21. Mai 2006
Punktsieg Kanada
Auch wenn die Schweden die Kanadier jetzt bei der Eishockey-WM 5:4 vom Eis gefegt hat: Bei den Singer-Songwritern geht der Punktsieg der Woche eindeutig an Kanada.
Zwei Konzerte im kleinem Rahmen in Rhein-Main. Den Anfang macht der Schwede Björn Kleinhenz im 603 qm in Darmstadt. Linkisch, schlaksig, den Kopf fast zwischen den Schultern versteckt, betritt er díe Bühne. Schnallt sich die Akkustikgitarre um und beginnt. Langsame, introvertierte Songs, die nicht zu fern von Kristoffer Åström sind, aber denen der eigene Ausdruck noch ein wenig fehlt. Kleinhenz ist im Zwiegespräch mit sich, das Publikum nimmt er nur schüchern wahr. Eigenartig temperamentlos. Der Funke will an diesem warmen Frühlingsabend nicht recht überspringen, auch wenn das Publikum freundlich applaudiert und geduldig ausharrt. Ganz nett, das Ganze, aber nicht weiter bemerkenswert, was Herr Kleinhenz hier bietet. Und ohne Zugabe zu verschwinden gibt sowieso Abzüge in der B-Note.
Ganz anders sieht die Sache bei Owen Pallett aka Final Fantasy aus Toronto aus, der im kleinen Theatersaal des Frankfurter Mousonturms auftritt. Die Violine unter den Arm geklemmt, springt er in Socken auf die Bühne. Spielt eine Melodie. Sampelt diese. Legt noch eine drüber. Sampelt. Entwirft neue Klangrhythmen mit der Geige und fängt an, mit klarer, sicherer Stimme über Phantasiewelten und die Widrigkeiten des Alltags zu singen. Feinfühlig begleitet von einer jungen Asiatin, die über Overhead-Projektor fantasievolle Scherenschnitte zu den Songs entwirft, die im Hintergrund tanzen. Spätestens nach dem dritten Stück sind alle Frau und Mann im Publikum in den zarten jungen Mann mit dem unordentlichen Haarschopf verliebt. Was Pallett aus seiner Violine herausholt macht Staunen: Manchmal klingt sie wie eine Harfe, dann nah am Drumcomputer und dann wieder wie die großen Romantiker des 19. Jahrhunderts. Dazu der jungenhafte Charme von Pallett, der gekonnt mit dem Publikum flirtet, mal haucht, mal schreit, mal troubadourhaft schmachtet. Die Frankfurter wollen ihn kaum von der Bühne lassen. Wunderbar! Immer noch lächelnd trollen wir uns nach Hause.


Wie kann man nur so gemein sein?! Da schickt ein netter Geist aus Schweden mir ein kleines, schmales Paket, und ich mache es auf, und dadrinne ist etwas Neues von der wunderbaren Britta Persson, und mein Herz macht einen Hüpfer, und alles ist wieder, gut und jetzt kann ich auch wieder Franz Müntefering im Fernsehen ertragen und diesen Kauder und all die anderen Gangster, weil ich habe ja etwas Neues von Britta Persson, der Wunderbaren, und ich gucke genauer hin, und ich sehe noch mal und noch mal, und ich putze meine Brille, aber es hilft nichts, es ist und bleibt eine – Single!