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Foto nordische Landschaft

19. November 2011

Alle Jahre wieder: Nordische Weihnachten im »Süden« 2011


Lucia-Weihnachtsmarkt, Kulturbrauerei (Berlin) © Foto: Jochen Loch

Wer nordische Weihnachten erleben will, hat auch im Jahr 2011 die Wahl zwischen dem Berliner Lucia-Weihnachtsmarkt und den bereits fest etablierten finnischen Weihnachtsdörfern in Stuttgart, Hannover oder Leipzig. Ferner gibt es diverse mehrtägige nordische Weihnachtsbasare, wie in Frankfurt oder Hamburg.

Lucia Weihnachtsmarkt in Berlin

Alle Jahre wieder… gibt es den Lucia Weihnachtsmarkt in Berlin: 2011 gastiert er von Montag,  21. November bis Sonntag, 22. Dezember in der Kulturbrauerei (Prenzlauer Berg). Das burgartige Bauensemble der Kulturbrauerei mit seinen Höfen ist die malerische Kulisse für diese kleine nordische Weihnachtswelt, die jeden Tag ein kulturelles Programm bietet.

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14. November 2011

Indian Trails: Glücklichsein, hier und jetzt

»Nein wie putzig!« denkt man sich. Da bitten drei fast noch minderjährige Nachwuchs-Indierocker namens Indian Trails via Twitter dringlich um Beachtung, und da man dem musikalischen Nachwuchs aus der Skispringermetropole Lahti grundsätzlich wohlwollend gegenübersteht, will man den Jungs den Gefallen gerne tun und offene Ohres in ihre Musik hineinhorchen. Nur: Das Medium ist der Botschaft vorausgeeilt, und auf Soundcloud findet sich zunächst nicht mal ein einziger Soundschnippsel aus dem kreativen Schaffen der Jungspunde. »Na prima, erst neugierig machen und dann im Regen stehen lassen«, denkt man amüsiert. Jungs, kommt mal bald zu Potte!

Es gibt inzwischen aus dem Indian-Trails-Land gleich zwei gute Nachrichten: Jawohl, Vollzug!, der Song »Light Cuts Shapes Sharp« steht zum Anhören bereit, und ja, er benötigt genauso wie die Jungs ein bisschen Anlaufzeit, aber dann macht er gleich viel Spaß und gehörig Tanzlust. Die drei jungen Herren wissen offenkundig, wie man Refrains mit hohem Wiederkennenungswert schreibt, und mit flotten Tempowechsel eine schöne Dynamik erzeugt, Respekt. Kommen cool daher, aber pflegen eine übermütige Verspieltheit, die dann doch mit einer Schuhspitze im Poplager steht. Mögen die großen Vorbilder zehn Mal Strokes oder Mando Diao heißen. Zwischen den Noten klingen Indian Trails dezidiert dicklippig britisch oder schottisch, sagen wir laut Fratellis und ganz leise Oasis. Und ureigentlich geht es hier ums Lebendigsein, ums Glücklichsein, hier und jetzt. »Cannot tell how happy I am – here, there and now«.

Light Cuts Shapes Sharp by Indian Trails

Im finnischen Indiepopland giibt es im Spätherbst 2011 auch noch andere musikalische Neuentdeckungen zu machen. Nicht nur in Lahti tut sich etwas, auch anderswo. Fortsetzung folgt. Versprochen!

11. November 2011

Neckbreakers Ball 2011: Dark Tranquillity im Stuttgarter LKA

… alle Monate wieder feiern Rockthenation im Stuttgarter LKA ein Festival: Nach dem Heidenfest Anfang Oktober locken am 7. November 2011 die Doppelheadliner Dark Tranquillity / Eluveitie Freunde härterer Klänge in die Landeshauptstadt.

Leider haben im Vorfeld die angekündigten Death Angel abgesagt – die Westküsten-Metaller touren wohl lieber mit Anthrax und Testament) – und wurden nur notdürftig durch die Schweizer mit dem »lustigen« Namen Gurd ersetzt. Geplant hatte ich nach den finnischen Omnium Gatherum und Gurd rechtzeitig zum Auftritt der dänischen Mercenary da zu sein; doch dank widriger Umstände kam ich erst zur Umbaupause für den Auftritt Vargs.

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30. Oktober 2011

The Aftermath: Ein letzter Blick zurück auf Iceland Airwaves 2011

Lange schon wieder zurück aus Reykjavik vom schönsten Festival von allen, von Iceland Airwaves. Die großen Nachwellen verplätschern ganz langsam, aber immer noch tauchen Fragmente und Bruchstücke auf. Und man denkt »schade, dass ich diese Band nicht live gesehen habe!« beim genussvollen Hineinhören in all die Alben, die man einfach kaufen musste, weil sie einem unwiderstehlich anlachten oder weil Freunde Empfehlungen ausgesprochen hatten. Vor allem läuft derzeit, passend zum Beginn der Winterzeit, der schwerelose Traumtänzerpop von Vigri, einem Rekjaviker Quintett, das auf Katzenpfoten daherkommt. Und feierliche, feine, graublaue Stimmungsbilder malt, in denen die hektische Welt allmählich zum Stillstand kommt und die Glocken der Hallgrímskirkja in Reykjavik den Abend einläuten. Vigris Debütalbum »PINK BOATS« ist bereits im Sommer in Eigenregie erschienen, und bezieht sich auf eine Vision der Band: Eigentlich sollte die rote isländische Abendsonne doch alle weißen Boote auf dem Meer rosa färben!

Vigri – Sleep from Iceland Music Export on Vimeo.

Und schade, dass ich den heftigeren Tönen von Vicky nicht live gelauscht habe, dem stylish-coolen Mädelspunkpop in Dunkelschwarz für die Stunden nach Mitternacht, voller heftiger Ausbrüche und hysterischem Retro-Appeal. Wie zu hören war, spielen die Enkelinnen von Grace Slick und Siouxie Sioux eine krachige Show. Fehlte gerade noch, dass sie die Peitschen schwingen!

Vicky – Feel Good from Iceland Music Export on Vimeo.

Schade, dass ich Ólafur Arnalds im Nordic House verpasst habe, wo er vor einem knallevollen Saal eine einfühlsame Performance gegeben hat, wie glaubhaft geschildert wurde. Aber das ist eben das Verflixte an Airwaves: Einfach unmöglich, an zwei oder drei Orten gleichzeitig zu sein! Wer sich via Konzertfotos einen Eindruck vom Festival bilden will, dem seien die Aufnahmen des befreundeten Fotografen Florian Trykowski ans Herz gelegt, der in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei war und dessen Fotos ich hier auch verwenden darf. Am einfachsten Stöbern auf seiner Facebook-Seite!

Nun, aber es war ja nicht so, dass der letzte Airwaves-Tag anm Sonntag so ganz ungenutzt vorbeistrich! Noch ein letztes Mal im KEX vorbeigeschaut und den Postrockern Miri gelauscht, die auf unberechenbare Weise auf der Bruchkante zwischen Rock, Country, Blues und experimentellem Erkunden balancieren und immer für selbstironisch glitzernde Überraschungen gut sind. Wenn man nicht selbst über sie lachen muss, denn der Bassist sieht genauso aus, wie sich die kleine Lea-Sophie einen Wikinger vorstellt, ein Trumm von einem Kerl mit wildem Bart und wallendem blonden Haupthaar. Der Gitarrist hoppst im schlimmsten 70er-Jahre-Style-Unterhemd über die Bühne, das Muster macht sprachlos vor Entsetzen.

Lieber denkt man da an die traditionelle Sause am Samstag in der Blauen Lagune zurück, wo traditionell der größte Teil der Festivalgäste zu Club-Musik im heißen blauen Wasser suhlt!

Entspannt ausklingen lässt sich der Nachmittag im neuen Konzerthaus Harpa, wo Hellvar im Foyer aufspielen und samtpfötig-akustisch daherkommen, so dass man glauben könnte, diese braven Folkpopper könnten kein Wässerchen trüben! Weit gefehlt: Sängerin Heiða Eiríksdóttir und ihre Kollegin Alexandra mögen zwar an diesem Nachmittag buntbestrumpft im Röckchen daherkommen und und hymnisch-harmonisch singen, aber eigentlich sind Hellvar eine Rockband, wie am Titel ihres ersten Albums »BAT OUT OF HELLVAR« unschwer zu erkennen ist, das übrigens im fernen Berlin aufgenommen wurde. An diesem Nachmittag mit dem famosen Sonnenuntergang vor den Fenstern aber lassen wir uns von den Isländern die Seele streicheln.

Graffiti in Reykjavik from Jessie on Vimeo.

Abends nochmal tüchtig die Ohren durchpusten lassen mit dem Berserker-Postrock von We Made God, der sich vor lauter Lust an der gewalttätigen Form der Revolte gleichwohl nicht nehmen lässt, auch die gefühligen Zwischentöne anzustimmen und zwischendurch kurzzeitig ins Träumen zu verfallen. An diesem Abend im Punkclub aber sind die Jungs auf Krawall gebürstet. Um die Stimmbänder des Sängers muss man sich ernsthafte Sorgen machen! Lieber das Festival ganz zum Schluss mit dem majestätisch coolen Reggae von Hjálmar ausklingen lassen, die streng genommen nicht im offiziellen Programm vertreten sind, aber eben Off-Off-Venue spielen. Reykjavik ist heute zu später Stunde ein Stadtteil von Kingston, entspannt und lässig. Das gesamte isländische Publikum singt mit, wippt mit, das Bier fließt in Strömen, das Kondenswasser läuft von den Wänden, und irgendwann wankt man erschöpft und glücklich gen Bett und zuckt immer noch mit den Hüften.

I gegnum moduna from Hjálmar on Vimeo.

(Fotos: ©floriantrykowski.com)

16. Oktober 2011

We´ll be singing songs! Iceland Airwaves 2011

Wie wunderbar! Eine Band genau dort ankommen zu sehen, wo sie hingehört: In einen Saal mit bester Akustik und um die 500 aufmerksam lauschenden und leicht zu euphorisierenden Zuhören. Auf der Bühne: Vier junge Dänen mit verklärten Gesichtern: Treefight For Sunlight. Die Größe des Raums kommt dieser bewusst dick aufgetragenen, sentimentalen Reise durch plüschige Emotionen ungemein entgegen. Ihre Glitzerball-Discohymne »What Became Of You And I« tönte hier dem Iceland-Airwaves Festival vor Konzertbeginn aus jedem zweiten Lautsprecher. Treefight For Sunlight haben hier endlich den Raum, ihren Falsett-Schöngesang sich majestätisch entwickeln zu lassen. Und sie nutzen ihn mit Verve. »Ach, so muss das richtig klingen!«, denkt man erstaunt, wenn man die Band bislang nur in kleinen Clubs mit niedrigen Decken erlebt hat. »We´ll be singing songs!« , stellten die Dänen so einfach wie selbstverständlich klar.Der große Saal im Harpa kocht über, als Treefights mit ihrem Cover von Kate Bushs »Wuthering Heights« überraschen und singt textgenau mit. Selbst diejenigen, die 1978 noch lange nicht geboren waren! Überhaupt ist der Airwaves-Samstag der Tag der Dänen.

Denn ganz spät zettelt die blutjunge dicke-Lippe-Retropunktruppe Iceage im bereits schweiß- und biertriefenden Club Gaukur Á Stöng mächtig Randale an mit ihrer präzisen und gleichzeitig anarchischen Mischung aus Old-School-77, Goth und Hardcore. Kein Song, der die Drei-Minuten-Grenze überschreitet. Kein Song, in dem sich der Dennis-The-Menace-Wiedergänger-Sänger nicht bis zum völligen stimmlichen Ruin verausgabt. Zeit zum Atemholen bleibt nicht, hier geht es aufs Ganze, scheppernd, kraftvoll, unerwartet dicht. Widerstand umöglich. Der halbe Club pogot, Stagediving ist wegen der niedrigen Decke lebensgefährlich. Gegen diese aufmüpfige Oberschultruppe wirken die Toten Hosen wie Miss Sophie und ihr Butler James.

Iceage – Youre Blessed from iceage on Vimeo.

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