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Foto nordische Landschaft

06. September 2014

Summer Breeze – Samstag: Sonnenstundenrekord

Du lieber Metaller, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Lieder, spiel ich vor Dir,
Manch Bierblumen gibt es an dem Stand,
Meine Mutter näht Dir ein schwarzes Gewand.

Der letzte Tag beginnt: kalt, windig, und Regen. Wer hätte auch anderes erwartet? Doch welch Ironie, passend zu Kampfar herrscht strahlender Sonnenschein. Auf dem Summer Breeze kommen mir die Norweger ziemlich langsam vor, im Gegensatz zum Party.San, wo ich sie eine Woche zuvor erleben durfte. Der Show schadet das jedoch nicht.

Weiter geht’s mit Thyrfing aus Schweden auf der Main-Stage. Stark geschminkte Männer spielen vor viel Publikum scheinbar immer denselben Song. Das aber immer noch bei Sonnenschein.

Man könnte meinen es regnet mal wieder, da das Zelt vor der T-Stage wahnsinnig voll ist. Aber weit gefehlt:
Die Schwarzwälder  Kombo Imperium Dekadenz gibt ihren coolen, lässig groovenden Black Metal zum Besten. Die Beleuchtung der Bühne passt sagenhaft gut zur Musik und das Publikum würdigt die starke Leistung der Band. Eindeutig eine Aha-Band des Festivals.

Imperium Dekadenz (D)

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28. August 2014

Summer Breeze – Freitag: (Kurzzeitig) lichter Himmel und düstere Musik

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du Machine Head nicht!
Robert Flynn mit Hörnern und Schweif?
Mein Sohn, er ist nur überreif.

Freitag, Tag II. Nach dem Aufstehen erst mal der Griff zu Kaffee und Bier. Immerhin kann unser Gerstensaft  bei diesen Temperaturen nicht warm werden. Der Regen scheint auch kein Ende nehmen zu wollen, und so verpassen wir grandios die erste skandinavische Band des Tages, Crucified Barbara aus Schweden.

Schließlich schaffen wir es zur T-Stage, wo wir auf Omnium Gatherum aus Finnland warten. Die Melodic Death-Metaller entpuppen sich als echte Stimmungsaufheller des frühen Freitagnachmittags . Ein Genuss sie zu hören. Leider ist das Zelt nur durch den einsetzenden Starkregen so gut gefüllt. Viele scheinen gar nicht auf die coole Musik der Finnen zu hören. Apropos Regen: Selbst im Zelt wird der Bodenbelag immer mehr zur Zumutung. Draußen wie drinnen ist alles matschig, eklig und stinkt. Dieses Jahr wurde der Zeltboden – warum auch immer – nicht mehr mit Paletten ausgelegt. Zumindest versuchen die Veranstalter durch den Einsatz von Rindenmulch der fortschreitenden Vermatschung des Bodens Herr zu werden.

Omnium Gaterum (FIN)
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26. August 2014

Summer Breeze – Donnerstag: Langweilig, feucht, dreckig

Wer stolpert so spät durch Schlamm und Geschmier?
Es ist der Metaller mit seinem Bier.
Er hat das Getränk wohl in dem Arm,
Er fasst es sicher, es hält ihn warm.

Dieses Jahr scheint der Wettergott dem Summer Breeze Open Air nicht sonderlich gewogen: Die Sonne tut sich schwer, die Luft ist kalt, alles ist nass und klamm und schlammig. Trotz des nicht ganz so guten Wetter strömen insgesamt rund 35.000 Besucher vom 14. bis zum 16. August 2014 nach Dinkelsbühl.

Hier stehen auch dieses Jahr vier Bühnen für die Bands bereit: Main-, Pain-, Camel- und T-Stage, ehemals Zeltbühne. Sie wurde zu Ehren von Michael »T« Trengert umgetauft; er war einer der beiden Veranstalter des Summerbreeze Open Airs und starb nach längerer Krankheit im September 2013.

Bereits am Mittwoch rockten hier und auf der Camel-Stage einige Kapellen, darunter die Nordlichter Lost Society (FIN), Hamferd (FÄ), sowie die Schweden The Vintage Caravan, Grand Magus (schon wieder), Ereb Altor und Unleashed.

Wir kommen am Donnerstag um exakt 13:49 Uhr an, suchen uns einen Platz und bauen erst einmal unser Zelt auf – bevor der nächste Regenguss herunter prasselt. Danach genehmigen wir uns mit Blick auf die Main- und Pain-Stage ein kühles Bier. Die niederländischen  Delain auf der Pain-Stage bekommen wir so immerhin am Rande mit.

Dieses Jahr kommt es mir so vor, als gäbe es mehr Ordner als in den Jahren zuvor, zumindest auf dem Weg zum VIP-Camping. Auch werden die Dixieklos auf dem (VIP-)Camping bewacht – der vermeintliche Lokus- Bewacher ist unser aller Ansprechpartner in der Not.

Mors Principium Est ist die erste Band, die wir uns bewusst und aus nächster Nähe anhören. Die Finnen überraschen uns, klingen abwechslungsreich und bestechen durch ihren Melodic Death Metal. Verdientermaßen unterstützt das (spärliche) Publikum vor der T-Stage die Truppe und macht richtig Stimmung.

Mors Principium Est (FIN)

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16. August 2014

Flannelmouth, oder: Die Kassette als emotionale Zeitmaschine

Zu »Forgotten Tapes«, der neuen Single von Flannelmouth aus Helsinki, gibt es eine schöne Geschichte von Sänger Tuomo Kuusi: Der ultimative Abschied von Kindheit und Jugend beginnt mit einem Anruf von Mama: Das seit dem Auszug kaum veränderte Zimmer im Elternhaus muss endllich, endlich besenrein ausgeräumt werden, es pressiert! Der Musiker gerät in Panik: denn dort lagern noch die alten Mixtapes, in deren Erstellung damals reichlich Herzblut geflossen ist. An deren Songauswahl sich seismographisch das emotionale Auf und Ab der ersten Liebe ablesen lässt. Das sind lebensprägende Erinnerungen, das! Kuusi nimmt die Rettung der angejahrten Kassetten zum Anlass, Bilanz zu ziehen. Und in bittersüßer Vernunft zum Schluss zu kommen, dass loslassen mindestens so wichtig wie festhalten ist. Und um mit wildem Weh festzustellen, dass er sich vielleicht von der Liebe abgewandt hat? So melodramatisch das klingt: Erwachsenwerden ist eben so. Aber traurig kann man schon ein wenig darüber sein, dass die Zeit voranschreitet und man sich ändert und in einen Anzug zwängt, obwohl man das nie wollte.

Flannelmouth – Forgotten Tapes from Finn Andersson on Vimeo.

Flannelmouth sind auf ihre Weise eine besondere Band: Sie geben nicht auf und machen weiter. Und immer wenn man denkt, sie seien dieses Mal wirklich in der Versenkung verschwunden, tauchen sie unerwartet wieder auf. Das Debütalbum »RAIN INSIDE« (was für ein wundervoller Titel, übrigens!), kam im Jahr 2004 heraus und riss mich bereits damals zu dem Kompliment hin, dass diese Finnen es unerwarteterweise fertigbringen, optimistischen Depri-Pop zu machen. Der Zweitling »THE HEART CANNOT HOLD« aus dem Jahr 2010 wurde anerkennend unter »inniger Bescheidenheits-Pop« verbucht. Das sind eigentlich alles Dinge, die spröde sind, die sich nicht wirklich anpassen und die alles andere suchen als den schnellen Erfolg. Die eigene kleine Nische suchen und finden und in Babyschritten weitergehen: Dafür schon mal Hut ab vor Flannelmouth! »Forgotten Tapes«, der Vorbote eines noch unbetitelten dritten Albums, lässt eine weitere Stärke dieser Band aufblitzen: Eine selbstbwusste Unbeholfenheit. Nur eine kleine Unbeholfenheit in einer Zeit, in der alles möglichst perfekt sein muss. In der jeder Pickel via Photoshop wegretuschiert wird und Facebok eigentlich Lügenbuch heißt. Ach, bitte mehr Unbeholfenheit in dieserr Welt!

22. Juni 2014

The Hearing und die Furcht vorm Fliegen

Längere Pause im Polarblog, bedingt durch Urlaub in nicht-skandinavischen Gefilden (schöner vergessener Winkel mitten in Europa: die Ardennen. Man muss sich nur wochenends die rotgesichtigen Holländer wegdenken, die sich im belgischen Nachbarland sehr polterig aufführen und mit glasigen Augen die Berge anglotzen). Und wie schön bei der Rückkehr in dem Wust nicht gelesener Mails über diese eine von Gaea Records aus Finnland zu stolpern, die auf ein neues Video von The Hearing hinweist. Das ist das Solo-Projekt von Ringa Manner, die wir bisher vor allem als Mitglied der einfallsreichen Krawallmädels Pintandwefall kennen, die in charmanter Do-It-Yourself-Attitüde rotzige Rock-Rauhbeinerein zelebrieren. Anarchischer Spieltrieb zeichnet diese respektlosen Nachwuchskräfte aus, die männlichen dicke-Lippe-Posereien lächelnd den Stinkefinger zeigen.

Um so erstaunlicher, dass Ringa Manner in dem mit einfachsten Mitteln gedrehten Video zu »Nothing Special«, in dem es um das wenig glamouröse Thema Flugangst geht, eine so große emotionale Tiefe errreicht, dass man erstmal tüchtig schlucken muss. Ein unerwartetes Melodrama des Alltags von vier Minuten Länge. Auch der Song kommt mit geringen Mitteln aus und entwickelt trotzdem eine unerwartete Intensität: Vor allem durch die leidenschaftliche, hexenhaft gebrochene Stimmer Manners. Die wie eine ferne, heidnische Enkelin von Cyndi Lauper klingt. Tribales Schlagwerk, simple Electronics, verschwommene Harmoniegesänge: Die junge Frau aus Helsinki schafft es, dass diese Töne mitten ins Herz gehen. Fast moritatenhaft daherkommen und trotzdem trotzige, unangepasste Popmusik sind. Nein, wir brauchen keine überproduzierten, hochglanzpolierten Songs, bei denen die Gefühle oberflächlich touchiert werden. Wir brauchen zärtliche, irritierende Tracks wie diesen. Das Debütalbum »DORIAN« ist Ende vergangenen Jahres herausgekommen. Höchste Zeit, Versäumtes nachzuholen!

The Hearing – Nothing Special from Gaea Booking & Records on Vimeo.

 
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