Home
Foto nordische Landschaft

15. Februar 2014

Wie eine Kerze im leichten Luftzug: Fura

Zählen wir doch mal alle Klischees auf, die uns spontan zu isländischer Musik einfallen! Los geht´s: Geheimnisvoll, nebelumwabert, elfisch, mystisch, elusiv, eigenwillig, märchenhaft, gegenweltlich und kauzig. Die Liste ließe sich fortsetzen. Auf Fura, das neue Projekt von der Atlantikinsel, treffen einige dieser Attribute tatsächlich zu. Aber was für diese sphärischen Sounds einnimmt, sind ihre Ruhe und Gelassenheit. Und vor allem die himmlische Stimme von Sängerin Björt Sigfinnsdóttir, die mitunter wie eine Kerze im leichten Luftzug flackert und trotzdem Licht in der Dunkelheit spendet. Die Frau aus einem kleinen Fischerdorf an der isländischen Westküste hat sich bei Fura mit dem vielseitig aktiven Produzentenduo Hallur Jónsson und Janus Rasmussen von den Synthie-Zuckerbäckern Bloodgroup zusammengetan, um schwebende Songs zwischen warmen artifiziellen Elektronika und konkreten, sinnlichen Emotionen zu schaffen. Fura geling es scheinbar mühelos, eine Balance zwischen taubengrauer Traurigkeit und sanftem Selbstbehauptungswillen zu finden. Der Track »Poems Of The Past« ist ein Miniatur-Melodram, in dem nicht aufbegehrt wird, sondern die Tatsachen in poetischer Klarheit benannt werden. »I´m so carelessy ignorant, too«, singt Sigfinnsdóttir hier, ohne dabei larmoyant zu klingen.

Fura haben sich an diesem Wochenende erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert, und zwar auf dem Sónar Reykjavik Festival , einem nördlichen Ableger des Barcelona-Spektakels für anspruchsvolle elektronische Töne. Böse Zungen behaupten, das Sónar in der isländischen Hauptstadt sei eigens zu dem Zweck geschaffen worden, um die lange Wartezeit bis zum Iceland Airwaves Festival im November zu überbrücken. Es mag ein Fünkchen Wahrheit darin stecken! Aber zurück zu Fura! So weit ich das überblicke, hat das Trio dieser Tage seine erste EP vorgelegt. Und, ja: Auch der Track »Demons« ist eine feine, intelligente Ballade, die mit Synthieeinsatz prunkt und trotzdem nicht überladen wirkt. Und von Schauermär kann keine Rede sein!

01. Februar 2014

Wie werden Musikkarrieren heute gemacht? Das Beispiel Mono Town

Früher ging das mit der Musikkarriere meist so: Man spielte in kleinen Clubs, gewann eine Fangemeinde und irgendwann einmal wurde vielleicht eine Plattenfirma aufmerksam und nahm die Dinge in die Hand. Und wenn alles gut lief, profitierten alle Beteiligten von diesem Geschäft und lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Heute sind die Dinge anders. Die Streamingdienste traten neulich auf dem Eurosonic Festival im holländischen Groningen mit sehr breiter Brust auf: Denn nach einigen Anlaufschwierigkeiten sieht es heute so aus, als ob die Bezahl-Streamingdienste wie Spotify den legalen Album-Downloads á la Firma Apple allmählich ernsthaft Konkurrenz machen. Deshalb werden Musikkarrieren vielleicht neuerdings so gemacht wie bei den Newcomern Mono Town aus Island. Die Dreamrocker von der Atlantikinsel haben ihr Debütalbum »IN THE EYE OF THE STORM« vor wenigen Tagen exklusiv beim US-Streamingdienst Deezer herausgebracht. Deezer-Oberwerber Pierre Niboyet bezeichnete die Zusammenarbeit mit den Isländern in Groningen gar als »Pioniertat« und wies selbstbewusst darauf hin, dass Mono Town durch die Präsentation auf der Plattform binnen zweier Monate auf mehr als eine Million Streams kamen. Und lässt keinen Zweifel daran, dass Streams in der heutigen »Aufmerksamkeits-Ökonomie« die neue Währung sind. Plattenverkäufe? Pfffffft!

Für die bis dato außerhalb Islands weitgehend unbekannten Mono Town hört sich dieser Deal zunächst gut an. Der große Bruder Deezer nimmt die Reykjaviker an die Hand und macht die Wege frei. Kein Wunder also, dass sich die Band in einem Interview im Deezer-Blog (!) von der Zusammenarbeit begeistert zeigt.

For every young unsigned band it is very important to be helped reaching out to as wide an audience as possible. Deezer is doing exactly that. For people, for example in Brazil, to be able to discover and listen to an unknown band from Iceland is incredible for us. As our fan base grows so will our online presence. Bands tend to look at other options as the “right” options in regards of distributing their music. Together with Deezer, we’ve done something completely different. Thinking outside the box can sometimes be a very good thing.

Kompletten Beitrag lesen …

10. Januar 2014

Rückblick 2013: »Deep shadows and brilliant highlights«


Meine persönlichen Tiefpunkte »Deep Shadows« und die Höhepunkte: »Brilliant Highlights« im Jahre 2013:

ALBEN

Höhepunkte:
siehe meine Charts 2013

Tiefpunkte:
Witchgrave – »WITCHGRAVE«
Screamer
– »PHOENIX«
NiteRain – »CROSSFIRE«
One Inch Giant – »THE GREAT WHITE BEYOND«
Aratic – »TO THE EARLY GRAVE«
Skirmish – »JET BLACK DAYS«
Amorphis – »CIRCLE«
Battle Beast – »BATTLE BEAST«

KONZERTE
Kompletten Beitrag lesen …

05. Januar 2014

Kúra: Auf dem halben Weg zum Mond

Den halben Weg zum Mond haben Kúra zumindest schon zurückgelegt: »HALFWAY TO THE MOON« heißt der Titel des Debütalbums. Das isländisch-dänische Elektronik-Duo bewegt sich in angenehm angedüsterten Gefilden, irgendwo zwischen Melancholie und Minimalismus. Wobei die triphoppigen Anspielungen nicht zu überhören sind. Was die nächtlichen Tieftemperaturen hier nicht jenseits des Gefrierpunktes sinken lässt, ist die Stimme von Fanney Ósk Þórisdóttir, die verspielte Wärme ausstrahlt. Wie glaubhaft versichert wird, ist Kúra mit der Vokabel »Streicheln« wohl am besten übersetzt. Wobei diese Variante wohl eher eine ganz zarte, flüchtige Berührung ist. Zumindest legt das der feine Track »Gógó« nahe, den man zur Not auch Kindern als Schlaflied vorsingen könnte. Beats, Gitarre und Produktion besorgt übrigens die dänische Hälfte des Duos, nämlich Brynjar Bjarnfoss. Leben tut man praktischerweise in Kopenhagen und Reykjavik.

Kúra streben durchaus auch auf die großstädtischen Danceflloors, aber auf eine zurückhaltende, unterkühlte Weise so. GusGus sind als Geschwister im Geiste hier gar nicht so fern, aber die Jungspunde schleppen weniger intellektuelles Gepäck mit sich herum als die Altmeister. Einen feinen Sinn für Stil nennen sie aber gleichwohl ihr eigen, wie im Song »Anchor«, in dem ein kraftvstrotzender Bodybuilder die Hauptrolle spielt, dem all die die mächtigen Muskeln nicht vor Selbstzweifeln und Rückzug in die Innerlichkeit schützen. Trotz (oder vielleicht gerade: wegen!) der herbstlichen Stimmung verspürt man hier übrigens unbändige Lust, sofort ins nächste Flugzeug nach Island zu steigen und sich in diesen kargen, grau-blauen Landschaften zu verlieren. Der Track steht übrigens für Menschen, denen an Besitz gelegen ist, auf der Soundcloud-Seite der Band zum freien Download zur Verfügung. Kúra werkeln übrigens gerade an einer neuen EP. Ach ja, Frau Þórisdóttir: Vielleicht hören sich moderne Sirenengesänge so an!

Kúra – Anchor from Kristian Touborg on Vimeo.

23. Dezember 2013

Gebrochene Klänge für unruhige Seelen: Loji

Wer kurz vor Weihnachten genug von Harmoniesucht und Schönklang hat, der benötigt als Gegengewicht die unfertigen, unruhigen, so gar nicht perfekten Töne. Wie sie etwa vom schrulligen isländischen Singer-Songwriter Loji kommen, der eben sein zweites Soloalbum »SAMANSAFN« herausgebracht hat. Das von eher unruhiger Schönheit ist und seine Stärke gerade aus seiner Unfertigkeit und seinem Hingezogensein zum Experiment bezieht. Musikalische Ideen hat Logi Höskuldsson alias Loji im Übermaß, denn der Zweitling umfasst nicht weniger als 19 Tracks. Meist Momentaufnahmen grenzwertiger Zustände von skuriller Eigenart, die dickköpfig vor sich hintraben. Bisweilen driftet der Musiker, der in Reykjavik (wie dort üblich!) noch in den Bands Prins Pólo und Sudden Weather Change aktiv ist, wie im Song »Tables Were Full Of Things« in psychedelische Gegenwelten ab. Unter »Lo-Fi Alternative Rock« wurde Loji letztens beim Iceland Airwaves für das breite Publikum in die Schublade einsortiert, aber das Rock-Attribut hätte man getrost streichen können: Es geht hier eher in Richtung Weirdpop mit ungewissem Ausgang. Durch diese Klänge geistern flüchtige Luftwesen, die sich partout nicht greifen lassen wollen.

Loji – Same Site, New Role from Olafur on Vimeo.

»SAMANSAFN« soll, so wird glaubhaft versichert, das isländische Wort für eine Sammlung unterschiedlicher Dinge, was die Sache doch recht gut trifft. Zu den Eigentümlichkeiten am Rande gehört hier auch, dass Loji sich vorgenommen hat, dass seine Alben alle mit dem Buchstaben »S« beginnen sollen, was er schon beim Erstling »SKYNNDISKYSSUR« in die Tat umsetzte. Das Album ist alles andere als leichte Kost, aber hey! Seichtes und durchgespültes hören wir dieser Tage zur Genüge, da kommen die beunruhigenden Töne doch gerade recht. Loji hat das Album zur Gänze auf Bandcamp gestellt. Und nimmt uns mit auf eine Tour de Force durch gefährliche Gefühlswelten. Übrigens gefallen gerade die elektronisch inspirierten, warmblütigen Geisterstückchen wie »It Wasn´t Part Of Your Dance« mit am besten!

 
Seite 7 von 29« Erste...4567891011...Letzte »