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Foto nordische Landschaft

08. August 2016

Hel(l) aktuell XXII: Tuska 2016, Samstag: Wechselhaft

Nicht auszuhalten ist die Sonne am zweiten Tuska-Tag. Heute gibt es endlich eine Sonnenbrille. Während die irischen Primordial noch gute 25 Minuten spielen, besorge ich mir eine. Man merkt, dass Samstag ist. Gestern um diese Zeit war nicht so viel los.

Ab ins Zelt vor die Helsinki Stage. Tsjuder aus Norwegen ist die erste Band, die wir sehen wollen. Drei mit Corpsepaint beschmierte, martialisch aussehende Typen, die richtig geilen Black-Metal spielen. Eine der besten Bands des gesamten Festivals.

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05. Juli 2016

Die Frau für Sonntagmorgen um fünf: Elin Ivarsson

Schon merkwürdig, über welche Umwege man manchmal über neue Musikerinnen stolpert: Im Fall der schwedischen Chanteuse Elin Ivarsson war es der Newsletter des Frankfurter Yellowstage Sound System, die immer mal interessante Veranstaltungen im Programm haben, auch wenn sie leider, leider, den schönen alten Standort in Rödelheim verlassen mussten. Für mich war das ein historischer Ort, weil ich dort zum ersten Mal die von mir sehr geschätzten isländischen Postrocker For A Minor Reflection hörte, die mir nach dem Konzert schwer ans Herz legten, doch unbedingt mal nach Reykjavík zum Iceland Airwaves Festival zu kommen: Einer der besten Empfehlungen meines Lebens, diesen Herbst fahre ich das achte Mal hin! Ich schweife ab und komme zurück zu Miss Elin: Sie spielt Ende des Monats in Frankfurt in einer mir völlig neuen Location namens Lotte Lindenberg. Ein Tonstudio in Sachsenhausen, ab und zu umfunktioniert zu einer Live-Location. Da sollte man doch mal hin! Und da sage mal einer, Frankfurt sei langweilig!

Natürlich in die Musik der jungen Schwedin mit derzeitigem Wohnsitz in Brighton hereingehört und sehr angetan! Denn Elin Ivarsson ist eine klassisch ausgebildete Gitarristin, die erst spät zur Singer-Songwriterei gefunden hat. Und sie unterscheidet sich von der Masse der langweiligen Klampfenliesen dadurch, dass sie eine begabte Geschichtenerzählerin ist. Und mehr als nur einen Funken Temperament besitzt! Die schrullige kleine Ballade »Sunday 5 AM« a hebt nach gemächlichem Beginn langsam ab und fängt das hochlebendige Maunzen an. Und dann geht doch tatsächlich die Sonne auf! Stimmlich erinnert Elin Ivarsson mitunter ein wenig an die leider aus den Augen geratene Edie Brickell.

Immer nur die gleiche Mär von Herz- und Seelenschmerz, den diese Liedermache(Innen) inszenieren wie eine Kleinstadt-Beerdigung, puuh, wie ist das öde! Lieber auf Alltags-Abenteuerfahrt gehen wie im sehr feinen »No Name«, in dem das Cello die zweite Hauptperson ist. Oder folkig schwelgen in »Laurels«, die Fiedeln auf die Bühne rufen und in Lagerfeuer-Chorgesänge ausbrechen! Elin Ivarssons selbst betiteltes Debütalbum ist im April beim Brightoner Qualitätslabel Hidden Trail Records herausgekommen, wo auch Musiker wie die fabehafte Troubadeuse Roxanne de Bastion vertreten ist. In das Album kann man zur Gänze via Bandcamp hereinhören. Für lange, faule Sommerabende auf dem Balkon zu empfehlen! Und am 22. Juli werde ich mich wohl abends in das geheimnisvolle Lotte Lindenberg aufmachen, um Miss Elin live zu lauschen!

24. Juni 2016

Schwebende Nachdenklichkeit mit Melby

Geschichtenerzählen ist keine Altersfrage. Vielleicht empfindet man auch besonders tief, wenn entscheidende Dinge das erste Mal geschehen. Matilda Wiezell, die Sängerin der schwedischen folk- und psychedelikinfizierten Popsters Melby aus Stockholm, klingt trotz aller Leichtigkeit so, als habe sie in jungen Jahren schon jede Menge Enttäuschungen erlebt. Aber sie ist hörbar entschlossen, sich davon nicht beirren zu lassen, sondern weiter mit offenen Augen (und Ohren!) durchs Leben zu streifen. Und sorgsam mit den Tönen umzugehen. Und mit ihrem Herzen sowieso! Viel hat die junge Band noch nicht vorzuweisen, aber die beiden auf Soundcloud verfügbaren Songs lassen aufhorchen. Das ist anmutiger, melodischer, angenehm nachdenklicher Indiepop, der nicht zu viel will und gerade deshalb überzeugt. Auch weil sich Melby trauen, sowohl englisch als auch schwedisch zu singen. Sich zu früh festlegen, warum auch? Dass die Stimme von Matilda Wiezell einfach wundervoll ist, sei hier nur am Rande bemerkt. Ein Hauch von Melancholie schwingt mit. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann gefällt mir der sehr schwebende, zarte Track »Regnet« am besten, auch wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, worüber Miss Matilda singt. Nur dass es feine, traumverlorene, angenehm nachdenkliche Gedanken sind. Und wer übrigens schon immer wissen wollte, woher das Polarblog seine Inspirationen bezieht: Ich bin ein sehr gropßer Fan von Beehy.pe. Musikalische Schätze, weltweit gehoben von kundigen Bloggern vor Ort. Daher kam schon so mancher Tipp!

14. April 2016

Schwarze Romantik für die Tanzfläche: CHANCVN

Zuerst rätseln wir mal: Wie werden CHANCVN denn bloß ausgesprochen? Tschan-Kuuun, so wird glaubhaft versichert. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnet sich das Trio aus Stockholm mit hohem Hang zum Understatement simpel als Band. Noch Fragen? Konzentrierern wir uns lieber auf die ebenso verletzliche wie intensive Stimme von Sängerin Vanja Steinholtz! Bislang haben die Drei aus der schwedischen Hauptstadt nur ihre erste Single »Heart Out« vorgelegt. Aber die hat es in sich! CHANCVN spielen im dazugehörigen Video gehörig mit Klischees. Leiche entsorgen für Anfänger geht jedenfalls anders! Die in stylishes Dunkelschwarz gekleideten Bandmitglieder tauchen hier mit leichtfüßiger Coolness in den klassischen, angedüsterten Indiepop ab. Unruhig klingen diese Sounds, flehentlich mitunter und auf eine nachtdunkle Art tanzbar. Diese latent melodramatischen Töne könnten den Soundtrack für Situationen bilden, in denen wir gleichzeitig Angst haben und gleichwohl fasziniert sind. Und uns dabei superlenbendig fühlen! Die nervöse Gitarre von Sandra Karlsson und die mitleidlos präszisen Drums von Jesper Svensson bilden hier das angemessen reduzierte Grundgerüst. Mehr brauchen wir nicht, um in hinab in den Mahlstrom gezogen zu werden! Schwarze Romantik für die Tanzfläche, das!

03. April 2016

Euphorie im Straßenköter-Style: Sweden

Sweden ist kein unbedingt naheliegender Bandname für eine Band, die aus Oslo kommt. Von der Suchmaschinenfreundlichkeit ganz zu schweigen: Wie soll man diese Band in den Tiefen des Netzes finden? Und wenn man dann endlich auf sie stößt, dann gibt es Schwerstarbeit für den Google Translator, denn sämtliche Infos liegen nur auf Norwegisch vor. Aber es lohnt sich! Denn es wird Zeit, dass das Polarblog endlich mal wieder die Tanzstiefelchen auspackt und ins Schwitzen kommt. Fröhlicher Powerpop regiert! Schöne Frauenstimmen und ruhige Töne, alles schön und gut, aber mit einem wilden Glitzern in den Augen durch die Welt steppen, das hat auch etwas für sich! Sweden sind unwiderstehliche Turbo-Träumer, die einen feinen 90er-affinen Sound pflegen und bei aller Rabaukenhaftigkeit durchaus schwelgen und dick auftragen können. Ich sage nur: Kinderstimmen! In Norwegen haben die Fünf, die reichlich Erfahrung in anderen Bandprojekten aufzuweisen haben, nun bereits das dritte Album herausgebracht. Und wir haben noch nie von ihnen gehört! »OH DUSTY« heißt das neueste, sehr feine Werk der Norweger. Wie sich Übermut und Euphorie im Straßenköter-Style anhören: Genau so! Der Track »Just A Kid« ist ein unwiderstehliches Stückchen romantischer Turbo-Pop, mit dem wir auf Schlittschuhkufen beschwingt in den Frühling starten. Kann schon sein, dass diese atemlosen und coolen dicke-Lippe-Töne in der Tradition von Weezer vor einem großen Comeback stehen. Kinderchor und Disco-Orgel: Unbedingt mehr davon!

 
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