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Foto nordische Landschaft

11. Januar 2009

Traumland zu retten: Andri Snær Magnason und Björk

Lange bevor die Finanzkrise den kleinen Inselstaat Island an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte, hat es an warnenden Stimmen gegen die ungezügelte Variante des Turbo-Kapitalismus der Banken und gegen den Ausverkauf der Natur an international agierende Aluminiumkonzerne nicht gemangelt. Der Autor Andri Snær Magnason hat mit seinem Buch »Dreamland – A Self Help Manual For A Frightened Nation« bereits 2006 einen unerwarteten Bestseller verfasst. Ein sehr persönlich geschriebenes Sachbuch, das vor allem Fragen stellt. Scheinbar naive Fragen. Fragen, die den herrschenden wirtschaftlichen Konsens in Frage stellen. Und der lautet so: Es geht uns wirtschaftlich gut in Island – aber wie lange noch? Wir brauchen neue Säulen für unsere Wirtschaft. Und das können nur die Aluminiumkonzerne sein, die zur Produktion auf billige Energie angewiesen sind. Und die haben wir doch auf Island bis zum Abwinken, oder? Leider ist das Buch bislang nur ins Englische übersetzt.

Andri Snær fragt nach: Warum können wir Isländer nicht glauben, dass unsere eigene Findigkeit und Kreativität, unser reiches kulturelles Erbe und vor allem unsere  einzigartige Natur die Schlüssel dafür sind, um die künftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung voranzutreiben? Warum denken wir, dass wir nur mit Hilfe großer multinationaler Konzerne als Nation überleben können? Warum können wir nicht glauben, dass es mehr als EINE Möglichkeit gibt? Warum vertrauen wir nicht darauf, dass wir mit Hilfe vieler einzelner Initiativen und Projekte eine gemeinsam Kraft entwickeln können, die uns wirklich weiterbringt?

Andri Snær hat sich Freunde und Unterstützer für seinen Kampf gegen die Zerstörung des ökologisch sensiblen isländischen Hochlands gesucht, und die prominenteste Mitstreiterin ist Björk, die auch das Vorwort zu »Dreamland« geschrieben hat. Und die gemeinsam mit Sigur Rós Ende Juni des vergangenen Jahres Headliner des Náttúra-Konzerts in Reykjavik war: Ein Umsonst- und Draußen-Event, durch das auf den drohenden Verlust wichtiger Teile der bis heute weitgehend unberührten Natur aufmerksam gemacht wurde. Björk hat zu dem Konzert geschrieben:

Too often battles being fought for nature turn into something negative and into mudslinging. We will not go that way, we are not saying that this and that is forbidden, we are rather asking ‘what about all these other possibilities?‘ The 21st century is not going to be another oil century but rather a century where we need to recycle, think green and design both power plants and our surroundings in harmony with nature.”

Die Zusammenarbeit zwischen Andri Snær und Björk geht inzwischen weiter: Der Schriftsteller hat einen Film zum Thema gedreht und Björk ist wie selbstverständlich mit dabei. Hier der berührende Trailer zu Dreamland.

19. November 2008

Isgaard und Stefan Erdmann im Gespräch

Auf der »Horizont«-Reisemesse in Karlsruhe – Gastland Island – präsentierte Stefan Erdmann täglich einmal kurze Ausschnitte aus seinem Film »ISLAND 63° 66° N«. Am Samstag, 15. November, gab es eine Besonderheit: Isgaard sang danach vier Lieder ihres aktuellen Albums »WOODEN HOUSES« live , darunter den Titeltrack und natürlich »Iceland«.

Nach Schreiben einiger Autogramme nahm sich das sympathische Duo Stefan / Isgaard samt Jens Lück (Produzent / Keyboarder / Schlagzeuger) Zeit, um über ihre Zusammenarbeit, Musik(Videos), große Gefühle – und natürlich über Island – zu plaudern.

Perfekte Symbiose

Isgaard und Stefan Erdmann kennen sich schon seit ihrer Jugend und blieben stets in Kontakt. Sie sind nicht nur Freunde, sondern arbeiten auch immer wieder zusammen: So hat der Münchner etliche Auftritte der gebürtigen Husumerin mit Videoclips untermalt, sowie zwei Musikvideos für sie produziert: »Earth Song« und »Dreams Will Never Die« (Isgaard featuring Galileo). Die Sängerin machte bereits bei den Videos die Erfahrung wie sehr Bild und Ton miteinander verschmelzen können: Derart, dass sie sich selbst gar nicht mehr wahrgenommen hat.

Diese perfekte Symbiose charakterisiert auch die Musik in »ISLAND 63° 66° N«. Die Einleitung des Films samt zugehöriger Musik Isgaards stand für Stefan Erdmann schon lange fest; die insgesamt 110 Minuten werden perfekt musikalisch ergänzt – häufig durch Kompositionen von Isgaard und Jens Lück. Stefan Erdmann: »Ohne die Musik der Beiden würde der Film nicht funktionieren – zumindest nicht für mich«.

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18. November 2008

Stefan Erdmanns »ISLAND 63° 66° N«

Es ist die schönste Liebeserklärung die je gemacht wurde – jedenfalls an ein Land. »ISLAND 63° 66° N« ist ein emotionaler Naturfilm, in dem der Filmemacher Stefan Erdmann sehr viel von sich preisgibt und gerade dadurch, sowie in Kombination mit Isgaards Musik, die Zuschauer berührt.

Er berührt Isländer »Stefan, Deinen Text ins Isländische zu übersetzen hat mir viel Spaß gemacht… und mich auch ziemlich stolz gemacht, Isländer zu sein. Danke dir. Kærar kveðjur, Óli« genauso wie Islandtouristen: »Ich habe immer behauptet: Island kann man nicht fotografieren oder filmen, man muss es selbst erleben (…) aber von diesem Film, den Sie da gedreht haben, bin ich so begeistert, das ich schon fast sagen möchte: Ja, der Stefan hat es geschafft. Er hat geschafft, die Landschaft, die Stimmung und das Gefühl dieses Landes einzufangen«.

Allerdings verärgert er einige Zuschauer auch: »Nun aber muss ich schon schimpfen mit Ihnen. Der Film ist der Hammer. Ich weiß nicht wie oft ich ihn schon angesehen habe, und mir dadurch die Zeit für unwichtige Dinge fehlt. Herzlichen Dank für dieses tolle Machwerk«.
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06. November 2008

Die Isländer sind die neuen Finnen: Bang Gang in Heidelberg

Barði Jóhannsson hätte an diesem Abend dem legendären finnischen Skispringer Janne Ahonen Konkurrenz machen können: Der isländische Musiker, derzeit mit seinem Projekt Bang Gang auf Tour, verzieht während des gesamten Konzert im Heidelberger Karlstorbahnhof keine Miene. Lächeln? Was ist das? Kleine Zwischenansagen, ein bisschen Smalltalk? Kann er nicht, will er nicht. Geradezu ein Gefühlsausbruch, dass er Heidelberg pflichtschuldig als»beautiful city« bezeichnet. Die Einheimischen quittieren das Kompliment mit Achselzucken.

Barði Jóhannsson kommt an diesem Abend wie der König aller Nerds daher: Strähniges Fransenhaar, überdimensionierte Brille, eckige Ungelenkheit. Ein großer, dürrer Mensch, der sich selbst im Wege zu stehen scheint, mit streng hochgeknöpftem Hemd, gekleidet in gedeckten Farben und den obligatorischen engen Jeans. Ein Mann, der nur aus spitzen Ellenbogen zu bestehen scheint.

Barði Jóhannsson ist an diesem Abend ein Magier des Melodramas. Ein Zauberer der großen Gefühle. Denn sein in diesem Jahr erschienenes, großartiges Album »GHOSTS FROM THE PAST« ist eine einziges großes Aufarbeiten eines gewaltigen Liebeskummers. Ein Aufschrei eines grandios verletzten Herzens. Ein Wüten, ein Flehen, ein Aufbegehren. Nur, und so lautet die große Frage des Abends: Wie ist das live zu vermitteln?

Barði Jóhannsson weiß die Antwort: Mit einer verhaltenen Hingabe. Mit einer zurückgenommenen, ernsten, auf den Punkt fokussierten Begleitband. Mit weißer Wut und Zartgefühl. Mit emotionalen Ausbrüchen und introvertierter Zurückgezogenheit. Und mit Rock! So laut, so ungestüm losstürmend – so hätten wir den romantischen Popgrübler nicht erwartet.

Barði Jóhannsson ist an diesem Abend im spärlich gefüllten Konzertsaal ein Meister der Überraschungen. Dem von Ville Valo und Natalia Avelon im letzten Jahr zu neuen Radiorotationen verholfenen Hazlewood-Sinatra-Klassiker »Summer Wine« als letzte Zugabe zu bringen – augenzwinkernd, ironisch, hingebungsvoll – dazu gehört etwas. Vielleicht ein Lächeln, Herr Jóhannsson?

29. Oktober 2008

Sin Fang Bous: Alleine ist’s noch schöner

Wie gut, dass es nur eine Wirtschaftskrise ist, die auf Island wütet, und keine Kreativkrise. Es ist immer wieder erstaunlich, dass ein abseits gelegenes Eiland mit der Einwohnerzahl Bonns eine derart große Fülle an Bands und Projekten gebiert, die es locker mit Gesamtdeutschland aufnehmen kann.

Mit Seabear haben sie auch eine hoffnungsvolle Band aus der zweiten Reihe am Start, die bereits im letzten Jahr mit “The Ghost That Carried Us Away” einen bunten Akzent in Sachen Powerpop/Folk setzen konnten. Mit leckeren Violinen-Rhythmen ging es da zur Sache, mit Akustikgitarre wurde sich in die Grube geheimkrämert und überhaupt waren alle Songs einfach nett im besten Sinne.

Bevor es aber mit der Seabear-Saga weitergeht, gibt es einen Solo-Einwurf von Mastermind Sindri. Der nennt sein Nebenprojekt etwas sperrig Sin Fang Bous und wird im Februar auf Morr Music in Berlin seinen Albumeinstand feiern. Was man bei myspace hört, ist süß, bunt und verwuschelt. Ein bisschen wie Panda Bear, Caribou und Animal Collective unter der wärmenden Popdecke. Noch songgerichteter, noch mehr eingängige Melodien – und alles im Alleingang eingesungen, gespielt und geklappert. Die Klänge sind nicht so abseitig, nicht so widerspenstig oder fordernd wie bei den amerikanischen Kollegen, aber das ist kein Manko der Sin Fang Bous-Songs. Wir dürfen uns ganz sicher auf die zwölf Tracks freuen. Und Gott sei Dank ist das alles nicht so formelhaft wie diese letzte Bemerkung.

 
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