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Foto nordische Landschaft

08. November 2013

Alle Jahre wieder: Nordische Weihnachten im »Süden« 2013

Luciachor, Lucia Weihnachtsmarkt Kulturbrauerei (Berlin) © Foto: Jochen Loch

Wer 2013 nordische Weihnachtsmärkte besuchen will, hat die Wahl zwischen dem Berliner Lucia-Weihnachtsmarkt, den finnischen Weihnachtsdörfern in Stuttgart, Hannover oder Leipzig sowie dem zweitägigen finnischen Weihnachtsbasar in Frankfurt.

Lucia Weihnachtsmarkt in Berlin

Eine feste Größe in Berlin: Der Lucia Weihnachtsmarkt, findet dieses Jahr von Montag, 25. November bis Sonntag, 22. Dezember 2013 statt, wie immer in der Kulturbrauerei im Stadtteil Prenzlauer Berg.

An den Ständen findet ihr nordische Spezialitäten / Leckereien  und nordisch-skandinavische Musik (aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden in der jeweiligen Landessprache) aus kleinen Lautsprecher-Boxen hören. Ihr könnt euch an sieben Schwedenfeuern wärmen oder am Kunstobjekt »Open-Air-Mantel-Heizung«: An dieser skurrilen Installation können sich frierende Besucher angewärmte Pelzmäntel überziehen, für deren Wärmezufuhr ein Holzofen sorgt. Zudem garantiert ein reichhaltiges Rahmenprogramm für Kinder, Familien und Jedermann Abwechslung, wie am Freitag, 13.12.2013, der Lucia-Umzug mit dem Luciakör.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 15 bis 22 Uhr
Samstag und Sonntag: 13 bis 22 Uhr

Finnische Weihnachtsdörfer

Kalevala-Spirit lockt auch 2013 mit finnischer Weihnacht in seine Weihnachtsdörfer: Über stimmungsvolle Holzhäuschen und Lappenzelten zieht der Duft von Flammlachs, Glögi, Kesselkaffee, heißem Preiselbeersaft und vielem mehr.

Dieses Jahr stehen die finnischen Dörfer hier:

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03. Oktober 2013

Die Dänen sind die neuen Isländer: Reeperbahnfestival 2013

Dass die Dänen inzwischen isländischer klingen als die Isländer selbst, ist eine der Entdeckungen, die es auf dem Reeperbahnfestival 2013 zu machen gilt. Flod kommen bei ihrem ersten Deutschland-Konzert auf dem Hamburger Spielbudenplatz nicht – wie es zu erwarten war – zu viert auf die Bühne, sondern nähern sich fast dem Dutzend an. Verstärken sich mit jeder Menge Blasinstrumente und Streichern und schaffen es, in der überaus quirligen Festivalatmosphäre eine feierliche, geradezu kontemplative Stimmung zu erzeugen. Nehmen sich alle Zeit der Welt, um ihren orchestralen Postrock zu entwickeln, der gleichwohl leichtfüßig auftritt und meistens ohne Worte auskommt. Man und frau trägt dazu konsequent schwarz und weiß. Wie ein protestantischer Kirchenchor. Und so überraschend das klingt: Es wird einem dabei andächtig ums Herz. Die jungen Dänen kommen scheinbar aus dem Nichts. Hängen die Latte an diesem Abend bereits sehr hoch. Die Streicher schleichen sich ins Herz. Künftige Konkurrenz für Sigur Rós? Oder Ólafur Arnalds? Könnte sein, könnte sein. Das tastende, experimentell ausufernde Piano-Epos »Lumi« jedenfalls trifft mitten ins Herz.

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29. September 2013

Gentrifizierung Go Home: Reeperbahnfestival 2013

Eigentlich soll bei der 2013er-Ausgabe des Reeperbahn Festivals die Musik im Mittelpunkt stehen, aber so ganz will das nicht gelingen. Dem traditionsreichen Rockclub Molotow ist zum kommenden Frühjahr gekündigt worden. Ein Investor mit dem schönen Namen Bayerische Hausbau will die zugegebenermaßen alles andere als schönen Häuser am Spielbudenplatz abreißen und deutlich größere Neubauten errichten. Die früheren Mieter können zwar an ihre angestammten Standorte zurückkehren – aber die Mietkonditionen werden neu verhandelt. Betroffen sind auch die kleineren Musikbars Planet Pauli und Hörsaal. Der Pauli-Kiez also im Umbruch. Am Festival-Samstag gibt es sogar eine rege besuchte Demo für bezahlbaren Wohnraum in Hamburg, begleitet von einem Großaufgebot martialisch ausgerüstester Polizisten. Diese Geschichte ist noch lange nicht ausgestanden! Und mit einem fast nostalgischen Gefühl drängt man sich am ersten Festivalabend in die völlig überberfüllte Molotow Bar, wo die zurückhaltenden Norweger Dråpe bei ihrem zweiten deutschen Gig auf Tuchfühlung mit dem Publikum gehen und live erstaunlich handfest daherkommen. Diese psychedelische Dahintreiberei hat deutliche Erdenschwere will mitunter mit Macht überwältigen. Die Stimme von Hanne Olsen Solem klingt sehr erwachsen, ganz im Gegensatz zur äußeren Erscheinung der fünf Osloer, die teils so aussehen, als hätten sie erst vor zwei Tagen das Abitur bestanden. Darauf pfeifen sie im schönen Video zum Song »We Want The World«, der von souveräner Schlunzigkeit ist. Und passen somit bestens in das noch nicht gentrifizierte Umfeld. Erstes Album erscheint demnächst, bitte wiederkommen!

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31. August 2013

Schön unberechenbar: Thea Hjelmeland

Danke mal wieder, königlich norwegische Botschaft, für feine Kulturtipps! Auf die junge Sängerin Thea Hjelmeland wäre man so schnell sonst nicht gestoßen! Für Schnellentschlossene in der Hauptstadt: Hjelmeland spielt morgen auf dem Kulturfest der Nordischen Botschaften. Wohnte ich in Berlin, ich täte hingehen! Naja, aber Sea Of Love im Hafen2 in Offenbach ist aber eine vernünftige Alternative in Rhein-Main! Aber zurück zu Thea Hjelmeland: Die Dame aus dem Dörfchen Førde, Kind musikalischer Eltern, lebt seit vier Jahren in Paris und hat sich eine feine Nische gesucht: Irgendwo zwischen Chanson, Singer-Songwriterigem, leicht Angejazztem, Balladigem, bisschen Rhythm´n´Blues, und huch, mitunter sogar Rock. Hjelmeland hat im vergangenen Jahr ihr Debütalbum »OH, THE THIRD« vorgelegt, das unter anderem von Tausendsassa Jarle Bernhoft produziert wurde. Sie selbst beschreibt ihre Musik als »blue, accoustic pop«, was die Sache ganz gut trifft, aber möglicherweise auch in die Irre führt. Denn Hjemeland ist schön unberechenbar: Klingt auf dem kabarett-affinen »I Need No Other« stellenweise wie eine entfernte Verwandte von Seeräuber-Jenny und Tori Amos, nur um in »Perfume« in den komplizierteren Klampfenmädel-Modus zu wechseln.

Perfume by Thea Hjelmeland | Acousmic from Abel14 Studios on Vimeo.

Außer singen kann Frau Hjelmeland auch noch Mandoline, Banjo, Gitarre, Ukelele, Piano und Schlagwerk spielen. Zur Zeit hört sie gerne Flamenco, Rihanna und Billie Holiday. Sagt sie. Und wirkt im eigenen musikalischen Schaffen mitunter so rätselhaft und eigenwillig wie eine Tigerkatze. Und ist selbstbewusst genug, um in ihrem Sechs-Minuten-Song über die Langeweile eine ausgiebige Schweigepause einzulegen, um danach zu elektronischen Störgeräuschen in lustvoll hysterisches Geschrei auszubrechen. Gefällt! In Frankreich hat sich Hjelmeland schon bekannt gemacht. Wird Zeit, dass sie auch mal ans andere Rheinufer überwechselt.

Foto: Vegard Fimland

26. August 2013

Fortgeschrittene Entfremdung mit Carmen Villain

Wenn eine Musikerin sich selbst den Künstlernamen Carmen Villain gibt, dann ist davon auszugehen, dass diese Frau nicht im Blümchenkleid und Birkenstocksandalen über saftige Wiesen schreitet. Ganz im Gegenteil: Die schlauen, unberechenbaren Schurkinnen dieser Welt gedeihen am bestens in der urbanen Wildnis, zur dunkelgrauen Dämmerstunde. Und verbergen ihre wahren Absichten hinter einem Vorhang wilder Haare, durch den die Augen mitunter bedrohlich blitzen. So macht es zumindest Carmen Maria Hillestad alias Carmen Villain. Zur Hälfte Norwegerin, zur anderen Hälfte Mexikanerin mit Wohnsitz in London. Dass Frau Villain zuvor ihr Geld durchaus erfolgreich als Model verdient hat, sollte eigentlich misstrauisch stimmen. Wenn ihr düsteres Debütalbum »SLEEPER« nicht beim norwegischen Label Smalltown Supersound herausgekommen wäre, einer der renommiertesten skandinavischen Adressen für Sounds zwischen Elektronik, Jazz und Psychedelik. Und wenn nicht Emil Nikolaisen von den Noise-Schlaumeiern Serena Maneesh tatkräftig bei der Produktion mitgeholfen hätte.

Keine Sorge: Stylish und hochglanzpoliert wird es in der Welt von Carmen Villain nicht. Eher kompliziert, mitunter kaputt und auf unterkühlte Weise hysterisch. Am ruhigsten geht es hier vielleicht noch im auf kammergrungigen, latent aggressiven, balladigen »Lifeissin« zu, wo sich die Musikerin unter dem Einfluss giftgrüner Stimulanzien zu stehen scheint (Absinth wird es sein!) und in Welten hinwegdriftet, in denen sicherlich böse Hexen das Sagen haben. Es ist ein Song für sternenlose Nächte, in denen die Dinge dezidiert nicht gut werden und die Sehnsucht nach Freiheit unerfüllt bleibt. Aber um Carmen Villain müssen wir uns keine Sorgen machen. Haben wir etwa Kerzen für Lydia Lunch, Siouxsie Sioux oder Kim Deal angezündet? Das haben diese Musikerinnen doch nicht nötig, die die dunklen Dinge souverän und lakonisch beim Namen nennen. »I am going to hell«, so endet dieser Track.

Dass ein gewisser kaputter Schick über Songs wie »Easy« liegt und der Geist der toten Model-Warhol-Muse Edie Sedgwick über diesen Tracks wabert, macht die Dinge doch nur auf eine interessante Weise kompliziert. Frau Villain inszeniert sich als mitunter lebensüberdrüssiges Nachtschattengewächs in einem Zustand fortgeschrittener Entfremdung. Das Träumen hat sie schon längst verlernt. Fieberschübe ziehen ihr kleines Boot scheinbar unwiderstehlich Richtung Mahlstrom. Könnte man meinen. Aber Carmen Villain, so verletzlich sie mitunter scheinen mag, hat das Ruder fest in der Hand und manövriert gekonnt über diese dunklen Wasser, diese Untiefen einer schwarzen Romantik. Die Furcht vor undefiniert Bedrohlichem schwingt aber immer mit. Irgendwie dekadent klingt das, aber irgendwie auch sehr ehrlich.

Foto: Kenneth Sporsheim

 
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