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Foto nordische Landschaft

16. Mai 2006

The Real Emo

»You're a bitch-talking motherfucker,
You’re the worst cock sucker
Swore that you were true to me
Yeah – in my dreams«

Daniel Cirera lässt es raus. Ohne viel Selbstmitleid, aber auch ohne Explosion. Ein Mann mit Gitarre, der tun muss, was er tun muss! Von seiner eigenen Freundin hintergangen versucht er mit Schmerz und Herz und simplen Worten fertig zu werden. »Motherfucker Fake Vegetarian Ex-Girlfriend« heißt seine erste Single, die ihm nicht viel Airplay auf der ganzen Welt einbringen sollte – wer mag schon Songs, die aus einem Dauerpiepen bestehen? Aber ohne  Zensur steht unter dem Strich ein tagebuchvolles Album mit Geschichten, die jeder kennt. Manchmal explizit, aber doch so nah, dass seine Privataufnahmen schnell in seinem Freundeskreis die Runde machten.  Und so universell, dass bestimmt die Ex inzwischen schon demonstrativ mit anderen Männern direkt vor Daniels Augen rumknutscht. Damit auch noch genug Material für Album Nummer zwei abfällt…

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Das Debütalbum »Honestly I Love You *Cough*« des spanischstämmigen Schweden erscheint am 30. Juni bei EMI.

http://www.danielcirera.com

12. Mai 2006

Oh, David …!!!

Eigentlich hab ich die Debüt-CD von David Fridlund gar nicht so oft gehört, auch wenn ich überall in der Welt herumposaune, dass es die CD des Jahres werden kann. Doch als ich plötzlich bei David im Konzert stand, kannte ich sie in- und auswendig! Muss also wirklich etwas dran sein, Kinnings!

Und was das für ein Konzert war! 15, vielleicht 20 Leute hatten in der rumpelig-schnuckligen Prinzenbar Platz genommen, aber David und seine wunderbaren Musiker traten auf die Bühne, als seien mindestens hundertmal so viele Gäste anwesend. Ach, war das hübsch. Ganz dicht und engagiert spielten die vier ihre Songs, probten einiges neues und was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, was für Pranken David hat, wenn er sein Klavier bearbeitet, dabei hat er ganz zarte Hände …

Eigentlich wollte ich vorher noch ein Interview mit ihm machen, allein an diesem Tag brach sich unser Kind den Arm und ich konnte einen tiefen und zeitintensiven Einblick in unser Gesundheitssystem haben, aber das wäre jetzt eine andere Geschichte …

11. Mai 2006

Hitsen Från Blitzen – der wahre Schwedenpop

 Wie die kleingeholzten Wälder, die palettenweise und äußerst platzsparend gestapelt in den blaugelben Wellblechbunkern neben den urschwedischen 1-Euro-Hotdogs weltweit feilgeboten werden: Schwedische Musik ist immer Exportprodukt. Schweden singen Englisch, weil unterm Strich bei allen Elchsalami-Essern, Nordkap-Anglern und Schwarzbrennern gerade einmal so die läppische (samt lappische) neun Millionen Marke geknackt wird. Und auch weil selbst bei relativem Erfolg, großausgedehnten Touren durch sämtliche Provinzen die durchschnittlichen Verkäufe und Toureinnahmen nicht reichen, um die wackelbeinige Existenz des Musikerdaseins ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Das Ausland lockt derweil mit Sympathiekärtchen für Schwedenpop – da liegt die Versuchung nicht fern, mit englischen Texten die Geldbörsen aus den Hintertaschen zu locken. Schweden auf Eroberungskurs!

Doch es gibt sie, die Bands, deren kauzige Erstsprache mit den vielen verschluckten Endungen einfach Bestandteil ihres Klangguts ist. Schweden singen Schwedisch! Allerdings versteckt der wahre Schwedenpop sich ein bisschen und ist hoffnungslos in der Unterzahl. Gerade einmal die männliche Hälfte von Roxette, Per Gessle, mit seiner reanimierten Band Gyllene Tider schafft es, mit dem ewigen Sommerhit »Sommartider« und Alben wie »Moderna Tider« die Kassen zum klingeln und die Stadien zum Mitgröhlen zu bewegen. 25 Jahre dauern die Goldenen Zeiten schon an und die Band dürfte inzwischen schon kurz vor der »Goldenen Nase« stehen.

Aber in einem Land, wo 300 staatliche Musikschulen zur Folge haben, dass fast jeder Zweite ein Instrument beherrscht und das öffentliche Interesse an Musik ist nicht wie in Deutschland nur Randthema ist, sondern wirtschaftliche Interessen mit einem ausgeprägten kulturellen Empfinden verbindet, gibt es mehr zu entdecken!

Kompletten Beitrag lesen …

10. Mai 2006

Sach ma’ Mama

Der folgende Beitrag fällt in die journalistisch höchst anspruchsvolle, aber auch sehr bedenkliche Rubrik: Wie konstruiere ich am geschicktesten einen Zusammenhang, wo eigentlich gar keiner ist. Dabei war ich gestern echt bei einem unter dem Studentenpack sehr verbreiteten schwedischen Bekleidungshersteller, dessen zwei große Buchstaben hier nur eine Überleitung zu diesem köstlichen Dialog gestern in der Dortmunder U-Bahn, Linie U47, liefern sollen. Opa und Oma waren mit ihrem ca 12jährigen Enkel einkaufen und saßen gegenüber.

Opa zum Kind "Sach ma' Mama: das soll sie mit Weichspüler und auf "links" waschen. Kannze dir das merken?"

Oma zu Opa: "Klar kann er sich das merken – is' doch nicht blöd!“

[kurzes Schweigen]

Oma zu Opa: "Ruf du nachher noch mal an!"

[Enkel guckt betreten aus dem Fenster]

09. Mai 2006

Kleb’ dir einen!

Es gehört schon eine Portion Mut dazu, sich hinter den Achtjährigen einzureihen, die den Nachschub für ihre ersten kapitalistischen Erfahrungen auf dem Schulhof besorgen. Einen Podolski gegen vier Holländer oder einen Ronaldinho gegen zwei glitzernde Wappen. Es wird getauscht, was das Zeug hält. WM-Zeit ist Sammelbildzeit!

Manche setzen Geld, manche spielen um gepanschtes Öttinger Radler – ich setze Geld, spiele jeden Dienstag Abend im Tremonia Park Fußball um eine Kiste Radler und stelle mich an diversen Kiosken, die in Dortmund noch immer an jeder Ecke locken, hinten an. Logisch, Nachschub holen.

596 Kästchen gilt es zu füllen, wobei nur 19 der schwedischen Auswahl vorbehalten sind. Die Skandinavier haben es ja bekanntlich verpasst, sich in voller Kompaniestärke für die WM zu qualifizieren und so ruhen die Hoffnungen auf den Gelb-Blauen, die skandinavische Flagge hoch zu halten (na ja, bis Deutschland die Stockholmer Hinterwäldler im Achtelfinale nach Hause schickt … hehe).

Einmal angefixt kann man auch gar nicht mehr anders, als sich an jeder Bude die nächste Tüte zu holen, auch wenn die Leidenschaft die gleichen Unsummen verschlingt, wie ein Kurztrip gen Norden. Aber verdammt, ich brauch' unbedingt noch den Larsson auf der 168. Tausche gegen die blöden Holländer – die hab ich nämlich schon voll!

 
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