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Foto nordische Landschaft

27. Januar 2016

Altmodische Tugenden mit Josefin Öhrn + The Liberation

Keine Angst vor altmodischen Tugenden: Denn Musikern, die den erzcoolen, leidenschaftlichen und präzisen 60ies-Pop mit deutlichem Psychedelik-Rock-Einschlag hochhalten, ist höchster Respekt zu zollen. Vor allem dann, wenn sie nicht bloß als blödaugige Nachahmer daherkommen, sondern dazu noch ihr eigenes Köpfchen haben. Josefin Öhrn aus Stockholm und ihre bestens aufgelegten fünf männlichen Mitstreiter jedenfalls überraschen beim Eurosonic Festival in Groningen mit Lärm, Schweiß und Hingabe. Und bringen es dabei noch fertig, sehr poetisch zu klingen! Kollege Ingo von Nordische Musik wählte das neue Öhrn-Album »HORSE DANCE« unlängst unter seine zehn besten Platten des Jahres 2015 und bescheinigte den Schweden die besten Voraussetzungen dafür, die nächste Hipster-Band zu werden. Auf die sich alle einigen können! Klar, dass ich nach solchen Lobeshymnen neugierig war, die Musikerin und ihre Mannen live zu sehen! Und erstmal laut lachen musste, weil die Band auf den ersten Blick alle Klischees zu erfüllen schien, die so im Kopfe herumschwirrten: Einheitlich in apartes Tiefdunkelschwarz gekleidet, klar! Und natürlich hat Josefin Öhrn lange, schwarze Haare und ist so klein und zierlich wie Joan Jett und Suzie Quatro. Damit enden aber die Gemeinplätze auch schon, denn Miss Öhrn etpuppt sich jenseits der dunklen Ledermontur als empfindsame Träumerin, die gerne zu den Sternen hochguckt und tiefen Gedanken nachhängt. Und dabei unbestreitbar superlebendig ist! Und es schafft, eine nachdenkliche Form der Ausgelassenheit zu zelebrieren. Und Songs mit Sogwirkung hat diese Dame im Gepäck! Allein für den strunzcoolen Bass im wunderbaren Track »Take Me Beyond« könnte man diese Band küssen!

10. Januar 2016

Wegrennen mal anders: de Montevert

Die klassische Szene: Elaine Robinson und Benjamin Braddock rennen in den letzten Szenen von »Die Reifeprüfung” vor der grauenvoll angepassten Erwachsenenwelt davon. Und sitzen schließlich ganz hinten im Bus und schweigen auf die glückliche Art. Und dann setzt Simon And Garfunkels »Sound Of Silence« ein und 98 Prozent von dem, was Singer-Songwriter heute so von sich geben, ist einfach nur langweiliges Klampfen-Tralala im Vergleich. 50 Jahre später sieht die Sache anders aus: Die Absage ans Wegrennen ist die aufregendere Variante. Das bewussste Nein-Sagen zu einem Übermaß romantischer Versprechungen. Und die realisitische Einschätzung, dass der Mensch, der uns zum Wegrennen überreden will, doch nicht so ganz unser Typ ist. Sagt zumindest de Montevert. Dahinter steckt die junge schwedische Musikerin Ellinor Nilsson, die eigentlich ausgebildete Cellistin ist. Aber ihre Leidenschaft für fragile, zart tanzbare Songs entwickelt hat und schon seit einiger Zeit vor sich hin. An kleinen, durchaus vertrackten Tracks, die scheinbar im Lo-Fi-Modus daherkommen, aber sich beim zweiten Hören als durchaus komplex zeigen. Das selbst betitelte zweite Abum erscheint im Februar. Ein erster Vorgeschmack kommt in Form des gefühligen, leicht desillusionierten Streetmovie-Videos zu »Let´s Not Run Away Together«. Ganz klar stehen hier die klare Stimme Nilssons im Mittelpunkt, aber die zurückhaltenden Gitarren entwickeln ihren ganz eigenen Charme! Ein nostalgischer Hauch verlorener Blumenkinder-Romantik liegt über diesem Track. Und irgendwie muss ich hier an Nico denken. Und die wunderbare Balance zwischen Nüchternheit und Schwärmertum. Da wird man einem so schön mürbe ums Her! Die Backing-Vocals stammen hier übrigens von Anna Levander, Sängerin der Neo-Countryband Dolce, in die man durchaus auch hereinhören kann.

02. September 2015

Ach, so introvertiert: Sea Lion

Es kommt schon wieder die Zeit, in der die Dunkelheit jeden Tag früher hereinbricht und man sich mit Vorliebe in die eigenen vier Wände zurückzieht. Das macht Linn Osterberg alias Sea Lion aber auch mitten im Sommer: Sich mit ihrer Gitarre ins Schlafzimmer einschließen und entschleunigte, brüchige kleine Songs aufnehmen. Nur Stimme, Gitarre plus ein Tupfer elektronische Soundeffekte. Nur scheinbar kultiviert die junge Sängerin aus Göteborg eine zerbrechliche Mädchenstimme, die durch einen Windstoß fortgewirbelt werden könnte. Denn es steckt eine trotzige kleine Stärke in diesen intimen, gehauchten Songs. Die uns ganz unmerklich in ihren Bann ziehen. Und eine wunderbare Nachdenklichkeit pflegen.

Über feinste Seelenregungen nachsinnen: Ist sehr poetisch, das! Sea Lion, die sich selbst als absolut introvertiert bezeichnet und Smalltalk hasst, hat dieser Tage beim britischen Qualitätslabel Turnstile Music ihr Debütalbum herausgebracht. Der Titel »DESOLATE STARS« könnte nicht besser gewählt sein! Stand heute abend konnte man dem gesamten Album noch im Stream via Brooklynn Vegan lauschen. Zerbrechliche Töne also zum Herbstbeginn, die gerade dieses kleine bisschen eigenwillig und anderweltlich klingen, dass man lange zuhören mag. Wer hier an Mazzy Star denkt, der liegt schon ziemlich richtig. Denn die in der Bloggerszende verbreiteten Referenzen an Kate Bush werden diesen mitunter leicht ins (Schauer)Märchenhafte abgleitenden Töne nicht ganz gerecht. Sollte es den Stream nicht mehr geben: Auf Soundcloud finden sich einige sehr feine Songs vom ersten Album. Der Track »Room« gefällt in seiner Reduziertheit ausgesprochen gut!

Fotos: Jim Rosemberg

23. August 2015

Summer Breeze 2015, Samstag: Summer Piss

Heute werden wir nicht um sechs Uhr von unseren überaus nervigen Nachbarn geweckt, sondern gnädigerweise erst kurz nach sieben. Anscheinend zeigen drei Tage feiern Wirkung.

Nach Kaffee und Frühstück (Brezel) gibt’s Serum 114 auf der Main Stage zu bestaunen. Na ja, zu staunen gibt es eigentlich nicht viel. Beim dritten Song surft der Sänger samt Gitarre auf den Händen des Publikums. Die Musik ist unspannend und nicht unsere. Zurück ans Zelt. Majesty können wir von unserem Platz aus hören. Es ist, als stünde man direkt vor der Bühne. Unfassbar, dass wir sie aus so weiter Entfernung immer noch perfekt mitanhören müssen.

Danach erleben drei Viertel von uns Old School Thrash vom Feinsten: Suicidal Angels aus Griechenland spielen. Nicht gerade innovativ aber immerhin ein volles Brett.

Suicidal Angels (GR)

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22. August 2015

Donnerstag: Summer Heat statt Summer Breeze – Freitag: Gewitter vs. Summer Breeze 1:0

Es blitzt und donnert,
die Welt geht unter,
doch das Bier bleibt warm,
der Metaller munter.

Donnerstagmorgen holen uns unsere Freunde ab. Schon jetzt hat es 30°C. Zumindest dauert die Fahrt zum Summer Breeze in Dinkelsbühl nicht lange. Nur knapp zwei Stunden später suchen wir uns auf dem V.I.P.-Camping einen Zeltplatz. Schließlich stehen die Zelte, das Auto scheint sicher geparkt zu sein – und das erste Bier ist zum Glück noch kalt. (AdR: Das zweite, dritte, … übrigens auch)

Aus der Ferne lauschen wir Corvus Corax und Tankard. Wir begeben uns auf den Weg zu den Bühnen als Die Apokalyptischen Reiter gerade beginnen. Freunde, die schon Mittwoch anreisten, warten bereits auf uns. Doch zunächst finden wir sie in der Menge nicht, schon jetzt ist wahnsinnig viel los. Auch am Bierstand kein Glück: langsamer und unproduktiver als diese Typen arbeiten nur Beamte. Nach 15 oder 20 Minuten gebe ich genervt auf. Also kein Bier – fürs Erste. Unsere Freunde finden uns im Getümmel. Herzliche Begrüßung, da wir manch einen schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Destruction legen los, aber wirklich interessant sind sie für uns nicht. Auf dem Weg zum Pavillon unserer Freunde hören wir auf der Camel Stage noch bei Nachtgeschrei rein.

Nach einigen Bieren auf dem Campinggelände gehe ich mit meinem Bruder zu Dornenreich vor die T-Stage. Mir gefallen die Österreicher, auch das Zelt ist gut besucht, während sich der Rest Sodom anschaut. Beim Versuch zwei Biere zu kaufen, ertappe ich mich dabei nicht mehr rechnen zu können: Ich will neun Euro bezahlen, aber der Verkäufer beharrt darauf elf Euro zu bekommen. Leider hat er Recht und nicht ich.

Destruction (D)

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