Home
Foto nordische Landschaft

17. April 2017

Späte Wintersonne mit Elida Høgalmen

Erst ein leise perlendes Piano. Und dann setzt diese mädchenhafte Stimme ein. Die uns ein kühl glitzerndes Märchen erzählt. Keine Frage: Die norwegische Sängerin Elida Høgalmen könnte zum Hofstaat von Andersen Schneekönigin gehören! Das sind sanft verzaubernde Klänge, zu denen man in weiche Kissen zurücksinken mag. Um vielleicht den Regentropfen zuzusehen, die sanft die Fensterscheibe herunterrinnen. Oder der blassen Wintersonne, wie sie langsam hinter dem Horizont verschwindet. Die junge norwegische Sängerin Elida Høgalmen liefert jedenfalls den perfekten Soundtrack für diesen völlig verregneten Pfingstmontag, an dem so gar man nicht vor die Türe gehen mag. Die junge Frau aus Bergen, die im Moment wohl an ihrem Debütalbum werkelt, schafft mit dem wunderbaren Track »Winter Sun« dann doch, den perfekten Song zum Frühlingsanfang zu liefern und sich nach schüchternem Beginn kraftvoll wie ein Vogel in die Lüfte zu erheben. »Wake up to something new« lautet das Mantra, mit dem sie uns auf die wärmere Jahreszeit einstimmt. Frohe Ostern allerseits! Und über Darmstadt kommt gerade die Sonne heraus, hurra!

Foto:Karoline Hannisdal

21. Februar 2017

Das Mädchen in den Signalfarben: Sigrid Raabe

Harmlos genug geht es hier los mit mädchenhafter Stimme. Aber Sigrid Raabe hat Größeres im Sinn: Einen eingängigen Popsong schreiben, der ungemein tanzbar ist, selbstbewusst und naseweis dazu! Und unbedingt radiotauglich, ohne sich zu sehr an den Massengeschmack anzubiedern. Stimmlich zieht die 20-Jährige, die inzwischen als Sängerin nur noch unter ihrem Vornamen antritt, alle Register. Changiert mühelos zwischen Unschuld und Powerfrau und sendet eine implizite Botschaft aus: Den Thron der skandinavischen Dancepop-Prinzessin werde ich bald besteigen! Übertriebenen Respekt vor den schwedischen Chanteusen von Robyn bis Zara Larsso hat die Nachwuchskraft aus dem norwegischen Ålesund offenkundig keinen. Sie ist recht fix bei einem Major Label untergekommen und macht mit dem Track »Don’t Kill My Vibe« eine unmissverständliche Ansage: Hallo Welt, hier komme ich! Die Musikerin, die bislang vor allem als Background-Sängerin ihres Bruders Tellef Raabe aufgefallen ist, tritt selbstbewusst ins Rampenlicht. Das Mädchen in den Signalfarben hat keinerlei Problem damit, im Sekundentakt zwischen reduzierter Piano-Empfindsamkeit und himmelhohen Synthiesounds zu wechseln. Und verfügt trotz junger Jahre über eine erwachsene Rauchigkeit in der Stimme. Dass sie sich in Liebesdingen von keinem Jungmann unnötigen Herzschmerz verursachen lassen will, macht Sigrid in ihrer Debütsingle unmissverständlich klar: »You’re acting like you hurt me but I’m not even listening«: Das glauben wir ihr unbenommen. Gut möglich, dass wir noch vor dem Sommer sehr viel mehr von Sigrid hören werden!

31. Januar 2017

Wir tanzen barfuß mit Irah: Eurosonic 2017

Manchmal hat man fast ein wenig Angst vor dem ersten Mal: Wenn eine Band auf der Bühne steht, deren Album man über alle Maßen liebt und deren Songs im Laufe vieler Wochen treue Begleiter geworden sind. Und so sind meine Erwartungen himmelhoch, als Irah auf dem Eurosonic Festival in Groningen auf der Bühne stehen. Denn das Trio aus Kopenhagen hat mit dem Mini-Debütalbum »INTO DIMENSIONS« einen meiner musikalischen Höhepunkte des Jahres 2016 vorgelegt, die es in meinen persönlichen Jahrescharts weit nach vorne geschafft haben. Und was für eine wunderbare Überraschung in der stimmungsvollen Stadsschouwbourg an der Gracht: Überaus sympathisch, angenehm bescheiden und mit offensichtlicher Freude am gemeinsamen Musizieren präsentieren sich die Dänen im eisigen Groningen. Im Mittelpunkt steht, ohne sich vorzudrängen, die zierliche Sängerin Stine Grøn, die unbedingt die lange verschollene Kusine von Beth Gibbons sein muss. Aber lebensfroher daherkommt als die Portishead-Chanteuse! Auch live sind die Songs von schwebender Fragilität und großer Schönheit. Besitzen eine meditative, fast schon sakrale Qualität. Und über allem schwebt die Stimme von Stine Grøn, die sich in eine sanfte Ekstase hereinsteigert, ihre Schuhe von sich schleudert und entrückt barfuß tanzt. Von naiver Betulichkeit kann aber erfreulicherweise keine Rede sein: Die Kopenhagener experimentieren mit tribal treibendenden Beats. Zu diesen Feenklängen und dem mantrahaften Wiederholen ihres Credos »It is on the inside, it is on the oustide, let´s travel on there!« vom zauberigen Track »Fast Travelling« kann man euphorisch in taubenblaue Gegenwelten abtauchen. Bitte bald mal auf Deutschland-Tour kommen!

Kompletten Beitrag lesen …

08. Dezember 2016

Scheppernder Schnee mit FOAMMM

Jede Band tut gut daran, eine gute Gründungsgeschichte zu erzählen. FOAMMM aus Oslo können mit einer ungewöhnlichen Variante aufwarten: Keine Lust auf Keramikkurse! Sängerin Chiara Cavallari war 2013 auf der Suche nach einem sinnvollen Hobby. Töpferei im Volkshochschulkurs kam überhaupt nicht in Frage! Also versammelte die junge Frau mit der Elfenstimme ihre besten Freunde um sich und gründete eine Band. FOAMMM war geboren und die Kunsthandwerksmärkte müssen eben auf einen Stand mit klobigen Vasen in gedeckten Naturfarben verzichten. Tut uns gar nicht leid! Die Fünf aus der norwegischen Hauptstadt bewegen sich lässig und verträumt auf die große Wegkreuzung zu, wo sich Shoegaze, Dreampop, 90ies-Indierock und Garage treffen. Das scheppert so schön und klingt fein verschwurbelt, wenn FOAMMM in Slacker-Tönen den Schnee besingen! Drei Jahre nach Gründung haben die Nachwuchskräfte beim Osloer Indie-Label Sheep Chase Records unterschrieben und in diesem Jahr ihre Debüt-EP »DIVE INTO THE FOAMMM« herausgebracht. Und durften letztens sogar im Vorprogramm von Garbage bei deren Osloer Konzert auftreten! Ob sich Shirley Manson und Chiara Cavallari über Musik, Hobbys und das Leben als weiblicher Rockstar unterhalten haben, ist nicht überliefert. In Norwegen werden FOAMMM bereits als neue Indiehoffnung gefeiert, und das mit Grund: Den Unterschied zu tausend anderen Gitarrenschrammlern voller Nirvana-Nostalgie macht die Stimme von Chiara Cavallari, die selbstbewusst, verträumt und verhuscht zugleich klingt. Und sehr weiblich dazu! Mitunter fühlt man sich an die junge Harriet Wheeler von den unvergessenen 80er-Heroen The Sundays erinnert. Bloß mit mehr Hall und Lust an psychedelischen Experimenten! Wer also zur Adventszeit einen garantiert kitschfreien Song über den Schnee sucht, der wird bei FOAMMM fündig. Und wer danach noch Lust auf mehr hat, kann via Bandcamp ausführlich in die Debüt-EP hereinhören.

25. November 2016

Bei ihr sind alle Küsse grau: Okay Kaya

An der verdammten Schwerkraft muss es liegen. Dass die geliebte Person immer schneller von ihr wegtreibt. Andere Erklärungen kommen für Okay Kaya überhaupt nicht in Frage. Die junge norwegische Sängerin Kaya Wilkins (Vater Amerikaner, Mutter Norwegerin) ist aus einem beschaulichen Osloer Vorort ins wilde New York gezogen, hat sich aber die Ruhe ihrer Heimat bewahrt. Reduziert, verlangsamt, fast schon kammerjazzig kommen ihre Songs daher, die kleine Geschichten erzählen und feine Lebensweisheiten verbreiten. Ein tastendes Piano, eine bescheidene Gitarre, dezent eingesetzte Electronics. Und darüber liegt die sphärische, helle, melancholisch angehauchte Stimme von Kaya. Küsse sind in ihrer Welt erstaunlicherweise grau. Wer eine dunkelblaue halbe Stunde verbringen will, dem sei Kayas Soundcloud-Site ans Herz gelegt.

Die Norwegerin ist übrigens eine Frau mit vielen Talenten. Mit dem Ausdruckstanz hat sie sich ausgiebig beschäftigt, schreiben tut sie ständig und Modeln noch dazu. Irgendwo müssen diese ausgiebigen Mußestunden zum ungestörten Nachdenken über das Leben und seine Eigenheiten ja finanziert werden! Kaya pflegt zudem einen feinen Freundeskreis zwischen London und New York, hat schon mit Jamie XX und Tobias Jesso Jr. gearbeitet. Was nicht heißt, dass sich ihr Leben auf die Hip-Szene beschränkt: Im ruhigen, auf Norwegisch gesungenen Track »Durer« hat sie ins tiefste Brooklynn in ein heruntergekommenes Gemeindezentrum begeben und dort eine Selbsthilfegruppe zum Tanzen gebracht. Und sie tut das behutsam und zärtlich, so wie sie in ihren Songs mit Melodien und Wörtern umgeht!

(Foto: Rumi Baum)

 
Seite 1 von 4012345678...Letzte »