26. Januar 2011
Love Hurts: 22 Pistepirkko live in Frankfurt
Wer hätte das gedacht? Dass so viele Finnen in Frankfurt wohnen? Beim Konzert von 22 Pistepirkko im Nachtleben sind an diesem Abend jede Menge finnische Wortfetzen zu hören, wenn man sich den Weg durch die Menge zur Bar bahnt, um sich ein Glas Sauergespritzen zu holen. Quintus vom deutschen Pistepirkko-Label BB Island hat am Merch-Stand jede Menge zu tun, denn die Damen (und Herren) wollen zuhauf die T-Shirts mit dem einprägsamen Pistepirkko-Schriftzug kaufen oder die CD-Sammlung mit den gesammelten Werken der Finnen aufzustocken. Quintus hat aber genügend Zeit, die Polarbloggerin mit Recht zu bedauern (und sie ein wenig zu schimpfen!), dass sie relativ spät eingetrudelt ist, so dass sie die quietschmuntere Vorband YoYoYo Acapulco aus Norwegen verpasst hat, deren Debütalbum »THE PLEUMELEUC EXPERIENCE« ihr doch letztens so gut gefallen hatte. Tja, falsch gedacht, dass die Konzerte im Nachtleben immer so spät losgehen! Wird bei nächstbietender Gelegenheit nachgeholt, das Acapulcos-Gucken und Hören, Quintus! Zur kleinen Kompensation gibts hier zumindest das Video.
Drei leicht verknittert aussehende Männer mit wirren Schöpfen kommen dann auf die Bühne. Im wasweißichwievielten Jahr ihrer Bandgeschichte wirken die Gebrüder Keränen und ihr Sidekick Espe Haverinen am Schlagzeug zwar reichlich abgeklärt, aber die Augen glitzern besonders bei Asko am Bass immer noch gefährlich. Und lebendig. Der Mann aus dem Weiler Utajärvi gibt im allerliebsten Finnglish den Conferencier des Abends, in knappen, aber launigen Ansagen. 22 Pistepirkko pflegen an diesem Abend den zurückhaltenden, staubtrockenen Countryrock, mit einer guten Prise Selbstironie und reichlich bluesigem Schmerz. Das Leben mag sie hier und da gebeutelt haben, na und, sie machen inspiriert weiter, besinnen sich aufs Wesentliche. Und können die Rauheit im allzu Bekannten entdecken: Ihr Cover von Nazareths Klassiker »Love Hurts« gehört in der auf das bare Grundgerüst reduzierten Interpretation der Nordfinnen zu den Höhepunkten des Abends. Irgendwie liegt Texas heute an der Frankfurter Konstablerwache um die Ecke. Es mag ein trauriger Gaul durch die städtebauliche Ödnis in der Stadtmitte getrabt sein, wir haben ihn leider nicht bemerkt, weil die Herzen doch einigermaßen heiß wurden bei 22 Pistepirkko. Die Finnnen im Publikum haben ganz glänzende Augen. Die fühlen sich wohl fast wie zuhause. 22 Pistepirkko spielen sich gemach immer mehr auf Betriebstemperatur. 31 Jahre haben sie als Band schon auf dem Buckel, da kann man sich Zeit lassen!
Bei einem so beachtlichen Backkatalog, wie in diese Nordmänner haben, wird es beim Publikumsvoting bei der letzten Zugabe geradezu schwierig. So viele Vorschläge! Am Ende setzt sich »Rat King« durch, der alte Klassiker. Man fühlt sich dabei, als wenn man zwei Gläser Bourbon geleert hat und noch einigermaßen stehen kann. Im Magen blubbert es warm. Zustimmend nicken, dass sich die Finnen selbstbewusst in ihrer Ecke eingerichtet haben. Das Feuer der jugendlichen Rebellion schlägt hier keine Funken mehr nicht mehr. Aber das eigensinnige Aufbegehren, das glimmt nach. Cool ist dieses Altern in Würde allemal.



