06. Februar 2012
She screams without a sound: Synne Sanden
Die Schweiz und Norwgen haben viel mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick denken mag. Außer den hohen Bergen und den tiefen Seen. So sind das norwegische Joiken und das schweizer Jodeln doch so weit wesensverwandt, dass Musiker beider Länder sich gerne gegenseitig beäugen. Wie Ende Februar in St. Gallen beim Nordklang-Festival, das in diesem Jahr einen Norwegen-Schwerpunkt hat. Und in dem eine eidgenössische Naturjodeltruppe auf renommierte nordnorwegische Joiker trifft. Was dabei wohl entstehen mag? Wer in Bodenseenähe wohnt, kann es in zweieinhalb Wochen live herausfinden!
Interessant ist das Nordklang-Festival aber auch deshalb, weil Synne Sanden hier erstmals außerhalb ihrer Heimat auftritt. Die 21-jährige hat im vergangenen Jahr ihr Debütalbum »WHEN NOBODY´S AROUND« vorgelegt: Eine ungewöhnliche Mischung aus Lounge-Jazzigem, Weird-Pop und zurückhaltend-experimentellen Klangfrickeleien. Stimmlich erinnert die junge Sängerin bisweilen an Björk, trüge diese jemals ein 60er-Cocktailkleid wie die kettenrauchenden Heldinnen von »Mad Men«. Aber von der coolen Lässigkeit durchgestylter Großstadtbars ist Synne Sandens Musik inhaltlich sehr weit entfernt. Es geht in ihren Songs um schmerzhafte Erfahrungen, um Verletzlichkeit und um die Probleme, die es mit sich bringt, zu emotional zu sein. Die Protagonistin des Titelstücks versucht, angestrengt, auf ihre Umwelt bloß nicht merkwürdig zu wirken. Aber wenn keiner da ist, dann kommen sie, die dunklen Gedanken. »When nobodys´s around, she screams without a sound. When nobody´s around she is the lonesome clown«. Gegen solche Existenzängste kommt kein noch so hochglanzpoliertes Trompetensolo an.
Synne Sanden – When nobody’s around from Andreas Ulvo on Vimeo.





