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Foto nordische Landschaft

04. Oktober 2018

Die Gedanken sind frei! Hugar auf dem Reeperbahn Festival 2018

Hach, das hätte so schön sein können mit diesen atmosphärischen Kammerpop zwischen Ambient, Elektronik und Neoklassik in der stimmungsvollen St. Pauli Kirche auf dem Reeperbahn Festival 2018. Wenn die beiden Jungspunde des isländischen Projektes Hugar nicht bei ihren Zwischenansagen penetrant darum gebeten hätten, man möge doch bitte seine Instagram-Stories teilen. Liebe Jungs, wir wollen doch diesen wundervoll nachdenklichen Tönen lauschen und bewusst die Augen schließen, um kurzzeitig in schönere Welten abzutauchen. Handys in die Luft recken passt nicht so recht dazu. Aber vielleicht wird man heute nur mit Instagram Stories berühmt? Sei´s drum. Die Gedanken sind frei.

Denn diese ungelenke Werbung in eigener Sache passt nicht so recht zu Bergur Þórisson und Pétur Jónsson alias Hugar, die ihr selbst betiteltes Debütalbum bereits im Jahr 2014 vorgelegt haben und seitdem in typisch isländischer Weise an verschiedenen Projekten mitgewirkt haben. Dass Bergur beim preisgekrönten Soundtracks von »Broadchurch« seines berühmten Landsmanns Ólafur Arnalds aktiv war, glaubt man unbenommen. Hugar bedeutet übrigens in der deutschen Übersetzung Gedanken, was bestens passt: Zu diesen ruhigen, schwebenden Klängen kann man seine Gedanken bestens schweifen lassen und in die Kirche passen diese Sounds mit Piano- und Streicherfokus ganz wundervoll. Dass die großen isländischen Landsleute von Sigur Rós als Einfluss nicht fern sind, das ist geschenkt. Denn Hugar pflegen diese fast schon typisch isländischen Sounds zwischen Tag und Traum ganz vorzüglich, auch wenn sie das Rad nicht unbedingt neu erfinden. Einen größeren Meilenstein haben die Zwei mit oder ohne Instagram Stories bereits geschafft: Sie haben kürzlich einen Plattenvetrag mit dem Major Label Sony Music Masterworks unterschrieben und werden demnächst ausgiebig quer durch Europa touren. Als Gastsänger für ihren neuen Track »Waves« konnten sie keinen Geringeren als Árnor Dan gewinnen, den Sänger von Agent Fresco. Und der hat beim »Broadchurch«-Titelsong mitgewirkt. Die Wege auf Island sind eben kurz!

(Foto: Inga & Lilja Birgisdóttir)

03. April 2017

Die Gewinnerin trägt Zahnspange: Between Mountains

Die Gewinnerin trägt Zahnspange: Beim jährlichen isländischen Nachwuchswettbewerb Músíktilraunir haben unerwartet die beiden Mädels von Between Mountains gewonnnen. 14 und 16 Jahre sind die Nachwuchskräfte alt. Gemeinsam mit anderen aufstrebenden jungen Bands durften die Grazien im Konzerthaus Harpa in Reykjavík auftreten, das muss aufregend gewesen sein! Der Músíktilraunir wäre nur ein weiterer Nachwuchswettbewerb unter vielen, aber in den vergangenen Jahren haben einige der Gewinner auch international für Furore gesorgt: 2010 waren es Of Monsters And Men, 2011 hatten Samaris die Nase vorne und im Jahr 2013 schafften es Vök aufs oberste Treppchen. Nicht schlecht, liebe Juroren!

In Between Mountains überzeugen mit einem federleichten, leicht melancholischen, pianoumflorten Indiepop, der nicht dick auftragen muss und durch mädchenhaften Charme überzeugt. Und den allerliebst eben nicht perfekten Harmoniegesang, in dem aber mehr Herzblut steckt als in vielen professionellen Liebesleid-Hits. »Into The Dark« ist bei aller angedeuteten Düsternis aber durchaus tanzbar. Und der Refrain bleibt hängen! Das altmodische Wörtchen »anmutig« kommt hier durchaus in den Sinn. Diese jungen Musikerinnen wissen in jungen Jahren bereits, was sie wollen! Als Gewinnerinnen dürfen sie in diesem Jahr nicht nur im Sommer auf einem europäischen Nachwuchsfestival auftreten, sondern sich im November auf dem Iceland Airwaves Festival einer internationalen Öffentlichkeit präsentieren. Und wer dort ziemlich weit vorne stehen dürfte, ist jetzt schon klar: Hrafnkell und Valgeir, die beiden großen Brüder von Keyboarderin Katla, die den Wettbwewerb vor zwei Jahren mit ihrer Band Rythmatik gewonnen haben. Talentierte Familie, das!

14. Dezember 2016

Achtung, Ólafur Arnalds: Hier kommt Magnús Jóhann!

Auf der Bühne verschwindet Mágnus Jóhann fast hinter seinen Klavier- und Synthesizerburgen. Trutzige Klänge hat der knapp 20jährige Isländer nicht zu bieten, sondern lichte, luftige, gerne auch mal experimentelle Klänge aus den Grenzlanden zwischen neo-klassischen Klavierwelten, Filmmusik, Minimalismus und samtpfötigen Elektronica. An Selbstbewusstsein mangelt es der Nachwuchskraft aus Reykjavík nicht: Pianist und Komponist, gibt der Musikstudent auf seiner Facebook-Seite als Beschäftigung an. Muss sich Ólafur Arnalds jetzt Sorgen machen, dass ihm hier Konkurrenz im eigenen Land heranwächst? Ein wenig schon!

Denn Magnús Jóhann sieht zwar aus wie ein noch nicht ganz ausgewachsener Nerd mit strähnigem Langhaar, hat aber schon reichlich Erfahrung in verschiedenen isländischen Bands gesammelt und kürzlich beim renommierten nationalen Nachwuchswettbewerb Músíktilraunir einen respektablen dritten Platz erobert. Der Jungspund hat nun sein Soloprojekt gestartet, nachdem er als Komponist (jawohl!) die Musik zu mehreren Kurzfilmen beigesteuert hat. Kürzlich hat er nun sein Debütalbum »PRONTO« vorgelegt, in das man zur Gänze auf Bandcamp hereinhören kann. Das Titelstück ist ein tastendes Stückchen Pianomeditation jenseits jeden Kitsches. Hier kommt die Welt sachte staunend zum Stillstand. Und zieht das Geheimnisvolle in den Alltag ein. Dezente elektronische Unterströmungen verbreiten angenehme Unruhe. Magnús Jóhann improvisiert gerne. Zeigt fast jazzige Einflüsse. Diese rauchblauen Töne sind wunderbar unberechenbar!

20. November 2016

Liebeskummer ist überbewertet: Iceland Airwaves 2016

Sitzengelassen werden und üblen Liebeskummer zu haben, das ist keine schöne Sache. Es sei denn, man beschließt, die elendige Leiderei dadurch zu bekämpfen, dass man sie zur Kunstform erhebt. Katrín Helga Andrésdóttir alias Kriki hat sich für diese Strategie entschieden. Kriki ist eine dieser wunderbaren Zufallsentdeckungen auf dem Iceland Airwaves Festival 2016, über die man unversehens stolpert, wenn man nur seinen Ohren nachgeht. Eigentlich wollte ich nachmittags einen minikleinen Mittagsschlaf einlegen, weil es am Vorabend so spät geworden war. Aber dann klangen diese sanften, liebevoll verspielten Töne aus der Ananasbar, und ich musste einfach hineingehen. Es sind naive, verträumte kleine Songs, mit denen die junge Frau gegen die Fröste des Erwachsenenlebens aufbegehrt. Und wenn sie öffentlich von ihren Liebesgeschichten erzählt, die alle im Desaster endeten, dann wird aus der Tragik unversehens eine zärtliche, federleichte, sich selbst liebende Attitüde. Lavalampen glühen, die Gitarre puckert, leise Synthies seufzen und Windharfen streicheln die verwundete Seele. Und irgendwie wird einem bei diesen ruhigen Lo-Fi-Songs wie »Apollo« plötzlich sehr warm ums Herz. Und vielleicht lächelt man mit Kriki auch ein ganz klein wenig über dieses ganze emotionale Chaos. Wenn daraus so wunderbare Songs entstehen, dann hatte es doch noch etwas Gutes!

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14. November 2016

Ab in den Keller zu den Elfen! Iceland Airwaves 2016

Dass Studenten weltweit ihre Freizeit in Kellern verbringen, ist ein universelles Phänomen. In Reykjavík ist es nicht anders, denn hier trifft sich der akademische Nachwuchs im Stúdentakjalarinn unter der Mensa, wo man außer Biertrinken (erschwinglich sogar für isländische Verhältnisse!) solch nette Dinge tun kann wie Premier League gucken oder beim Star-Wars-Quiz mitmachen. Zum Iceland Airwaves Festival 2016 hat der Studentenkeller erfreulicherweise offen und wartet abseits der Innenstadt und der großen Menschenströme mit einem angenehm entspannten Ambiente auf. Wer sich bislang erfolglos auf die Suche nach isländischen Elfen gemacht hat, wird hier endlich fündig: RuGl nennen sich die beiden 14jährigen Mädchen, die es beim diesjährigen nationalen Nachwuchswettbewerb weit nach vorn geschafft haben. RuGl, diese zarten Elfenwesen, spielen verträumten, federleichten Folkpop und überraschen mit wunderbaren Harmoniegesängen und gelungen Arrangements. Einen Rekord verbuchen sie schon mal beim Festival: Sie sind offiziell die jüngsten Teilnehmerinnen! Seit Anfang des Jahres bilden Ragnheiður María Benediktsdóttir und Fríða Helgadóttir Folkmann ein Duo, dem man wünscht, dass sie sich viel Zeit zum Wachsen nehmen. Und da wir hier in Island sind, hat sich die Verwandtschaft der jungen Musikerinnen zahlreich eingefunden. Ich sitze neben der stolzen Großmutter eines der Mädchen, die schier nicht aufhören kann, von der begabten Enkelin zu schwärmen. Auch das ist so eines dieser Airwaves-Erlebnisse, die man sonst nirgendwo findet!

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