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Foto nordische Landschaft

17. April 2015

Unberechenbare Psychedelik-Provokateure: Superfjord

Die müssen ein wenig verrückt sein, denkt man, wenn man zum ersten Mal »IT´S DARK BUT I HAVE THIS JEWEL« lauscht, dem unberechenbaren Debütalbum von Superfjord aus dem finnischen Tampere. Das Septett bewegt sich geschmeidig wie die streunenden Katzen zwischen Psychedelik, eigenwilligen Electronica, experimenteller Filmmusik, Shoegaze, Jazz , Alternativ-Folk und Weirdpop. Uff! Superjord exisieren in loser Besetzung bereits seit mehreren Jahren, haben sich aber erst jetzt ernsthaft zusammengesetzt und am Erstling gewerkelt. Inspirieren lässt man sich von den Launen der Natur und dem Kosmos im Allgemeinen. Sagen die Sieben, zu deren Mitgliedern etliche erprobte Szeneveteranen wie Ville Särmä von Kevin und Musiker von Sister Flo gehören. Das ist eine Ansage: Mit Klein-Klein will man sich offenkundig nicht begnügen. Und dann geht die Abenteuerfahrt zu unbekannten musikalischen Gestaden los. Respekt vor irgendwelchen Genregrenzen haben die Finnen jedenfalls keinen! Und vor großen Namen sowieso nicht: Nur wenige Debütanten dürften sich trauen, auf ihrem Erstlingswerk ein sehr entfremdetes Cover des John-Coltrane-Klassikers »A Love Supreme« hinzulegen! Die Finnen scheuen nicht einmal vor schamaschinen Gesängen zurück, wie sie im sehr spacigen »La Locura/Tonttumauste« beweisen. Wo einem die Ohrem mächtig mit ungewöhnlichen Klängen durchspült werden. Nur gut, dass der bestens aufgelegte Arturri Taira von Rubik sich hier am Gesang beteiligt, der sieht sowieso schon aus wie ein Waldschrat!

Superfjord schreiben den Soundtrack für Tage, an denen alles passieren mag. Wir müssen nur bereit sein, uns überraschen zu lassen. Und keine Angst, schwerblütig geht es hier nicht zu, sondern mitunter durchaus licht, luftig und leichtfüßig. Gerade das beschwingte Instrumentalstück »The Great Vehicle« nimmt fast unmerklich Fahrt auf und strebt dann um so entschiedener in Richtung sonnenumflirrter Gefilde von fast schon lyrischer Schönheit. Die spinnen, die Finnen: Wenn das zu solch ungewöhnlichen Ergebnissen führt, dann bitte mehr davon! Dem Erstling kann man übrigens zur Gänze via Soundcloud lauschen.

09. März 2015

Zarte Frühlingsgefühle mit Uuma

Die finnischen Freunde posten gerade begeistert die ersten Frühlingsfotos und strecken ihre Gesichte jedem auch noch so kleinen Sonnenstrahl begeistert entgehen. Zu schmelzendem Eis und pastelligen Farben passen die zarten Töne von Uuma bestens: Die junge Band aus Helsinki um Sängerin Sini Hyytiäinen hat sich erst vor rund anderthalb Jahren zusammegefunden und werkelt aktuell am Debütalbum. Die Finnen agieren mit angenehmer Zurückhaltung und bewegen sich mit sorgsamer Zärtlichkeit auf den weiten Weiden des akustischen, angefolkten Pop. Und pflegen dabei eine schwebende Leichtigkeit, die hart an der Grenze zur bittersüßen Melancholie spaziert. Sini Hyytiäinenens Stimme ist von ernsthafter Mädchenhaftigkeit – übrigens einer Tugend, die in Zeiten allgegenwärtigen Selbstoptimierungswahns auszusterben droht. Lieber die kleinen Gefühle hegen und pflegen, scheint die Devise von Uuma zu lauten. Die Zwischentöne wollen sie offenkundig hochhalten. Und klingen dabei, um noch so ein altmodisches Wort zu verwenden, überaus anmutig. Groß ist das Oeuvre von Uuma naturgemäß noch nicht, aber die erste Single »Let Nobody Know« klingt viel versprechend. Dass sie mit beiden Beinen fest im Pop stehen, wird durch die Leichtigkeit deutlich, mit der sie selbst schmerzliche Gefühle verarbeiten. Bei Uama dringt eine blasse Sonne mit sanfter Macht selbst durch angegraute Himmel. Wenn das nicht zum beginnenden Frühling passt!

07. Januar 2015

Das letzte Konzert 2014: Amorphis auf Jubiläums-Tour

Tatort: Die neue Welt
Tatverdächtige: Kleiner Mann mit Dreads samt Band
Tatzeit: Kapitalistischer/katholischer Hochfeiertag
Tatzeugen: Sehr ruhige Gesellen

Als wir hörten, dass Amorphis am 26. Dezember 2014 in Berlin spielen, genauer gesagt in Huxley’s neuer Welt, war uns klar: da gehen wir hin. Vor allem, da wir zu dem Zeitpunkt sowieso in Berlin sind.

Also auf zu »Varietébühne, Sportpalast, Rollschuhbahn und Ausflugsziel am Rande des Volksparks Hasenheide«. Vorband ist an diesem Abend die erst 2013 gegründete Doom Metal-Band Avatarium, mit Jennie-Ann Smith als Fronterin und (Ex-)Tiamat-Schlagzeuger Lars Sköld. Die Schweden geben ihr Bestes, versuchen die geschätzt 700 bis 800 Zuhörer anzuheizen und zum Mitmachen zu bewegen. Leider ohne großen Erfolg. Das konzertverwöhnte Berliner Publikum scheint sich nicht angesprochen zu fühlen und steht nur regungslos in der Halle herum. Vielleicht lenkt die Zuschauer auch nur das skurrile Bühnenoutfit der Sängerin zu sehr ab. Nach einer guten halben Stunde gehen Avatarium von der Bühne und machen Platz für Amorphis.

Die Finnen feiern mit einer Jubiläums-Tour den 20. Geburtstag ihres zweiten Albums  »TALES FROM THE THOUSAND LAKES«. Erstmals spielen sie die Scheibe komplett live, vom ersten bis zum letzten Song.*
Von der Originalbesetzung sind Schlagzeuger Jan Rechberger (wieder) dabei, Gitarrist Esa Holopainen (immer noch) sowie Gitarrist (zu Gründungszeiten Sänger) Tomi Koivusaari, ergänzt durch Keyboarder Santeri Kallio (seit 1999), Basser Niclas Etelävuori (seit 2000) und Fronter Tomi Joutsen (seit 2005).

Anfangs ist auch bei ihnen das Publikum sehr verhalten, doch mit zunehmender Dauer des Konzerts wachen einzelne Personen auf und bangen sogar.

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05. Januar 2015

Hurra, hurra, The Rollstons

Das neue Jahr fängt gleich mit guten Nachrichten an: Da hatte man gedacht, dass sich The Rollstons aus dem schönen Jyväskyla im finnischen Seengebiet als brave Familienväter zur Ruhe gesetzt hätten. Denn von den Musikern um die Gebrüder Valo (nicht verwandt oder verschwägert mit Ville!), die vor sage und schreibe zwölf Jahren mit »OUR GRAIN COULD FILL YOU STADIUM« einen Klassiker des finnischen Indiepop vorgelegt haben, war seit einer sehr geraumen Weile kein einziger Piep mehr zu hören. Um so erfreulicher ist es jetzt, das sie wieder aus der Versenkung auftauchen. Gewohnt finnisch wortkarg lässt sich die inzwischen um einige unbekannte Köpfe angewachsene Großgruppe nicht über geplante Alben oder andere Aktivitäten aus, aber man spielt zumindest Mitte Januar schon einmal live im fernen Helsinki, schau einer an! Der neue Song »Swiss Times«, in den man vial Soundcloud hereinhören kann, ist jedenfalls ein feines Stückchen übermütiger Indiepop und klingt erfreulicherweise überhaupt nicht altersweise! Sondern kommt in bester Rollstons-Tradition daher: Mit übermütigen, quietschlebendigen, angenehm selbstironischen Popmelodien. Mitunter zeigen sich die Rollstons als Liebhaber geradezu südlich perlender Gitarrenläufe! Uneitle Popsongs zu schreiben, deren Melodien erst nach Tagen auf Dauerrotation in der inneren Jukebox gehen – auch eine Kunst, das! Die Rollstons machen Popmusik aus dem vielleicht schönsten Grund, denn es überhaupt gibt: Weil es ihnen Spaß macht. Nicht aus Eitelkeit, nicht aus Gewinnstreben, nicht aus Ehrgeiz, nicht aus Egoismus. Und genau dieses Vergnügen hört ihnen an! Bitte bald mehr davon!

24. Oktober 2014

Is This Really Me lassen die blasse Sonne aufgehen

Ach, diese maulfaulen Finnen! Schreibfaul sind sie auch noch! Da lassen die Is This Really Me aus Helsinki in ihren sanften und zurückhaltend euphorischen Tracks eine blasse Sonne aufgehen, aber verraten nicht sehr viel über sich. Wenn sich die Sechs selbst beschreiben, dann hört sich das via ihrer Facebook-Seite nämlich so aus: »Is This Really me are a band. A question. A mirror. A dialogue«. Aha, noch Fragen? Aber Panu Artemjeff, der Sänger, ist in der finnischen Indiepopszene wahrlich kein Unbekannter. Bei den legendären Rollstons aus Jyväskylä, deren bahnbrechendes Album »OUR GRAIN COULD FILL YOUR STADIUM« immer noch weit aus dem Durchschnitt herausragt, stand Artemjeff hinter den Keyboards. Und so muss es uns hier nicht ganz verwundern, dass sich Is This Really Me souverän auf der grünen Grenze zwischen Pop und Folk bewegen und mitunter auch gehörig Fahrt aufnehmen und mit blitzenden Augen und glitzernden Bläsern Richtung Sonnenuntergang schweben. Gänseblümchenpflückende Gutmenschen sind sie gewisslich nicht! Bei Is This Really Me blitzt doch ein gewisser Schalk in den Augenwinkeln auf. Und was hier den Unterschied ausmacht, ist eine leise Melancholie, die an den Rändern lauert, aber niemals zu sehr in den Mittelpunkt rücken darf. Bittersüß nennt man das wohl. Das Aktuellste, das von den Sechsen vorliegt, ist der fein temperierte Track »Sun«, in der die Sonne eindeutig septemberlich wärmt.

Breit ist das Werk der Finnen wahrlich noch nicht. Eigentlich liegt an fertigem Output nur die »BOXER 7« vor, bei der auch das Artwork angenehm auffällt. Und wenn Is This Really Me die alltäglichen Dinge feiern, dann dürfen auch die Trompeten ausnahmsweise triumphierend schallen. Die Harmoniegesänge sind schon fast housemartinesk, was immer eine gute Referenz ist. Mit diesem Track kann man abheben und nach den Sternen greifen. Ist ja auch ab und an mal nötig! Aber mit Bescheidenheit, bitte! Angeben sollen die Anderen! Die Finnen polieren lieber ihre Zwischentöne so lange, bis sie funkeln!

 
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