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Foto nordische Landschaft

16. April 2008

Helsinki In Berlin

HIB_t

Die Finnen kommen – zumindest nach Berlin: Im April »küsst Helsinki Berlin« (www.helsinkissberlin.de) mit Ausstellungen, Filmen und natürlich MUSIK.
Bands von A wie Aavikko bis V wie The Valkyrians stehen auf den Bühnen der Berliner Clubs.

So müsste für jeden Geschmack etwas dabei sein.
Und das Beste: Fast alle Künstler sind bei uns rezensiert. Freut euch auf:

Veranstalter: Trinitylovex

  Do 24.04.08 21:00, ColumbiaClub
Lovex
Poets Of The Fall
Manboy

Fr 25.04.08 21:00, 103Club
– Op:l Bastards
Aavikko
– Pepe Deluxe
 
Fullsteam Night
Fr 25.04.08 19:00, ColumbiaClubdisco ensemble
Disco Ensemble
Lapko
I Walk The Line
Damn Seagulls
Downstairs

Sa 26.04.08 20:00, Magnet
22 Pistepirkko
Judge Bone
Anssi8000
– Hot Cake

So 27.04.08 21:00, Knaackdiablo
Metal Night
Diablo
Stam1na
– Discard

Mo 28.04.08 20:00, ColumbiaClub
Negative
Flinch

Di 29.04.08 22:00, Quasimodo
M.A. Numminen
– Sväng
– Marko Haavisto & Poutahaukat

Alle Daten:

Sa 19.4. Pets On Prozac, Obi Blanche, Top Billin' dj's, Les Gillettes dj's (Villa)
Sa 19.4. The Valkyrians (Kato)
Sa 19.4. Jimi Tenor , RinneRadio (Kesselhaus)
So 20.4. Tes La Rok, Dead-o, Rrimöyk, Teeth (103)
Mi 23.4. Hidria Spacefolk, Jaakko Eino Kalevi, Vilunki 3000 (West Germany)
Do 24.4. Fonal: Kemialliset Ystävät, Es (West Germany)
Do 24.4. Lovex, Poets of the Fall (Columbia Club)
Fr 25.4. Night on Earth: Op:l Bastards, Pepe Deluxé, Aavikko (103)
Fr 25.4. Disco Ensemble, Lapko, I Walk The Line (Columbia Club)
Sa 26.4. Eläkeläiset (Lido)
Sa 26.4. Luomo, dj Jori Hulkkonen, dj Sasse (Weekend)
Sa 26.4. 22-Pistepirkko, Judge Bone, Anssi8000 (Magnet)
So 27.4. Diablo, Stam1na, Discard (Knaack)
Mo 28.4. Negative, Dead by Gun, Flinch (Columbia Club)
Mo 28.4. Stripped to the Bone – exhibition/concert/party/art by Asko Keränen, video projections by Oliver Whitehead, Anssi8000 Live (West Germany)
Di 29.4. M.A. Numminen, Sväng, Marko Haavisto & Poutahaukat (Quasimodo)
Di 29.4. Tuomo , Stance Brothers (Bohannon)

13. April 2008

Battle Metal: Norther & Turisas im Karlsruher Substage

turisas

Vor gerade mal drei Monaten, am 9. Dezember 2007 , stand Petri Lindroos zuletzt auf der Bühne des Karlsruher Substages – allerdings als Ensiferum -Fronter. Heute, am 19. März kehrt er mit seiner Zweit-Combo Norther zurück, um den Weg für seine Landsmänner Turisas zu bereiten. Kurz nach 21 Uhr eröffnen die Death Metaller den Gig mit »My Antichrist«, dem Opener ihrer aktuellen Scheibe »N«.

norther…nicht unbedingt der bestmögliche Einstand, haben sie doch auf ihrem Century-Debüt das Tempo merklich gedrosselt. Das Publikum tut sich schwer mit den neuen Songs, gibt sich zurückhaltend – und Petri gewohnt wortkarg.

Gegen Mitte des Sets taut schließlich doch der eine oder andere auf, möglicherweise dank der »MIRROR OF MADNESS«-Stücke wie »Blackhearted« oder »Unleash Hell«.

Die ersten Arme fahren in die Höhe, die ersten Köpfe fangen an zu schwingen. Zu »Death Unlimited« vom gleichnamigen Album sowie »Black Gold« und »Self-Righteous Fuck« –  beides ordentliche Arschtreter von »N« – mosht sich die Meute ordentlich warm. Zu spät. Eine gute Dreiviertelstunde ist um. Das war’s.

norther

Umbaupause für Turisas. Bierpause für die Fans. Vereinzelt sind Turisas-Jünger mit rot-schwarzer Kriegsbemalung auszumachen.
Und es dauert… Die ersten werden ungeduldig, schreien »Turisas«, »Battle Metal«-Chöre werden laut.

Kurz nach 22 Uhr ist es soweit: Unisono recken die Fans ihre Fäuste in die Luft, als die ersten Takte von »The Dniepre Rapids« (»VARANGIAN WAY«) erklingen, und Turisas (benannt nach dem finnischen Kriegsgott) im besten Make-Up die Bühne erklimmen.

turisasNach dem Stück nimmt sich Matthias »Warlord« Nygård erstmal Zeit, seine Zuhörerschaft zu begrüßen – und wer weiß, möglicherweise hat sogar einer der Anwesenden die Finnen damals im Vorprogramm der Apokalyptischen Reiter gesehen.
Möglicherweise hat auch jemand den eigentlichen Akkordeonspieler Lisko gesehen …der nach der Februar-Show in Groningen nie wieder gesehen wurde – zumindest von keinem Bandmitglied.
An seiner Statt ist heute die 17jährige Netta Skog mit von der Partie, die dem (männlichen) Publikum nicht minder einheizt als Lisko.

Auf den Live-Kracher »Holmgard And Beyond« folgt »Portage To Unknown« beide ebenfalls vom aktuellen Album. Die Menge singt, schunkelt, pogt, beim Trinklied »One More« greifen Zuschauer wie Band zum Bier, während beider Schminke langsam aber sicher der Hitze Tribut zollt und erste Schweißströme sich ihre Spuren bahnen.

Immer wieder quatscht der Fronter mit dem Publikum, nach dem Stück »Messenger« vom Debüt »BATTLE METAL« hält er die Zeit reif für »something more epic«: Zum Abschluss des regulären Sets spielt das Sextett »Miklagard Overture«, ein extralanges Stück, das alle Turisas-Merkmale bündelt – und das Nygård nutzt, um alle Bandmitglieder vorzustellen.

turisasDie Band hat die Bühne noch nicht mal ganz verlassen, als aus diversen Kehlen ein Gewirr aus »Battle Metal«, »Rasputin« und »Turisas«-Rufen erschallt.

Wer »Rasputin« fordert, bekommt es auch: Turisas geben den Boney M.-Hit in ihrer eigenen Balalaika-Metal-Interpratation zum Besten. Nach »Sahti-Waari« stimmen sie das endgültige letzte, von den Fans heiß ersehnte Lied »Battle Metal« an.

Verdammt heiß dürfte es übrigens auch »Warlord« und seiner Mannschaft in ihren Fellen geworden sein, welche diese nun endlich backstage ablegen dürfen – sofern sie es noch können.

Und während die Fans, welche nach und nach das Substage verlassen, in Gedanken vermutlich schon beim verlängerten Osterwochenende sind …machen sich die Krieger auf die nächste Station ihrer Tour zu erobern.

06. April 2008

Anorexisch, androgyn, arrogant, aber gut: Death By Kite

Kleine Vorbemerkung zum Konzert der drei Dänen Death By Kite im Frankfurter Club das bett : Bloggen wird belohnt! Hat mir der Betreiber des einzig erträglichen Etablissements in Frankfurts Äbbelwoi-Kulissenstadtteil Sachsenhausen doch an diesem Abend wohlwollend ein Weizenbier ausgegeben. Und warum? Seinen Veranstaltungsort mehrfach im Polarblog erwähnt. So wird man plötzlich zur Expertin. Als ein jungspundiger Nachwuchskonzertgänger am Tresen fragt, welche Art Musik die Dänen denn so machen, sagt der Wirt wichtig: »Frag diese Frau, die kennt sich aus«! Kleiner Lachanfall bei der gemeinten Person. :)

 Death By Kite  lassen sich an diesem Abend Zeit, um auf die Bühne zu kommen. Vom Band laufen »Silver Machine« von Hawkwind und »Radar Love« von Golden Earring. Lange nicht gehört. Die Dänen touren bereits zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres durch die Kleinclubs, um ihr selbstbetiteltes Debütalbum zu bewerben.  Nur den Schlagzeuger haben sie inzwischen gegen ein magersüchiges Kind ausgetauscht. Passt bestens in das optische Gesamtbild der Band: Blond, blass, anorexisch und androgyn. Mit viel Kajal um die Augen dem lebensüberdrüssigen blasierten Schhick gehuldigt. 

Und nun genug der Widerworte zum äußeren Erscheinungsbild des Trios. Es wird heftig. Es wird intensiv. Das unbeding notwendige Grundgerüst des Powerpop und sonst nichts: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Es geht deutlich zurück in die frühen Tage des New Wave. Daseinsverdrossenheit und und stilverliebte Wut. Wir sind die Jugend, wir haben recht. Das ist selbstverständlich arrogant, aber es ist gut. Die Stücke wie »Himmelfahrtskommando« und »Bhf Asta« punkten mit Dringlichkeit und ausgefeiltem Songwriting. Sind cool. Sind unbedingt tanzbar. Dass die Placebo-Bezüge offenkundig sind und Sänger Bjørn Alexander Gøtzsche Lange dem Dunkeldandy Brian Molko genau zugehört hat, ist geschenkt. Dieses Mädel am Bass und diese zwei Jungs können spielen. Auch wenn sie sich gern in Posen gefallen. Geschenkt.

 Beschäftigt hat uns an diesem Abend noch, wie es der Sänger überhaupt in diese superengen Röhrenjeans geschafft hat. Allein das Zuschauen tut weh. Aua! Um die Unterleibsgesundheit junger Dänen müssen wir uns ernste Sorgen machen. Um das musikalische Aufbruchpotenzial dagegen nicht.

 

01. April 2008

Finalfieber: Dänemark, dein Superstar

 Wie ein sehr erfolgreiches Franchise-Produkt hat sich das Castingfieber seinen Weg durch die Welt gebahnt. Nicht nur in Afghanistan und Deutschland ist derzeit die aufgeblähte Unterhaltungsmaschinerie ächzend unterwegs, auch im ansonst betulichen Dänemark war bis zum Wochenende die Hölle los. Fast 45% aller dänischen Haushalte verfolgte bibbernd und sympathisierend den Weg ihres Favoriten in das Finale.  Das erstmalig so starke Bündnis bestehend aus Öffentlich rechtlichem Fernsehen und dem Boulevardblattkonglomerat beschien der Sendung „X-Factor“ nie da gewesene Quoten und sorgte für den Musikhype der dänischen Historie. Niemand, der sich dieser medialen Allgegenwart für ein paar Wochen entziehen konnte. Selbst die Kurzauftritte der Finalisten sorgte für Verkehrsstau in der Kopenhagener Innenstadt, als vor dem Rathaus 60.000 meist weibliche Fans jubelnd Einzug hielten. Man darf getrost Superlative in Erwägung ziehen, um diesen Wahn zu charakterisieren.

Am Freitag fiel die Entscheidung zwischen dem 15-jährigen Martin („Little Jackson“) mit der sehr speziell knödeligen Stimme und der nicht viel älteren Laura,  die in Dänemark weniger liebevoll als „Schwester von Shrek“ tituliert wird. Anders als in der mit Werbung und Anruf-Aufrufen vollgestopften Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ wird bei „X-Factor“ vor allem wirklich eins: Gesungen. Ganze vier Titel durfte jeder der Kandidaten zum Besten geben – und das in einer Show, die zwar in ihrer Gesamtkonzeption ebenso fraglich ist wie alle Casting-Sendungen, aber erfrischend stringent und skelettiert daherkam. Ohne Werbung, nur durch halbstündige (!) Nachrichtenpausen unterbrochen und dadurch kurzweilig genug, um die halbe Nation zu fesseln.

Wie wohl überall erwiesen sich letztlich die weiblichen und jungen SMS-Votingteilnehmer am aktivsten. Martin gewann überlegen das Finale und darf sich mit seiner Debütsingle wohl ab nächster Woche ganz oben in den dänischen Charts bequem machen. Aber nicht dieser Auftritt gehörte zum Höhepunkt der Sendung, nein, vielmehr die All Stars-Variante der im ersten Casting ohne die erbärmliche Bohlen’sche Rhetorik Aussortierten sorgte für Standing Ovations. Kein Wunder, wenn die arthritische Oma mit dem vollkommen „akzentfrei“ singenden Opa eine Extrarunde drehen darf. Diese 15 Minuten Ruhm und Sternstunde der Selbstironie sollte man sich nicht entgehen lassen, der Rest ist wie ehedem vergessenswert.

29. März 2008

Zorn ist die zweite Trauerphase: The Violent Years in Offenbach

Wie soll man bloß jemals über den Verlust einer großen Liebe hinwegkommen? Wo es doch so klar ist, dass die geliebte Person in unsere Arme gehört und nirgendwo anders? Warum will der Schmerz einfach nicht aufhören?  Antworten auf diese kaum zu lösenden Fragen haben auch The Violent Years aus Norwegen nicht. Aber mit den vier Phasen des Trauerns kennen sie sich aus: Das Nicht-Wahrhaben-Wollen haben sie hinter sich gelassen. Sie sind in der zweiten Phase des Trauerns: Voller Zorn, Aufbegehren, Wüten. Und es tut geradezu körperlich weh, ihnen dabei zuzuhören. Aber auf eine wunderbar intensive Art.

Aber spulen wir kurz zurück: Für Konzertveranstalter ist dies einer dieser Abende, an denen man an seinem Job verzweifeln könnte: Gerade einmal 14 zahlende Zuschauer haben sich an diesem kalten Abend in den supersympathischen Club Hafen 2 in Offenbach aufgemacht, um das Quintett aus dem südnorwegischen Mandal zu hören. Nur dass die netten Betreiber des Clubs die Sache mit Gelassenheit nehmen. Wird ihr alter Lokschuppen doch sowieso spätestens im Herbst abgerissen, um im schlimmsten Fall einem überflüssigen Einkaufszentrum Platz zu machen. Irgendwo wird der Club weiterleben. Und bis dahin wollen wir den Endzeit-Charme mit Flussblick in down and out Offenbach, dem Stiefkind des Rhein-Main-Gebietes, gebührend genießen.

Schüchtern und ungelenk klettern The Violent Years auf die Bühne.  Äußerlichkeiten uninteressant, karierte Hemden und schluffige Jeans. Dunkel ist es, und das passt zur Grundfarbe der Songs. Denken wir Nick Cave, denken wir den düsteren Johnny Cash, denken wir den countryesken frühen Dylan, denken American Music Club und denken wir Einsamkeit und weite Landschaften. Dann sind wir schon ziemlich genau da, wo die Norweger anfangen. Bei den klassischen Verlierern. Ich wünschte so sehr, dass du bis in alle Ewigkeit zu mir gehören würdest, fleht Sänger Kenneth Bringsdal. Natürlich wird er vergeblich flehen. Aber zumindest formulieren darf er seinen Anspruch.

Das ist nicht unbedingt neu oder originell. Aber an diesem Abend machen Intensität, Wahrhaftigkeit und Können den Unterschied. Hier spielen zurückgenommene Virtuosen, die sich gegenseitig respektvoll Raum lassen. Der wunderbare Basser Jack van der Hagen, der schier mit seinem bauchigen Instrument verschmilzt. Der präzise Schlagzeuger Per Bertrand, der alles diszipliniert zusammenhält, ein Tier von Mann von erstaunlicher Zartheit. Die flirrend-strukturierten Pianoeinwürfe von W. Sjolingstad. Die einfühlsam-wütende Gitarre von Andreas Hoff. Und Kenneth Bringsdal, der hingebungsvoll und ohne Eitelkeit den schwierigsten Part von allen mit Leben füllt: Den des charismatischen Frontmanns. Er leidet, er schreit, er begehrt auf, er kämpft, er fällt, er steht wieder auf.  Er verliert die Hoffnung nicht, dass es trotzdem irgendwann einmal gut sein wird. An diesem Abend wollen wir ihm glauben.

14 Zuhörer. Mit der Barfrau und den Betreibern 17. Wo sich die Katze versteckt hat, das weiß ich nicht. Die Norweger trinken süddeutsches Tannenzäpfle-Bier auf der Bühne. Rühren Herzen. Draußen hängen schon wieder Regen und die Drohung eines anstrengenden neuen Arbeitstages in der Luft. Drinnen spielen die Norweger noch eine letzte Zugabe.

14 Zuhörer. The Violent Years sind in diesen Tagen auf Deutschland-Tour. Ein paar mehr haben die Musiker unbedingt verdient.

 
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