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Foto nordische Landschaft

03. Januar 2008

Musik von vorne: Bands für 2008 [4/4]

Natürlich hätten wir diese Liste noch viel länger machen können. Und müssen! In Norwegen tummeln sich in Oslo und in der Bergen-Szene noch exzellente Künstler (beispielsweise die genialen Avantgardeure von Shining und Italo-Beatmeister Lindstrøm ), in Schweden reißt die Serie an wunderbaren Folkpop-Musikern nicht ab und Finnlands Bands haben 2007 schon dominiert. Man nenne an dieser Stelle Rubik und Sister Flo. Nach Teil eins und zwei und drei gibt es hier nun weitere Exemplare aus der spannenden skandinavischen Musikszene.

LAU NAU (FIN)

 Der Wodkaverbrauch in den düsteren Monaten steigt in Finnland gen unendlich. So lautet ein weitverbreitetes Klischee. Bei Lau Nau dürfte neben Patchouli eher das ein oder andere Kraut die Lebensadern weiten und so für den passenden Singsang sorgen. Man stellt sich quasi automatisch vor, die Frau hinter diesem Projekt haust mit zerzausten Haaren in irgendeinem Märchenwald und lässt einmal pro Tag schleppend ihre geränderten Fingernägel über die Harfe sausen. Das ist avantgardistisch und weird, aber so was muss es eben auch geben. Es geht hier eher um Sounds als Songs, allerdings muss Laura mit ihren rekrutierten Waldschraten die gerade eingespielten für ihr neues Album auswählen. Mit Glück erscheint es 2008. Zum Weiterhören empfehlen wir den Komplettkatalog des spannenden Labels Fonal, z.B. Valojuopot oder Shogun Kunitoki. Aber Achtung: Circa 96% der zufällig befragten Passanten verneinten die Frage, ob es sich dabei um Musik handele…

Homepage: myspace.com/launau

BLOODGROUP (ISL)

 Wenn hier im ersten Satz etwas wie »blutrünstig«, »brachial« oder »todesmetallisch« stehen würde, wären die Erwartungen wohl passend erfüllt. Aber ein paar Isländische Scherzkekse spielen mit Assoziationen (wie z.B. auch der Kanadier von Destroyer) und lassen danach bunte Luftblasen folgen. Die Mischung ist undefinierbar. Hier wird sich zwischen Elektro, Pop, Soul und Funk bewegt – bunter bemalt als ein Keith Haring-Bild. Stillstehen ist unmöglich, ebenso weitere Informationen über diese Band zu erhalten. Schüttelt Extremitäten zu dieser frischen Band aus eisi Iceland!

Homepage: myspace.com/bloodgroup

BARR (SWE)

 »Barr is Swedish for pine needle. And a seven piece making acoustic mayhem.« So steht es zumindest auf ihrer myspace-Homepage. Bisher gibt es nur wenige Songs, die eingespielt dort ihren Platz finden. An eine offizielle Präsenz oder gar mehr Infos ist nicht zu denken. Aber ihre Folkpop gefällt durchaus mit einer reichhaltigen Instrumentierung und guten Ideen. Dass das Umfeld aus Jenny Wilson und Moneybrother besteht, dürfte da auch nicht gerade hinderlich sein. Ein Label ist allerdings noch nicht gefunden, so dass Zeit genug bleibt, dem Baum beim wachsen der Band beim Werdegang zuzugucken. Würde übrigens super auf Imperial Recordings passen, wo z.B. auch Promise And The Monster (auch total neu), José Gonzalez und Co drauf sind.

Homepage: myspace.com/barrmusic

Es gibt viel zu entdecken. Freuen wir uns also auf 2008!

01. Januar 2008

Musik von vorne: Bands für 2008 [3/4]

Aufhören? Kann man zum Beispiel bei den folgenden Solo-Künstlern, die 2008 mit etwas Glück auch Alben in Deutschland veröffentlichen werden. Teil eins und zwei dieser kleinen Reihe findet ihr hier und hier.

LARS HORNTVETH (NOR)

 Nein, im kommerziellen Sinne wird Lars Horntveth sicherlich keinen Erfolg haben. Aus künstlerischer Sicht darf man sich aber auf sein neues Werk freuen, was 2008 über das geniale Kleinstlabel Smalltown Supersound das Licht der Plattenläden erblicken wird. Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Wir wissen nur: Es wird aus gezupfter Akustik und vielen Geigenparts bestehen. Instrumental sein und hinreißend melancholisch. Ein Garant für höchste Intimität und Spielfreude ist dieser immer noch junge Musiker sowieso – als Mitglied von Jaga Jazzist (kommt da eigentlich auch mal was Neues?) schmierte er uns in der Vergangenheit elegische Meisterwerke ums Ohr. Hach. Toll.

Hompage: myspace.com/larshorntveth

FAMILJEN (SWE)

 Die 80er Jahre sind in Schweden immer noch nicht vorbei. Während in Frankreich die nächste Welle an Kitsuné- und Ed Banger-Bands anrollt und England mit den Neukommern Does It Offend You, Yeah? oder Hadouken überschwemmt wird, sortiert sich das Nordland traditionell eher am anderen Ende der Coolness-Skala ein (man höre auch den immerhin etwas koolere Elektro-Tanz der Gebrüder »Keks und Käse« aus Norwegen). Die Beats von Familjen sind leider eher dürftig, der Stil eher retro. In Schweden hat die in heimatländisch singende Tanz-Familie (die eigentlich nur Johan T Karlsson besteht) allerdings trotzdem 2007 ihren Stammbaum deutlich verzweigen können. Ob auch in anderen Ländern neue Triebe und Knospen entstehen werden? Wir lassen uns überraschen, sind allerdings nicht wirklich optimistisch…

Homepage: myspace.com/familijen

AS IN REBEKKAMARIA (DK)

 Bekannt aus Funk und Fernsehen? Nein, vielmehr bekannt von einer schwedisch-dänischen Combo namens Lampshade. Deren nostalgischer Trip in Parallelwelten wurde mit RebekkaMarias Stimme erst zu dem, was er war, ist und sein wird. Zwar ist RebekkaMaria im wahren Leben längst verheiratet, nun geht sie aber solo. Das klingt nicht wie jeher verwunschen und hochfliegend zwischen Indie und Folk, sondern tappst fröhlich mit Beatmaschine und Leerlauf in die Welt hinaus. Mit gewohnt knödeliger Stimme und exzentrischen Gesten.

Homepage: myspace.com/asinrebekkamaria


29. Dezember 2007

Musik von vorne: Bands für 2008 [2/4]

Wir wagen es und versprechen keinerlei Vollständigkeit: Hier folgt der zweite Teil des musikalischen Ausblicks auf das Jahr 2008. Teil 1 findet ihr unter folgendem Link. Zwischen Popmusik von zweifelhafter Qualität und erster Güteklasse ist dieses Mal alles dabei…
ALPHABEAT (DK)

 »In The Moonlight, On A Joyride« –diese kurze Zeile macht alles klar. Hier erwartet uns keine hochfliegende Denkerlyrik und passend dazu ist die Musik eben das, was Oma landläufig »fesch« und »beschwingt« nennt. Ein bisschen einfältig, aber jederzeit verschwenderisch ausstaffiert. Wer auf liebliche Weine im normalen Leben verzichtet, der tue das auch besser bei diesen Sloganizern. Kein simpler Beat ist zu simpel und von schlechten Reimen wird sich quasi permanent ernährt. In England wird derzeit ausgiebig getourt und der NME preist diesem Popmusik-Sechser durchaus die Zukunft. Zwischen Wham!, B52’s und Abba ist eben alles »superduber«. Und ja, auch das ist auch ein Zitat.

Homepage: myspace.com/thisisalphabeat
THOSE DANCING DAYS (SWE)

 Peter Bjorn And John, Bloc Party, Les Savy Fav – die Labelmates sprechen eine eindeutige Sprache. Das Label Wichita sucht nach Qualitätsprodukten und der Erfolg lässt meist nicht lange auf sich warten. Fünf Ladies aus Nacka, einem Vorort von Stockholm machen sich 2008 in ganz Europa auf den Weg. Entlang Northern Soul, Hammond-Pop und jugendlicher Ungeduld. Selbst die Videos strotzen vor Charme und 80s-Feeling. Die Stimmen muss man mögen, die Naivität auch. Vielleicht sind auch diese Songs im Winter verboten und entfalten erst auf saftigen Midsommar-Wiesen ihre endgültige Kraft?

Homepage: myspace.com/thosedancingdays

FRISKA VILJOR (SWE)

 Auf dem Arm hat sich Sänger Daniel einen großen schwarzen Balken tätowieren lassen. Man könnte meinen, er hat einfach eine ganze Armada an Treueschwüre an die Liebsten überstechen lassen. Ist natürlich nicht der Fall – allerdings nicht ganz abwegig. Denn mit ihrem diesjährigen Album und besonders den angekoppelten Touren haben sie auch hier in Deutschland durchaus Erfolg gehabt. Anders als die meisten Schwedenbands zeigen sie, dass sie jeden Abend auf der Bühne Spaß haben können. Mit oder ohne Alkohol. 2008 folgt Album Nummer zwei und dafür kann es nur eine Richtung geben: Steil nach oben!

Homepage: friskaviljor.net

26. Dezember 2007

Musik von vorne: Bands für 2008 [1/4]

Popmusik aus Skandinavien ist (frei nach Effi Briest) ein weites Feld. Nur wenige Bands schaffen es, sich auch in Deutschland durchzusetzen. Abseits der großen Major-Konzerne kann man die Erfolge an wenigen Fingern abzählen. Und über Erfolg entscheidet letztlich auch noch der Würfelbecher des Glücks. Wir wagen trotzdem einen Ausblick auf zwölf Pop-Bands, die 2008 von sich hören lassen. Im großen oder kleinen Kreis.
BOYS IN A BAND (FO)

 Eigentlich kennt man die Färöer nur als Gruppenletzter in der EM-Qualifikation. Musikalisch regierte dort die anachronistische Punkband »200« mit erhobenem Zepter. Was Rockmusik betraf, war sie in den letzten Jahren das Maß aller Dinge. Nun gibt sich eine Neukommerband kämpferisch. Ein paar lokale Nachwuchswettbewerbe hat sie schon gewonnen und ging auch als Sieger aus dem Battle Of The Bands hervor: Boys In A Band. Den Namen vortrefflich von einem Libertines-Titel abgelinst, versuchen sie sich nicht am Imitat – und klingen dennoch irgendwie so, wie die momentan angesagten Bands der englischen Insel. Mit scharfkantigen Gitarren und jeder Menge Melodien, die nicht ganz so plakativ daherkommen, wie von den Kollegen aus dem UK.

Homepage: myspace.com/boysinaband
EF (SWE)

 Ganz anders EF. Diese orientieren sich an den großen Epen, umgeben sich mit Wortlosigkeiten und quälen gleich dreifach die sechs Saiten. Die Abenteuer und Leidenschaften verpacken sie in höchst dramatische und schöne Postrock-Songs, wie sie sonst (mit Ausnahme der etwas ruppigeren Scraps Of Tape, die an dieser Stelle ausdrücklich ebenso empfohlen werden) nur aus den USA oder Canada kommen. Ihr Zweitling »I Am Responsible« nimmt nicht nur die Schuld auf sich, sondern gibt auch 58 herzliche Minuten offene Arme. Live übrigens ein energetischer Tornado!

Homepage: efmusic.nu

SLAGSMÅLSKLUBBEN (SWE)

 Was Madonna Anfang der 90er auf den Sperrmüll warf, haben die sechs Jungs vom Slagsmålsklubben einfach wieder herausgekramt. Alte C64-Computer, käsig überbackene Casio-Keyboards – hauptsache bunt schillernd und laut. Subtil ist anders. Mit frischem Schwung auf die Jetztzeit programmiert, starteten sie bereits in Schweden und England mit ihrem Album „Boss For Leader“ durch. 2008 wäre eine gute Gelegenheit den am Löschpapier knabbernden und Smilies fressenden Tanzwütigen auch hierzulande eine Überdosis Happy Rave zu verpassen. Dank der Einimpfung von 10 Kilo Melodien pro Sekunde ist das nämlich eine sehr spaßbringende Angelegenheit. »Sponsored By Destiny« und der furiose Kirmestechno-Abschluss »Pælsmaestaren« sind die Casio-Monolithen!

Homepage: smk.just.nu

22. Dezember 2007

Huuhkaja! Teil 2: Ein Uhu macht Karriere

Kurz vor Weihnachten wird es uns unerwartet friedlich ums Herz und wird uns klar, dass jetzt die Zeit für eine nette Geschichte gekommen ist. Und die geht so: Dass ein riesiger Uhu (huuhkaja in der Landessprache)  im Juni durch einen eindrucksvollen Auftritt im Olympiastadion zu Helsinki den zwischenzeitlichen Abbruch eines Fußball-Länderspiels erzwang, ist noch in bester Erinnerung. Die finnische Nationalmannschaft fasste durch den couragierten Auftritt des im Stadion lebenden Uhus neuen Mut und rang das gegnerische belgische Team schließlich mit 2:0 nieder.  Seitdem ist der Vogel (lateinisch Bubo Bubo) in Finnland ein Held und es gibt nicht wenige einheimische Touristen, die eigens ins Olympiastadion pilgern, um vielleicht einen Blick auf »Bubi« zu erhaschen. Jawohl, der Uhu brauchte natürlich einen Namen. Da er sich bevorzugt auf den Reporterplätzen niederlässt, musste der legendäre Radiokommentator Bror-Erik »Bubi« Wallenius schließlich als Namenspate herhalten.

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten küren die Journalisten der in Helsinki tätigen Lokalredaktionen den »Bürger des Jahres« der Hauptstadt. Anno 2007 gab es einen einsam an der Spitze liegenden Gewinner: »Bubi«, den Uhu! Erstmals in der Geschichte dieser Auszeichnung ging Platz eins also an einen Vogel. Klar, schreibt der »Helsingin Sanomat« , die größte Tageszeitung des Landes, klar hätte es auch einige verdienstvolle menschliche Kandidaten gegeben, aber »Bubi« hat sie alle lässig abgehängt. Ein Uhu ist also die Persönlichkeit, über die man in Helsinki in diesem Jahr am meisten gesprochen hat.

Die Auszeichnung ist natürlich mit einem Geschenk verbunden:  Einer signierten Lithografie der Künstlerin Tuula Juuti. Da »Bubi« den Preis schlecht persönlich abholen kann, soll das Werk jetzt im Olympiastadion aufgehängt werden. Viele Fans des Vogels hoffen indessen, dass er seine Flugkünste bald wieder vor einer internationalen Kulisse zeigen wird. Etwa bei den Qualifikationsspielen zur Fussball-Weltmeisterschaft 2010, wenn das deutsche Team kommt. Ballack und »Bubi« etwa gäben ein schönes Bild ab.

 
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