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Foto nordische Landschaft

24. Juni 2016

Schwebende Nachdenklichkeit mit Melby

Geschichtenerzählen ist keine Altersfrage. Vielleicht empfindet man auch besonders tief, wenn entscheidende Dinge das erste Mal geschehen. Matilda Wiezell, die Sängerin der schwedischen folk- und psychedelikinfizierten Popsters Melby aus Stockholm, klingt trotz aller Leichtigkeit so, als habe sie in jungen Jahren schon jede Menge Enttäuschungen erlebt. Aber sie ist hörbar entschlossen, sich davon nicht beirren zu lassen, sondern weiter mit offenen Augen (und Ohren!) durchs Leben zu streifen. Und sorgsam mit den Tönen umzugehen. Und mit ihrem Herzen sowieso! Viel hat die junge Band noch nicht vorzuweisen, aber die beiden auf Soundcloud verfügbaren Songs lassen aufhorchen. Das ist anmutiger, melodischer, angenehm nachdenklicher Indiepop, der nicht zu viel will und gerade deshalb überzeugt. Auch weil sich Melby trauen, sowohl englisch als auch schwedisch zu singen. Sich zu früh festlegen, warum auch? Dass die Stimme von Matilda Wiezell einfach wundervoll ist, sei hier nur am Rande bemerkt. Ein Hauch von Melancholie schwingt mit. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann gefällt mir der sehr schwebende, zarte Track »Regnet« am besten, auch wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, worüber Miss Matilda singt. Nur dass es feine, traumverlorene, angenehm nachdenkliche Gedanken sind. Und wer übrigens schon immer wissen wollte, woher das Polarblog seine Inspirationen bezieht: Ich bin ein sehr gropßer Fan von Beehy.pe. Musikalische Schätze, weltweit gehoben von kundigen Bloggern vor Ort. Daher kam schon so mancher Tipp!

14. April 2016

Schwarze Romantik für die Tanzfläche: CHANCVN

Zuerst rätseln wir mal: Wie werden CHANCVN denn bloß ausgesprochen? Tschan-Kuuun, so wird glaubhaft versichert. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnet sich das Trio aus Stockholm mit hohem Hang zum Understatement simpel als Band. Noch Fragen? Konzentrierern wir uns lieber auf die ebenso verletzliche wie intensive Stimme von Sängerin Vanja Steinholtz! Bislang haben die Drei aus der schwedischen Hauptstadt nur ihre erste Single »Heart Out« vorgelegt. Aber die hat es in sich! CHANCVN spielen im dazugehörigen Video gehörig mit Klischees. Leiche entsorgen für Anfänger geht jedenfalls anders! Die in stylishes Dunkelschwarz gekleideten Bandmitglieder tauchen hier mit leichtfüßiger Coolness in den klassischen, angedüsterten Indiepop ab. Unruhig klingen diese Sounds, flehentlich mitunter und auf eine nachtdunkle Art tanzbar. Diese latent melodramatischen Töne könnten den Soundtrack für Situationen bilden, in denen wir gleichzeitig Angst haben und gleichwohl fasziniert sind. Und uns dabei superlenbendig fühlen! Die nervöse Gitarre von Sandra Karlsson und die mitleidlos präszisen Drums von Jesper Svensson bilden hier das angemessen reduzierte Grundgerüst. Mehr brauchen wir nicht, um in hinab in den Mahlstrom gezogen zu werden! Schwarze Romantik für die Tanzfläche, das!

03. April 2016

Euphorie im Straßenköter-Style: Sweden

Sweden ist kein unbedingt naheliegender Bandname für eine Band, die aus Oslo kommt. Von der Suchmaschinenfreundlichkeit ganz zu schweigen: Wie soll man diese Band in den Tiefen des Netzes finden? Und wenn man dann endlich auf sie stößt, dann gibt es Schwerstarbeit für den Google Translator, denn sämtliche Infos liegen nur auf Norwegisch vor. Aber es lohnt sich! Denn es wird Zeit, dass das Polarblog endlich mal wieder die Tanzstiefelchen auspackt und ins Schwitzen kommt. Fröhlicher Powerpop regiert! Schöne Frauenstimmen und ruhige Töne, alles schön und gut, aber mit einem wilden Glitzern in den Augen durch die Welt steppen, das hat auch etwas für sich! Sweden sind unwiderstehliche Turbo-Träumer, die einen feinen 90er-affinen Sound pflegen und bei aller Rabaukenhaftigkeit durchaus schwelgen und dick auftragen können. Ich sage nur: Kinderstimmen! In Norwegen haben die Fünf, die reichlich Erfahrung in anderen Bandprojekten aufzuweisen haben, nun bereits das dritte Album herausgebracht. Und wir haben noch nie von ihnen gehört! »OH DUSTY« heißt das neueste, sehr feine Werk der Norweger. Wie sich Übermut und Euphorie im Straßenköter-Style anhören: Genau so! Der Track »Just A Kid« ist ein unwiderstehliches Stückchen romantischer Turbo-Pop, mit dem wir auf Schlittschuhkufen beschwingt in den Frühling starten. Kann schon sein, dass diese atemlosen und coolen dicke-Lippe-Töne in der Tradition von Weezer vor einem großen Comeback stehen. Kinderchor und Disco-Orgel: Unbedingt mehr davon!

27. Januar 2016

Altmodische Tugenden mit Josefin Öhrn + The Liberation

Keine Angst vor altmodischen Tugenden: Denn Musikern, die den erzcoolen, leidenschaftlichen und präzisen 60ies-Pop mit deutlichem Psychedelik-Rock-Einschlag hochhalten, ist höchster Respekt zu zollen. Vor allem dann, wenn sie nicht bloß als blödaugige Nachahmer daherkommen, sondern dazu noch ihr eigenes Köpfchen haben. Josefin Öhrn aus Stockholm und ihre bestens aufgelegten fünf männlichen Mitstreiter jedenfalls überraschen beim Eurosonic Festival in Groningen mit Lärm, Schweiß und Hingabe. Und bringen es dabei noch fertig, sehr poetisch zu klingen! Kollege Ingo von Nordische Musik wählte das neue Öhrn-Album »HORSE DANCE« unlängst unter seine zehn besten Platten des Jahres 2015 und bescheinigte den Schweden die besten Voraussetzungen dafür, die nächste Hipster-Band zu werden. Auf die sich alle einigen können! Klar, dass ich nach solchen Lobeshymnen neugierig war, die Musikerin und ihre Mannen live zu sehen! Und erstmal laut lachen musste, weil die Band auf den ersten Blick alle Klischees zu erfüllen schien, die so im Kopfe herumschwirrten: Einheitlich in apartes Tiefdunkelschwarz gekleidet, klar! Und natürlich hat Josefin Öhrn lange, schwarze Haare und ist so klein und zierlich wie Joan Jett und Suzie Quatro. Damit enden aber die Gemeinplätze auch schon, denn Miss Öhrn etpuppt sich jenseits der dunklen Ledermontur als empfindsame Träumerin, die gerne zu den Sternen hochguckt und tiefen Gedanken nachhängt. Und dabei unbestreitbar superlebendig ist! Und es schafft, eine nachdenkliche Form der Ausgelassenheit zu zelebrieren. Und Songs mit Sogwirkung hat diese Dame im Gepäck! Allein für den strunzcoolen Bass im wunderbaren Track »Take Me Beyond« könnte man diese Band küssen!

10. Januar 2016

Wegrennen mal anders: de Montevert

Die klassische Szene: Elaine Robinson und Benjamin Braddock rennen in den letzten Szenen von »Die Reifeprüfung” vor der grauenvoll angepassten Erwachsenenwelt davon. Und sitzen schließlich ganz hinten im Bus und schweigen auf die glückliche Art. Und dann setzt Simon And Garfunkels »Sound Of Silence« ein und 98 Prozent von dem, was Singer-Songwriter heute so von sich geben, ist einfach nur langweiliges Klampfen-Tralala im Vergleich. 50 Jahre später sieht die Sache anders aus: Die Absage ans Wegrennen ist die aufregendere Variante. Das bewussste Nein-Sagen zu einem Übermaß romantischer Versprechungen. Und die realisitische Einschätzung, dass der Mensch, der uns zum Wegrennen überreden will, doch nicht so ganz unser Typ ist. Sagt zumindest de Montevert. Dahinter steckt die junge schwedische Musikerin Ellinor Nilsson, die eigentlich ausgebildete Cellistin ist. Aber ihre Leidenschaft für fragile, zart tanzbare Songs entwickelt hat und schon seit einiger Zeit vor sich hin. An kleinen, durchaus vertrackten Tracks, die scheinbar im Lo-Fi-Modus daherkommen, aber sich beim zweiten Hören als durchaus komplex zeigen. Das selbst betitelte zweite Abum erscheint im Februar. Ein erster Vorgeschmack kommt in Form des gefühligen, leicht desillusionierten Streetmovie-Videos zu »Let´s Not Run Away Together«. Ganz klar stehen hier die klare Stimme Nilssons im Mittelpunkt, aber die zurückhaltenden Gitarren entwickeln ihren ganz eigenen Charme! Ein nostalgischer Hauch verlorener Blumenkinder-Romantik liegt über diesem Track. Und irgendwie muss ich hier an Nico denken. Und die wunderbare Balance zwischen Nüchternheit und Schwärmertum. Da wird man einem so schön mürbe ums Her! Die Backing-Vocals stammen hier übrigens von Anna Levander, Sängerin der Neo-Countryband Dolce, in die man durchaus auch hereinhören kann.

 
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