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Foto nordische Landschaft

08. Mai 2014

Inferno 2014 – Donnerstag: Gelungener Auftakt

Tatort: Rockefeller und John Dee
Tatverdächtige: Metaller aller Genres und Länder
Tatzeit: Drei Tage plus Warm-Up-Vorspiel
Tat-Zeugen: Noch mehr Metal-Osterhasen

Mein erster Festivaltag startet 2014 tatsächlich pünktlich zur ersten Band um 17.40 Uhr, Eldjudnir, im John Dee, danach pendele ich zwischen Rockefeller und John Dee bis zur vorletzten Band, sprich dem Headliner, hin und her. Dieser heißt heute Dimmu Borgir, lockt mit dem Versprechen einer besonderen, zweiteiligen Show und sorgt für ein ausverkauftes Haus.

Eldjudnir (Dänemark)
Irgendwie sind mir diese schwarzen Kuttenträger (und ihre entsprechende Musik) zu inflationär.

Deathhammer (Norwegen)
Cooler Old School Thrash – true vom lockigen-Schnäuzer-behafteten Haupt bis hinunter zu den Adidas-Schuhen.

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02. Mai 2014

Inferno 2014 – Metal-Ostern: »Vorspiel«, die Qual der Wahl

Tatort: Hoch acht
Tatverdächtige: Metaller aller Genres
Tatzeit: Abend- und nachtfüllend
Tat-Zeugen: Metal-Osterhasen

Es ist wieder anti-besinnliche Osterzeit in Oslo: Zum 14. Mal übernehmen die Metaller die norwegische Hauptstadt, wenn Rockefeller und John Dee vom 16. bis 19. April 2014 ihre Pforten fürs Inferno öffnen. Den Anfang macht traditionell der Clubtag am Mittwoch vor dem offiziellen Festivalstart – der die Besucher jedes Mal vor die Qual der Wahl stellt, auf welche Bands sie verzichten müssen. Alle acht Spielstätten (John Dee, Rock In, Victoria, Blå, Revolver, Bushwick, Kulturhuset, Internasjonalen) liegen zwar in fußläufiger Entfernung, doch bleiben Überschneidungen bei stolzen 22 Kapellen nicht aus.

Erstmalig bekommt dieses Jahr der Macher von »Norsk Urskog«, Harald Eilertsen, ein eigenes Forum für Bands seines aktuellen Samplers: Endolith (Tromsø), Unspoken (Oslo) und Wyruz (Hamar) rocken das überschaubare, aber anständig gefüllte Internasjonalen direkt neben dem Kulturhuset.
Endolith kämpfen bei ihrem ersten Gastspiel in Oslo noch mit Soundproblemen – Mikrodefekt, was zu einer unfreiwillig komischen Pantomimen-Einlage des Sängers führt – und auch der Sound des Trios, zwischen krummen Takten, elektronischen Elementen und Old School-Referenzen ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Das Publikum schafft es in dem kleinen Club einen großzügigen Sicherheitsabstand zwischen sich und die winzige Bühne zu bringen, den der Fronter sofort als erweiterte Bewegungsfläche nutzt. Während die Tromsøer im Laufe ihres Sets einen Zuhörerschwund beklagen, füllt sich der Laden pünktlich zu Unspoken wieder. Die ehemaligen Doom Metaller punkten heute mit ordentlich groovendem Death Metal.

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21. April 2014

Kings Of Black Metal 2014 – Band des Tages: Khold

Tatort: Immer noch das beschauliche Alsfeld
Tatverdächtige: (True) Black Metaller
Tatzeit: Verlängert – Samstag plus Warm-Up-Freitag
Tat-Zeugen: Dresscode-treu gewandet

Zum vierten Mal logiert das Kings Of Black Metal-Festival im Örtchen Alsfeld an der Märchenstraße. Statt Rapunzel, Froschkönig und Dornröschen bevölkern am 5. April 2014 (sowie am Warm-Up-Abend zuvor) pflichtgemäß in schwarz gekleidete Black Metal-Jünger die Stadthalle, den Parkplatz davor sowie einige Seitenstraßen und Gaststätten in der nächsten Umgebung. Aus ganz Deutschland, vom Bodensee bis zur Nordsee, sowie aus dem benachbarten Frankreich reiste der Löwenanteil der Besucher zum größten (einzigen) existierenden reinen Black Metal-Festival an.

Erfreulicherweise sind auch dieses Jahr einige Bands dabei, die man nicht ständig und überall zu hören bekommt. Fatalerweise hat uns das Autobahn-Wetter – bzw. die Fahrer, die damit nicht umgehen können – an unserem Anreisetag, Samstag, einen Strich durch die Rechnung gemacht: Iskald aus Norwegen haben wir leider verpasst – warum lasst ihr diese großartige Kapelle auch als Opener spielen? Warum nicht Velnias, die meine Begleitung nach dem Set mit einem »die haben also nur ein Lied gespielt« kommentiert. Zu Recht. Alles klang gleich. Auch die isländischen Svartidaudi können (live) nicht richtig punkten, wenngleich sie sich optisch kreativ in Szene setzen: Das um die untere Gesichtshälfte geschlungene Tuch des Fronters bietet beim Singen und einatmen einen äußerst fotogenen Anblick.

Möglicherweise sind die ausufernden Instrumentalpassagen »Schwarzer Tod«-Musiker einfach nicht die dankbarsten Elemente für eine Liveshow. So gern ich beispielsweise Opeth-Alben mag, live funktionieren sie für mich nicht, zu sperrig, zu langatmig, zu einschläfernd. Die erste spannende Kapelle heute ist die mit dem längsten Anreiseweg.
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09. April 2014

Blick zurück ins klassische Hollywood mit Mari Persen

Das 70er- und 80er-Revival ist in der Popmusik immer noch in vollem Gange. Waren musikalisch nicht die schlechtesten Jahre! Dass es sich aber durchaus lohnen kann, noch weiter zurückzublicken, zeigt die junge Norwegerin Mari Persen: Sie ist eine Aficoanada der klassischen Hollywood-Ära. Mit üppigen Streicher-Arrangements. Selbstbewusster Film-Noir-Attitüde. Jazzigen Anklängen. Melodramatischen Ausbrüchen. Durchaus kitschigen Überwältigungstendenzen. Und bringt alle Elemente mit leichter Hand in die Jetztzeit, ohne zu sklavisch-nostalgisch zu klingen. Setzt auf Beats und Drummachines, die sie geschickt mit den ach-so-altmodischen Sounds kontrastiert. Und das klingt so erstaunlich frisch, dass man sich die Ohren reibt und denkt: Och, mal ganz was anderes! Wie schön diese Dame aus Bergen schwelgen kann, in quietschbunten Tracks wie »Sweetheart«, durch die trotzdem eine leise Selbstironie schwingt. Dass himmlische Chöre in der Tradition großer Lubitsch-Filme dazu jubeln, ist nur folgerichtig.

Orchestralen Pop nennt man das wohl, was Mari Persen hier zelebriert. Und sich dabei nicht nur auf die goldene Zeit der Hollywood-Musicals bezieht, sondern sich in der leichtfüßigen Ballade »Criminal« sogar auf Abwege in Richtung Disco und Swing begibt und dabei die Hammond-Orgel jammern und die Streicher seufzen lässt. Oder in »Melody« einen Ausflug gen Montmarte und naivem kleinen Chanson unternimmt, Akkordeonbegleitung inklusive, wie sich das gehört. Und natürlich schwingt hier eine kleine Prise Traurigkeit mit.

Wenn es darum geht, Informationen über Mari Persen herauszufinden, wird die Sache allerdings verschwonmener. Ein Album hat sie bislang herausgebracht, im vergangenen Jahr, dem man über ihre Bandcamp-Seite lauschen kann. Acht kleine Perlen, die alle auf unterschiedliche Weise funkeln. Mit einem satten, üppigen Klang, klugen Arrangements und im Mittelpunkt eine wandlungsfähige Stimme, die so gar nicht danach strebt, irgendwann einmal mit Max Raabe und dem Palastorchester aufzutreten. Persen singt hier nicht nur, sondern spielt auch Piano und Violine. Aber eins ist klar: Herzen brechen kann die Dame allemal: Mit dem schön melancholischen Outro-Song »Oh My Soul« etwa, bei dem man angesichts all dieser Bittersüße fast schon versucht ist, das Taschentuch hervorzukramen.

17. März 2014

Das Paradox entscheidet! Hypertext aus Bergen

Wenn eine Band sich Hypertext nennt, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es sich bei den Bandmitgliedern nicht um tumbe Dummnasen handelt. Volltreffer! Die Sechs aus Bergen sind tatsächlich ziemliche Schlaumeier und machen sich viele kluge Gedanken, aber sind, hurra! nicht mit akademischem Dünkel gestraft. Die fünf Herren und die einzelne Dame kommen im Gegenteil sehr animiert und leichtfüßig daher. Und man kann realistisch davon ausgehen, dass sie herzlich über sich selbst lachen können! Die beschwingte Truppe aus Bergen und Oslo ist schon seit 2006 aktiv und beim renommierten Bergener Label Klangkollektivet untergekommen. Tummeln tun sich hier übrigens Mitglieder der anarchischen Elektronik-Spielkinder Casiokids, aus dem Umfeld der eigensinnigen Chanteuse Susanne Sundfør und von den gehobenen Krachmachern The Megaphonic Thrift. Dass hier Gegensätze zusammenkommen, tut dem blubbernden Sound von Hyptertext nur gut: Die Band schnippselt Happen aus Krautrock, Lärm, Pop und Rock in den großen Topf und kocht darin ihr eigenes Süppchen. Angeblich sind die Sechs ausgezogen, um ihr eigenes Genre erschaffen, das sie »Astronaut Kraut« nennen. Wird zumindest glaubhaft behauptet. Die eigenen Interessen fassen Hypertext mit »Miniature Golf, Miniature Food, Miniature Microfilms« zusammen. Hier sind selbstironische Exzentriker am Werk! Das letzte Werk von Hypertext ist im vergangenen Jahr unter dem schönen Albumtitel »PROGMATISM« erschienen und harrt unbedingt noch der Entdeckung! In das krause Universum der Band kann man ausführlich via Soundcloud hereinhören.

Das Video zum neuen Song »The Paradox Decides« ist jedenfalls eine eigenwilliges kleine, phantasievolle Raumfahrer-Abenteuerfahrt in unendlichen Weiten, das lächelnd zwischen den Stilen manövriert und dabei, huch! gar eine poppige Zärtlichkeit verströmt. Sanft euphorisch und trotzem schlau ist. Geht doch!

Hypertext – The Paradox Decides from Klangkollektivet on Vimeo.

 
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