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Foto nordische Landschaft

03. Dezember 2009

Weihnachtsgeschenke gesucht?

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Wer noch verzweifelt Weihnachtsgeschenke für Freunde von Musik, Norden oder nordischer Musik sucht – wie wär’s damit:

Verschenkt doch die »Promised Land Of Heavy Metal«-DVD, ein Ticket fürs Dúné-Konzert, einen der Island-Filme von Stefan Erdmann, ein »Early Bird Ticket« fürs Reeperbahnfestival, einen Gutschein für die neue Lapko-Scheibe oder ein anderes, gutes Album voll nordischer Musik. Oder weihnachtlicher nordischer Musik.

© Fotos: Kimmo Kuusniemi & Tanja Katinka Karttunen, Reeperbahn Festival

16. November 2009

Tipps für Island-Fans: Fotografie und Film

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Island-Fans können noch bis zum 31. Januar 2010 die Foto-Ausstellung in der Stadtbibliothek Eppelheim (bei Heidelberg) besuchen.

Gezeigt werden etwas andere Fotos von Natur und Menschen in Island: »Island ist für uns mehr als die faszinierende Landschaft, die in zig Fotos, Postkarten und Bildbänden gezeigt wird«, erklären Claus Sterneck und Tina Bauer.
»Wir wollen auf Details, kleine Geheimnisse, das Leben der Menschen in der rauen Natur – und dieses Mal speziell im Chaos der Finanzkrise – aufmerksam machen.«

Mehr Informationen findet ihr auf der Website der Stadtbibliothek Eppelheim.


»Island 63° 66° N«

Außerdem tourt Stefan Erdmann mit seinem Live-Filmvortrag »Island 63° 66° N« wieder durch (Süd)Deutschland.
Kompletten Beitrag lesen …

08. November 2009

Lady & Bird: Die Sinfonie des kleinen Popsongs

Was wärmt uns im November? Es kann nur das ganz große Gefühl sein. Und das gelungene Experiment. Dazu gehören: Eine französische Chanteuse, ein eigenwilliger isländischer Nerd und ein 8o-köpfiges Sinfonieorchester. Eine live eingespielte Aufnahme. Voilà die Protagonisten: Die französische Sängerin Keren Ann, der isländische Pop-Weirdo Bardi Johannsson und das Icelandic Symphonic Orchestra. »LA BALLADE Of LADY & BIRD« lautete das Ergebnis dieser Zusammenarbeit.

Keren Ann und Bardi Johannsson arbeiten als Duo Lady & Bird bereits seit einigen Jahren regelmäßig zusammen und haben ein gemeinsames Album vorgelegt. Keren Ann ist in Frankreich eine der bekanntesten Vetreterinnen des Nouvelle Chanson Johannsson hat mit seinem Projekt Bang Gang und dem Debüt »GHOSTS FROM THE PAST« ein episches Herz-Schmerz-Album vorgelegt.

Am 5. Juni 2008 haben beide Musiker, ladybegleitet vom Icelandic Symphony Orchestra unter Leitung von Daniel Kawka, das Abschlusskonzert des Kunstfestivals Reykjavik bestritten. Mit ihren eigenen und ihren gemeinsamen Songs, opulent und einfühlsam neu arrangiert von Thorvaldur Bjarni Thordvaldson. Ein Experiment, das auch hätte danebengehen können – denn lassen sich fragile Popsongs in die symphonische Form übertragen? Funktioniert das?

Die Antwort kann nur lauten: Ja, ja ja! Denn das kleine, das private Gefühl intimer Seelenzustände in den Songs der beiden Musiker läuft in der symphonischen Form zum großen Melodrama auf, das Herzen auf die wunderbarste Weise bricht. Ohne dasss die Zartheit auf der Strecke bliebe. Mit wunderbarem Sinn für den Aufbau von Spannungsbögen kulminiert die Aufnahme im Lady & Bird-Song »Run In The Morning Sun« , gesungen von einem Mädchenchor. Wer danach nicht glaubt, dass das reine Glück auf Erden möglich ist, dem ist auf dieser Welt nicht mehr zu helfen.

26. Oktober 2009

Iceland Airwaves: Der Regen hört doch auf

Sollten Pascal Pinon jemals so berühmt werden wie ihre Landsfrau Björk, dann habe ich an diesem Tag ein Sammlerstückchen erworben: Eine CD mit vier Demosongs, dessen Cover aufwändig mit Buntstiften ausgemalt ist. Der Umschlag, in dem die CD steckt, ist selbst gebastelt, die Songtitel mit Kugelsschreiber fein säuberlich vermerkt. Und den Copyright-Vermerk, den haben diese  schlauen Teenagermädchen nicht vergessen. Allerliebst! Ein Samstag, an dem der Regen nicht aufhören will, aber an dem man sich trotzdem unverzagt auf den Fußmarsch zum Kulturzentrum Nordic House macht, weil man sich dort schon fast wie zuhause fühlt. Weil die Bibliothekarin die Frage, wann Alvar Aalto das Gebäude entworfen hat, mit einer kostenlosten Führung beantwortet. Weil der Kellner mit den netten Augen nicht nur freundlichst den Kaffee ausschenkt, sondern auch Nase und Ohren immer wieder in den improvisierten Konzertsaal steckt und aufmerksam zuhört. Und weil man vom Café aus so schön dem Regen zuschauen kann, der unermüdlich auf die Sumpfwiesen fällt.

Pascal Pinon sind vier 14- bis 5jährige Reykjavikerinnen, die sich an diesem frühen Nachmittag in den Kleiderschränken ihrer großen Brüder und der Altkleiderkiste hrer Mütter gewühlt haben müssen und sich extra zum Auftritt die unschönsten Kassengestellbrillen aufgesetzt haben.pascal Schüchtern sind sie, ungelenk und bühnenunerfahren. Aber die Songs! Leicht wie Federwölkchen dahinschwebender Folktweepop. Zart, aber selbstbewusst und erstaunlich reif. »You wish you were that amazing when you were 14« , steht sehr treffend im Progammheft. Glockenspiel, Harmonika und Blöckflöte regieren. Naivität und Selbstbewusstsein ebenso.. Was Poesie ist, haben diese auf englisch und isländisch singenden Mädchen instinktiv verstanden. Dass man kein jahrlanges Musikstudium benötigt, um sich musikalisch auszudrücken, stellen die Vier später im Interview klar: Keine spielt ihr Instrument länger als ein Jahr. Auf die Frage, was sie inspiriert, antworten Pascal Pinon mit absoluter Selbstverständlichkeit. »Vor allem wir selbst«.

Erwachsener geht es bei dem nächsten Gästen im Nordic House zu, dem schwedischen Duo The Tiny. Frau, Mann, Klavier und Bass. Ein Ehepaar, wie sie hinterher erzählen. the-tinyDas Duo spielt eine sehr eigenständige Mischung aus Singer-Songwriter-Elementen, Jazzigem und verhaltenem Weird Folk. Getragen von den eigenwilligen Vocals Ellekari Larssons, die die Eigentümlichkeiten der Alltagsbeobachtung hochhält. Verhaltene Balladen vom Nicht-Hereinpassen in gängige gesellschaftliche Muster singt. In ihrer intensiven Reduziertheit sind The Tiny eine der Entdeckungen des Festivals. Später im Interview erzählen sie von den Vor- und Nachteilen des verheirateten Musikerlebens – und obwohl sie die eine oder andere scherzhafte Spitze gegeneinander abschießen, wird eines klar: Ein anderes Leben können und wollen sie sich nicht vorstellen.

Durch den Regen an den Hafen gekämpft und gedacht, dass das Gepladdere wohl nie nehr aufhört. In der Jugendherberge ist der Aufenthaltsraum zur improvisierten Bühne umgestaltet worden und Útidúr, eine weitere dieser vielköpfigen isländischen Spaßgroßgruppen, lassen sich von den paar Tropfen von oben die Laune nicht verderben. utidurÚtidúr sind im Geiste die isländischen Verwandten von I´m From Barcelona, die aber sympathischerweise nicht ganz so dick auftragen müssen wie die Schweden, um ausgelassene Kirmes-gebrannte-Mandel-Stimmung aufkommen zu lassen. Die genau wissen, dass die leicht traurigen Töne hinter all der Fröhlichkeit und Selbstironie den Songs erst ihre Tiefe geben. Hin- und Her zwischen den Vocals von Mann und Frau geht es bei diesem Schlagabtausch zwischen den Geschlechtern, den dennoch keiner richtig ernst nimmt. Irgendwie schimmert zwischen all diesen Songs durch, dass die Isländer ein Volk von Fischern sind, denn hier wird reichlich Seemansgarn gesponnen und die schlagerhafte Shantietradition hochgehalten. Alles in Technicolor. Und noch Stunden später singt man den Refrain dieses einen Liedes: »You should not lie when you are talking on the telephone«.

Nach so viel Lebendigkeit und Lebensfreude haben es die stillen Rökurró anschließend mit ihren der eigenen Innerlichkeit verpflichteten, verhaltenden Songs fast schwer, das Jugendherbergspublikum auf ihre Seite zu bringen. Langsamer, klarer, klassisch inspirierter Folkpop, der im Rhythmus der Regentropfen am Fenster herunterperlt. Und zum wiederholten Mal denkt man, die sehen alle so jung aus, unglaublich, die sind höchstens 18!« Rökurró arbeiten in diesem (geschätzten) Alter bereits an ihrem zweiten Album.

Dem Regen von oben ist nur mit wohliger Feuchtigkeit von allen Seiten zu begegnen. Im Gegensatz zu den Bierpreisen am Abend ist der Eintritt in die zahlreichen Schwimmbäder der Stadt für alle erschwinglich. Beim entspannten Treibenlassen in 42 Grad heißem Wasser wird der verhangene isländische Spätnachmittag ein überaus wundersamer Ort.

Dass die Krise, die auf den ersten Blick im Straßenbild nirgendwo sichtbar ist, doch ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlässt, wird auf dem Nachhauseweg von Schwimmbad in flüchtigen Beobachtungen und Begegnungen klar: Zum ersten Mal eine Frau gesehen, die in öffentlichen Papierkörben nach Leergut fischt. Und zum ersten Mal von einem Mann angebettelt werden, der so offenkundig ungeübt im Betteln ist, dass man gerne gibt. Island im Spätherbst 2009. Und vor dem Parlament in der Stadt versammeln sich immer wieder spontan Protestierende, die wütend dagegen aufbegehren, dass der Staat seinen Bürgern die immensen Schulden der Privatbanken aufbürdet, die vor einem Jahr verstaatlicht worden sind.

Der Abend gehört den isländischen Hoffnungen. Vor allem den Postrockern For A Minor Reflection, deren selbstproduziertes Debütalbum für mich eine kleine Offenbarung und ein großer Triumph waren. Schon wieder 19jährige. Die Vier werden noch in diesem Jahr ihr erstes reguläres Album herausbringen. Durch ihre Touren in diesem Frühjahr und Sommer haben sie bereits auf sich aufmerksam gemacht. Das liebevoll restaurierte traditionelle Kulturzentrum Iðnó ist an diesem Abend brechend voll. Hier könnte heute abend vor all den ausländischen Besuchern, viele davon aus dem Musikbusiness, eine der nächsten Entdeckungen gemacht werden. for-a-minorFor A Minor Reflection strahlen an diesem Abend im heimatlichen Revier eine große Freude und ein gereiftes Selbstbewusstsein aus. Spielen ausschließlich Stücke vom neuen Album, die sich wieder  in endlos strukturierten, repetitiven, leidenschaftlichen instrumentalen Soundschleifen verlieren. Intelligent und hingebungsvoll und gewalttätig. Dass sie auch anders können, leise können, beweisen die beiden Gitarristen Gúffi und Kjartan (übrigens der kleine Bruder vom Sigur-Rós-Bassisten Georg) vierhändig am Klavier. Der blonde, stämmige Kjartan und der dunkelhaarige, feingliedrige Gúffi wirken wie ein Sinnbild für ihre eigene Musik: Das Mächtige und das Zarte. Das Brutale und das Feine. Das könnte noch was werden mit dem Bekanntwerden, denkt man, in die Zukunft blickend. Hingebungsvolle Begeisterung im Publikum.

Ólafur Arnalds ist an diesem Abend schon einer der Arrivierten. Der in Londoner Konzertsälen vor 1.500 Menschen spielt, wie er plaudernd von der Bühne herunter erzählt. Auch er arbeitet an seinem neuen Album. Tastendes Piano, feinfühlige Streicher und sorgsam programmierte Beats. Filmmusik für ein wortloses Roadmovie. Nur: An diesem Abend will der Funke nicht überspringen, trotz Ólafurs gekonnt eingesetztem naiv-selbsbewussten Jünglingsscharme. Hört sich irgendwie genauso an wie Album zwei, denkt man sich zwischenzeitlich. Vor 1.500 Leuten spielen gut und schön, aber sich dabei auch weiterentwickeln? Zudem hängt auch noch eine Dreiviertelstunde später der Rest der eindringlichen Energie von For A Minor Reflection in der Luft. Dann stürzt auch noch der Computer ab und das letzte Stück hängt wie ein abgebrochener Ast in der Luft. Irgendwie ein derzeit uneingelöstes Versprechen, dass Herr Arnalds einmal gegeben hat.

Auf dem See gleich am Iðnó hoffen die Enten und Schwäne auf späte Fütterung durch die Konzertbesucher. Umsonst. Aber der Regen hat aufgehört. Endlich.

Das Foto von Pascal Pinon hat Flippism Is The Key, gemacht, sorry, ich habe erstmals die Fotoquelle vergessen! :)

25. Oktober 2009

Iceland Airwaves: Nachts im Museum

Der Wind kommt von der Seite. Und von hinten. Und von vorn. Der Regen ist mächtig niederträchtig und bösartig unberechenbar. Reykjavik im Oktober. Die Einheimischen gehen unbewegten Gesichtes ihrer Wege. Die vielen ausländischen Iceland Airwaves-Besucher tun sich ungleich schwerer und ziehen wie Schildkröten die Köpfe ein. Besonders die, die sich am frühen Nachmittag zu Fuß ins Kulturzentrum Nordic House aufmachen, was außerhalb der Innenstadt liegt.

Oh Land sind die Ersten. Ist die Erste. Nanna Øland Fabricius aus Dänemark ist eine zugängliche Traumtänzerin, die sich auf der weiten Feldflur experimenteller elektronischer Eigenwilligkeiten ihre eigene Parzelle abgesteckt hat. Den Pop und die Filmmusik streift, die Klassik und die neuesten Computertüfteleien. nannaNicht ohne meinen Apple! Nanna spielt, ernsthaft, unterstützt von einem Kontrabassisten. Entschwindet in merkwürdige Gegenwelten, als gute Fee, die sich hinter Büschen versteckt. Der intime Rahmen des Konzerts im Nordic House bietet ihr eine perfekte Plattform für ihren flüchtig-filigranen, eigentümlichen Songs, denen die Härte einer Fever Ray völlig abgeht. Die sie mit heller, aber zurückhaltend selbstbewusster Stimme singt. Später, beim Interview auf dem Sofa zusammenkekringelt, erzählt sie, dass sie ausgebildete Ballettänzerin ist. Bis eine Verletzung den Berufswunsch unmöglich macht. Aus der künstlerischen Leerstelle ist Oh Land entstanden. Beim Debüt »FAUNA« haben Produzenten-Masterminds wie Kasper Bjørke mitgewirkt. Das zweite Album spielt Frau Fabricius bereits für ein Major Label ein. Von der Dame werden wir vermutlich noch hören.

Von den Casiokids aus Bergen, den nächsten Gästen, mit Sicherheit! Die fünf Spaßdanceelektroniktanzfanatiker (von denen nur vier anwesend sind, der Bassist ist auf dem Hinflug von London aus kurzzeitig verlorengegangen!) werfen sich mit Verve in die kleine Form im Nordic House. cadioVerschmelzen Elemente afrikanischen Liedguts in der Tradition des großen Fela Kuti mit unwiderstehlichen elektronischen Beats aus allen Epochen des Computerzeitalters. Und singen wie die Engel dabei, so schön, dass Jónsi von Sigur Rós seine Freude daran hätte. Auf norwegisch, übrigens, und haben es damit unerwarteterweise in die britischen Dancefloorcharts geschafft. Im Interview erzählen sie launig von ihrem Spaß am Experimnentieren. Von Auftritten im Puppentheater, in Stadtbüchereien und auf Kinderspielplätzen. In Afrika waren sie ebenso wie im französischen Hinterland. Und was es für eine Laune macht, mit Kindern zu experimentieren. Und von der Freiheit und dem Spaß, den es bringt, sich nicht an eine eng begrenzte Zielgruppe zu richten mit ihrer Musik. »We don´t have a core audience«, bringt Sänger Ketil die Dinge auf den Punkt. Schön! Und noch schöner zu wissen, dass sie am gleichen Abend noch in voller Lautstärke im Reykjaviker Kunstmuseum auftreten!

Im Buchladen in der Stadt sind die schüchternen Popbastler Nolo wenig später so zurückhaltend, dass sie sich nicht mal trauen, die eigenen Songs anzusagen. Schade eigentlich, denn ihre verschwurbelten Elektronikspielereien könnten doch bald zur Hausausstattung aller ungeliebten Nerds gehören, die sich lieber hinter ihrem elektronischem Spielkram verschanzen, statt auf Parties mal ein Mädchen anzusprechen.

Erwachsener, selbstbewusster geht es wenig später bei Eberg im 12-Tonar-Plattenladen zu. Der klassische elektronische Indiepop mit Schwerpunkt auf Songwriting, verstärkt durch eine gute Portion Selbstironie. Wie häufig bei diesen improvisierten Auftritten fällt mal dieses, fällt mal jenes Gerät aus, doch im rappelvollen Laden, in den keine Nase mehr hereinpasst (draußen auf der Treppe stehen die Leute sogar tapfer im Regen!) sorgt das eher für Erheiterung. Gern hätten wir mehr gehört, doch nach einer halben Stunde ist Schluss. Zeit zum Durchatmen, bevor die Nacht im Museum startet.

Wie viele Musiker bei <3 Svanhvít im Kunstmuseum auf der Bühne stehen, das ist  mit Sicherheit nicht auszumachen, so groß ist das Gewusel. svanWenn Arcade Fire mal vier Wochen am Stück gute Laune hätten, dann können sie vielleicht ansatzweise halb so fröhlich sein wie diese Nachwuchsaufmüper, die unbändiger Freude auf alle Instrumente einhauen, die sie in die Finger bekommen. Die isländische Großgruppe spielt so leidenschaftlich auf, als drohte alle Tanzmusik der Welt morgen spurlos in einem schwarzen Loch zu verschwinden, und da müssen doch alle Stile von der Polka bis zum Walzer nochmal im Affentempo durchgespielt werden. Die atemlose Freude ist ansteckend, auch wenn sie nie einen Pokal für feinsinniges Schönspielen gewinnen werden.

Ach ja, und Affen: Casiokids, die nach den US-Surferpoppen The Drums auf der Bühen stehen, zeigen, dass Lautstärke der Tanzbarkeit ihrer Songs nicht schadet und haben einen fast echten Affen zum Crowdsurfen mitgebracht. So schnell kann man nicht gucken, wie die bestens aufgelegten Norweger eine ganze Halle ins kollektive Tanzen bringen. Bitte bald auch mal nach Deutschland kommen, Jungs!

Zum Runterkühlen gibt es zum Schluss noch theatralischen Discopop von den norwegischen When Saints Go Machine im NASA. Die so dick auftragen, dass die Glitzerkugel vor Erschöpfung ächzen muss. Dass die hedonistisch-schwule Szene Reykjaviks hier fast vollständig vertreten ist, erübrigt sich zu sagen. Stampfende Beats, aufdringliche Keyboards und überkandidelte Gesten des Sängers verschwimmen zu einem einzigen Brei, der mit supersüßer Soße übergossen ist. Hoch lebe das Nachtfieber, aber irgendwann ist auch genug.

 
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