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Foto nordische Landschaft

03. Februar 2018

The Winter Of My Discontent: Eurosonic 2018

Jetzt sind schon fast zwei Wochen ins Land gegangen, und ich habe immer noch kaum etwas über dass Eurosonic Festival in Groningen geschrieben, mit dem das Konzertjahr traditionell eingeläutet wird. In der nordniederländischen Stadt ist es Mitte Januar allein aus jahreszeitlichen Gründen recht ungemütlich, aber Gräue, Glätte, Kälte, Schneetreiben und schiefergraue Himmel gehören zum Eurosonic quasi dazu. Wie jedes Jahr präsentierten sich hier Anfang des Jahres die viel versprechendsten europäischen Newcomermusiker und hoffen darauf, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Was schwierig ist angesichts der Fülle der auftretenden Bands, von denen man selbst bei bestem Willen nur einen Bruchteil live sehen kann. Denn die Venues liegen zum Teil weit auseinander und bei ekligen Graupelschauern überlegt man es sich drei Mal, bevor man einen gemütlichen Club verlässt und eine Viertelstunde ans andere Ende der Innenstadt radelt. Realistisch gesehen wird nur ein sehr, sehr geringer Teil der hier auftretenden Bands den Durchbruch schaffen. Einige wenige werden gehypt. Der Rest verschwindet wieder in der Versenkung und begnügt sich mit kleinen Erfolgen auf den heimischen Musikmärkten. Der Grund, warum ich bislang nichts schrieb, hat nichts mit diesen Überlegungen zu tun. Sondern mit der Tatsache, dass nur sehr, sehr wenige der Bands, die ich auf dem Eurosonic hörte, Eindruck hinterlassen haben. Zu viel Durchschnittskost dabei. Und manche Band, die ich im Polarblog in der Vergangenheit lobend erwähnte, erwies sich live als unglaublich fade und beim Beherrschen der Instrumente auf Schülerkapellen-Niveau.

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04. Januar 2018

Ein sanfter Sturm zieht auf mit Daniela Reyes

Daniela Reyes könnte fast als Wunderkind durchgehen: Knapp 15 Jahre ist sie alt, hat aber schon ihren ersten Plattenvertrag beim norwegischen Qualitätslabel Toothfairy ergattert (wo übrigens auch Durchstarterin Ary zu finden ist!) und bereits auf mehreren renommierten Festivals in ihrer Heimat gespielt. Und da sie sich im arg überfischten Becken der Singer-Songwriter bewegt, ist diese kleine Karriere in jungen Jahren als noch erstaunlicher zu bewerten.

Aus dem großen Meer der Klampfenliesen hervorzustechen, dazu gehört schon was! Vielleicht liegt es daran, dass Daniela Reyes diese sehr ausdrucksstarke, leicht belegte Stimme hat und mit wunderbarer Großäugigkeit für ihr Alter ganz schön lebensweise Geschichten erzählt. Und außer Gitarre auch noch Ukulele, Akkordeon, Bass und die Loopstation zu bedienen weiß! Mit ihrer scheinbaren Naivität erinnert die Musikerin durchaus an die unvergessene Melanie. Der nicht sehr norwegische Name der jungen Sängerin ist kein Zufall: Daniela Reyes stammt ursprünglich aus Kolumbien und wurde schon in sehr frühen Jahren von einer norwegischen Familie adoptiert. Das Akkordeonspiel hat sie von ihrem norwegischen Adoptiv-Großvater gelernt. Ein großes Repertoire vorzuweisen hat die Nachwuchskraft naturgemäß noch nicht, aber im fein zurückgenommen »Station Z« lässt die junge Frau mit der großen Präsenz einen sanften Sturm aufziehen und alle Sterne am Himmel leuchten! Wir merken uns für das Jahr 2018: Unschuld ist das neue Cool!

31. Oktober 2017

Eine Achterbahn der Gefühle mit Billie Van

Immer was los mit Billie Van: Die junge Frau aus Oslo nimmt uns auf ihrem zweiten Album »PURE EMOTIONS» mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und hat keinerlei Scheu davor, dick aufzutragen, wenn es um Herzensdinge geht. Was soll ein Mädchen denn tun, wenn der Angebetete sie sitzen lässt? Etwa als Trauerkloß in der Ecke sitzen? Nein, sich lieber in Disco-Signalfarben kleiden und sich im Melodrama-Schlagermodus um Frustbewältigung bemühen! Das wäre doch mal ein gehaltvoller Beitrag für den Eurovision Song Contest! Zumal Billie Van ein großer Fan von 70er-und 80er-Pop der knallbunten Art ist. Den Schmerz in einer Selbsthilfegruppe voller blasser Seelenpeinler in einen sterilen Gemeindesaal bekämpfen – auf diese Idee für ein Musikvideo muss man erst mal kommen. In »I´m Totally Fine With It» gelingt es Billie Van, dieser drögen Umgebung sogar dunkelgrauen Glamour zu verleihen. Chapeau, junge Frau. Vom frechen Rockabilly des ersten Albums hat sich Billie Van verabschiedet. Die trashige Diva ist eine Rolle, die ihr fast besser zu Gesichte steht als die Göre im College-Jäckchen.

Im wahren Leben ist Billie Van dagegen eine junge Frau, die mit guten Freunden und einem ebenso talentierten wie sympathischen Freund gesegnet ist. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Jonas Alaska und dem besten Buddy Mikhael Paskalev (man kennt sich aus gemeinsamen Studienzeiten an der Musikhochschule unter Schirmherrschaft von Paul McCartney in Liverpool) hat sie kürzlich das Label Braveheart Records gegründet, wo man erstmal die eigenen Scheiben herausgebracht hat, aber sich in Zukunft auch um andere viel versprechende Künstler kümmern will. Sozusagen eine Art Reality Bites nach Abschluss des Studiums und die hoffentlich geniale Lösung des Problems: Die Dinge in die eigene Hand nehmen! Jedenfalls: Der selbstbewusste Retropop von Billie Van zischt auf der Zunge wie Waldmeisterbrause, die überkandidelten Balladen sind von schriller Schönheit, aber die echten Gefühle schimmern immer durch. Das ist vielleicht die wahre Souveränität!

29. August 2017

Summer Breeze 2017 – Freitag: Déjà-vu – ein Unwetter zieht heran

Memorian (UK) liegen gerade in ihren letzten Zügen, als wir auf dem Battlefield eintreffen. Wir sind zu früh dran für Battle Beast (FIN) und drehen auf der Suche nach CDs noch eine Runde durch die Händlermeile.

Vor der Summer Breeze-Stage einen Platz zu bekommen, fällt bei den Finnen recht schwer: Es ist erstaunlich viel los. Mit tanz- und bangbaren Rhythmen begeistert die Band um Fronterin Noora Louhimo das Publikum, das immer mehr fordert und sichtlich Spaß hat.

Die traditionellen Heavy Metaller begeistern ihre Fans mit Stücken wie »Familiar Hell«, »Touch In The Night« und natürlich »Black Ninja« – und diese danken es ihnen mit abfeiern und mehr oder minder textfestem Mitsingen.

Auf dem Weg in Richtung T-Stage nutzen wir die Möglichkeit erst einmal kurz aus der Sonne raus zu gehen – und entdecken fliegende Einhörner.

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02. Juli 2017

Tuska 2017, Freitag: Zum 20. gratulieren ST, Mayhem, Sabaton – und Pekko Käppi

Punktlandung in Suvilahti: Exakt zu den ersten Takten von Suicidal Tendencies’ »You Can’t Bring Me Down« betrete ich das Gelände des Tuska-Open-Airs. Die Kalifornier liefern auf der Haupt-/RadioRock-Bühne ein gewohnt soldides, sauberes Set – und Fronter Mike Muir wirkt als hätte er nach stolzen 36 Jahren immer noch Spaß daran.

Dagegen ist Gitarrist Dean Pleasants (seit 1996 dabei) nahezu ein Bandküken, ganz zu schweigen von den letztjährig dazu Gestoßenen, alias Basser Ra Díaz, Ex-Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo sowie Gitarrist Jeff Pogan. Apropos dazu stoßen: Gegen Ende des Sets spielen die Crossover-Thrash-Veteranen wie immer, so auch in Helsinki, das wie-viele-Menschen-passen-auf-die-Bühne-Spiel, und lassen so viele Fans wie möglich zu sich hoch klettern – und jetzt alle: »Pledge Your Allegiance«.

Von den Urgesteinen ziehe ich weiter zu einem für mich bis dato unbekannten Künstler – zumindest live. Auf Alben ist der Finne Pekko Käppi für nordische-musik ein alter Bekannter, sowohl gemeinsam mit K:H:H:L als auch mit dem Jouhiorkesteri. Die Folk-Blues-Rocker auf der Inferno-Bühne sind die positive Überraschung des Tages. Sie sind nicht nur erstaunlich laut und mächtig, sondern haben auch einen satten Groove – und das zu dritt: Ein Basser, ein Gitarrist der gleichzeitig Schlagzeug spielt (zugegeben: nur die Hi Hat) und natürlich Pekko Käppi an der Jouhikko. Wer die Chance hat diese Truppe live zu erleben: Hingehen!

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