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Foto nordische Landschaft

07. Januar 2015

Das letzte Konzert 2014: Amorphis auf Jubiläums-Tour

Tatort: Die neue Welt
Tatverdächtige: Kleiner Mann mit Dreads samt Band
Tatzeit: Kapitalistischer/katholischer Hochfeiertag
Tatzeugen: Sehr ruhige Gesellen

Als wir hörten, dass Amorphis am 26. Dezember 2014 in Berlin spielen, genauer gesagt in Huxley’s neuer Welt, war uns klar: da gehen wir hin. Vor allem, da wir zu dem Zeitpunkt sowieso in Berlin sind.

Also auf zu »Varietébühne, Sportpalast, Rollschuhbahn und Ausflugsziel am Rande des Volksparks Hasenheide«. Vorband ist an diesem Abend die erst 2013 gegründete Doom Metal-Band Avatarium, mit Jennie-Ann Smith als Fronterin und (Ex-)Tiamat-Schlagzeuger Lars Sköld. Die Schweden geben ihr Bestes, versuchen die geschätzt 700 bis 800 Zuhörer anzuheizen und zum Mitmachen zu bewegen. Leider ohne großen Erfolg. Das konzertverwöhnte Berliner Publikum scheint sich nicht angesprochen zu fühlen und steht nur regungslos in der Halle herum. Vielleicht lenkt die Zuschauer auch nur das skurrile Bühnenoutfit der Sängerin zu sehr ab. Nach einer guten halben Stunde gehen Avatarium von der Bühne und machen Platz für Amorphis.

Die Finnen feiern mit einer Jubiläums-Tour den 20. Geburtstag ihres zweiten Albums  »TALES FROM THE THOUSAND LAKES«. Erstmals spielen sie die Scheibe komplett live, vom ersten bis zum letzten Song.*
Von der Originalbesetzung sind Schlagzeuger Jan Rechberger (wieder) dabei, Gitarrist Esa Holopainen (immer noch) sowie Gitarrist (zu Gründungszeiten Sänger) Tomi Koivusaari, ergänzt durch Keyboarder Santeri Kallio (seit 1999), Basser Niclas Etelävuori (seit 2000) und Fronter Tomi Joutsen (seit 2005).

Anfangs ist auch bei ihnen das Publikum sehr verhalten, doch mit zunehmender Dauer des Konzerts wachen einzelne Personen auf und bangen sogar.

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05. Januar 2015

Hurra, hurra, The Rollstons

Das neue Jahr fängt gleich mit guten Nachrichten an: Da hatte man gedacht, dass sich The Rollstons aus dem schönen Jyväskyla im finnischen Seengebiet als brave Familienväter zur Ruhe gesetzt hätten. Denn von den Musikern um die Gebrüder Valo (nicht verwandt oder verschwägert mit Ville!), die vor sage und schreibe zwölf Jahren mit »OUR GRAIN COULD FILL YOU STADIUM« einen Klassiker des finnischen Indiepop vorgelegt haben, war seit einer sehr geraumen Weile kein einziger Piep mehr zu hören. Um so erfreulicher ist es jetzt, das sie wieder aus der Versenkung auftauchen. Gewohnt finnisch wortkarg lässt sich die inzwischen um einige unbekannte Köpfe angewachsene Großgruppe nicht über geplante Alben oder andere Aktivitäten aus, aber man spielt zumindest Mitte Januar schon einmal live im fernen Helsinki, schau einer an! Der neue Song »Swiss Times«, in den man vial Soundcloud hereinhören kann, ist jedenfalls ein feines Stückchen übermütiger Indiepop und klingt erfreulicherweise überhaupt nicht altersweise! Sondern kommt in bester Rollstons-Tradition daher: Mit übermütigen, quietschlebendigen, angenehm selbstironischen Popmelodien. Mitunter zeigen sich die Rollstons als Liebhaber geradezu südlich perlender Gitarrenläufe! Uneitle Popsongs zu schreiben, deren Melodien erst nach Tagen auf Dauerrotation in der inneren Jukebox gehen – auch eine Kunst, das! Die Rollstons machen Popmusik aus dem vielleicht schönsten Grund, denn es überhaupt gibt: Weil es ihnen Spaß macht. Nicht aus Eitelkeit, nicht aus Gewinnstreben, nicht aus Ehrgeiz, nicht aus Egoismus. Und genau dieses Vergnügen hört ihnen an! Bitte bald mehr davon!

24. Oktober 2014

Is This Really Me lassen die blasse Sonne aufgehen

Ach, diese maulfaulen Finnen! Schreibfaul sind sie auch noch! Da lassen die Is This Really Me aus Helsinki in ihren sanften und zurückhaltend euphorischen Tracks eine blasse Sonne aufgehen, aber verraten nicht sehr viel über sich. Wenn sich die Sechs selbst beschreiben, dann hört sich das via ihrer Facebook-Seite nämlich so aus: »Is This Really me are a band. A question. A mirror. A dialogue«. Aha, noch Fragen? Aber Panu Artemjeff, der Sänger, ist in der finnischen Indiepopszene wahrlich kein Unbekannter. Bei den legendären Rollstons aus Jyväskylä, deren bahnbrechendes Album »OUR GRAIN COULD FILL YOUR STADIUM« immer noch weit aus dem Durchschnitt herausragt, stand Artemjeff hinter den Keyboards. Und so muss es uns hier nicht ganz verwundern, dass sich Is This Really Me souverän auf der grünen Grenze zwischen Pop und Folk bewegen und mitunter auch gehörig Fahrt aufnehmen und mit blitzenden Augen und glitzernden Bläsern Richtung Sonnenuntergang schweben. Gänseblümchenpflückende Gutmenschen sind sie gewisslich nicht! Bei Is This Really Me blitzt doch ein gewisser Schalk in den Augenwinkeln auf. Und was hier den Unterschied ausmacht, ist eine leise Melancholie, die an den Rändern lauert, aber niemals zu sehr in den Mittelpunkt rücken darf. Bittersüß nennt man das wohl. Das Aktuellste, das von den Sechsen vorliegt, ist der fein temperierte Track »Sun«, in der die Sonne eindeutig septemberlich wärmt.

Breit ist das Werk der Finnen wahrlich noch nicht. Eigentlich liegt an fertigem Output nur die »BOXER 7« vor, bei der auch das Artwork angenehm auffällt. Und wenn Is This Really Me die alltäglichen Dinge feiern, dann dürfen auch die Trompeten ausnahmsweise triumphierend schallen. Die Harmoniegesänge sind schon fast housemartinesk, was immer eine gute Referenz ist. Mit diesem Track kann man abheben und nach den Sternen greifen. Ist ja auch ab und an mal nötig! Aber mit Bescheidenheit, bitte! Angeben sollen die Anderen! Die Finnen polieren lieber ihre Zwischentöne so lange, bis sie funkeln!

02. Oktober 2014

Süße Mädchen, verknotete Jünglinge: Reeperbahn Festival 2014

Sind süße Mädchen, die über Liebe singen und dabei bescheiden die Augen niederschlagen, eigentlich hoffungslos altmodisch? Im Fall der finnischen Chanteuse Suvi muss das entschieden verneint werden. Denn Suvi kommt bei ihrem Gig in der plüschigen Prinzenbar so angenehm uneitel daher, dass man sie schon dafür einige Pluspunkte sammelt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die junge Frau bei ihrem ersten Hamburger Auftritt eine sehr reduzierte Instrumentierung wählt: Nur ihre Stimme und der einfühlsame Mann an den Keyboards. Denn das Debütalbum »BLEEDING FOR YOUR LOVE« tendiert auf zurückgenommene Art doch zum orchestralen Elektropop britischer Prägung. Zu dem sich bestens verlangsamt tanzen lässt. Die Konzentration auf das Wesentliche tut diesen Tracks durchaus gut, obwohl auch die opulentere Version gefallen mag. Mädchenhafte Stimme, verletzliche Attitüde. Aber trotzdem auf unauffällige Weise selbstbewusst: Suvi kann das. Im stylishen Video zum Erstling spielt sie übrigens gekonnt mit 60ies-Anleihen und Schwarz-Weiß-Ästhetik. Besser gefallen aber tut fast die unaufgebügelte Variante.

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17. September 2014

Gefühle fingerdick auftragen mit NEØV

Mit Klein-Klein wollen sich die Herren Anssi und Samuli Neuvonen erst gar nicht aufhalten: Schwärmerische Gefühle, ekstatische Synthies und ausufernde Gitarren-Mäandereien durch das Dickicht der Emotionen. Plus, nicht zu vergessen, die Trompete von Antti Hevosmaa, die so fein mit dem sanften Gesang der Gebrüder Neuvonnen zusammengeht NEØV tragen dick auf. Entfleuchen in Gegenwelten voller hehrer, hochartifizieller Gefühle. Aber da das Debütalbum »ORANGE MORNING« beim rocklastigen finnischen Label Fullsteam herausgekommen ist, dürfen die Gitarren mitunter auch mal lärmen und die langen Haare fliegen. Die Band aus dem mittelfinnischen Seengebiet mag auf Fotos zwar noch reichlich milchbubihaft wirken, ist aber schon eine ganze Weile aktiv. Die Vorgängerband Neufvoin wurde irgendwann einmal sanft zur Ruhe gelegt.

NEØV mögen zwar zu einem Übermaß der Gefühle neigen und mitunter leicht pathetisch wirken (dabei sind die Tage des Stadionpop doch wirklich vorbei, wie die harsche Abstrafung des neuen U2-Albums durch die zwangsbeglückten itunes-Nutzer beweist!), aber hey! ein wenig Übertreibung hat an trüben Tagen doch schon manchen Grantler aufgeheitert. Am besten gefallen aber die ruhigeren Töne der Finnen wie das schön nachdenkliche und romantisch raunende »Morning Fire«. Mit Glockenspielbegleitung lassen sich Gefühlswirren doch bestens goutieren, mit Trompetenklängen sowieso! Und an diesem Wochenende können sich die Besucher des Reeperbahn Festivals von den Live-Qualitäten der Jungspunde überzeugen. Und dabei vielleicht sogar die Polarbloggerin treffen!

 
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