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Foto nordische Landschaft

27. November 2007

Halloween spezial: Apocalyptica, Stam1na, Sturm und Drang

Wer will schon zu einer, der mittlerweile überall obligatorischen, Halloween-Parties – wenn er stattdessen einen finnischen Dreier haben kann? Am 31. Oktober rocken nicht nur Apocalyptica , sondern auch deren Landsmänner Stam1na sowie Sturm und Drang das Kongresszentrum B in Stuttgart.

apocalyptica stuttgart

Die erwartete Klientel: 13+30 Jahre und überwiegend weiblich. Begründung: Sturm und Drang zierten bereits die Bravo – und Apo ziehen bekanntermaßen alles an, bis hin zu bejahrten (Haus)Frauen auf der Suche nach ihrer (verpassten) Jugend. Glücklicherweise wuseln doch mehr Besucher als erwartet durch die Halle. Vielleicht haben diese schon »UUDET KYMMENEN KÄSKYÄ « von Stam1na gehört? Kompletten Beitrag lesen …

08. November 2007

The Moonbabies oder: Was ist der perfekte Popsong?

Wie hört sich der perfekte Popsong an? »Ich weiß es nicht«, antwortete Ola Frick überrascht auf diese Frage. Die weißen Engelsflügel hat der Sänger der Moonbabies nach dem Konzert im Frankfurter Club »das bett« bereits abgelegt. Seine dunklen Haare sind wirr verstrubbelt und auf dem Boden klebt verschüttetetes Bier.  Höchstens mal 15 Konzertgänger haben sich an diesem trüben Novemberabend eingefunden, um schwedischen Pop zu hören. Die Konkurrenz aus dem eigenen Land ist da, denn kaum dreihundert Meter weiter spielt Britta Persson im Clubkeller. Aber die Sache mit dem perfekten Popsong, über die wollen wir hier weiter reden. »Dieser Song muss immer ein bisschen traurig sein«, sage ich. »Stimmt«, meint Ola.

Die Moonbabies sind eine dieser Bands, die live überraschen. Durch ihre Energie und Präsenz, die auf das Publikum abstrahlen wie Heizpilze im Dezember vor Nichtraucherkneipen. Durch Professionalität und Lebendigkeit. Durch ihre mutige Entscheidung, eine ihrer buntesten Leuchtraketen gleich zu Beginn des Konzerts zu zünden und mit »War On Sound« einzusteigen, einem melancholisch-optimistischen Funkelstern, der dem Ideal des perfekten Popsongs sehr nahe kommt. Bei dem man sich fühlt, als hätte man die hundert Wunderkerzen in der Hand alle auf einmal angezündet.

Die helle Stimme vcn Carina Johansson geht leider an diesem Abend wegen  technischer Problemen im bett unter, das ansonsten ein grundsympathischer Club mit netten Betreiben ist. Da hilft es auch nichts, dass sie ins Megafon singt. Dabei lebt die musikalische Identität der Moonbabies doch von diesem Boy-Girl-Wechselgesängen seiner beiden Protagonisten! Egal, egal, an diesem Abend vermitteln die beiden eine Ahnung davon, dass sie noch viel vorhaben und irgendwann zum großen Sprung ansetzen könnten. Von der arrogant-coolen Selbstverliebtheit so mancher schwedischer Nachwuchs-Popkapelle ist hier nichts zu spüren.  Unterstützt von einem präzisen Tourschlagzeuger mit knochentrockenem Anschlag entsteht eine zärtliche, experimentierfreudige, mächtig Tanzlust machende Melange. Und ganz zum Schluss fliegen die Seifenblasen und blitzt so eine Ahnung von Glück auf. Auch das gehört im übrigen zum perfekten Popsong.

Und endlich gibt es Antworten auf die wichtigen Fragen. Einer meiner Lieblingssongs auf der neuen Platte »AT THE BALLROOM« ist gleich das Eingangsstück »21st Century Heart«.  Der Text ist nicht so ganz verständlich. »Was singt ihr denn da genau?«, frage ich. Carina und Ola grinsen. »Something good is coming to me, oh yeah, alright.« Dem ist nichts hinzufügen, denn jetzt strahlen wir alle drei.

30. Oktober 2007

Radiohören im November (2007)

Ja, wie klingt der Norden? Und wenn er klingt, klingt es dann einheitlich – nordisch? Tatsache oder immer wieder bemühtes Klischee: Auf jeden Fall bietet der Kultursender Deutschlandradio Kultur in diesem Monat jede Menge Anlässe, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Wie wäre es mit Carl Nielsen, dem – auch das so ein Label – großen Dänen? Seine Sinfonie Nr. 1 g-moll op 7 wird gespielt vom Dänischen Nationalen Rundfunkorchester am Freitag, den 2.11., ab ca. 21.15 Uhr.

Zwei Tage später folgen dann bisher unbekannte schwedische Aufnahmen mit Zarah Leander: am Sonntag, den 4. 11, um 18.05 Uhr. Wieder klassisch dann der erste Abend „Wege des Nordens“ (Donnerstag, 8.11., ab 20.03 Uhr) mit Werken von Magnar Am, Jean Sibelius, Edvard Grieg und Carl Nielsen – da sind sie also wieder alle zusammen. Fortgesetzt wird die Reihe am Freitag, den 16.11, 20.03 Uhr, dann mit Werken von Atli Heimir Sveinsson („Icerapp“ für großes Orchester), Jon Nordal, nochmals Nielsen sowie Jon Leifs, dessen „Geysir“ zu hören sein wird. Will man dagegen Wege des Jazz beschreiten, heißt es früh aufstehen oder besser länger aufbleiben: Karl Seglem samt seiner Gefährten widmet sich der erste Teil der Sendung Tonart, ein Mitschnitt der 31. Leipziger Jazztage (Dienstag, 20.11., 2.05 Uhr).

Interessant sind gewiss auch zwei Sendungen, die sich eher indirekt mit klassisch geordneter Musik, weit aber mehr mit Klängen und Geräuschen beschäftigen: „Frost Pattern“ nennt sich eine Autorenproduktion von Andreas Bick, die den Versuch unternimmt, das Kalben grönländischer Gletscher, das Schreiten über den arktischen Schnee und das Schütteln verschneiter Bäume zu einer Klangcollage zu bündeln (Freitag, 9. 11., 0.05 Uhr).

„Station Eismitte“ von Thomas Körner ist vernmutlich ebenfalls eine eher ungewöhnliche Komposition: Ausgehend von der Station des Polarforschers Alfred Wegner, die dieser 1930 im grönländischen Inlandeis errichtet, verspricht die Produktion eine „Klangtopographie der ‚inneren Arktis’“ und „imaginiert den Ton eines ins Eis gegrabenen Lebens“. Na, dann mal warm anziehen!

30. Oktober 2007

Dark Tranquillitys Mikael Stanne: »Wir lieben unsere Gesellschaft«

Am 23. Oktober 2007 spielen Dark Tranquillity in Karlsruhe. Ich nutze die Gelegenheit um den äußerst gutgelaunten Front-Rotschopf Mikael Stanne zu interviewen, der für (seine) Musik lebt – und sie liebt.

Es herrscht das übliche Chaos: Der Tourmanager, den ich anrufen soll, steckt wohl noch im Flieger. Als ich endlich dennoch im Substage stehe, stopft die Band gerade ihre hungrigen Mäuler. Und so folgt anschließend ein Blitz-Interview zwischen Tür und Angel, im wahrsten Sinne des Wortes:
Aus Mangel an Sitzgelegenheiten im uns zugewiesenen Vorraum, nehmen wir den Einlass-Tresen in Besitz.

dark tranquillity mikael stanne

Wie war die Tour (mit Sonic Syndicate, Soilwork und Caliban) bisher?
Großartig! Wir fingen in Großbritannien an – und es war sehr viel besser als erwartet.

Besser als erwartet – seid ihr so pessimistisch?
(lacht) Oh, wir rechnen immer mit dem schlimmsten. Das beste Publikum hatten wir aber in Frankreich, Italien, Spanien.

…und in Deutschland?

Da ist es auch gut, aber gerade die Italiener zeigen ihre ganze Leidenschaft, die drehen völlig durch!

Habt ihr eine fixe Setlist, oder wexelt ihr je nach Land/Stadt die Songs?
Oh, wir ändern sie je nach Spieldauer. Auf dieser Tour wexeln die Headliner: Wir waren in Italien, Spanien und Großbritannien Headliner, hier sind es Caliban.

…und wenn nun ein paar Fans lautstark einen bestimmten Titel fordern…?
Oh, den spielen wir dann manchmal. (denkt nach, grinst) auf dieser Tour kam’s tatsächlich ein paar Mal vor. Kompletten Beitrag lesen …

26. Oktober 2007

Plakativ: José González auf Deutschlandtour

 Das Urprinzip des Lebens ist seine Vergänglichkeit. Philosophie und Religion leiten daraus unterschiedliche Schlüsse ab, jeder von uns bewältigt diese zentralen Fragen mit eigenen Antworten. Auch der schwedische Songwriter José González mag sich damit auseinandergesetzt haben. Sein neues Album „In Our Nature“ entspinnt mit atmosphärischen Akustiksongs und seiner ganz eigenen kreidenen Stimme einen melancholischen Grundton.

 Im November kommt er nach langer Liveabstinenz wieder auf Deutschlandtour.

  • 12.11. Berlin, Kino Babylon
  • 13.11. Hamburg, Knust
  • 14.11. München, Atomic Café
  • 19.11. Köln, Gloria

Um das gebührlich zu feiern, hat sich die kleine Konzertagentur etwas Besonderes ausgedacht. Das Vanitas-Thema des Albumtitels wird in speziall angefertigten und strikt limitierten Tourplakaten aufgenommen.  Die Berliner Künstler und Typografen Björn Wiede und Stefan Guzy erfanden dazu im Labor eine ganz spezielle Druckfarbe auf der Basis von Eisenpulver.

Per Siebdruck gedruckt, lassen Luft und Wasser die Plakate unterschiedlich oxidieren.  Das Papier rostet. Erst nach und nach legt dieser Farbumschwung ins Bräunliche Teile der Typografie frei, die auf einer eigens für dieses Plakat entworfenen Schrift “Heinemann” basieren.

 Die Plakate, die diese Prozedur unbeschadet überstehen, werden am Schlusspunkt ihrer Oxidationsphase auf den vier Deutschland-Konzerten verkauft. Eine geniale Idee, eine intelligente Umsetzung des Themas und sicherlich ein außergewöhnlich schönes Souvenir von bestimmt genau so schönen Konzerten.

 
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