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Foto nordische Landschaft

15. Oktober 2015

Macbeths Hexe im Feen-Gewand: Phaedra

Die mythologische Phädra hat in der griechischen Sage ein böses Ende gefunden und noch über den Tod hinaus üble Dinge angestiftet. Die norwegische Sängerin Ingvlid Langgård alias Phaedra hat mit solch sinistren Sachen nichts zu tun. Im Gegenteil: Sie klingt zunächst so glockenklar, als wolle sie den Elfen Konkurrenz machen. Bis sie bald auf den interessanten Nebenpfad des Freakfolk einschwenkt, wo die Schönheit stets auch einen kleinen Tick schaurig ist. Die Chanteuse hat kürzlich ihr zweites Album »BLACKWINGED NIGHT« herausgebracht. Auf dem balladige Schönheit, bestens in Szene gesetzt mit gefühlvollen Streichern, ganz unversehens in Richtung dunkle Gegenwelten abdriftet. Twin Peaks lässt grüßen, wenn Feuer an unserer Seite lodern.

Die Brüche sind subtil. Ganz sanft gleiten wir mit Phaedra in samtene Abgründe. Der seine feine Track »Lightbeam« kommt zunächst im unschuldigen Gewand eines Wiegenliedes daher. Aber dann entwickeln elektronische Soundeffekte einen solchen Sog, dass sich die Fenster des Kinderzimmers unversehens in Richtung des dunklen Waldes öffnen. Phaedra touchiert hier den Dreampop. Aber wohl nur, um die an den Rändern lauernde Finsternis um so effektiver in Szene zu setzen! Macbeths Hexe im Feen-Gewand: Das ist von beunruhigender Schönheit! Das ist Nachtmusik für solche, die gerne in dunkler Schönheit schwelgen. Und die es zu schätzen wissen, dass symphonische Klänge, klassischer Folk und die dreizehnte Fee einen gelungen Dreiklang bilden!

das sich mit

09. September 2015

Gold Celeste öffnen Augen. Und Ohren!

Ein wenig sanfte Psychedelik kurz vorm Schlafengehen gibt es aus Norwegen. Gold Celeste heißt das Trio aus Trondheim, die mit staunenden Augen Richtung 60ies schauen. Als alle Farben noch so schön ineinander verlaufen sind! Die Drei sind aber keine naiven Retrojünger, sondern klingen frisch und neuzeitlich. Und zeigen voller Beschwingtheit, dass Pop und Psych schmusend in der Ecke sitzen können. Die feinen Harmoniegesänge hat man sich von den Beach Boys abgeguckt, die verträumte Attitüde sowieso. Dass der feine Song »Open Your Eyes« so entspannt wie elegant daherkommt, nimmt doch sehr für die Musiker aus der nördlichen Metropole ein. Man könnte fast meinen, in Trondheim ließe sich bestens am Strand spazieren! Ein Tupfer Shoegaze ist hier dabei, auch eine kleine Prise Melancholie. Synthies seufzen, Falsettgesang geht ans Herz. Und all diese Emotionen widersprechen sich keineswegs, sondern bilden im Ergebnis ein hochschwärmerisches Ganzes. Damit lässt sich doch lächelnd in die Kissen sinken!

22. August 2015

Donnerstag: Summer Heat statt Summer Breeze – Freitag: Gewitter vs. Summer Breeze 1:0

Es blitzt und donnert,
die Welt geht unter,
doch das Bier bleibt warm,
der Metaller munter.

Donnerstagmorgen holen uns unsere Freunde ab. Schon jetzt hat es 30°C. Zumindest dauert die Fahrt zum Summer Breeze in Dinkelsbühl nicht lange. Nur knapp zwei Stunden später suchen wir uns auf dem V.I.P.-Camping einen Zeltplatz. Schließlich stehen die Zelte, das Auto scheint sicher geparkt zu sein – und das erste Bier ist zum Glück noch kalt. (AdR: Das zweite, dritte, … übrigens auch)

Aus der Ferne lauschen wir Corvus Corax und Tankard. Wir begeben uns auf den Weg zu den Bühnen als Die Apokalyptischen Reiter gerade beginnen. Freunde, die schon Mittwoch anreisten, warten bereits auf uns. Doch zunächst finden wir sie in der Menge nicht, schon jetzt ist wahnsinnig viel los. Auch am Bierstand kein Glück: langsamer und unproduktiver als diese Typen arbeiten nur Beamte. Nach 15 oder 20 Minuten gebe ich genervt auf. Also kein Bier – fürs Erste. Unsere Freunde finden uns im Getümmel. Herzliche Begrüßung, da wir manch einen schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Destruction legen los, aber wirklich interessant sind sie für uns nicht. Auf dem Weg zum Pavillon unserer Freunde hören wir auf der Camel Stage noch bei Nachtgeschrei rein.

Nach einigen Bieren auf dem Campinggelände gehe ich mit meinem Bruder zu Dornenreich vor die T-Stage. Mir gefallen die Österreicher, auch das Zelt ist gut besucht, während sich der Rest Sodom anschaut. Beim Versuch zwei Biere zu kaufen, ertappe ich mich dabei nicht mehr rechnen zu können: Ich will neun Euro bezahlen, aber der Verkäufer beharrt darauf elf Euro zu bekommen. Leider hat er Recht und nicht ich.

Destruction (D)

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01. August 2015

Uaahaa, Späthippies! The Switch

Hach, hippieske Harmoniegesänge! Warum die späten 60er und frühen 70er heute wieder so absolut hip sind? An der Sehnsucht nach einer vorgeblich heilen Welt kann es nicht liegen! Unbestritten ist, dass uns diese großäugige Faszination mit psychedelischen Gegenwelten heute fast schon naiv vorkommt! The Switch aus Oslo lassen die Farfisa-Orgel dekorativ wummern und haben keinerlei Berührungsängste vor plüschigen Paisleymuster-Sounds. Gut so! Sie trauen sich sogar an Gitarrensoli, was heutzutage der gerade Weg zur Peinlichkeit ist. Das hält die Fünf doch nicht auf! Tagträumer sind sie, aber keine harmlosen. Wer sein zweites Album »B IS FOR THE BEAST« nennt, der ist kein verschmustes Blumenkind! Und wenn eine Band ihren Stil als »harmony- and solo-heavy 70’s inspired pop/rock« bezeichnet, dann gehen meine Ohren doch weit auf! Richtig so, macht bloß ein bisschen Rabatz! Immer nur nett sein ist doch superlangweilig!

Seit fünf Jahren werkelt die kleine Großgruppe bereits vor sich hin und hat sich in der norwegischen Hauptstadt einen gewissen Ruf als mitreißende Live-Band erarbeitet. Was man gerne glauben will, wenn man ausführlich in die Soundcloud-Seite von The Switch hereinhört. Da ist eine ansteckende Energie zu spüren. Und eine unbestrittene Euphorie! Lassen wir die Geister der Beach Boys und des Electric Light Orchestra in Frieden weiterwandern. Die große, operettenhafte Geste, die können diese Jungspunde ins Hier und Jetzt bringen. Uuhuu und Uaahaa! Das klingt doch superlebendig!

25. Juli 2015

Latente Beunruhigung mit Fride

Der Himmel sieht mit giftig dunkelschwarzen Wolkenungetümen so aus, als ob die bösen Kräfte Mordors sehr bald die Macht übernehmen würden. Da braucht man eine traumverlorene Stimme, die sich gegen dieses drohende Verhängnis auflehnt. Eigensinnig, unberechenbar, geheimnisvoll: So klingt Fride, eine junge norwegische Musikerin, die aktuell in London lebt. Fride ist eine diese Künstlerinnen, die sich in ihr Schlafzimmer zurückziehen, die elektronischen Helferlein um sich versammeln und latent beunruhigende Tracks im Ambient-Modus schreiben. Fride Vinnes ist offenkundig kein Mädchen, das sich allein im Wald fürchet. Sondern all diese geheimnisvollen Geräusche aus dem Unterholz ungemein spannend findet! Weniger ist in ihrem musikalischen Universum mehr. Im ebenso beunruhigenden wie betörenden »Coins« kommt sie der Schauerballade sehr nahe. Mag sein, dass sich hinter all diesen mantrischen Wiederholungen, die geliebte Person niemals zu vergessen, doch eine sehr effektive Verwünschung verbirgt! Den dunklen isländischen Elfen wie Sóley oder Samaris mag sich Fride wohl wesensverwandt fühlen. Denn genau wie diese führt uns die junge Frau aus Tromsø subtil auf Abwege. Man mag hier manchmal fast den Atem anhalten, um diese fragile Intimität nicht zu stören.

Naturgemäß fällt das Oeuvre von Fride bislang noch sehr begrenzt aus. Die junge Frau, die unbedingt das Zwielicht lieben muss, wirkt mitunter so, als sei sie auf der Suche nach etwas Flüchtigem, was sie nicht genau benennenn kann. Und agiert so, als gebe es nichts Schöneres, als durch den Nebel zu taumeln, hinter dem sich unerhörte Landschaften verbergen könnten. Via Soundcloud lassen sie sich mit Fride vielleicht entdecken.

 
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