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Foto nordische Landschaft

03. Oktober 2016

Enslaved im Club Cann: Geil war’s!

Tatort: Club Cann – Bad Cannstatt, Stuttgart
Tatverdächtige: Extreme Metal Urgesteine
Tatzeit
: 30.09.2016
Tatzeugen: keine Trachtentrottel

Als wir ankommen spielt gerade Enslaveds australische Vorband Ne Oblivicaris. Da wir sie schon auf Tuska gehört und gesehen haben, widmen wir uns lieber dem goldenen Gerstensaft und sehen uns die Show von weiter hinten an. Wobei hinten immer noch ziemlich nahe an der Bühne ist: Der Konzertsaal hat doch recht schnuckelige Ausmaße.

Nach einer kurzen Umbaupause beginnen Enslaved fulminant mit »Roots oft he Mountain« vom Album »RIITIR«. Das richtige Stück um sich auf das Set einzustimmen. Kompletten Beitrag lesen …

27. September 2016

Der Anti-Held: Albin Lee Meldau. Reeperbahn Festival 2016

Albin Lee Meldau strolcht als letztes Mitglied seiner Band auf die Bühne des plüschigen Hamburger Imperial Theaters. Ein ungelenker Mensch mit schlenkernden Gliedmaßen und einem unordentlichen dunklen Haarschopf. Blass und leicht übernächtigt wirkt er am zweiten Tag des Reeperbahn Festivals. »Harry Potter ist erwachsen geworden, hat sich eine Gitarre gekauft und irgendeine blöde Schlampe hat ihm das Herz gebrochen«: Das sind die ersten Assoziationen, die einem durch den Kopf fahren, wenn man den jungen Schweden sieht. Vor allem dann, wenn er sich mit fahrigen Gesten die Brille aufsetzt. Deren runde Gläser unter Garantie verschmiert sind. Aber alles ändert sich, wenn dieser Anti-Held anfängt zu singen: Der Mann aus Göteborg hat eine warme, brüchige, soulige Schmerzensmann-Stimme von ungewöhnlicher Klangfarbe. Ist keinesfalls der junge Mick Hucknall. Schlösse man die Augen, dann würde man sich einen mindestens 40jährigen vorstellen, der im Leben schon so manches Mal Schiffbruch erlitten hat. Viel braucht Meldau nicht, um an diesem Abend zu beeindrucken. Süßliche Gefühle hat dieses schwedische Nachtschattengewächs nicht im Repertoire. Diese Außenseiter-Töne haben Tiefe. Kommen aus dem Herzen, um die Vokabel »Authentizität« hier nicht strapazieren. Die Songs seiner Debüt-EP »LOVERS« sind zurückgenommen arrangiert. Weniger ist hier definitiv mehr. Und besonders mürbe ums Herz wird uns dann, wenn dieser junge Mann zur Trompete greift.

Albin Lee Meldau kommt aus einer musikalischen Familie. War jahrelang Sänger einer Soulband. Hat in Kirchen, auf Hochzeiten und Beerdigungen gespielt und auf der Straße sowieso. Seit rund einem Jahr erfindet sich dieser uneitle junge Mann als Solokünstler. Weil er sich mehr Erfolgschancen ausrechnet. Und weil er zu ungeduldig ist, um sich mit sechs anderen zu arrangieren. Albin Lee Meldau strebt in Richtung nachtschwarzen Pop. Das sehr feine »Lou Lou« ist veritabler skandinavischer Pop Noir. Klar, dass die Dinge hier schlecht ausgehen. Dass der junge Schwede hier mit Björn Yttling von Peter Bjorn And John gearbeitet hat, mag man kaum glauben.

Dieser uneitle junge Mann hat eine unbestreitbare Bühnenpräsenz. Vielleicht gerade deswegen, weil er es nicht nötig hat, dick aufzutragen. Kein Geringerer als Quentin Tarantino zeigte sich von dem Schweden beeindruckt und bestellte bei ihm ein Mixtape. Das Reeperbahn Festival hat in diesem Jahr übrigens zum ersten Mal einen Preis für den besten Nachwuchskünstler ausgelobt, der von einer hochkarätig besetzten internationalen Jury ausgewählt wurde. Wer hat den ersten Anchor Award gewonnen? Albin Lee Meldau natürlich!

(Foto: Fredrik Skogkvist)

06. September 2016

Ab in die Sonne mit den Merries! Bevor der Sommer endet

Finnische Bands müssen den weltweiten Rekord bei Songs halten, die sich mit Sonne und Sommer beschäftigen. Und bei skurrilen Do-It-Yourself-Videos sowieso. Allerhöchste Zeit, kurz vor dem offiziellen kalendarischen Herbstbeginn die Bekanntschaft der Merries zu machen! Das Sextett um den Gitarristen und Sänger Juuso Härmä hält die Werte des guten alten College-Indierock hoch und lässt die elektrischen Klampfen lustvoll jammen. Das sind unbekümmerte Töne für Menschen, die ihr Studium nicht in Rekordzeit abgeschlossen, sondern dem lieben Gott die Zeit gestohlen haben. Ach, ernsthaftes Erwachsenwerden, es ist uns damit nicht eilig! Diese entspannte Tagträumer-Attitüde lebt in den Song der Merries. Denken wir an die guten alten Replacements, denken wir an die Lemonheads, dann kommen wir der Sache schon ziemlich nahe. Wobei die Merries sich durchaus kleine Ausflüge in ein Land gestatten, in dem man unerwartet glücklich, gar schon euphorisch ist! Das ist sehr charmant, das. Man muss diese Schluffis einfach ein bisschen liebhaben. Dass der Herzschmerz vom Liebesglück nur eine Turnschuhlänge entfernt ist, versteht sich von selbst. Die Merries haben jüngst ihr selbst betiteltes Debütalbum vorgelegt. Wo sie schwelgerisch lärmen und mitunter unerwartete Dinge tun und einer Hammondorgel eine tragende Gastrolle einräumen. Via Bandcamp kann man ausführlich in den Erstling hereinhören. Aber bevor der Sommer endet, genießen wir schnell noch das schrullige Video zum feinen Song “Travel To The Sun”.

31. August 2016

Eine kleine Melancholie mit Guns

Gunhild Jarwson Tekle alias Guns ist ein Fan der legendären französischen Chanteuse France Gall, die als Stilvorbild der 60er Jahre gilt. Von France Gall ist es nicht weit zu neuzeitlichen Ikonen wie Lana Del Rey. Einen unterkühlt lasziven Lolita-Charme pflegt die Musikerin aus Trondheim mit derzeitigem Wohsitz in Kopenhagen ebenfalls. Aber sie fügt mit sensibler Hand eine Prise Dreampop bei und lässt die Synthies auf hohem Niveau schmachten. Oh lala, Mademoiselle! Im vergangenen Jahr hat Guns bereits mit der sehr feinen Track »Ricochet« Pluspunkte gesammelt. (Reinhören, da hier eine kleine Melancholie durch feinste Ritzen in dem Song kriecht). Seitdem hat sich die Sängerin rar gemacht. Fein, dass sie sich jetzt mit dem irgendwie nachtblauen Song »I Know Exactly How It Feels« scheinbar schwerelos zwischen kleiner Traurigkeit und verhaltener Euphorie bewegt. Sich zu edlen Synthies ein kleines Geheimnis bewahrt. Dabei sehr künstlich und trotzdem zugänglich klingt. Ein schöner Refrain mit hohem Wiedererkennungswert hat in einer Welt belangloser Dutzendware durchaus etwas für sich. Zart, kühl und selbstbewusst: Das könnte etwas werden, Miss Guns.

24. August 2016

Ein blauer Fleck im Auge des Sturms: Kuningas Yrjö

Ob man mit dem Bandnamen Kuningas Yrjö eine Weltkarriere startet, das scheint zweifelhaft. Übersetzt aus dem Finnischen bedeutet das übrigens König Georg. Hinter den Ein-Mann-Projekt aus der Hafenstadt Turku verbirgt sich der Musiker Yrjö Saarinen, der bislang vor allem als Sänger der eigenwilligen Kinder-Melodika-Popster TV- Resistori aufgefallen ist. Wer schräge Lo-fi-Töne in der Tradition der unvergessenen Young Marble Giants mag, der sollte in das Werk der Resistoren unbedingt mal hereinhören. Aber zurück zu König Georg aus Turku! Der Mann hat kürzlich sein Debütalbum mit dem schönen Titel »MUSTELMA MYRSKYN SILMÄSSA« (Ein blauer Fleck im Auge des Sturms!) vorgelegt. Auch ohne Kenntnisse der Landessprache erschließt sich, dass diesr Herr schrullige kleine Alltagsbeobachtungen erzählt und die schlunzige, allerliebst unbeholfene Form des Charmes zelebriert. Kuningas Yrjö, dieser moderne Wiedergänger eines Waldschrats, malt die Welt erwartungsgemäß in himmelblau, sondern pflegt einen augenzwinkernden schwarzen Humor. Da gibt es Tracks namens »Portrait eines Unfalls« und andere Merkwürdigkeiten. Der schräge Do-It-Yourself, Lo-Fi-Pop ist so ganz die Domäne des Mannes aus Turku. Bewusst naiv, aber gar nicht harmlos kommen diese Töne daher. Die auf eine beunruhigende Art tiefenentspannt sind. König Georg ist mit sich im Reinen und jubelt uns in diesen kleinen Songs noch ganz unversehens Elemente des finnischen Schlagers unter. Via Soundcloud kann man ausführlich in das Werk dieses Schelms hereinhören. Besonders gefallen tut das beschwingte »Syntynyt Juokseen« mit seinen quietschlebendigen 60ies-Anleihen!

 
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