rammstein’.

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